# Der Bibelkurs

> Author: Pierre2 · Published: 2011-02-18 · Updated: 2025-09-03 · Language: de

## Erste Lektion - Die Bücher der Bibel

Die Bibel ist eine Sammlung von 73 Büchern, eine kleine Bibliothek, die in einem einzigen Buch enthalten ist. Deshalb nennt man die Bibel „das Buch“, im griechischen „Biblia“ welches „Das Buch“ bedeutet. Das Wort „Biblia“ stammt aus „Biblos“, ein antiker libanesischer Hafen, wo die Handschriften zum ersten Mal nicht mehr in Rollen, sondern in Büchern zusammengelegt wurden. Das Wort Bibel bedeutet also **das Buch** „par excellence“. Die Juden und die Christen sind vor allem im arabisch-moslemischen Raum bekannt, als die „Leute des Buches“ (Ahl el Kitab).

Von den 73 Büchern der Bibel, gehören 46 zum Alten Bund (oder Alten Testament) und 27 zum Neuen Bund. Die Juden anerkennen nur die Bücher des Alten Bundes und betrachten den Bund nicht als „alt“. Sie glauben er sei, trotz ihres mehrfachen Verrats während der Jahrhunderte, von welchen die Bibel berichtet und trotz ihrer Ablehnung von Jesus, dem Messias, immer noch gültig. Die Propheten hatten aber bereits 8 Jahrhunderte **vor** der Ankunft des Messias diesen Bund als gebrochen erklärt (Jesaja 24,5 / Jeremia 11,10 & 31,32). Sie kündigten an, dass Gott einen neuen Bund einführen würde (Jeremia 31,31). Es ist der Bund, der in den Büchern des Neuen Testamentes, in den Evangelien, offenbart ist (siehe Matthäus 26,28 und Lukas 22,20). Die Christen glauben an die 46 Bücher des Alten Bundes (betrachten diesen Bund jedoch als überholt) und an die 27 Bücher des neuen Bundes, welcher durch das Martyrium Jesus gegründet wurde.

Die Bibel teilt sich also in zwei grosse Teile auf: Die Bücher des alten Bundes und diejenigen des Neuen Bundes. Um die Bedeutung und die Notwendigkeit des Neuen Bundes - neu durch seinen Geist und durch die Offenbarung des **wahren Gesichts** Gottes - zu begreifen, muss man die Bücher des Alten Bundes verstanden haben.

**Der alte Bund**

Die 46 Bücher des alten Bundes können in 3 Gruppen aufgeteilt werden:

1. **Die historischen Bücher**:  
    Sie erzählen die Geschichte der Erschaffung der Erde (Buch Genesis), diejenige von Abraham und den Juden bis ca. 130 Jahre vor Chr., d.h. bis zu Beginn des Einflusses des römischen Reiches im Nahen Osten und besonders in Palästina (siehe 1 Makkabäer 15,15-24).  
    Es sind 21 Geschichtsbücher.
2. **Die Bücher der Lehrweisheit**:  
    Es sind Bücher der Weisheit und einer hohen Moral. Die Schreibweise ist oft poetisch. Sie enthalten Ratschläge und innige Gebete, die spontan aus einem von Gott inspirierten Herz entspringen. Sie lehren uns, wie wir uns dem Schöpfer zuwenden sollen.Es sind insgesamt 7 Bücher.
3. **Die prophetischen Bücher**:  
    Jedes erzählt vom Propheten von welchem das Buch den Namen trägt und berichtet über seine Worte und sein Zeugnis.  
    Es sind 18 Bücher.

**Der neue Bund**  
Die 27 Bücher des Neuen Bundes lassen sich in 3 Gruppen aufteilen:

1. Die 4 Evangelien und das Buch der Apostelgeschichte.
2. Die 21 Briefe (genannt Epistel vom lateinischen Epistola), die durch die Apostel den ersten Christen gesandt wurden.
3. Das Buch der Apokalypse.

Jedes Buch der Bibel ist in Kapitel und die Kapitel sind in Verse unterteilt. In allen Übersetzungen sind die Kapitel und Verse gleich. Dies erleichtert die Angabe der Referenzen.

Zum Beispiel: Genesis 12,3 bedeutet Kapitel 12, Vers 3 des Buches der Genesis.

Die fünf ersten Bücher der Bibel haben eine spezielle historische Bedeutung. Es sind: die Genesis, der Exodus, der Levitikus, die Numeri und das Deuteronomium. Suche sie in der Bibel. Die Juden nennen sie „Ha Torah“ (die Torah), was auf Hebräisch „das Gesetz“ bedeutet. Wenn in den Evangelien die Rede von dem Gesetz ist, dann sind diese Bücher gemeint (Johannes 1,45). Die Christen nennen sie der Pentateuch, von dem griechischen „Penta“ –bedeutet 5- und „teuki“ -bedeutet Buch oder Rolle- denn die Bibel wurde früher auf Lederrollen geschrieben. Der Leser öffnete nach und nach die Rolle beim Lesen.

| ![](/pictures/cb_rouleaux.jpg "Rouleaux")  Beispiel Schriftrolle |
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Heute besitzen wir dank der Druckerei die ganze Bibel in einer handlichen Grösse. In der Vergangenheit war jedes Buch von Hand durch spezialisierte Schriftgelehrte geschrieben. Einige Bücher der Bibel, z.B. das Buch der Genesis oder Jesaja, benötigten mehrere Schriftrollen. Niemand konnte alle heiligen Schriften besitzen. Diese waren im Tempel von Jerusalem und in einigen Synagogen aufbewahrt und wurden gelehrt, gelesen, konsultiert oder diskutiert. Einige Bücher sind vom Umfang her sehr klein und füllen kaum eine Seite von unseren modernen Büchern. Man nennt sie trotzdem „Buch“ auch wenn sie nur eine Seite ausmachen (das Buch des Propheten Odadja, der Brief von Juda und die 2 letzten Briefe von Johannes).

Versuche ein Schema über die Struktur der Bibel zu zeichnen damit du einen Überblick davon bekommst. Dies wird dir beim späteren Suchen helfen, insbesondere, um die Bücher des Alten und des Neuen Testaments zu unterscheiden.

### Die Schriftsteller und die Redaktionsdauer

Es brauchte ungefähr 1000 Jahre um die Bibel von der Genesis bis zur Offenbarung zu schreiben. Im 10 Jhd.v.Chr. begann man sie zu schreiben, und Johannes schrieb sein Evangelium und seine Offenbarung 95 n. Chr. Er ist der letzte biblische Schriftsteller.

Da die Bibel in 1000 Jahren geschrieben wurde, ist sie das Werk von verschiedenen Autoren, die als „heilige Schriftsteller“ bezeichnet werden. Sie stammen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten. Darunter sind jüdische Priester, Könige, Propheten oder Apostel Christi wie Petrus, der 2 Briefe geschrieben hat und Johannes, der ein Evangelium, 3 Briefe und die Offenbarung geschrieben hat. Sie waren einfache Fischer. Lukas hingegen war als Arzt ein gebildeter Mann. Gewisse heilige Schriftsteller, wie diejenigen der Genesis, der Bücher Samuels und der Könige, sind und werden weiterhin unbekannt bleiben.

Die Schriftgelehrten, die vor der Entdeckung des Buchdruckes die Bibel niederschrieben, waren auf diese Arbeit spezialisiert. Sie kannten die biblischen Texte und die religiösen Gesetze sehr gut. Jesus hat sich gegen diese Schriftgelehrten, die ihn verurteilten aufgelehnt. Denn sie kannten durch ihre Arbeit die prophetischen Texte, die ihn ankündigten. Ihre ablehnende Haltung gegenüber der Botschaft, die durch die Propheten vorausgesagt wurde, war nicht gerechtfertigt und verurteilte sie (Matthäus 23).

Neben der Vielzahl der heiligen Schriftsteller, gibt es nur einen Autor, der sie inspiriert hat und der das biblische Werk in seiner Gesamtheit überwacht hat, nämlich Gott. Der göttliche Geist hat alle Schriftsteller über diese Zeitspanne von 1000 Jahren dazu veranlasst, alles aufzuschreiben, was sie über Gott wussten, über seine Erscheinungen und Äusserungen an auserwählte Menschen, um dadurch seinen Plan zur Erfüllung zu bringen: sich den Menschen bekanntzumachen. Diese Schriftsteller waren manchmal sehr gebildet wie die Propheten Jesaja, Jeremia und Daniel und die Apostel Matthäus, Paulus und Lukas oder einfache Hirten oder Fischer, wie der Prophet Amos und die Apostel Petrus und Johannes. Gott braucht also keine menschliche Kultur, um sich zu offenbaren.

Es gibt also verschiedene menschliche Autoren der Bibel, aber der Hauptautor ist Gott. Gott hat über die Jahrhunderte der Verfassung der Bibel hinweg auf die Erfüllung seines Planes und dessen Niederschrift geachtet, um sich allen Menschen und heute auch dir zu offenbaren. Ebenso gilt dieser Plan für die zukünftigen Generationen bis ans Ende der Menschheit auf Erden. Der Geist Gottes war für die heiligen Schriftsteller auf gewisser Weise vergleichbar mit der Muse des Dichters.

Wir stellen fest, dass die biblischen Schriftsteller die göttlichen Offenbarungen mit einer Genauigkeit und einer Treue darstellten, die sich mit der Zeit und der Erfahrung entwickelten. Es herrschte öfters eine Verwirrung zwischen der göttlichen Offenbarung und dem persönlichen Wunsch des Schriftstellers, zwischen dem was Gott ausdrücken wollte und dem was tatsächlich verstanden wurde. Es braucht dazu Zeit, Erfahrung und Gebet. Es braucht die Reinigung der Seele, um sich zur Absicht Gottes, die unsere allzu materialistischen Absichten weit übersteigt, zu erheben. In der Tat, sagt Gott im Buch Jesaja: „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken… So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Gedanken über eure Gedanken“ (Jesaja 55,8-9).

Je mehr sich die Schriftsteller mit der Sprache Gottes verwandt fühlten, umso mehr erfassten sie den wahren Sinn der Wörter. Gott erlaubte es, dass dieses Unverständnis gegenüber seinem Wort im biblischen Text zum Vorschein kommt. So z.B. nachdem Gott zu Abraham und Moses von der Beschneidung gesprochen hatte, erklärt er sie durch den Propheten Jeremia, als eine Notwendigkeit, **das Herz** und nicht die Vorhaut zu beschneiden (d.h. zu reinigen) (Jeremia 9,25). Allein die Liebe kann das Herz reinigen.

Gott hat sich mit Jesus am besten ausgedrückt. Christus hat die Worte und die wahren Absichten Gottes mit Genauigkeit wiedergegeben. Deshalb wird er im Evangelium (Johannes 1,1) und im Koran (Kap 3, die „Sippe Imrans“, 45; siehe [„Glaubensbetrachtung des Korans“](/de/glaubensbetrachtung-des-korans)) „das Wort Gottes“ genannt. Er insistierte vor Allem auf die Liebe (Matthäus 19,19) und auf die Liebe, die reinigt (Lukas 7,47).

Jesus, das Wort Gottes „par excellence“ ist die Synthese der ganzen biblischen Botschaft. Er ist die lebendige und handelnde Bibel **in uns**, wenn es uns gelingt, Jesus in unser Leben aufzunehmen, um ihn durch uns handeln zu lassen. Wir müssen die Bibel, das Alte und Neue Testament studieren, um Jesus zu kennen und zu verstehen. Dann werden wir begreifen, wie wir den Geist Jesus -der der Geist Gottes ist- in unserem täglichen Leben einführen können.

### Die mündlichen Überlieferung

Abraham lebte 2000 Jahre v. Chr. Die Niederschrift der Bibel begann 1000 Jahre später. In der Zwischenzeit wurde die Geschichte Abrahams den nachkommenden Generationen auf mündliche Art überliefert. Die erste Gemeinschaft der Gläubigen erzählte die Taten vor Vorfahren im Kreise der Familie, wie Gott Abraham und seinen Nachkommen erschien, um sich ihnen zu offenbaren und sie von den Götzen zu entfernen. Diese Geschichten wurden somit während Jahrhunderten von Vater zu Sohn mündlich übertragen. Auf dieser Weise blieben sie in der Erinnerung lebendig. Allerdings wurde mit den Jahren und der mündlichen Überlieferung dieselbe Geschichte mit unterschiedlichen unwichtigen Einzelheiten erzählt. So wurden einige Taten einmal dem Abraham und ein anderes Mal seinem Sohn Isaak zugeordnet.

So entstanden verschiedene mündliche Überlieferungen die leicht voneinander abwichen. Du wirst z. B. dieselbe Geschichte zweimal vorfinden. Das erste Mal wird sie dem Abraham (Genesis 12,10-20) und das andere Mal dem Isaak (Genesis 26,1-11) zugeordnet. Es gibt zwei Geschichten über die Schöpfung in der Genesis. Die erste: Genesis 1,1-Genesis 2,3 und die zweite: Genesis 2,4-25. Du wirst bemerken, wie die Art der Erschaffung in den beiden Erzählungen unterschiedlich ist. So wird z.B. der Mann in der ersten Erzählung **nach** den Pflanzen und Tieren geschaffen. In der zweiten Erzählung wird er **vor** ihnen geschaffen. Der Unterschied in den beiden Geschichten liegt in der Art der Erschaffung, aber es ist immer Gott der **der einzige Schöpfer** ist. Dies ist die wichtige Botschaft, die die Bibel uns übermitteln will. Diese Botschaft wird bis heute von vielen Menschen, die atheistisch bleiben und die Gesamtheit der göttlichen Offenbarung ablehnen, in Frage gestellt.

Welches sind die Gründe für die unterschiedlichen, mündlichen Überlieferungen?

Die Wichtigsten sind:

- Die lange Zeit (viele Jahrhunderte), die zwischen einem Ereignis und dessen Verfassung durch die Schriftgelehrten ablief, erklärt die Tatsache, dass der Betroffene vergessen wurde: waren es Abraham und seine Frau (Genesis 20,1-18) oder Isaak und seine Frau (Genesis 26,1-11)? Dazu unterschieden sich zwei mündliche Überlieferungen. Die Schriftsteller wollten später nichts vernachlässigen und schrieben beide Geschichten nieder. Somit waren alle zufrieden und Einheit herrschte. Man darf darin keine geschichtliche Genauigkeit suchen.
- Die Vielzahl der Erzähler.
- Die Weiterentwicklung der Mentalität der Schriftgelehrten und der Gläubigen.

Die wichtigsten mündlichen Überlieferungen sind:

- Die Tradition der „Elohisten“, bei welcher Gott im ursprünglichen hebräischen Text „Elohim“ genannt wird.
- Die Tradition der „Jahwisten“, bei welcher Gott Jahwe genannt wird.
- Die „priesterliche“ Tradition, die von den Priestern und Leviten eingeführt wurde. Ihre Sturheit und die Beschränktheit ihrer Mentalität sowie ihre Verbundenheit mit dem Kult sind leicht erkennbar. Das Buch Levitikus ist ein gutes Beispiel.

Diese mündlichen Traditionen sollen kein Hindernis für dich sein. Ich erwähne sie nur, damit du einen ersten Eindruck davon bekommst. Somit wirst du gewisse Einzelheiten besser verstehen, wenn Du mit der Lektüre der Bibel beginnen wirst.

Die mündlichen Überlieferungen unterschieden sich im Norden und Süden von Palästina. Die Einwohner waren durch die Heiden der Nachbarländer beeinflusst. Die einen glaubten, die Schöpfung der Welt sei in 6 Tagen vollbracht worden, während andere unterschiedlicher Meinung waren, je nach Überzeugungen der Nachbarländer. Die Juden waren sich aber einig über das Wichtigste. Es gibt nur einen Gott, der alles geschaffen hat und dieser einzige Gott sprach zu Abraham. Diese Offenbarung musste aufbewahrt werden. Die Form der Schöpfung ist minderer Wichtigkeit.

Diese Offenbarung des **einzigen schöpferischen** Gottes unterschied die Juden von den anderen umliegenden Völkern, die zu jener Zeit polytheistisch und Götzenanbeter waren.

Als die religiösen jüdischen Führer sich im 10. Jhd. v. Chr. entschieden, die Offenbarung niederzuschreiben, haben sie die unterschiedlichen mündlichen Überlieferungen übernommen, um die Einheit der jüdischen Gemeinschaft zu gewährleisten. Diese unterschiedlichen mündlichen Überlieferungen helfen uns, die Offenbarung nach dem Geist, nach der Absicht Gottes und nicht nach dem Buchstaben, nach menschlichen und politischen Interpretationen zu verstehen. Du wirst diesen Punkt später beim Studium der Genesis besser verstehen.

### Die Echtheit des biblischen Textes

Seit einigen Jahren wurde die historische Echtheit der biblischen Geschichte in Frage gestellt. Die israelischen Professoren Finkelstein und Silberman, Autoren des Buches „Die aufgedeckte Bibel“ („La Bible dévoilée“ auf Französisch; „The Bible unearthed“ im Englischen) vertreten folgende Meinung: „Es gibt Erzählungen, die ausgehend von Erinnerungen, Details aus alten Gebräuchen, Legenden über den Ursprung der verschiedenen Völker der Region, zusammengeflickt wurden.“

Selbst wenn in der Bibel zitierte Namen von Personen und Orten keinen archäologischen Beweis haben, wurde der **biblische Text** von Gott inspirierten Menschen verfasst, die besorgt darum waren ihre Zeitgenossen geistig zu erheben.

Es ist unsere Sache diese Texte mit Gespür zu lesen, um das Gold zu schöpfen. Die Propheten selbst insbesondere Jeremia, der zur Zeit der Niederschrift der Bibel lebte, hat die lügenhafte Feder der Schriftgelehrten verurteilt (Jeremia 8,8)!

Wie können wir sicher sein, dass der heutige biblische Text mit dem Originaltext übereinstimmt? Gewisse Leute denken, dass die Bibel verfälscht wurde und nicht mehr vertrauenswürdig ist.

Es gibt drei Arten von Argumenten, die für die Echtheit des heutigen biblischen Textes sprechen. Es gibt hingegen keinen Beweis über die Fälschung der Bibel.

#### Die archäologischen Beweise

Die Archäologie hat eine Vielzahl von Texten der heiligen Schrift, des Alten und Neuen Testamentes ausgegraben. Kein literarisches Werk - auch keines der nachbiblischen Zeit - wurde uns anhand von archäologischen Beweisen so treu überliefert wie die Bibel. Wir sind im Besitz von so vielen alten biblischen Manuskripten, dass der Zweifel über die Echtheit des biblischen Textes nicht erlaubt ist.

##### Für das Alte Testament

**Die Rollen vom Toten Meer**

Die wichtigste Entdeckung ist jene der Rollen von „Qumran“ oder „des Toten Meeres“ in Palästina. Diese Lederrollen mit einem grossen Teil des Alten Testaments wurden zufällig in den Höhlen der Hochebene „Qumran“ in der Nähe des Toten Meeres im Jahr 1947 durch einen Hirten entdeckt. Er war auf der Suche nach seiner verlorenen Ziege und fand sie in einer Höhle. Sie klopfte mit dem Fuss auf einen Gegenstand. Als er sich näherte, sah er den Deckel eines Tonkruges, der eine Lederrolle, die auf Hebräisch beschriftet war enthielt. Es war der Anfang der Entdeckung von vielen anderen Rollen, die auf diese Weise vergraben waren und viele Bücher des Alten Testamentes enthielten. Sie wurden unter der Erde von einer religiösen jüdischen Gemeinschaft versteckt. Es waren die „Essener“, die in Qumran lebten und deren besondere Mission darin bestand, die Rollen der Bibel zu verfassen und zu schützen. Diese Rollen stammen aus dem Jahr 200 v. Chr.

Es war üblich, wichtige Dokumente, die man schützen wollte, so zu vergraben. Der Prophet Jeremia erwähnt diese Sitte. Er sagte zu seinem Sekretär: „Nimm diese Urkunden und lege sie in ein Tongefäss, damit sie lange Zeit erhalten bleiben“ (Jeremia 32,14).

Die Rollen des Toten Meeres befinden sich zurzeit im Museum Rockfeller in Jerusalem. Kopien auf Mikrofilm sind in allen grossen Museen der Welt zu finden. Der Text dieser Rollen ist mit unserem heutigen Text identisch.

##### Für das Neue Testament

**Das Papyrus Rylands**

Das älteste Manuskript ist ein kleines Fragment aus Papyrus aus dem Jahr 125 n. Chr. Man nennt es „Papyrus Rylands“, nach dem Namen des Entdeckers. Es enthält einen Text des Johannes-Evangeliums, Kap. 18,19. Man ist überzeugt von der Echtheit des Textes, wenn man bedenkt, dass Johannes im Jahr 105 gestorben ist. Dieser Papyrus ist also nur 20 Jahre älter.

**Chester Beatty**

Ein anderer archäologischer Befund, welcher quantitativ wichtiger ist als der erste, ist derjenige der Papyrus genannt „Chester Beatty“. Sie stammen aus dem 3 Jh. n. Chr. und enthalten grosse Teile des Neuen Testaments. Sie befinden sich in der Universität von Michigan (USA).

| ![](/pictures/cb_sinaiticus.jpg "Sinaiticus")  Extrakt von „Sinaiticus“ |
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Es gibt drei sehr alte Exemplare der Bibel, welche das ganze Alte (A.T.) und Neue Testament (N.T) enthalten:

- „**Vaticanus**“Mit lateinischem Text aus dem 4. Jahrhundert, welcher sich im vatikanischen Museum befindet. Von da stammt auch der Name.
- „**Sinaiticus**“Mit griechischem Text, welcher ebenfalls aus dem 4. Jahrhundert stammt und im 19. Jahrhundert im griechisch-orthodoxische Kloster von St. Katharina in der Sinaiwüste aufgefunden wurde. Von da stammt auch der Name. Er befindet sich im Britischen Museum.
- „**Alexandrinus**“Ein Text aus dem 5. Jahrhundert, befindet sich im Britischen Museum.

Diese drei alten Bibeln stimmen miteinander überein und entsprechen unseren modernen Bibeln.

#### Die logischen Beweise

- Die Vielfalt der christlichen Riten ist eine Garantie der Echtheit der biblischen Texte, denn die Texte sind bei allen gleich.
- Die Texte des A.T. sind bei Christen und Juden gleich.
- Gewisse Moslems und Juden glauben an die Fälschung der Bibel und besonders der Evangelien. Sie stützen sich auf eine bewusste Lüge: das Pseudo-Evangelium von „Barnabas“. Es wurde aber bewiesen, dass dieses „Evangelium“ im 16. Jahr. n. Chr. von einem zum Christentum „bekehrten“ Juden stammt, der sich später zum Islam „bekehrte“. Nach diesem „Evangelium“ wäre nicht Jesus sondern Mohammed der Messias. Dies widerspricht der Bibel und dem Koran, denn beide anerkennen Jesus als den wahren Messias. Somit können kein Christ und kein Moslem an das „Evangelium“ von Barnabas glauben, ohne dabei ihren Glauben zu verraten. Zudem, erinnern wir daran, dass die archäologischen Befunde die Echtheit des heutigen biblischen Textes bewiesen haben.
- Alle biblischen Gelehrten anerkennen die Echtheit der biblischen Texte. Bei den Moslems haben die grossen Gelehrten Scheiks Afghani und Mohammed Abdo (ehemaliger Mufti von Azhar in Kairo) den Glauben an die Fälschung der Bibel kategorisch abgelehnt.

#### Glaubensbeweis

Gott hat die biblische Botschaft offenbart und kann ihre Verfälschung und den Verlust der Prophezeiungen, insbesondere derjenigen über den Messias, nicht zulassen.

### Die biblischen Sprachen

Die Bibel wurde ursprünglich in zwei Sprachen geschrieben: Hebräisch für das Alte Testament und griechisch für das Neue Testament (ausser das Matthäus-Evangelium, welches auf aramäisch geschrieben wurde, weil sich dieses Evangelium an die Juden richtete). Nach der Rückkehr der Juden aus dem Exil in Babylon (Irak) im 6. Jhd. v. Chr. wurde das Alte Testament auch auf aramäisch geschrieben. Die Juden hatten diese Sprache in Babylon gelernt.

Die Bücher des Neuen Testaments wurden ursprünglich in Griechisch geschrieben, weil dies damals die internationale Sprache war (siehe Apostelgeschichte 21,37), wie heute Englisch oder Französisch.

#### Die Hebräische Bibel

**Die Originaltexte des A.T., die in Hebräisch geschrieben wurden** nennt man „Hebräische Bibel“. Diese Bibel enthält nicht die Bücher des Neuen Testaments, da die Juden nicht daran glauben. Sie wurde im Tempel von Jerusalem und in den Synagogen als Schriftrollen aufbewahrt. Die biblischen Übersetzer brauchen sie als sichere Grundlage für ihre Übersetzungen.

#### Die griechische Bibel

Im 3. Jhd. v. Chr. sprachen die Juden der Diaspora (welche ausserhalb Palästinas wohnten) kein Hebräisch mehr und konnten somit die hebräische Bibel nicht mehr lesen. Die Juden aus Alexandria in Ägypten baten die Juden in Palästina, ihnen Experten zu schicken, um „die Torah, die Bücher der Weisheit und der Propheten“ (*so bezeichnen die Juden die Bibel*) vom Hebräischen ins Griechische zu übersetzen. So kamen 70 biblische Gelehrte nach Alexandrien. Sie übersetzten alle Bücher der Bibel und ebenfalls fünf andere Bücher, die von den Juden in Palästina in den Synagogen und in den Versammlungen gelesen wurden. Diese Bücher waren allerdings nicht als Offenbarung anerkannt. Diese fünf Bücher waren also nicht Bestandteil der „kanonischen“ Bücher, d.h. der offiziell anerkannten offenbarten Büchern.

Es waren:

- Historische Bücher: Judith und Tobias
- Weisheitsbücher: Das Buch der Weisheit und Jesu Sirah
- Prophetische Bücher: Baruch
- Zwei Kapitel wurden dem Buch Daniel hinzugefügt: die Kapitel 13 und 14

Später wurden auch die beiden Bücher Makkabäer übersetzt und hinzugefügt. Somit wurden im Ganzen 7 Bücher übersetzt und zu den 39 Büchern der hebräischen Bibel hinzugefügt. Diese Gruppe von 7 Büchern mit den Kapiteln 13 und 14 von Daniel wird „deuterokanonisch“ genannt, d.h. jedermann ist frei daran zu glauben oder nicht.

Du wirst im 2. Buch der Makkabäer den Bericht finden über die guten Beziehungen zwischen den Juden Palästinas und ihren Glaubensbrüdern in Ägypten. Die Juden Palästinas haben ihnen vorgeschlagen ein Exemplar der biblischen Texte zu senden: „Wir, eure Brüder, die Juden aus Jerusalem… grüssen euch, unsere Brüder, die Juden, die in Aegypten wohnen… Er (*Gott*) öffne euer Herz für sein Gesetz und für die Gebote (*Torah*)… (2 Makkabäer 1,1-4)… Das Gleiche wird auch in den Schriften und in den Erinnerungen Nehemias erzählt; dort steht auch, wie er eine Bibliothek anlegte und die Bücher (*der Bibel*) der Könige und der Propheten und die von David sammelte… Genauso hat auch Judas alle Bücher (*biblische Bücher des A.T.*) wieder gesammelt, die in dem Krieg, den wir führen mussten (Deportation nach Babylon), zerstreut worden waren. Sie befinden sich heute bei uns. Sollten euch einige davon fehlen, so lasst sie durch Boten holen“ (2 Makkabäer 2,13-15). Das Interesse der Juden Palästinas für die Juden Ägyptens war begründet durch die Tatsache, dass diese in Ägypten die reichste und stärkste jüdische Gemeinschaft bildeten - wie heute die Juden in Amerika.

Die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel ist als die „Griechische Bibel“ oder „Bibel der Siebzig“ bekannt wegen der 70 biblischen Übersetzer. Sie unterscheidet sich von der hebräischen Bibel durch diese 7 hinzugefügten „deuterokanonischen“ Bücher. Diese griechische Bibel wurde von den Juden der Diaspora, die kein hebräisch kannten, zur Zeit den Aposteln aufgeschlagen, als sie die Worte Paulus in den Schriften verifizieren wollten (Apostelgeschichte 17,2 / 17,11).

Die Juden Palästinas lehnten es ab und lehnen es heute noch ab die 7 deuterokanonischen Bücher als von Gott offenbart zu betrachten. Deshalb befinden sich diese Bücher nicht in der hebräischen Bibel. Die Reformierten lehnen diese Bücher auch ab und haben sie nicht in ihre Bibel aufgenommen. Die Katholiken und die Orthodoxen haben diese Bücher hingegen anerkannt.

Du wirst eine katholische von einer reformierten Bibel unterscheiden können je nachdem, ob diese 7 Bücher darin enthalten sind oder nicht. Diese Bücher beinhalten keinen Unterschied in der Lehre der verschiedenen Konfessionen. Die 27 Bücher des N.T. befinden sich in allen christlichen Bibeln. Die Reformierten haben erst im XVI. Jahrhundert, nach Luther (der Gründer der Reformierten), die sieben deuterokanonischen Bücher aus der Bibel herausgenommen.

Die hebräische Bibel und die Bibel der Siebzig dienen als Grundlage für alle biblischen Übersetzungen. Die Evangelien und alle Bücher des N.T. wurden durch die Christen der griechischen Übersetzung des Alten Testaments hinzugefügt.

#### Die lateinische Bibel (oder „Vulgata“)

Im 4. Jhd. n. Chr. übersetzte der Hl. Hieronymus die Bibeltexte vom Hebräischen und Griechischen ins Lateinische, die internationalen Sprache jener Zeit, die sehr lange die Hauptsprache im Bereich Religion und Wissenschaft (Medizin usw.) blieb. Hieronymus verwendete ein volkstümliches Latein damit das Volk es verstehen konnte, worauf der Name „Vulgata“ d.h. „volkstümlich“ zurückzuführen ist. Lange Zeit hat diese lateinische Übersetzung der westlichen religiösen Welt gedient, bevor die Bibel in den letzten hundert Jahren in alle Sprachen der Welt übersetzt wurde. Die Bibel ist heutzutage in mehr als 1500 Sprachen übersetzt. Die evangelische Botschaft ist somit in der ganzen Welt verkündet. Dies ist ein Zeichen der Zeit, dass von Jesus vorausgesagt wurde (Matthäus 24,14).

Wenn in einer Bibel geschrieben steht, sie sei aus den Originalsprachen übersetzt worden, dann heisst das, aus dem Hebräischen oder Griechischen, aber nicht aus dem Lateinischen, weil dies schon eine Übersetzung ist. Bevor du eine Bibel kaufst, vergewissere Dich, dass sie aus den Originalsprachen übersetzt wurde.

## Zweite Lektion - Die 11 ersten Kapitel der Genesis

Zuerst solltest Du die Genesis (Gen), das Erste der historischen Bücher lesen. Es ist auch das erste Buch der „Torah“ oder Pentateuch. Die Genesis besteht aus 50 Kapiteln. Die ersten 11 Kapitel berichten von der Vorgeschichte, den Ereignissen seit der Schöpfung der Welt, von der Erschaffung von Adam und Eva, ihrer Auflehnung gegen Gott bis zur Sintflut mit Noah. Diese ersten 11 Kapitel bilden eine Einheit für sich, welche sich vom übrigen Teil der Genesis und der historischen Bibel im Allgemeinen unterscheiden. Vieles wurde über diese Kapitel geschrieben und einige religiöse Denker haben ganze Bücher darüber verfasst.

In den ersten elf Kapiteln versuchen die heiligen Schriftsteller die Fragen betreffend das Übernatürlichen und des Lebens auf Erde zu beantworten. Warum ist das Leben auf der Erde schwierig? Warum der Kummer, der Schmerz und der Tod? Die Antworten: es gibt einen einzigen und schöpferischen Gott. Er hat den Mensch glücklich geschaffen, aber dieser hörte nicht und entfernte sich von seinem Schöpfer; so erkannte er das Unglück. Gott legte also einen Plan fest, um den Mensch aus seinem Wahnsinn zu retten.

Ab dem 12. Kapitel erzählt die Genesis die religiöse Geschichte schlechthin, nämlich die von Abraham, welcher von Gott als erster Mann berufen wurde. Gott wollte mit ihm seinen Plan verwirklichen: all jene vor der geistigen Unkenntnis zu retten, die an seine Worte glauben würden.

Lies zuerst die Kapitel 1 und 2 der Genesis bevor Du mit der Lektüre des Bibelkurses fortfährst. Beim Lesen der Kapitel wirst Du merken, dass es zwei verschiedene Geschichten der Erschaffung der Welt gibt.

### Erste Geschichte der Schöpfung (Genesis 1,1-2,3)

Du hast in dieser Erzählung „nicht wissenschaftliche“ Angaben gefunden. Damit hast du Recht, denn die Bibel ist keine wissenschaftliche, sondern eine geistige Abhandlung. Die Genauigkeit, die von ihr verlangt wird, ist eine **geistige** Genauigkeit. Sie erfüllt dies, indem sie Gott als den einzigen Schöpfer des Universums bezeichnet. Ob er in 6 Tagen oder auf andere Art schuf, ist unwichtig. Die Absicht der Bibel ist die Existenz des einzigen Schöpfers zu offenbaren.

Vor 2000 Jahren v. Chr. brauchte es einen aussergewöhnlichen Mut, um die Existenz eines einzigen Gottes, eines Schöpfers aller Dinge, in einer polytheistischen und götzendienenden Welt zu offenbaren. Socrates wurde 1500 Jahre danach in Griechenland -damaliges Land der Philosophie und der Kultur- ermordet, weil er an einen einzigen Gott glaubte (er nannte ihn „Erster Motor“, weil er lebenspendende Bewegung zu allen Dingen bringt). Heute gibt es atheistische Gesellschaften -und dies in den Ländern an der Spitze des wissenschaftlichen Fortschrittes- bei welchen es verboten ist, von Gott zu sprechen. Ausserdem gibt es in der Mitte des 20. Jahrhunderts, im afrikanischen Busch Millionen von polytheistischen Fetischanbetern. Diese Gedanken erlauben uns besser zu verstehen, welchen Schwierigkeiten sich unsere Vorfahren ausgesetzt haben, als sie die Bibel vor mehr als 3000 Jahren, geschrieben haben, um den einzigen Gott zu offenbaren.

Um den ersten Bericht der Schöpfung zu verstehen, musst Du wissen, dass die Schriftsteller damals eine sehr beschränkte Kenntnis von Gott und eine falsche Vorstellung des Kosmos hatten. Sie wusste nur, dass Gott existierte. Sie ignorierten, dass die Erde rund ist und um die Sonne herum kreist.

Sie meinten, dass Gott Licht brauchte, um vor der Schöpfung deutlich zu sehen. Er erschuf also bereits am ersten Tag das Licht und „schied das Licht von der Finsternis… am ersten Tag“ (Genesis 1,4-5).

| ![](/pictures/cb_conception-de-la-terre_de.png "Conception de la terre")  Die Vorstellung des Kosmos |
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Erst im 17. Jahrhundert entdeckte Galileo, dass die Erde rund war und um die Sonne herum kreiste. Zuvor dachte man sie sei eine Ebene, die auf einer riesigen Fläche von Wasser schwamm und auf sieben im Meer verankerten Säulen ruhte (1 Samuel 2,8 / Sprichwörter 9,1).

Um den Regen zu erklären, dachten sie, das Regenwasser sei oberhalb des Firmaments sehr hoch im Himmel gespeichert. Dieses Wasser fiel aber nicht auf die Erde, weil das Firmament ein solides Gewölbe war, welches „das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes“ schied (Genesis 1,7).

| ![](/pictures/cb_vision-monde-antiquite.png "Darstellung der antiken Welt")  Darstellung der antiken Welt |
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Dieses Firmament hatte Fenster. Gott konnte sie öffnen, damit es regnete. Die Gläubigen und die Heiden hatten dieselben Vorstellungen mit dem Unterschied, dass bei den Heiden **die Götter** die Fenster öffneten damit es regnet.

Man glaubte auch, dass die Sonne, der Mond und die Sterne Götter seien. Die Offenbarung erklärte, dass Gott sie erschaffen hatte. Die Gläubigen meinten aber weiter, sie seien am Firmament wie Lampen an der Decke aufgehängt.

Man soll von der Bibel nicht eine Offenbarung über die Form der Erde oder über ihre Bewegung um die Sonne erwarten. Die Bibel verfolgt ein genaues Ziel: den Menschen Gott offenbaren. Die heiligen Schriftsteller haben sich bemüht dies zu tun, ausgehend von ihrer Vorstellung des Kosmos.

Somit verstehst du besser, weshalb in der Genesis 1,6 steht: „Gott schuf das Gewölbe und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes vom Wasser oberhalb des Gewölbes“. Darin ist keine wissenschaftliche Angabe zu suchen. Das Ziel des Schriftstellers bestand darin, den einzigen Gott, der das Universum geschaffen hat, zu offenbaren und den Heiden zu sagen, dass ihre Götzen nichts geschaffen haben, da sie nicht existieren. Es gibt keinen Gott der die Sonne geschaffen hat, keinen der das Meer und den Mond geschaffen hat etc. Der Polytheismus ist durch die Kenntnis des einzigen schöpferischen Gottes des Universums weggeblasen.

Da einige die Sonne und den Mond anbeteten, haben die Schriftsteller der Genesis ihre Erschaffung auf den 4. Tag verlegt. Dadurch wurden sie in den Augen ihrer Anbeter herabgesetzt. Das Buch Deuteronomium sagt, dass sogar unter den Juden einige der Sonne, dem Mond und den Sternen huldigten (Deuteronomium 17,2-3 / 2 Könige 25,3). Merke Dir, dass die Namen der Sonne und des Mondes nicht einmal erwähnt sind. Es ist die Rede von den „beiden grossen Lichtern… das Grosse für den Tag, das Kleine für die Nacht“. Auch hier ist es nicht „wissenschaftlich“ zu verstehen, dass die Sonne am 4. Tag erschaffen worden sei. Die Wissenschaft hat gezeigt, dass sie schon Millionen von Jahren vor der Erde bestand. Wie sollte die Sonne erst am 4. Tag erschaffen worden sein, wenn es vorher 3 Nächte und 3 Morgen gab? Morgen ohne Sonne? Die Genesis sagt auch, dass diese zwei Lichter erschaffen wurden „um das Licht von der Finstern zu trennen“ (Genesis 1,18). Aber am ersten Tag hatte Gott bereits „das Licht von der Finsternis getrennt“ (Genesis 1,4). Die wahre geistige Absicht des Schriftstellers muss verstanden werden: Gott als einzigen Schöpfer zu offenbaren und den götzenhaften Kultus der Sonne, des Mondes und der Sternen abzuschaffen.

Damit kommen wir zu einem wichtigen Punkt: Muss man die Bibel buchstabengetreu (nach dem literarischen Sinn) oder geistig (nach dem allegorischen und geistigen Sinn) verstehen? Muss man zweifellos Glauben, dass Gott in 6 Tage mit 24 Stunden die Welt geschaffen hat, dass die Sonne am vierten Tag, weder vorher noch nachher, geschaffen wurde oder sollte man das wissenschaftliche Wissen jener Zeit berücksichtigen? Für uns zählt der geistige Sinn: wir sollten entdecken, was Gott uns durch das unvollkommene Wissen, die literarische Form und die Schreibweise des damaligen heiligen Schriftstellers sagen will.

Ein moderner biblischer Schriftsteller hätte die Genesis anders abgefasst. Er hätte z.B. geschrieben: „Am Anfang schuf Gott die Neutronen und Protonen, welche sich bei einer Temperatur von 100.000.000 Grad entwickelten. Dies geschah vor Millionen von Jahren. Diese Protonen kondensierten mit der Abkühlung zur Grundmaterie aus, aus welcher Gott den Kosmos schuf. Zuerst schuf er die Sonne, aus welcher sich ein Teil loslöste und durch das Abkühlen die Erde bildete usw.“ Dies ändert nichts am wichtigsten, nämlich dass es immer Gott ist, der alles alleine geschaffen hat. Für die geistige Erkenntnis ist nur das wichtig.

Vor allem unter den Seeleuten beteten damals einige die grossen Meeresschlangen an (Haie, Walfische, Krokodile usw.). Die Genesis 1,21 spricht absichtlich auch von ihnen als Tiere, die von Gott geschaffen wurden. Heute hätte ein heiliger Schriftsteller geschrieben, dass auch die weisse Kuh, welche im asiatischen Raum verherrlicht wird, nur ein Geschöpf Gottes ist. Die Leser hätten selbst daraus schliessen können, dass sie nichts Göttliches hat und hätten sie somit nicht mehr verehrt.

Merke dir, dass unter allen Geschöpfen nur der Mensch nach dem Abbild Gottes geschaffen wurde (Genesis 1,26). Diese „Ähnlichkeit“ mit Gott ist nicht physisch, sondern geistig: Der Mensch ist Geist, er ist nicht nur Fleisch, Knochen und Blut. Gott hat dem Menschen ein Gewissen geschenkt, im Gegensatz zu den Tieren, die nur vom Instinkt leben. Nur auf der körperlichen Ebene zu leben ist für den Menschen ein Absturz.

Die geistige Erhebung des Menschen bewirkt, dass dieser die Tierwelt beherrscht. Erst als Gott den Menschen geschaffen hat, sah er „alles an, was er geschaffen hatte: Es war  **sehr gut**“, und nicht nur „gut“ wie bei den anderen Geschöpfen. Der Mensch ist also das Ziel der Schöpfung des Universums (Genesis 1,31).

Hast Du bemerkt, dass in dieser ersten Erzählung der Mensch zur gleichen Zeit männlich und weiblich erschaffen wurde (1,27)? Hingegen im zweiten Bericht wurde die Frau nach dem Mann, aus seiner Rippe, geschaffen. Ein weiterer Unterschied zwischen den zwei Erzählungen: im Ersten wurde der Mensch am 6. Tag erschaffen, nach allen anderen Geschöpfen. Entsprechend der zweiten Erzählung wäre der Mann als erster erschaffen worden, dann die Tiere und schliesslich die Frau. Das ist ein Beispiel für die verschiedenen mündlichen Überlieferungen.

Das gemeinsame in den beiden Erzählungen ist die Absicht des Schriftstellers, nämlich:

1. Es ist Gott der das erste menschliche Paar geschaffen hat. Die Art und Erschaffung sind unwichtig.
2. Der Mann muss die Frau respektieren und sie als gleichwertig behandeln denn:  
    - sie wurde zur gleichen Zeit wie er geschaffen (gemäss der 1. Erzählung) oder aus ihm, aus seiner Rippe, neben seinem Herzen (2. Erzählung);  
    - der Mann wurde aus Staub geschaffen, während die Frau aus dem Mann, also aus einer weiterentwickelten Materie.

Diese Texte zielen auf eine Förderung der Frau ab zu einer Zeit, in welcher sie ungerechterweise herabgewürdigt wurde. Die Erschaffung des Menschen kann also nicht buchstäblich verstanden werden, da sich die beiden Texte teilweise widersprechen. Entdecke die moralische Lehre aus diesen beiden Formen der menschlichen Erschaffung: Gott erschuf den Mann und die Frau, damit sie sich lieben und sich gegenseitig respektieren, denn sie wurden für einander erschaffen, jeder vervollständigt den anderen. Und vor allem, weil sie als Abbild Gottes, der Liebe, Respekt und Würde ist, geschaffen wurden.

Gott sagte dem ersten menschlichen Paar, dass sie sich vermehren und die Welt bevölkern sollten (Genesis 1,28). Deshalb muss der Mann seine Eltern, welchen er so vieles schuldet nur verlassen, um mit seiner Frau zu leben. Mit ihr ist er dann nur noch „ein Fleisch“ (Genesis 2,24). Diese Atmosphäre der Liebe muss zwischen den Ehepartnern herrschen, die weiterhin als Abbild Gottes leben wollen. Lies die Worte Jesus zu diesem Thema in Matthäus 19,1-12 und die Ratschläge von Paulus zu den Eheleuten in seinem Brief zu den Epheser (5,21-33). Du wirst sehen, dass das menschliche Paar das Abbild Gottes verlor, weil es Ihm nicht gehorchte. Unsere Anstrengung besteht darin, unsere Ähnlichkeit mit dem göttlichen Vater zurückzuerobern. Das ist das Ziel der göttlichen Offenbarung.

Ein letzter zu beachtender Punkt in der ersten Erzählung ist die Ruhepause Gottes am 7. Tag (Genesis 2,2-3). Gott ruht sich nicht aus, weil er nicht wie der Mensch ermüdet. Der Hinweis auf das Ausruhen Gottes ist für die Menschen bestimmt. Sie sollen sich einen Tag pro Woche ausruhen und nicht die ganze Zeit für das weltliche Leben und für das Geld Sorge tragen. Gott lädt die Menschen ein, an mindestens einem Tag der Woche Abstand vom Alltag zu nehmen und an das geistige Leben zu denken (Exodus 35,1-2).

Die Absicht in diesen beiden Texten besteht darin den Menschen vor dem Materialismus zu retten. Die Mehrheit der Menschen denkt nur an das Geld. Gewisse Leute haben diese Texte wörtlich verstanden und glauben, Gott ruhte und ruht immer noch alle Samstage aus. Sie meinen, dass der Mensch auch das gleiche tun soll. Es betrifft die Juden, welche am Samstag jegliche Aktivität (sogar auch gute Aktivitäten wie Sport usw.) unterbrechen und sich eine fast totale Lähmung auferlegen (Autobusse dürfen nicht zirkulieren, Flugzeuge dürfen nicht fliegen usw.). Sie waren über Jesus empört, weil er am Samstag (Sabbat) heilte. Jesus antwortete ihnen, dass Gott im Gegensatz zu ihrer Meinung immer arbeitet (Johannes 5,16-18). In Israel halten sich die religiösen Israelis so stark an den Sabbat, dass sie nicht mehr als einen Kilometer laufen, kein Taxi, keinen Bus und kein Flugzeug nehmen. Die fundamentalistischen Juden haben die Schliessung des Flughafens am Sabbat bewirkt; sie steinigen die fahrenden Busse an diesem Tag. Aber wenn es darum geht, einen Krieg an einem Sabbat auszulösen, dann zögern sie nicht… Als Jesus die Katastrophen voraussagte, die Israel zerstören werden, empfahl er den Juden auf ironische Weise: „Betet darum, dass ihr nicht an einem Sabbat fliehen müsst“ (Matthäus 24,20). Er wusste, dass man zu jener Zeit weit fliehen werden muss, eine zu grosse Distanz für diejenigen, welche die Torah buchstäblich nehmen… Das ist die Gefahr einer wortwörtlichen Auslegung: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig“, sagt Paulus (2 Korinther 3,6).

### Zweite Geschichte der Schöpfung (Genesis 2,4-25)

Ich habe bereits in dieser Geschichte die Schöpfung des Mannes und der Frau angesprochen. Drei andere Punkte müssen näher betrachtet werden:

1. Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse‚
2. Die Namensgebung der Tiere durch den Menschen‚
3. Der Zustand des ersten menschlichen Paares.

#### „Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ (Genesis 2,17)

Er befindet sich inmitten des Paradieses und ist keine botanische Realität, sondern ein bildlicher Ausdruck. Es ist eine Tat oder eine Haltung, die von Gott als schlecht betrachtet wird. Der Mensch muss sie vermeiden, falls er nicht die Konsequenzen davon ertragen will. Der Mensch sollte eine gewisse Haltung gegenüber Gott haben: Eine liebevolle einfache und völlig vertrauensvolle kindliche Beziehung zu Gott. Es handelt sich wohl um einen Baum „der **Erkenntnis**“ und nicht um einen Apfel, wie es sich einige vorstellen. Es ist eine moralische und keine vegetarische Realität.

Wie soll man das Wesen „dieses Baumes der Erkenntnis von Gut und Böse“ verstehen? Es geht um die Tatsache, dass der Mensch selbst ohne Bezug zu Gott entscheiden will, was gut und was böse ist. Er will sich frei fühlen, um zu entscheiden, was Gut ist, auch wenn der Schöpfer es nicht empfiehlt. Öfters hört man Leute sagen: „Warum ist diese verbotene Sache schlecht?“ Und sie entscheiden selbst, im Namen der Freiheit, dass sie eben gut ist… auch wenn sie in den Augen Gottes schlecht ist (Drogen, Homosexualität, Pädophilie, Gewalt, Pornographie usw.).

Deshalb sagte der Prophet Jesaja: „Weh denen, die das Böse gut, und das Gute böse nennen usw.“ (Jesaja 5,20).

Einige lassen sich durch den Wunsch oder die Neugier anziehen das Böse zu kennen und es auszuprobieren. Es ist nützlich das Gute zu kennen und es zu leben, aber immer schädlich sich dem Bösen auszuliefern. Man sollte beten, um nicht „in Versuchung geführt zu werden“ das Böse zu tun, welches sich in Gute verkleidet, um besser zu verführen (Matthäus 6,13): „Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichtes“, sagt der Hl Paulus (2 Korinther 11,14).

Der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse stellt also eine Versuchung dar: Sich von Gott befreien zu wollen, um ihm gleich zu sein und ihm nichts mehr zu schulden, keine Ratschläge mehr entgegenzunehmen, selbst zu entscheiden „wie ein Erwachsener“, von Gott unabhängig zu sein. Man lebt aber nicht mit Gott in diesem Geist des Konfliktes, sondern in einem Geist der göttlich-menschlichen Zusammenarbeit, in einem Geist des Austausches zwischen Vater und Sohn. Wir brauchen alle die Ratschläge von der einen oder anderen Person. Der Mensch bei der Arbeit befragt die Leute mit mehr Erfahrung. Um die beruflichen Diplome zu erlangen, muss man die Demut haben, zuerst zur Universität zu gehen. Bevor man ein guter Professor wird, muss man ein guter Student sein. Bevor man zur Reife kommt, muss man die Kindheit hinter sich haben. Warum wenn es um Gott geht, welcher der Meister des Lebens ist, will man seine „Unabhängigkeit“, um über die lebenswichtigen Sachen, die oft so komplex und heikel sind, selbst zu entscheiden? Diese Art von Unabhängigkeit ist „ein Baum der Erkenntnis“ vom Bösen. Man kann nicht unbestraft danach greifen. Man muss über den Wunsch nach dieser falschen Unabhängigkeit triumphieren und diese stolzen Gedanken aus dem Kopf verbannen, wenn man gut leben will. Falls man zuviel mit einer Versuchung spielt -wie es Eva in Genesis 3,6 tat- fällt man in die Falle. Setzten wir uns doch in die Schule Gottes, wenn wir lernen wollen, was das wahre Leben ist. Seien wir weder Agent noch Opfer des Bösen.

Das ist die Lehre aus Genesis 2,17. Ihr Ziel besteht darin, den Menschen in der lebenspendenden Mentalität Gottes, im Heiligen Geist, zu erhalten.

#### Die Namensgebung der Tiere durch den Menschen, nicht durch Gott

In der Tat gibt der Schöpfer den Tieren keine Namen sondern „er führte sie dem Menschen zu, um zu sehen, wie er sie benennen würde. Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte, so sollte es heissen“ (Genesis 2,19). Dies drückt die Freiheit und Unabhängigkeit des Menschen aus, was ihn zu einem Mitarbeiter Gottes. Er ist den Tieren überlegen. Hier erscheint ein Aspekt der Zusammenarbeit zwischen Gott und dem Menschen im Hinblick auf eine Verwaltung der Welt. Diese von Gott empfohlene Verwaltung hätte den Menschen glücklich gemacht, wenn sie von Anfang an respektiert worden wäre.

Die Namensgebung ist eine wichtige und bedeutende Handlung, durch welche ein liebevolles und intimes Band mit den Benannten hergestellt wird. Dies ist der Fall mit den Namen, die wir unseren Haustieren geben oder noch viel wichtiger, den Namen den wir unseren Kindern geben. Im Falle von Johannes dem Täufer und von Jesus wurde der Name vor der Geburt durch Gott selbst festgelegt, weil sie von Gott gesandt wurden (Lukas 1,13 & 1,31). Er betont dadurch, dass sie seine Gesandten sind. Für uns ist es wichtig, den Namen von jemand oder sogar von einem Haustier zu kennen. Alles trägt einen Namen und was keinen Namen hat, hat auch keinen Wert. Deshalb haben die Verfasser der Genesis bei der Schöpfungsgeschichte die Sonne und der Mond nicht benannt (Genesis 1,14-19).

#### Der Zustand des ersten Paares im Paradies

Es handelt sich um den psychischen, seelischen und geistige Zustand des ersten Paares. Gemäss der zweiten Erzählung fühlte sich Adam, ohne Eva, alleine. Der Schöpfer sagt: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe geben, die ihm entspricht“ (Genesis 2,18). Aber unter den Tieren gab es keines um die leere seines Herzens zu füllen: „Aber eine Hilfe, die dem Menschen **entsprach**, fand er nicht“ (Genesis 2,21). Der Mann brauchte eine **Person**, eine Gefährtin, um sich mit ihr zu unterhalten, Meinungen auszutauschen, also eine Person, die wie er selbst als Abbild Gottes geschaffen war, mit einer menschlicher Intelligenz und mit Liebe, um ihn zu verstehen. Es ist die einzige Hilfe „die ihm **entsprach**“.

Gott entschloss sich also, dass der Mensch ein menschliches Paar sein soll. Jeder soll der andere ergänzen: männlich und weiblich. Ein genialer Entscheid! Gott machte die erste chirurgische Operation unter Narkose. Er „liess einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen, so dass er einschlief, nahm eine seiner Rippen und verschloss ihre Stelle mit Fleisch… Aus der Rippe baute er eine Frau und führte sie dem Menschen zu“.

Hast Du bemerkt wie der Mann als er die aus ihm stammende Frau sah voller Freude **ausrief**: „Das endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch“. Der Mann ist offensichtlich glücklich, ein Wesen gleicher Art, welches von einem anderen Geschlecht ist und aus ihm hervorgeht zu treffen.

Die erste Reaktion des Mannes besteht darin, dieser reizenden Person, die vor ihm steht einen Namen zu geben. Er fragt sie gar nicht nach ihrem Namen. Er weiss, dass sie keinen hat: „Ischa (Frau) soll sie heissen“. Auf Hebräisch heisst Mann „Isch“, deshalb gibt „Isch“ seinem weiblichen Ebenbild den Namen „Ischa“. Im Deutsch wäre „Ischa“ zu übersetzen als „Männin“, vom Wort „Mann“. Im Englisch kommt das Wort „Woman“ von „Man“. Einzig die menschliche Partnerin des Mannes trägt diesen Namen. Sie ist im Gegensatz zu den Tieren sein eigenes weibliches Gesicht. Sie stammt aus seinem Fleisch und „der Mann verlässt deshalb Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch“ (Genesis 2,24 / Matthäus 19,3-6).

Durch die Vereinigung mit seiner Frau findet der Mann sich selbst, er vervollständigt sich. Er ersetzt die verlorene Rippe wieder. Deshalb verurteilt Gott im Evangelium diejenigen, die zu den Endzeiten die Heirat verbieten werden (wie einige Religionsleute es tun): „Der Geist (*Gott*) sagt ausdrücklich: In späteren Zeiten werden manche vom Glauben **abfallen**; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden… Sie **verbieten die Heirat**…“ (1 Timotheus 4,1-3). Damit ist nicht gemeint, dass die Heirat eine moralische Pflicht ist: Gewisse Leute finden in Gott den Partner, nach welchem ihr Herz strebt. Diese geistige Vereinigung mit Gott ist ein göttlicher Ruf, welcher an alle Menschen ergeht: sie kann sich direkt, durch ein frei gewähltes Zölibat vollbringen oder durch die Ehe. Auf jeden Fall soll Gott die erste Liebe sein. Danach orientiert Gott die Person, falls es sein Wille ist, zu einer menschlichen Ehe. Es gibt kein allgemein gültiges Gesetz für oder gegen die Ehe. Jedem seine Berufung; alle Berufungen sind gleich heilig, da sie in der Erfüllung des Willens Gottes bestehen. Das Glück ist nur die Frucht der Erfüllung dieses Willens.

In welchem seelischen Zustand befand sich das erste Paar im Paradies? Der Mann und die Frau waren von Glück überschwemmt, denn Gott hatte sie rein, unschuldig, ohne Makel erschaffen. Ihr Gewissen war ruhig. Von wo kam dann das Böse? Der Schöpfer hatte ihnen keine bösen Gedanken mitgegeben. Wie wäre es möglich, dass Gott der das absolute Gute ist, fähig wäre in der Seele und in den Gedanken des Menschen das Böse einzupflanzen? Vom Guten kommt nur Gutes. Deshalb waren Isch und Ischa glücklich und ohne Lebensprobleme, ohne psychischen Komplexe, die sie quälten. Im Frieden mit Gott und unter sich „schämten sie sich nicht voreinander“ (Genesis 2,25). Sie konnten sich gegenseitig anschauen, ohne sich von einem unwürdigen Gedanken schämen zu müssen. Sie konnten Gott ins Gesicht schauen.

Erst nach ihrer Auflehnung gegen Gott werden der Mann und die Frau Schamgefühle kennen. Bis heute regiert dieser Scham die Welt, wegen den schlechten Absichten und den ungerechten Haltungen der Menschen während den Jahrhunderten. Man schaut sich nicht mehr direkt ins Gesicht und der Schatten des Bösen herrscht in der Mehrheit der Gewissen. Wenig Menschen können z.B. der Anziehungskraft des Geldes, des Ruhmes, der Macht widerstehen; wenig können einen nackten Körper sehen, ohne ungesunde, gestörte und verdrängte Begierde zu fühlen. Am Anfang der Menschheit war es nicht so: Der Mann und die Frau konnten sich mit wahrer und tiefer Liebe und mit Reinheit anschauen. Sie waren unbefleckt, „nackt“ von jeder Sünde, trugen die Gnade Gottes und lebten ständig mit dem Schöpfer.

Da Gott den Menschen in der Unschuld schuf, von wo ist denn das Böse in der Welt gekommen? Das Kapitel 3 der Genesis wird es uns offenbaren. Lies es, bevor Du mit dem Kurs fortfährst damit Du die nachfolgenden Erklärungen besser verstehen kannst. Aber zuerst solltest Du Dich über die Freude, die dich erfüllt, weil Du schon einiges verstanden hast bewusst werden. Hast Du das Aufatmen deiner seelischen Lunge, die den Sauerstoff der geistigen Freude aufgenommen hat gespürt? Es ist die geistige Freude, die entsteht, weil Du die Wahrheit über gewisse, für dich frühere noch dunkle biblischen Punkte entdeckt hast.

### Die Auflehnung gegen Gott (Genesis 3)

Diese symbolische Geschichte der Genesis, die Du gleich gelesen hast, informiert uns wie das Böse in die Welt eingeführt wurde: Der Mensch, in seiner Dummheit, glaubte an die Worte des Teufels, anstatt auf die Ratschläge Gottes zu hören. Die Schlange stellt den listigen Teufel dar. Es ist also der Mensch selber, der das Böse in die Welt einführte. In der Tat, ist er allein dafür verantwortlich. Er hat es bevorzugt auf die böswilligen Einflüsterungen des Teufels, statt auf die selbstlosen Ratschläge Gottes zu hören. Verführt durch die lügnerischen Perspektiven dieses Feindes wurde der Mensch der Sklave Satans. Der Mensch hat schnell die schädlichen Gedanken und die diabolischen Wünsche seines Meisters in die Herzen der darauf folgenden Generationen verbreitet. Der Teufel hatte somit seinen Agenten, seine „Nachkommen“ auf Erden, um die Menschen von Gott zu entfernen. Die ganze Heilsgeschichte besteht darin, die Gedanken Gottes, seine Mentalität und seine Wünsche in die Seele der Menschen wieder einzuführen, um ihn somit vom diabolischen Einfluss zu befreien. Der vom Teufel befreite Mensch ist fähig Gott inständig zu bitten: „Dein Wille geschehe… und nie mehr mein Wille“.

Der Teufel näherte sich der Frau und nicht dem Mann, weil dieser mit Gott selbst gesprochen hatte und somit schwerer war zu verführen. Bemerke die List mit welcher der Teufel, als Schlange bekleidet, die Frau anredet. Er eröffnet den Dialog mit List und einer anscheinend harmlosen einfachen Frage -die allerdings die Empfehlung Gottes verdreht- als ob er sich nur informieren möchte, um sicher zu sein, dass er von ihr nicht verstossen wird: „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von **keinem** Baum des Gartens essen?“. Diese Art das Problem darzustellen enthielt bereits die Ansätze einer Auflehnung gegen Gott. Satan wollte die Frau zur Auflehnung führen, indem er ihr nahe legte, dass sie nicht von allen Bäumen essen durfte! Vor dem satanischen Eingreifen war das menschliche Paar mit seinem Schicksal zufrieden.

Und die Frau erläuterte dem Teufel: „Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft ihr nicht essen, sonst werdet ihr sterben“. Der Teufel wusste dies. Aber der Dialog hatte begonnen und für ihn war das, das wichtigste. Es war der erste Sieg Satans auf die Menschheit. Er konnte nun, nachdem er das Zuhören der Mutter der Menschheit gewonnen hatte, seinen uralten inneren Dialog mit den Menschen fortsetzen. Mit Kühnheit sprach er weiter zu der armen Unvorsichtigen: „Nein, ihr werdet nicht sterben. Gott weiss vielmehr: Sobald ihr davon esst, gehen euch die Augen auf; ihr werdet wie Gott und erkennt Gut und Bös“. Die Frau wurde durch den Gedanken verführt wie Gott zu sein, selbst zu entscheiden was für sie gut oder schlecht ist.

Das Schlimmste aber war, dass der Teufel von Gott ein falsches Bild übermittelte, nämlich das Bild eines eifersüchtigen Diktators, geizig über seine Privilegien, der die Weiterentwicklung des Menschen hindern wollte, indem er ihm verbot vom Baum der Erkenntnis zu essen. Das Gegenteil ist aber wahr: Gott empfahl dem Menschen vom Baum nicht zu essen damit er **nicht stirbt**, damit er ewig leben kann und wie Gott für immer lebendig und glücklich sein kann. Denn der Tot des Menschen beruht auf eine falsche Unterscheidung von Gutem und Böse. Um „wie Gott“ zu sein, müssen wir „wie Er“ denken, wie Er unterscheiden. Das ist der Heilige Geist, den wir wie es uns Jesus sagte, von Gott erbeten sollen (Lukas 11,13). Dieser Geist gibt uns das ewige Leben und durch Ihn werden wir wie Gott unsterblich.

Welche hätte die Haltung der Frau vor den Annäherungen des Teufels haben sollen? Die Gleichgültigkeit. Die Gleichgültigkeit ist die grösste Verachtung. Die Frau hätte zumindest vorsichtig sein sollen und nach der Identität des Gesprächspartners fragen sollen: „Wer bist Du?“. Sie hätte das Bild ihres Gesprächspartners mit dem eigenen -nämlich mit dem Abbild Gottes -vergleichen sollen. Dies war die Haltung Marias, der Jungfrau von Nazareth. Vor dem Engel Gabriel überlegte sie „was diesen Gruss zu bedeuten habe“ (Lukas 1,29). „Ischa“ hätte die verdammte satanische Viper ganz schön in Verlegenheit gebracht, falls sie überlegt hätte, was diese Worte ihres Gesprächspartners bedeuteten. Der Teufel wusste ja sehr gut, dass Gott dem Menschen nicht verboten hatte von **allen** Bäumen zu essen. Die Frau wusste es auch. Sie hätte sich mit Unterscheidungsvermögen bewaffnen sollen, um den Teufel zu beschämen. Sie wurde durch den Stolz wie Gott zu werden geblendet. Gott selbst will, dass wir „wie Gott“ werden. Wir können es nur **durch** ihn werden. Der Mensch wollte es **ohne** ihn werden. Darin besteht seine Schuld.

Die Frau unterlag der Versuchung und zog ihren Mann in ihre eigene Auflehnung gegen Gott mit. Nachdem beide die verbotene „Frucht“ gegessen hatten, öffneten sich tatsächlich ihre Augen, wie es der Teufel der Frau gesagt hatte. Sie sahen aber nur in welche lächerliche Lage sie sich mit ihrem eigenen Willen gestürzt hatten. Sie waren darüber beschämt, dass sie nicht mehr das tröstende Gesicht Gottes, das sie verworfen hatten sahen, sondern das zynische Gesicht ihres satanischen Verführers. Ihre Augen öffneten sich auf diesen verzweifelten Anblick und sie verstanden, dass sie getäuscht wurden. Jesus kam um die Augen seiner Jünger wieder auf das lebenspendende Gesicht Gottes zu öffnen: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen“ (Matthäus 5,8).

Diese Erfahrung war für sie ein Schock; nichts war mehr gleich wie früher und sie spürten, dass sich zwischen ihnen und Gott und ihnen beiden alles verändert hatte. Sie wagten es nicht mehr ihm und sich gegenseitig wie früher ins Gesicht zu schauen. Es leuchtete ihnen vor allem ein, dass ihre vorherige Kraft aus der Bekleidung mit der Gnade Gottes stammte und dass sie diese verloren hatten. Jetzt fühlen sie sich nackt, ohne das Reichtum der göttlichen Strahlen. Der Mensch wollte das Böse erfahren und er kannte dessen Bitterkeit. Er hat den tödlichen Geschmack des Bösen kennen gelernt. Dieser bittere Geschmack der Leere entsteht, wenn Gott sich aus einer Seele, die ihm Widerstand leistet, zurückzieht. Er lässt sie dann in der Einsamkeit und sie wird ein Opfer der Traurigkeit. Denn Gott bietet sich an, er zwingt sich nie auf.

Dem Teufel gelang es, den Menschen von Gott zu trennen. Unglück, Traurigkeit und Scham waren die „Frucht“, die der Mensch auf dem verbotenen „Baum“ gepflückt hat. Diese bedauerlichen Gefühle sind der Ursprung der menschlichen Komplexe. Sie verursachen jede Art von Ungleichgewicht: Schüchternheit, Unterlegenheit, falscher Scham usw. Der Mensch versucht öfters das Gleichgewicht wieder zu erlangen aber fällt dann in das andere Extrem: Frechheit, Stolz, Arroganz, Ausschweifung usw. Der Mensch kann sich ohne Gott nicht aufheben.

Der Fall des ersten menschlichen Paares ist bekannt unter dem Namen „Erbsünde“. Die Konsequenzen davon haben sich nicht auf die ersten Eltern beschränkt, sondern wurden auf die zukünftigen Generationen übertragen. Wir haben alle den Makel dieser ersten Sünde geerbt, wie das Kind die Konsequenzen des Ungleichgewichtes in der Familie oder in der Gesellschaft trägt.

Der Scham quälte der Mann und die Frau so sehr, dass ihnen ihre körperliche Nacktheit unerträglich war. Der aus Feigenblättern gemachte Schurz ist symbolisch: Die Schuld verstecken, indem man sie bedeckt. Die Schuld ereignete sich aber auf der Ebene der Seele. Die Bibel verwendet öfters den Ausdruck „die Blösse sehen lassen“ und meint damit die wahren und schuldigen Absichten zu enthüllen, die Mordtaten und die Fehler anzuklagen (Siehe Jeremia 13,26 / Klagelieder 1,8 / Nahum 3,5 / 2 Korinther 5,1-5). Der Mann und die Frau wollen nicht, dass Gott ihren elenden Zustand sieht, also decken sie ihn zu. Zum ersten Mal haben sie Angst vor ihm. Als Gott sich nähert -in ihrem befleckten Gewissen- wenden sie den Blick ab, wie alle Schuldige, die entdeckt werden. Adam und Eva fliehen als sie hören, dass er sich nähert, statt ihm spontan entgegenzurennen. Diese Flucht vor Gott hat die Menschheit gekennzeichnet. Der Mensch hat Angst vor Gott, meidet seinen Blick und entfernt sich. Dies ist das Erbe der Erbsünde.

Beachte, dass weder der Mann noch die Frau um Verzeihung bitten. Der Mann wirft die Schuld auf die Frau und indirekter Weise auf Gott, der sie ihm gegeben hat: „Die Frau, die **Du mir beigesellt hast**, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen“. Er scheint Gott vorzuwerfen ihm die Gefährtin, die vorher seine Freude ausmachte, gegeben zu haben. Die Frau, ihrerseits, schiebt die Verantwortung auf den Teufel. Wie wunderschön wäre es gewesen, wenn der Mann und die Frau zusammen Gott, den sie gerade so beleidigt hatten, um Verzeihung gebeten hätten. „Eine zugegebene Schuld ist schon halbwegs verziehen“, hört man oft. Der Mensch aber zieht es meistens vor, sich zu rechtfertigen und jemanden anderen zu beschuldigen.

Adam und Eva… das sind auch wir! Wie können wir die Schuld wiedergutmachen? Wer kümmert sich darum? Wenn wir falsch handeln, müssen wir uns entschuldigen. Wie viele bitten Gott aus ganzem Herzen und nicht nur als Lippenbekenntnis, um Verzeihung?

Welches war die wahre Natur der ersten menschlichen Sünde? Viele Kommentatoren und Bibelausleger haben versucht, sie zu verstehen. Wie einige Ausleger denke ich, dass es ein menschlicher Versuch war, die Souveränität Gottes zu untergraben: Gott zu entthronen, um an seiner Stelle zu herrschen; selbst auskommen und ohne Gott über die Sachen des Lebens zu entscheiden; selbst zu wählen was gut und was böse ist; selbst zu entscheiden was den Menschen glücklich oder unglücklich macht. Die Niederlage des Menschen öffnete ihm die Augen. Er entdeckte, dass er ohne Gott nicht vollständig glücklich sein kann. Er schämte sich. Jesus ist gekommen, um uns Gott wieder zu geben, um uns wieder in seine lebensspendende Gesellschaft aufzunehmen. Deshalb haben die Propheten, die ihn ankündigten, ihm der Name „Emmanuel“ gegeben. „Emmanuel“ bedeutet im Hebräisch „Gott mit uns“ (Jesaja 7,14 & Matthäus 1,22). Jesus bringt den Menschen zurück zu Gott. Es gibt keinen anderen Weg (Johannes 14,6). Die göttliche Vergebung bekommt man durch den Glauben an Jesus (1 Johannes 2,12 / Kolosser 2,13).

Gewisse Ausleger meinen die Erbsünde sei sexueller Art gewesen. Dies scheint nicht der Fall zu sein, da Gott dem ersten Paar sagte, sie sollen sich vermehren und die Erde bevölkern (Genesis 1,28). Wäre trotzdem die Sünde sexueller Art gewesen, dann wäre dieser Akt in einem Geist der Herausforderung gegen Gott gemacht worden; einen Geist der Sinnlichkeit, für das einzige Vergnügen des Fleisches und des Instinktes (wie in der Welt der Pornographie), ohne tiefe Gefühle der Liebe und ohne geistige Übereinstimmung des Paares in Gott.

Dies könnte erklären, weshalb Gott der Frau gesagt hat: „Deine Begierde (***sexueller Trieb***) wird dich zu deinem Mann ziehen…“ (Genesis 3,16). Nicht mehr das Herz, sondern der sexuelle Wunsch wird also nach dem Sündenfall die Beziehung Mann-Frau beherrschen. Und von nun an wird der Mann über die Frau „herrschen“, wie wir es in verschiedenen Gesellschaften seit jeher kennen. Die Harmonie des Ehepaares ist gebrochen und ein schwer überwindbares Ungleichgewicht wird sich immer mehr einstellen. Dieses Ungleichgewicht können wir gut beobachten: Es führt zu Scheidungen, Polygamie, Ehebruch und so vielen oft dramatischen Zuständen in den menschlichen Familien auf der ganzen Welt. Dies ist die Frucht des satanischen Geistes, welcher durch die Erbsünde ins Herz der Menschheit eingepflanzt wurde.

Man sollte nicht zu glauben, dass nur unsere ersten Eltern für diese dramatische Schuld verantwortlich sind. Denn Milliarden von Menschen nach ihnen, bis zu den heutigen Tagen, verschlimmern weiterhin die Lage. Sie sind mit dem ersten Ehepaar solidarisch und haben die Lehre aus der Vergangenheit nicht gezogen. Millionen von Menschen widerstehen immer noch dem Geist Gottes und bevorzugen ihren eigenen Geist oder denjenigen der alten Schlange, die den ersten Menschen irreführte.

Der moderne Mensch, geblendet durch eine falsche Wissenschaft und von Stolz erfüllt, verharrt in seiner Überzeugung, er könne ohne Gott auskommen. Er will nach seinem kleinen Kopf entscheiden was für ihn gut und böse ist. Dies führte die Menschheit zur materiellen Umweltbelastung und zur nuklearen Gefahr, die sogar selbst die Existenz der Menschen bedroht. Die geistige Belastung ist noch schlimmer. Sie hat seine Ursache in der Tatsache, dass der Mensch die Ratschläge des Himmels vernachlässigt und nur auf die Anregungen der Hölle hört. Und wenn sich der Mensch schlecht fühlt, stellt er sich nicht selbst in Frage, sondern, ist gegen Gott empört… der ihm aber empfohlen hatte die Taten, die ihn krank und traurig machen nicht zu vollbringen. Denke an die Drogensüchtigen und Homosexuellen, die gegen Gott demonstrierten, weil sie Aids hatten… Eine solche Haltung gleicht derjenigen eines Kranken, der die vom Arzt vorgeschriebene Arznei ablehnt; seine Krankheit wird schlimmer und sein Zorn bricht gegen den Arzt aus… statt gegen sich selbst.

Merke Dir, dass Gott nur den Teufel verdammt. Denn dieser wusste genau, was er tat. Der Mann und die Frau hingegen waren nicht **voll** bewusst von der Ernsthaftigkeit und den Konsequenzen ihrer Auflehnung. Als er ankündigt, dass die Kinder der Frau ihre Vergeltung nehmen werden und eines Tages über die Kinder des Teufels siegen werden, lässt Gott die Hoffnung einer zukünftigen Wiedergutmachung erahnen. Gott sagt in der Tat dem Teufel: „Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinem Nachwuchs und ihrem Nachwuchs. **Sie trifft dich am Kopf**, und Du triffst ihn an der Ferse“ (Genesis 3,15). Dieser Vers ist die erste Ankündigung der Ankunft eines menschlichen Nachwuchs, des Messias, der die Menschen vom psychischen und geistigen Gefängnis, in welchem die Dämonen ihn gefangen halten, befreien würde. Die Frau und ihr Nachwuchs, der den Kopf des Teufels trifft, sind die Jungfrau Maria und ihr Sohn Jesus, mit den seinen, die Menschen guten Willens aus der ganzen Welt.

In seiner unendlichen Barmherzigkeit, gibt Gott dem Menschen die Gelegenheit seinen Fehler wieder gutzumachen, seinen Irrtum zu beheben. Diese Möglichkeit ist symbolisiert durch die Röcke aus Fellen, mit welchen der Schöpfer die Nacktheit des Menschen bedeckt. Adam und Eva wollten ihre Nacktheit mit „Feigenblättern“ bedecken (Genesis 3,7). Eine solche Bekleidung ist aber nicht widerstandsfähig. Gott, als guter Vater, schenkte ihnen also „Röcke aus Fellen und bekleidete sie damit“ (Genesis 3,21). Er drückt somit sein Mitgefühl und seine Ermutigung dem Menschen gegenüber aus, damit dieser einen Ausweg aus seiner Verwirrung sucht. Dadurch können diejenigen, die Gott lieben, den Weg zu ihm wieder finden. Sie wissen nun, dass er verständnisvoll ist und ihnen helfen wird sich nach seinem Abbild modellieren zu lassen, ein Abbild, welches sie durch die Sünden verloren hatten (Römer 5,12-16 / Kolosser 3,10). Denn die Sünde zerstört in uns das Abbild Gottes. Durch die Sünde, modellierte der Teufel die Menschheit nach seinem Abbild. Jesus kam, um uns das Abbild Gottes wiederzugeben.

Nach dem Fall, „nannte Adam seine Frau ‚Eva', denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen“ (Genesis 3,20). Dieser neue Name von Ischa weist auf ihre neue Situation: Die Frau wird nicht mehr nach dem Mann, sondern nach seiner grossen Mission, der Menschheit Leben zu geben, benannt. Denn Eva, im Hebräischen „Hava“, kommt vom Wort „Hajah“ welches „Leben“ bedeutet (im Hebräischen und im Arabischen). Bemerke, dass der Name Adam nicht erwähnt wird. Erst später wurde ihm entsprechend seinem Ursprung dieser Name gegeben. Denn „Adama“ bedeutet im Hebräischen „Erde“, „Staub“ oder „Schlamm“ aus welchem Gott den Mann schuf. Der Name Adam ist zum ersten Mal in Genesis 4,25 erwähnt.

Nach dem Sündenfall änderte sich die Haltung Gottes gegenüber dem Menschen. Gott ist ironisch als er ihm sagt: „Seht! Der Mensch ist geworden wie wir; er erkennt Gut und Böse!“ Der Mensch hat diese Verspottung Gottes verdient. Er verdiente es auch aus dem Paradies vertrieben zu werden, bevor er eine weitere Dummheit beging: „Dass er jetzt nicht die Hand ausstreckt, **auch** vom Baum des Lebens nimmt, davon isst und ewig lebt!…“ (Genesis 3,22) Noch eine ironische und demütigende Bemerkung. Denn der Mensch möchte wie Gott… auf ewig leben… ohne zu sterben, aber dies auf dieser Erde und ohne je vor dem ewigen Richter stehen zu müssen. Ist dies nicht der Wunsch von so vielen Menschen auf der Suche nach dem „Serum“ der Langlebigkeit? Einige tun es mit lächerlichen Mitteln. Es gibt Firmen, welche die menschlichen Körper einbalsamieren und sie in speziellen Kühlschränken aufbewahren bis zur erhofften Entdeckung eines Produktes, welches den Kunden zu einem neuen so sehr begehrten Leben auf dieser Erde erwecken würde… Nur sollten diese „Auferstehungsfirmen“ dann selbst noch lebendig sein…

Was bedeutet es für den Menschen aus dem Paradies verbannt zu sein? Ist es ein aufgezwungenes Exil an einem bestimmten Ort? Nein, es handelt sich nicht um das. Das Paradies ist einen Seelenzustand: das Glück. Der Mensch war vollkommen glücklich, bevor er sich entschloss, selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen und sich von Gott zu „befreien“. Der Schöpfer hatte dem Menschen alles umsonst gegeben. Dem Menschen fehlte nichts: Weder auf psychischer Ebene, weil er von der Liebe des Schöpfers erfüllt war, noch auf der materielle Ebene, weil er von der Fülle der Produkte der Erde geniessen konnte. Das Leben war auf allen Ebenen problemlos. Es sind die von der Sucht nach Besitz gesteuerten wirtschaftlichen Systeme und ein gewisser schädlicher Lebensstil (mondänes teures Leben, Alkohol, Zigarren, Zigaretten, Glücksspiel, Kasinos, Kleider von bekannten Modeschöpfern usw.) welche das Leben auf Erden schwierig oder manchmal sogar unmöglich machen. Die Erde hingegen produziert aber langsam und stetig für alle. Die Produkte sind so reichlich, dass gewisse Länder Überflüsse haben. Diese Überflüsse werden zerstört, um die Preise hoch zu halten und gleichzeitig verhungern Leute in der dritten Welt. Die internationalen Konzerne und die Konsumgesellschaft haben den Menschen nicht glücklich gemacht. Es herrscht Arbeitslosigkeit, Inflation, Unzufriedenheit. Der grösste Teil der nationalen Einnahmen werden für die Zerstörung anderer Menschen ausgegeben… Und die von Gott geschaffene Erde gibt weiterhin dem Menschen das Beste von sich… Und der Mensch ist eifrig daran die Erde immer weniger bewohnbar zu machen, immer weniger fähig ihn zu ernähren, denn er sättigt sie mit schädlichen (nukleare und andere) Belastungen…

Von je her besteht der Mensch hartnäckig darauf **sein** Leben zu leben, ohne Gott. Das Resultat? Die Reichen haben alles was man kaufen kann. Sie sind aber nicht zufrieden, denn das Geld kann das Glück und die Ruhe des Gewissens nicht kaufen. Trotz ihrer materiellen Überfülle wählen viele reichen Leute den Selbstmord statt das Leben. Dies geschieht, weil sie ohne Gott leben. Die „Unabhängigkeit“ des Menschen hat ihm das Leben hart und unangenehm gemacht. Deshalb hatte Gott ihm gesagt: „So ist verflucht der Ackerboden deinetwegen (***durch deine Schuld***). Unter Mühsal wirst Du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Im Schweisse deines Angesichts sollst Du Dein Brot essen (***wegen deiner schlechten Verwaltung***)“ (Genesis 3,17-19). Der Mensch hat immer die Tendenz sich gegenüber den Empfehlungen Gottes zu verschliessen. Er zieht den Rat von menschlichen Beratern vor, die weniger effizient sind. Gott ist aber dieser „wunderbarer Ratgeber“ von welchem der Prophet Jesaja spricht (Jesaja 9,5).

So wurde der Mensch aus dem Glück verbannt, indem er von sich aus die Quelle des wahren Glücks ablehnte. Von da an streicht der Mensch auf der Suche nach dem wahren Glück herum. Er glaubt es bald im Geld, bald in den Vergnügungen oder im vergeblichen Ruhm zu finden. Der Text der Genesis sagt, dass „Gott ihn aus dem Garten Eden wegschickte, damit er den Ackerboden bestelle“ (Genesis 3,23). Hat Gott den Menschen weggeschickt, so ist es, weil dieser sein eigenes Leben, ohne die Einflussnahme Gottes leben wollte. Dann soll er sich doch erschöpfen und den Ackerboden anbauen, dieser Ackerboden der bereit war ihm alles zu geben, ohne ihn zu ermüden (Lies Matthäus 6,24-34). Der Mensch zog es aber vor, sich von der Materie verschlingen zu lassen.

**Der Sündenfall** hatte somit zwei unglückliche Konsequenzen für die ganze Menschheit:

**1. Die erste und die schädlichste betrifft die psychische und geistige Ebene:**

Der Geist des Menschen und seine Seele sind in den physischen Körper hinabgefallen. Sie wurden ihm unterworfen und sind unempfindlich geworden, wie unter Anästhesie. Der Schlag hat sie praktisch in Ohnmacht gebracht. Der Mensch verlor somit seine psychischen und geistigen Fähigkeiten, wurde zerbrechlich und konnte sich nicht mehr aus dem **Innern** orientieren. Dieser Fall führte zum Umherirren des Herzens und des Intellekts. Und die Beängstigung hat sich in die menschliche Seele eingenistet. Dichter, Philosophen und Intellektuelle haben von je her vergebens versucht, die menschlichen Besorgnis zu verstehen und zu analysieren. Einzig die göttliche Offenbarung konnte uns aufklären.

Der Ungehorsam des Menschen hat Satan ins Unterbewusstsein der ganzen Menschheit eingeführt. Satan erhält das Recht sich im Willen des Menschen aufzuhalten und interveniert. Er spricht im Namen des Menschen. Er verkleidet sich beim Aneignen der Identität des Menschen. Wenn wir also sagen „ich“ oder „ich will“, müssen wir unterscheiden, wer sich ausdrückt. **Wer ist der „ich“, wer spricht in uns?** Wer wünscht? Gott, Satan oder wir selbst? Dort befindet sich die Grundlage des Urteilsvermögens. Christus kommt, um uns auf Gott „wieder anzuschliessen“ und uns von der satanischen Störung zu befreien. Deshalb sagt Jesus seinen Feinden: „Ihr habt den Teufel für Vater und ihr wollt die Wünsche Eures Vaters erfüllen“ (Johannes 8,44). Sie waren davon nicht bewusst, aber doch sehr einwilligend. Es ist immer heilsam, sich zu versichern, dass das, was man wünscht, in Harmonie mit dem Willen Gottes ist, mit seinem Plan für die Befreiung der Menschheit.

Von nun an konnte der Mensch, welcher in den Körper hinab gefallen war, das Leben der Seele nur ausgehend von den physischen Eindrücken erfassen, da sein Verstand und seine Gefühle im Körper eingeschlossen waren. Der Mensch lebt von nun an sehr irdisch orientiert. Er ist unfähig von sich aus und in sich, das Leben der Seele, von welcher er nur eine vage Nostalgie hat, wieder zu finden.

Trotzdem reicht Gott dem Menschen durch Jesus die Hand. Derjenige der diese Hand ergreift, sieht seine Seele sich zum ursprünglichen Bestimmungsort erheben. Dieses Zurückkommen der Seele zum Leben ist im Evangelium die „erste Auferstehung“ genannt (Offenbarung 20,5-6 / Johannes 5,25-26).

**2. Die zweite Konsequenz betrifft die materielle und zeitliche Ebene.**

Das Leben des Menschen auf Erde ist durch die Schuld des Menschen schwierig geworden.

Die ganze Geschichte des menschlichen Heils zielt darauf ab, dem Menschen aus seiner Patsche zu helfen. Es brauchte die ganze Liebe und den Genius seines zärtlichen Schöpfers, um ihn aus seinem Irrweg heraus zu holen: durch Seinen Gesandten Jesus.

Die grosse Lehre aus dieser Geschichte ist, dass man mit der Versuchung nicht dialogisieren soll. Man diskutiert nicht mit dem Teufel so wie man nicht mit dem Feuer spielt. Wir sollten es der Eva nicht nachmachen, als sie das Verbotene betrachtete und es schön fand, obwohl Gott es als todbringend bezeichnet hatte. Glauben wir Gott, auch wenn das Böse aus **unserer** Sicht gut erscheint. Der Fehler Eva sollte uns helfen den Tod, welcher sich an uns in einer verführerischen Art präsentiert, zu enthüllen. Verhalten wir uns wie Maria, dieses junge und reine Mädchen welches verdiente die ehrwürdige Mutter des Messias, der Erlöser der Menschen zu werden: Sie hat es nie akzeptiert auf die verführerische Stimme der satanischen Schlange zu hören. Sie hat sie ganz einfach ignoriert und hatte Augen und Ohren nur für Gott. Sie wollte nur den Plan Gottes erfüllen. Deshalb wird sie die „neue Eva“ genannt, die neue Mutter der Lebenden, d.h. der Gläubigen. Ihr Nachwuchs, nämlich diese Gläubigen, zerstört den Schädel des verführerischen Teufels (Genesis 3,15).

Ich habe Dir die ersten drei Kapitel der Genesis recht ausführlich erklärt, um dir aufzuzeigen, mit welchem Geist Du die Bibel -gemäss der Absicht Gottes- verstehen sollst. Hüte dich davor, die Geschichten der Schöpfung und des Sündenfalls buchstäblich zu verstehen. Suche hinter den allegorischen Geschichten immer nach dem tiefen geistigen Sinn, ohne dich durch den wortwörtlichen Sinn, welcher den Horizont der Nachforschung und des Verständnisses verschliesst, zurück halten zu lassen. Die Welt wurde nicht in 6 Tagen erschaffen oder die Sonne am 4. Tag. Eine Schlange hat sich nicht der Eva präsentiert. Diese Schlange symbolisiert die Gedanken, welche der Teufel, auf eine feine und verschlungene Art -um nicht erkannt zu werden- dem Menschen im Allgemeinen, und nicht unbedingt der Frau, einflüstert.

Man kann an die Theorie der Evolution glauben. In diesem Fall hat Gott auf eine evolutionsorientierte Art die Welt erschaffen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Anhaltspunkt, um zu behaupten, die Evolution würde die Nicht-Existenz Gottes beweisen. Wenn es eine Evolution gibt, dann gibt es denjenigen der die Evolution lenkt: Gott. Diejenigen, die noch an die starre Theorie (d.h. dass Gott den Menschen so geschaffen hat wie er ist, ohne Evolution über niedrigere Wesen) glauben und die Anhänger der Entwicklungstheorie sind sich über den wichtigsten Punkt der Bibel einig, nämlich, dass Gott der einzige Schöpfer ist. Die Wissenschaft soll abklären auf welche Art die Schöpfung stattgefunden hat!…

Lies jetzt das vierte Kapitel der Genesis bevor Du mit dem Kurs fortfährst.

### Kain und Abel: Der Mann tötet den Mann, seinen Bruder (Genesis 4)

Du hast gerade eine symbolische Geschichte, ein Gleichnis gelesen, das offenbart, wie sich das Böse auf der Erde zwischen einem Mann und seinem Bruder verbreitet hat, nachdem es zwischen dem Menschen und Gott, seinem „Vater“, begangen wurde.

Diese Geschichte, wie die vorherigen, ist allegorisch und darf nicht buchstäblich verstanden werden, wie wenn es genau so geschehen wäre. Denn im wortwörtlichen Sinn gab es auf Erden nur Adam, Eva und ihre zwei Kinder. Von wo wäre denn diese Person gekommen, die ihn erschlagen sollte (Genesis 4,15)? Es handelt sich also hier um Generationen und die Namen Kain und Abel sind symbolisch. Sie sind nicht historisch begründet. Jeder Tag tötet Kain Abel.

Weshalb hat Gott das Opfer von Abel angenommen und dasjenige von Kain abgelehnt? In dieser Frage besteht die Lehre der Geschichte. Viele Leute lassen sich durch den historischen Ablauf der Geschichte aufhalten ohne zu versuchen, die **moralische** Lehre aus ihr zu ziehen. Dies ist aber das einzig Wichtige.

Um den Text zu verstehen, muss man zwischen den Zeilen lesen. Bemerke dass, „Kain dem Herrn ein Opfer von den Früchten des Feldes (*… irgendwelche… auch die schlechtesten um sie loszuhaben… und sich von dieser Pflicht der Opfer zu befreien*)“ darbrachte. Hingegen, „brachte Abel eines dar von den **Erstlingen** seiner Herde (*also das Beste*) und **sogar** von ihrem Fett (*welches sehr wertvoll für die Küche war… aber für Abel war nichts zu viel für Gott*)“. Dies weist darauf hin, dass Kain entgegen seinem Willen opferte, mit Geiz und wie gezwungen. Abel hingegen opferte spontan das Beste von ganzem Herzen. Man versteht also die Haltung Gottes. Wir handeln auch so und lehnen oft ein Geschenk ab, wenn es durch Leute mit schlechten Absichten geschenkt wird.

Ein Geschenk von jemandem abzulehnen bedeutet die Person selbst abzulehnen. Man muss gute Gründe haben, wenn man so handelt. Kain hätte in Anbetracht der Würde seines Gesprächspartners von seinem Fehler bewusst sein werden. Er wollte ihm eine unvollkommene Gabe machen. Er hätte sich fassen, sich entschuldigen und sein Fehler wiedergutmachen sollen, indem er von ganzem Herzen ein gutes Opfer dargebracht hätte.

Gott sagt den jüdischen Priestern durch den Propheten Maleachi: „Ihr bringt von geraubten Tieren die lahmen und kranken als Opfer dar. Soll ich das vielleicht annehmen aus eurer Hand? spricht der Herr. Verflucht ist der Betrüger, der dem Herrn ein männliches Tier seiner Herde gelobt, dann aber ein fehlerhaftes Tier schlachtet“ (Maleachi 1,13-14).

Der Prophet Amos sagt auch im Name Gottes zu den Juden: „Ich habe kein Gefallen an euren Gaben, und eure fetten Heilsopfer will ich nicht sehen“ (Amos 5,22). Dann fährt er fort und sagt, dass Güte und Gerechtigkeit für ihn das angenommene Opfer sind (Amos 5,24). Diese Opfer wurden abgelehnt, weil sie im Geiste von Kain dargebracht wurden.

Jede Gabe, die ohne Liebe gemacht wird, ist in den Augen Gottes wertlos. Jesus hatte eine arme Frau, welche eine kleine Münze in die Kasse der Armen warf gelobt, denn sie tat es von ganzem Herzen und gab ihren Lebensunterhalt. Sie hat mehr gegeben als die Reichen, die von ihrem Überfluss geben (Lukas 21,1-4). Im gleichen Geist sagt Paulus, dass es nichts nützt, wenn man sein ganzes Geld den Armen gibt und ihnen keine Liebe schenkt (1 Korinther 13,3).

Als Kain sich von Gott verstossen sieht, wendet er sich gegen seinen Bruder, anstatt seine Tat zu bereuen. Er verschlimmert die Lage, indem er sich von Eifersucht und sogar vom Wunsch seinen Bruder zu töten überwältigen lässt. Und als Gott ihn über seinen Bruder befragt, antwortet er mit Arroganz: „Bin ich der Hüter meines Bruders?“ Statt sein Hüter zu sein, war er sein Mörder! Deshalb verflucht ihn Gott für seinen Mord, für seinen Mangel an Reue und seine Unverschämtheit.

Die zweite in der Genesis erwähnte Verfluchung ist diejenige von Kain. Die erste göttliche Verfluchung traf den Teufel. Kain stellt also den Nachwuchs und das Abbild des Teufels auf Erden dar. Diese verfluchte Nachkommenschaft wird das Werkzeug des Satans während den Jahrhunderten sein. Die Kinder der Frau, der „Neuen Eva“, sind durch Gott berufen sie zu bekämpfen und über diese diabolische Nachkommenschaft zu siegen (Offenbarung 12,17).

Was bedeutet das Zeichen welches Gott auf die Stirne des Kains tat, damit man ihn nicht tötet? Es ist ein Symbol: Dieses Zeichen stellt die Gewalt dar durch welche das Gesicht dieses Brudermörders auf immer gekennzeichnet sein wird. Seine strenge Stirn, sein hartes Gesicht und sein böser Blick widerspiegeln den in seiner Seele verankerten Hass. Es ist also nicht Kain, welcher Angst haben soll vor „wer ihn findet“, sondern eher jeder andere vor diesem Mörder.

Kain und seine Gleichen machen den Menschen Angst. Denn falls Kain getötet wird, wird er durch „7“ andere Kain gerächt werden. Gott, der Kain von seiner Gegenwart wegschickt, sieht ihn zögern. Unter dem Vorwand, man werde ihn töten, will er sich nicht entfernen. Er will in der Nähe Gottes bleiben, nicht um seine Tat zu bereuen und sein Leben zu ändern… sondern um sich sicher zu fühlen… und weiterhin das Böse tun. Gott sagt ihm dann sinngemäss: „Geh weg von hier; nicht Du, Du Mörder, solltest von anderen Angst haben. Du selbst machst vielmehr 7 anderen Angst“, das heisst einer Vielzahl von Menschen (Genesis 4,15). Die Zahl 7 ist symbolisch. Sie stellt die Vollkommenheit dar. Jesus sagte dem Petrus, er solle 77-mal 7 Mal, d.h. eine unbegrenzte Anzahl Mal, demjenigen verzeihen, der ehrlich seine Sünde bereut (Matthäus 18,21).

„Dann ging Kain vom Herrn weg und liess sich im Land Nod nieder“ (Genesis 4,16). Dieses Land ist symbolisch. Nod bedeutet auf Hebräisch „umherirren“ und symbolisiert die Verdammnis der Seele. Es handelt sich also nicht um einen geographischen Ort, sondern um einen traurigen Seelenzustand, der noch schlimmer ist als die Konsequenz der Erbsünde. Denn für diese Art von Fehler, welche die Verfluchung Gottes provoziert, gibt es keine Hoffnung der Befreiung der Seele. Es ist die Sünde gegen den Geist Gottes. Für diese Sünde ist die Vergebung nicht möglich, da es keine Reue gibt (Lukas 12,10 / 1 Johannes 5,16-17).

Durch Kain und seine Gleichen hat sich das Böse in der Welt verbreitet und verschlimmert. Die Söhne Kains wurden noch schlimmer als der Brudermörder, ihr Vater. Das ist die Bedeutung der Geschichte Lamech (Genesis 4,19-24). Lies sie nochmals. Lamech bedroht seine zwei Frauen Ada und Zilla mit den schlimmsten Vergeltungen und drückt somit seinen unerbittlichen und bestialischen Charakter aus. Er hat einen Mann getötet, der ihn nur verletzt hatte und auch ein Kind, das ihn nur geschlagen hatte. Denn wenn Kain siebenfach gerächt wird, dann Lamech siebenundsiebzigfach…! Nach Kain hat die Gewalt zugenommen und seine Nachkommen sind unendlich gewaltsamer als ihr Ahne, der Brudermörder geworden ist. Somit verstehst Du besser den Ausdruck „sieben Mal gerächt werden“. Merke dir, dass die Zahl 7 ein Symbol der Vollkommenheit und der Genüge darstellt. Auf gleiche Art benützen wir z.B. den Ausdruck: „Ich habe es 100 Mal wiederholt…“ Damit wollen wir ausdrücken, dass es genügend war, um verstanden zu werden.

Gott, der das Gute auf Erde wiederherstellen will, gibt Adam und Eva einen anderen Sohn: „Adam war 130 Jahre alt, da zeugte er einen Sohn, der ihm ähnlich war, wie sein Abbild“ (Genesis 5,1-3). Dieser neue Sohn ist der Ahne der Menschen, die dem durch Kain und seine Nachkommen verbreiteten Bösen widerstehen müssen.

Merke Dir, dass dieser neue Sohn, der Set genannt wurde, wie das Abbild Adams und nicht dasjenige Gottes geschaffen wurde. Denn das Abbild Gottes wurde durch Adam, durch seine eigene Schuld, deformiert. Es ist ein Abbild welches deformiert wurde, aber nicht wie mit Kain und Lamech unwiderruflich zerstört. Die Wiederherstellung des Abbildes Gottes ist also im Falle von Set und seinen Nachkommen möglich. Diese „geistige ästhetische Chirurgie“ zielt darauf hin, das moralische Aussehen des Menschen nach demjenigen Gotte nachzubilden. Das Modell dafür ist das leuchtende Antlitz des Messias, Jesus von Nazareth, der uns seinerseits das Vorbild des Antlitzes, welches Gott gefällt, nämlich dasjenige Maria seiner Mutter gibt. Sie hat sich dem Willen Gottes voll ergeben und antwortete dem Engel Gabriel, der ihr die Geburt Jesus ankündigte: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie Du es gesagt hast“ (Lukas 1,38). Möge Maria uns helfen das Abbild Gottes wieder zu erobern, damit wir uns in Richtung der menschlichen Vollkommenheit weiterentwickeln, dessen Gipfel darin besteht, Gott zu gleichen.

Nach dem Fehler Adams zeugen also die Menschen ihre Kinder nach ihrem Abbild und nicht mehr nach demjenigen Gottes, welches in Adam vor dem Fall noch vollkommen war. Dies ist das traurige Erbe der Erbsünde: ein Bild von Gott das verschwommen ist, manchmal fast unerkennbar, aber das zurückerobert werden kann. Hier besteht die Verantwortung der Eltern. Welches Bild von Gott geben sie ihren Kindern? Welches Bild machen sie sich selbst von Gott? Haben sie mindestens den Wunsch Gott zu kennen und sein wahrer „Name“, sein wahres Gesicht, was er wirklich ist, zu entdecken, um ihn ihren Kindern zu offenbaren. Wollen sie gute Eltern sein, indem sie ihren Kindern bei der Weiterentwicklung helfen oder halten sie sie zurück beim eigenen Abbild? Aufgrund dieses Textes sollten wir uns im Rahmen unseres Programms der Loslösung und der Bewusstseinserfahrung, das wir mit diesem geistigen Wegweiser begonnen haben, diese Fragen stellen. Das von Jesus gelehrte Gebet: „Vater, geheiligt werde dein Name“, bekommt hier seine ganze Wichtigkeit und bedeutet: „Vater, lass mich dein wahres Gesicht kennen, damit ich es widerspiegele“.

Der neue Sohn Adams, der „sein Abbild“ war, wurde „Set“ genannt, ein Name welcher auf Hebräisch, „Schat“, „verleiht“ bedeutet. Eva nannte ihn so, weil Gott ihr „einen anderen Nachwuchs **einsetzte**“ um Abel zu ersetzen. Merke dir den Namen Set: Die biblischen Schriftsteller haben ihn als den Nachfolger Adams dargestellt und als Ahne der „Söhne Gottes“ auf Erden, nämlich diejenigen die den Kopf der satanischen Schlange treffen müssen (Genesis 3,15) um das göttliche Abbild zurückzugewinnen.

Lies das Kapitel 5 der Genesis und sei aufmerksam auf die rhythmischen und **absichtlichen** Wiederholungen: „Derjenige (*mit Name benannt*) zeugte dieser (*mit Name benannt*) und (*andere*) Söhne und Töchter (*nicht mit Namen benannt*)“. Darin besteht eine Absicht: Diejenigen, die benannt sind, werden als Ahnen der Juden betrachtet. Diejenigen, die nicht benannt sind, werden als Ahnen der anderen Völker betrachtet. Erinnere dich daran, einen Namen zu geben bedeutet einen Wert zu verleihen. Hingegen nicht zu benennen, entspricht einer Verachtung. Diese erfundene Genealogie bezweckt die Menschen in zwei Kategorien zu trennen: die Auserwählten, die benannt werden und die unbenannten Gefallenen.

Die Schriftsteller der Genesis (Schriftgelehrte und jüdische Priester) dachten nur die Juden seien nach dem „Abbild Gottes“ geschaffen. Dieser genealogische Baum wurde von ihnen erfunden, um die Würde der Juden zu unterstreichen und diejenige der Heiden dieser Zeit zu erniedrigen. Diese Geschichte entspricht also keiner historischen Realität.

Die Juden betrachten sich als die einzigen „Söhne Gottes“ auf Erden, die direkten Nachfolger Sets und seiner Nachkommenschaft, **die einen Namen trägt**. Sie stellen sich als das „auserwählte Volk“ dar. Nach ihrer Vorstellung sind die „anderen Söhne und Töchter“ Sets, die nicht genannt werden, nicht nach dem Abbild Gottes geschaffen, da sie nicht nach dem Abbild Sets und dem Abbild seiner benannten Nachkommenschaft sind. Deshalb werden sie von den Juden nicht als Menschen, sondern als „Halbmenschen“ betrachtet; eine Stufe unter den Menschen (die Juden) und eine Stufe über die Affen.

Die geistige Interpretation dieser Genealogie ist die folgende: Die „benannten“ Nachkommen Sets und ihre Abstammung, die nach dem Abbild Gottes erzeugt werden, stellen die guten und gerechten Menschen aus allen Rassen und Nationen dar. Die anderen „Söhne und Töchter“ stellen die böse und brudermörderische Nachkommenschaft dar.

Zwei Namen sollten in dieser erfundenen Genealogie behalten werden: Henoch und sein Sohn Metuschelach. Henoch starb nicht, sondern „er war nicht mehr da; denn Gott hatte ihn wegen seiner Aufrichtigkeit aufgenommen“ ohne, dass er durch den Tod gehen musste. „Henoch ging seinen Weg mit Gott“ sagt uns die Genesis (Genesis 5,21-24). Bemerke das Alter von Henoch: 365 Jahre… Die Anzahl Tage eines Sonnenjahres. Ein anderer gerechter Mann kannte dasselbe Schicksal wie Henoch und starb nicht. Es war der Prophet Elija, welcher in den Himmel aufgenommen wurde. Du wirst später seine Geschichte lesen (2 Könige 2,11-13). Henoch und Elija sind zwei grosse Figuren, die man kennen soll. Sie sind Symbole eines brennenden und mutigen Glaubens geworden. Ihre Aufnahme in den Himmel kann auf symbolische oder reale Art verstanden werden. Man muss aber vor allem die moralische Lehre daraus ziehen. Die wahren Gläubigen sterben nicht, wie es Jesus lehrte (Johannes 8,51). Metuschelach, hingegen war der Mann, der am längsten auf Erden lebte, nämlich 969 Jahre.

Dies führt uns dazu, einige Worte über die Langlebigkeit dieser Menschen zu sagen. Ist sie symbolisch oder Realität? Ich denke, dass beides zum Teil wahr ist. Sie ist Realität, wenn auch übertrieben, denn je mehr das Böse und der Materialismus in der Welt zunehmen, um so mehr ist der Mensch von verschiedenen Krankheiten getroffen und stirbt oft in voller Jugend. Man sieht heutzutage oft junge Menschen, die an einem Herzinfarkt oder an Überforderung sterben, wegen der übertriebenen Aktivität im täglichen Leben. Zigaretten und dauernder Stress verkürzen das Leben. Der herausfordernde Rhythmus des modernen Lebens steht im Gegensatz zur menschlichen Natur. Die Lehre aus der Langlebigkeit unserer Ahnen, die das Abbild Gottes trugen, ist die: Man soll mit Gott seinen Weg gehen, wenn man lange leben will. Deshalb erzählen die heiligen Schriftsteller, dass sich Gott entschied „das Leben des Menschen auf Erde auf 120 Jahre zu beschränken“ (Genesis 6,3-5).

Lies jetzt Genesis 6 und fahre dann mit der Lektüre des Kurses fort.

### Die Zunahme des Böses und die Züchtigung durch die Sintflut (Genesis 6)

Gemäss Genesis 6,2 hat das Böse auf Erden zugenommen, weil die „**Söhne Gottes** sahen wie schön die **Menschentöchter** waren und sie nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel“. Wer sind „Söhne Gottes“ und diese „Menschentöchter“? Für die Schriftgelehrten und die Rabbis, die diesen Text verfassten, sind nur die Juden alleine „Söhne Gottes“ (in Hebräisch „beni Elohim“) und von **göttlicher Rasse**. Diese Mentalität hat sich mit der Zeit entwickelt. Sie darauf zurückzuführen, dass vor 4000 Jahren die Juden alleine an den alleinigen Gott glaubten, während des Rests der Menschheit heidnisch, polytheistisch und Götzenanbeter war. Die Juden dachten sie werden für immer die einzigen „Söhne Gottes“ sein, wie die Kanaanäer, die „Söhne Baals“, die Griechen, die „Sohne Zeus“ und die Aegypter, die „Söhne Râs“ waren. Jesus stürzte die Mentalität der Juden um, als er lehrte, dass alle die an ihn glauben werden aus allen Rassen und Nationen, Söhne Gottes würden (Johannes 1,12).

Der Fehler der Juden besteht darin, zu glauben, dass sie alleine würdig sind Gott zu haben. Sie wollten Ihn monopolisieren. Sie wollten sich Ihn aneignen. Gott war einzig und alleine ihren Gott und durfte keinem anderen Volk gehören. Als die Apostel Jesu die Heiden lehren wollten, haben die Juden sie daran verhindert (1 Thessalonicher 2,16). Paulus empörte sich gegen sie und sagte: „Ist denn Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden“ (Römer 3,29).

Nach Vorstellung der Schriftgelehrten und Rabbiner dürfen die Juden -da sie Söhne Gottes und von göttlicher Rasse sind- keine nichtjüdische Frauen heiraten. Sie würden sich durch solche Ehen mit „Töchtern des Menschen“ entwürdigen. Die Kinder einer solchen Ehe werden nicht mehr als Juden betrachtet, denn um Jude zu sein muss man von einer jüdischen Mutter geboren sein. Die „Gottessöhne“ durften nur „Gottestöchter“ heiraten und sie sollten nicht einmal mit Nichtjüdinnen verkehren, aus Angst zum Götzenkult mitgerissen zu werden (Siehe Numeri 25,1-2).

Die gemischten Ehen waren streng verurteilt (Deuteronomium 7,3-4 / 1 Könige 11,1-2 / Esra 10,44 / Nehemia 10,31). Viele Beispiele von gemischten Ehen, sogar bei den Königen, werden aber in der Bibel erwähnt (der König Salomo: 1 Könige 11,1-2 / der König Ahab: 1 Könige 16,31). Das Buch von Ruth erzählt die Geschichte von Ruth, eine nichtjüdische Moabiterin, die einen Juden heiratete. Als er starb, heiratete sie einen anderen Juden „Booz“. Sie gehört zusammen mit Booz zu den Ahnen des Messias (Matthäus 1,5). Dies verwirrt die enge und fanatische Mentalität der Schriftgelehrten, die unglaubliche Geschichten erfanden, um ihren auf Gott fundierten Rassismus zu rechtfertigen.

Genesis 6,2 darf nicht buchstäblich verstanden werden. Man sollte nach dem geistigen Sinn suchen: Die „Gottessöhne“ sind diejenigen, die Gott suchen, nämlich die Gläubigen und die Menschen guten Willens in der ganzen Welt und nicht nur einzige Juden. Jesus lehrte uns, dass „alle, die Frieden stiften, Gottes Söhne genannt werden“ (Matthäus 5,9). Dies betrifft alle Menschen und nicht nur die Juden. Diese „Söhne Gottes“ (Männer oder Frauen) sollten sich nicht durch den Körper und die physische Schönheit, sondern durch den Geist des zukünftigen Ehepartners verführen lassen. Sie sollten sich vergewissern, dass der Partner oder die Partnerin eine Wahl Gottes ist und eine Hilfe, um sich zu Gott zu erheben und nicht ein Hindernis für die Erhebung der Seele. Die Ehe sollte also das Ziel haben Gott näher zu kommen und nicht ein finanzielles Interesse.

Der Ausdruck „Menschensohn“ war negativ geprägt und bezeichnete die Nichtjuden. Jesus hat sich selbst diesen Titel gegeben (Johannes 3,14), um sich diesem rassistischen Geist zu widersetzen. Er nannte sich auch den „einzigen Sohn Gottes“ (Johannes 3,18). Er ist dieser „Menschensohn“, der von den Propheten angekündigt wurde (Daniel 7,13), das Haupt des **menschlichen** Nachwuchses der Frau, der die satanische Schlange am Kopf treffen wird. Er ist aber auch der einzige Sohn Gottes, „der allen, die ihn aufnehmen Macht gibt, Kinder Gottes zu werden“, wie es der Hl. Johannes in seinem Evangelium offenbart (1,12). Durch diesen Text klärt uns das Evangelium über den **geistigen** Sinn von Genesis 6,2 auf. Dabei werden die wahren Jünger Jesus als „Gottessöhne“ betrachtet. In diesem Sinne sagt Paulus: „Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen“ (Galater 3,29). Die fleischliche Nachkommenschaft hat für Gott keinen Wert.

Als Gott sah, dass der Mensch mehr physisch als geistig sein will, zog er aus diesem unbesonnenen Geschöpf seinen gedemütigten Geist zurück. Das menschliche Leben wird darauf auf 120 Jahre verkürzt. Das bedeutet, dass man ohne Gott nicht lange leben kann. Die Zahl 120 darf nicht numerisch verstanden werden, da es heilige Personen gibt, die weniger lang leben und andere die länger leben, ohne sich um Gott zu kümmern… Diese werden die Freuden des ewigen Lebens nicht geniessen. Das ist die Lehre aus Genesis 6,3: ein langes Leben zu haben, bedeutet Anteil haben an **das ewige Leben**.

Die Riesen, diese „Helden der Vorzeiten“, die in Genesis 6,4 erwähnt sind, stellen den Mensch vor der Verbreitung des Bösen auf Erde dar. Es ist seine Würde, die gross war. Die Menschen, die gekommen sind, nachdem Gott seinen Geist zurückzogen hatte, erscheinen vor Ihre Ahnen wie Zwerge.

Die Grösse dieser „Riesen“ bestand im Geist Gottes, der sie erfüllte und ihnen eine **Seelengrösse** verlieh. Es war der Geist Gottes in ihnen, welcher sie zu diesen „Helden der Vorzeiten“ wie Set, Enosch, Henoch und Metuschelach usw. machte.

Dieser Text der Genesis wie viele andere darf also nicht buchstäblich verstanden werden. Man darf nicht an eine physische Grösse der Riesen glauben. Man sollte sie auch nicht mit körperlichen Zwergen oder mit der Rasse der Pygmäer, die fähig sind Gottessöhne und geistige Riesen zu werden, vergleichen. Jesus ist in der Tat gerade gekommen, um seinen Jüngern aus allen Rassen der Welt den Geist Gottes, der eine unwürdige Menschheit verlassen hatte, wiederzugeben (Genesis 6,3). Lies Johannes 14,16-17. Diese Gabe des Heiligen Geistes ist allen wahren unabhängigen Gläubigen, unabhängig von ihrer körperlichen Grösse, gegeben.

### Die Sintflut (Genesis 6,5 bis 7,24)

Die Archäologie hat unter dem Atlantik ein Kontinent entdeckt welches „Atlantis“ genannt wurde. Unter den Gewässern des Pazifiks ist der Kontinent von „Mu“ begraben. Diese zwei Kontinente brachen nach einer allgemeinen Überflutung, welche vor ca. 25.000 Jahren stattfand zusammen. Spuren von einer sehr entwickelten Zivilisation wurden in den beiden Kontinenten entdeckt. Diese Zivilisation wurde vernichtet. Die Überlebenden haben ihre Erinnerungen an die nächsten Generationen übertragen und die Menschheit hat sie somit bewahrt.

Die Archäologie informiert uns ebenfalls über diese Überflutung. In alten babylonischen Erzählungen, noch **vor der Bibel**, ist die Rede von einer Sintflut, die die Menschheit zerstörte. Diese Erzählungen wurden vor dem Jahr 2000 vor Chr. geschrieben, also 1000 Jahre **vor** der Genesis. Als die Schriftsteller der Bibel die Erzählung der Sintflut verfassten, haben sie eine Geschichte, die zu jener Zeit bereits seit Jahrhunderten **von anderen Völkern bekannt** war, wiedergegeben.

Die Babylonier hatten sie in der Keilschrift (Buchstaben wie Keile) niedergeschrieben. Das babylonische Alphabet wurde mit diesen Keilen, welche um einen Buchstaben zu bilden unterschiedlich positioniert waren, geschrieben.

Ein wesentlicher Unterschied besteht allerdings zwischen der babylonischen und der biblischen Erzählung. Die Babylonische sagt: „Die Götter entschlossen sich, die Menschheit wegen ihrer Fehler zu zerstören. Ea (oder ‚Enki', einer der babylonischen Götter) warnte Utnapishtim und er fing an ein Schiff zu bauen usw.“. Die biblischen Schriftsteller wiederholten dieselbe Geschichte, aber korrigierten sie, indem sie dem alleinigen Gott zugeschrieben wurde. Sie schrieben: „JAHWE, Gott entschloss sich die Menschheit wegen ihrer Fehler zu zerstören“. Um eine hebräische Konsonanz zu geben wurde der Name Utnapishtim in Noah verwandelt.

Nachfolgend wird ein Text aus dem französischen Buch „Déluge et arche de Noé“ von André Parrot (Edition „Cahiers d'archéologie biblique“, 15 Februar 1955) wiedergeben. Es ist ein Beispiel dafür, wie die biblischen Schriftsteller die damaligen Erzählungen der Mythologie und des Polytheismus übernommen und gereinigt haben, indem sie monotheisiert wurden. Den Mitwirkenden wurden hebräische Namen gegeben:

> **DIE SINTFLUT UND DIE ARCHE NOAH**Die Sintflut war also zweifellos eine markante Zäsur in der Geschichte. Die Erinnerungen daran blieben sowohl in Mesopotamien als auch in Palästina lebendig. Jesus selbst bezog sich darauf in seiner Lehre über die letzten Zeiten (Matthäus 24,37-39 / Lukas 17,26-27).
> 
> Wir haben also in der biblischen und babylonischen Literatur eine Auswahl von Texten, die auf eine verheerende Sintflut hinweisen. Dank einem Schiff konnte sich nur eine Familie retten: diejenige Noahs gemäss der Bibel, diejenige Utnapishtim, Atrahasis, Ziusudra, Xisuthros gemäss Überlieferungen der Babylonier. Die Übereinstimmung dieser Texte ist unleugbar und für jeden offensichtlich. Man könnte daraus eine Synopsis zwar mit Varianten machen, aber mit einer eindrücklichen Übereinstimmung in Bezug auf das Wichtigste. Wir weisen auf einige eindrückliche Ähnlichkeiten (Tabelle: Vergleich zwischen der Genesis und der Überlieferung).

Vergleich zwischen der Genesis und der Tradition
| GENESIS | BABYLONISCHE TRADITION |
|---|---|
| Jahwe entschloss sich, die Menschheit wegen ihrer Bosheit zu zerstören. | Die Götter entschlossen sich, die Menschheit wegen ihrer Fehler zu zerstören. |
| Jahwe warnte Noah und veranlasste ihn ein Schiff zu bauen. | Ea (Enki) warnte Utnapishtim und veranlasste ihn ein Schiff zu bauen. |
| Dieses Schiff soll mit Tieren gefüllt werden, damit sie am Leben bleiben. | Das Schiff soll mit Tieren und mit Samen von jedem Lebewesen gefüllt werden. |
| Die Sintflut kam. Jahwe vertilgte alle Wesen auf dem Erdboden. | Die Sintflut kam. Die ganze Menschheit war zu Lehm geworden. |
| Noah prüfte, ob das Wasser abnahm, indem er Vögel hinausliess (Raben, Tauben). | Utnapishtim prüfte, ob das Wasser abnahm, indem er Vögel hinausliess (Taube, Schwalbe, Rabe). |
| Noah baute einen Altar und brachte dem Herrn ein Opfer dar. | Utnapishtim brachte den Göttern ein Opfer dar. |
| Jahwe roch den beruhigenden Duft. | Die Göttter rochen den guten Duft. |
| Jahwe will die Erde nicht mehr verfluchen. | Enlil versöhnte sich mit Utnapishtim. |
| Jahwe segnete Noah und seine Söhne. | Enlil segnete Utnapishtim und seine Frau. |

| ![](/pictures/cb-gilgamesh.png "gilgamesh")  Fragment einer Tafel aus der Zeit von Gilgamesch |
|---|

> Der Text der babylonischen Tradition ist ein Ausschnitt aus der bekannten Zeit von „Gilgamesch“, dem märchenhaften König, welcher im Nahen-Osten seit dem 27. Jhd. vor. Chr. der bekannten Erzählung seinen Namen gab. Das allgemeine Thema der Erzählung ist die Suche der Unsterblichkeit, dessen Geheimnis in der Auffindung einer tief im Wasser versteckten jugendspendenden Pflanze besteht (*denke an den Baum des Lebens in der Genesis*). Viele Nationen haben diese Erzählung in ihre eigene Sprache übersetzt. Man findet eine sumerische und näher zu unserer Zeit eine assyrische und babylonische Version. Die assyrische Version ist die vollständigste und zählt 326 Zeilen, wovon 200 der Sintflut gewidmet sind.

Nachdem André Parrot die Ähnlichkeit der beiden Erzählungen der Genesis und der babylonischen Version dargestellt hat, fährt er fort mit der Schlussfolgerung:

> „Welche Erzählung ist die Grundlage für alle anderen? Man sollte antworten: die Älteste, und die Älteste ist sicher **die babylonische** Erzählung. Dies beängstigt einige biblische Gelehrte, welche eine Lösung auf dem Mittelweg vorschlagen, die nach ihrer Meinung eher der Lehre der Inspiration entspricht. Es würde eine ursprüngliche, verloren gegangene Tradition geben, von welcher wir zwei Versionen, nämlich die sumerisch-babylonische und die israelitische haben. Wir geben es ganz ehrlich zu: Diese Erklärung befriedigt uns nicht. Wir betrachten eher, dass wir **mit** der biblischen Erzählung der Sintflut, die israelitische **Version** einer mesopotamischen Tradition haben. Die Originale sind auf Lehmtafeln in unseren Händen. Diese mesopotamische Erzählung wurde im Lichte des Monotheismus durch die biblischen Schriftsteller neu überdacht. Diese (*mündliche*) Tradition der Sintflut und viele andere Traditionen, nämlich die Mehrheit der Traditionen der elf ersten Kapitel der Genesis, wurden durch die **Patriarchen** (*Abraham, Isaak, Jakob*), welche vom Land der beiden Flüsse (*Tigris und Euphrat*) auswanderten und sich im Land Kanaan niederliessen, mitgebracht. Die Israeliten haben nie verheimlicht, dass ihre Ahnen zu jener Zeit ‚andere Götter‘ angebetet haben (Josua 24,2) und somit einen Glauben hatten, der weit entfernt vom Glauben an Jahwe war. Deshalb haben wir im Kapitel 6 bis 8 der Genesis die Erzählung der Sintflut, welche von den Mesopotamiern lange bevor die Israeliten daran dachten sie schriftlich festzuhalten, in ihrer Keilschrift niedergeschrieben wurde. Dies zeugt von der aussergewöhnlichen Treue der mündlichen Tradition, die in Israel während tausend Jahren die Aufbewahrung dieser rührenden Tradition erlaubte“.

Die Schlussfolgerungen von A. Parrot verletzen die „Lehre der Inspiration“ nicht, wie es diejenigen befürchten, die sich an die buchstäbliche Auslegung der Bibel klammern. Die Absicht der biblischen Schriftsteller bestand darin, die Kenntnis des Monotheismus durch die damalig im Nahen-Osten bekannten polytheistischen Erzählungen zu verbreiten. Das Ziel bestand darin, die menschliche Geschichte zu heiligen, indem sie monotheisiert wurde und von jeder polytheistischen Angabe befreit wurde, um nur noch den einzigen Gott, den Gott Abrahams, zu offenbaren.

Ich habe die vorherigen Kapitel der Genesis ausführlich erklärt, um Dir den Geist zu geben, mit welchem Du sie verstehen solltest. Von nun an werde ich nur noch die wichtigsten Punkte erwähnen:

**Genesis 9,12-17**: spricht vom Regenbogen als **Zeichen** des **ewigen** Bundes zwischen Gott und den Menschen. Merke dir dieses Symbol des Regenbogens, denn Du wirst es im Buch der Offenbarung oder Apokalypse (10,1) auf dem Kopf des Gesandten Jesu zu den apokalyptischen Zeiten wieder finden. Denn diesen Gesandten wird der **wahre ewige** Bund zwischen Gott und den Menschen wiederherstellen. Dieser Bund wurde durch Jesus neu gegründet, aber später durch die Christen verraten. Der apokalyptische Gesandte hat die Mission ihn wiederherzustellen.

**Genesis 9-10**: Dieses Kapitel stellt die 3 **symbolischen** Brüder von Noah dar: Sem, Ham und Jafet. Diese Genealogie hat keine historische Grundlage. Sie wurde durch die Schriftgelehrten mit einem rassistischen Ziel zugunsten der Juden aufgestellt, wie diejenige von Seth in Genesis 5. Folgendes dazu:

- Kanaan, der Ahne der Araber wird verflucht und als „niedrigster Knecht“ eingestuft, d.h. als Sklave von Sem (der Ahnen der Juden) und von Jafet (der Ahnen der Europäer). Bemerke, dass die Schriftgelehrten Kanaan verfluchen und nicht Ham. Es ist vor allem die Nachkommenschaft, nämlich die Palästinenser und die Araber im Allgemeinen, die es treffen soll (Genesis 10,14). Nach Meinung der Juden ist die Verfluchung gültig für alle Zeiten. Kein Palästinenser und kein Araber sind davor verschont. Sie werden für immer die „Sklaven der Sklaven“ sein, im Dienste von Sem und seinen Nachkommen und von Jafet und seinen Nachkommen. Diese ihrerseits sind nur die „Sklaven“ im Dienste der Nachkommenschaft von Sem. Kanaan hingegen ist „der Sklave der Sklaven“.
- Es wird kaum nötig sein zu erwähnen, dass Sem gesegnet wird! Dies ist selbstverständlich. Ist er nicht der Ahne der Hebräer?!… Es ist der „Gott von **Sem**“, welcher von Noah gesegnet wurde. Er ist nicht der Gott von Jafet und noch weniger derjenige von Ham. Sem „ist der Stammvater aller Söhne Ebers“ (Genesis 10,21). Man muss diesen Vers nach seiner hebräischen Nuance, die man in der französischen Bibel von dem französischen Rabbinat übersetzt wiederfindet: „Sem ist der Stammvater der ganzen **Rasse** Ebers (*die Hebräer*)“. Die Israeliten glauben mit Unrecht sie seien eine Rasse. Die Segnung ihres Ahnen Sem wird, gemäss ihrer Meinung, ausschliesslich auf jede Person ihrer „Rasse“ übertragen. Somit werden sie alle zu den „einzigen Söhnen Gottes“. Gott ist einzig und alleine der Gott Sems und seiner Nachkommenschaft, der Gott des „auserwählten Volkes“, meinen sie. Die Schriftgelehrten dachten, dass sich die anderen Nationen nicht von Gott nähern konnten. Er ist **ausschliesslich** der Gott Sems, der Gott der Juden… Erinnere Dich an die Worte Paulus: „Ist denn Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden“ (Römer 3,29). Hier erscheint deutlich die **weltweite** Dimension der Lehre Jesus und des Neuen Testamentes.
- „Raum schaffe Gott für Jafet. In Sems Zelten wohne er, Kanaan aber sei sein Knecht“ (Genesis 9,27). Die Bibel des französischen Rabbinats sagt: „Kanaan aber sei **ihr** Knecht“.

Dies bedeutet in anderen Worten:

- Die Juden (Nachkommen von Sem) sind die unbestrittenen Meister der Welt und der Menschen.
- Die Inder, Europäer und Amerikaner sind ihre „Sklaven“. Sie können aber „in Sems Zelten wohnen“, also mit den Juden zusammen leben, aber ohne persönliches Besitztum. Sie wohnen nicht in ihren eigenen Zelten, sondern „in Sems Zelten“ (eine Nuance, die man nicht unterschätzen sollte!…). Somit werden die Juden zu den unbestrittenen Besitzern aller irdischen Güter.
- Die Kanaaniter (die Araber) sind im bedingungslosen Dienste der beiden vorher genannten Kategorien oder Rassen. Deshalb sind sie „die niedrigsten Knechte“, da sie Knechte der „ersten“ Knechte, der Nachfolger Jafets, sind. Diese wiederum sind die Knechte der „Semiten“.

Die Verfasser dieses genealogischen Märchens haben nicht gezögert Noah –der einzige gerechte Mann dieser Zeit, der es verdiente der Sintflut zu entkommen- als betrunkenen Mann, der sich sogar auf lächerliche Weise auszieht, darzustellen: „Er trank von dem Wein, wurde davon betrunken und lag entblösst in seinem Zelt…“ (Genesis 9,21).

Die jüdischen Hirngespinste haben somit die Menschheit gespalten, indem sie eine Hierarchie von drei Rassen eingeführt haben. Der Vorteil kommt der hebräischen „Rasse“ zu. Deshalb warnt uns Paulus, dass wir uns vor den „jüdischen Märchen“ in Acht nehmen müssen (Titus 1,14). Wir sollten uns auch nicht einlassen auf „Erörterungen über Geschlechterreihen“ (Titus 3,9), die den Juden so gefallen. Der Prophet Jeremia hat „den Lügengriffel der Schreiber“ verurteilt, weil sie im Namen Gottes, in die Bibel, Reden, die Gott fremd sind, eingeführt haben (Jeremia 8,8). Jesus hatte sich gegen die „Schriftgelehrten und Pharisäer, die Heuchler“ empört, denn sie haben den Sinn der göttlichen Offenbarung zu ihrem eigenen Vorteil verdreht (Matthäus 23 & 15,6-7).

Wir sind heute eingeladen **das Alte Testament der Bibel** von seinem rassistischen Inhalt, das durch den „Lügengriffel der Schreiber“ eingeführt wurde, **zu befreien**. Im Neuen Testament hingegen gibt es nichts zu bereinigen, da es selbst eine Beschwörung ist. Wir sind berufen, Experten des göttlichen Wortes zu werden, Leute, die **unterscheiden** können zwischen dem was in der Bibel von Gott stammt und dem was von dem Menschen stammt. Wir müssen -wenn wir uns nicht verirren wollen- wie die Finanzexperten sein, die die falsche Währung von der echten unterscheiden können. Es ist auch nicht schwierig, wenn man in sich den Geist Gottes hat. Wer Gott gut kennt, weiss auch wie er denkt, was er in der Bibel gesagt hat… und was er nie gesagt hat.

**Die Bibel zu befreien ist eine heilige Aufgabe!**

**Genesis 11**: Der „Babelturm“ ist ein Symbol für den Stolz des Menschen, der immer höher bauen will, um zu beeindrucken und zu dominieren. Eiffelturm, Wolkenkratzer, oder Pyramiden sind die heutigen Versionen der hohen Türme, die man früher in Babel baute. Man nannte sie „Ziggurat“.

| ![](/pictures/cb_ziggourat.jpg "ziggourat")  Ziggurat Mesopotamien |
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Gott beschämt die Eitelkeit der Menschen durch Menschen. Zuerst verstanden sie sich gegenseitig, da sie nur eine Sprache hatten. Mit der Zeit verstanden sie sich nicht mehr, weil jeder seine eigene Sprache sprach und nur das eigene Interesse sah. In anderen Worten hatten der Egoismus und der Stolz die Menschen getrennt. Jeder will alles besitzen und dem anderen vorstehen. Von da kommen die Konflikte. Die Geschichte des Babelturmes muss so verstanden werden. Nicht der Bau von hohen Bauten ist zu verurteilen, sondern der Geist der Eitelkeit, mit welchem sie gebaut werden. Auch heute verstehen sich zwei Leute, die dieselbe Sprache sprechen nicht mehr, sobald der eine der andere beherrschen will.

Die wahren Jünger Christi haben den Geist Gottes, welcher die Kinder Gottes vereinigt. Sie verstehen sich untereinander, auch wenn jeder seine eigene Sprache hat. Denn die Sprache der Liebe, die sich durch einen Blick, eine Bewegung oder ein Lächeln ausdrückt, ist eine Einheit. Das war der Fall an Pfingsten, als der Heilige Geist auf die Apostel herunter fiel. Sie wurden von vielen Fremden verstanden und die Zuhörer waren erstaunt: „Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“ (Apostelgeschichte 2,7). Der Geist Jesus war eben anwesend, um das wiederherzustellen, was durch den menschlichen Stolz zerstört wurde. Die Pfingsten heilt die Wunde des Babelturmes.

Genesis 11 endet mit einer Genealogie, die versucht -um jeden Preis- Abraham mit Sem in Verbindung zu bringen. Das Ziel dieser „Genealogie“ ist das folgende: Die Existenz der Hebräier auf Erde noch vor Abraham darzustellen, um glaubwürdig zu machen, dass Gott als er Abraham auswählte gleichzeitig eine Rasse, nämlich diejenige von „Sem“, ausgewählt hat. Sem wäre der Ahne von „Eber“, eine erfundene Person, die ihren Namen den Hebräern, den „Söhnen Ebers“ gegeben haben sollte (Genesis 10,21 & Genesis 11,10-16). Dadurch würden die Hebräer zum „auserwählten Volk“. Ich erkläre am Anfang der 3. Lektion, weshalb es falsch ist zu glauben, dass Abraham aus einer „hebräischen“ Abstammung kommt.

**Genesis 11,27-32** stellt die Familie Abrahams vor: Terach, sein Vater und seine zwei Brüder, Nahor und Haran (der beim Sterben dem Abraham sein Sohn Lot hinterliess) und Sarai seine Frau, die auch seine Halbschwester war. Sie wohnten in „Ur“, eine grossen Stadt zu jener Zeit und wanderten nach Haran, im Norden von Syrien, wo Gott Abram erschien.

Hier endet das Studium der ersten 11 Kapitel der Genesis.

## Dritte Lektion - Von Abraham bis Isaak (Genesis 12 bis 24)

### Abraham

Abraham lebte 20 Jahrhunderte v. Chr., also vor 4.000 Jahren. Zu jener Zeit war Gott nicht bekannt. Jedes Land hatte seine eigenen Götter. Einer davon war stets den anderen überlegen. Polytheismus und Mythologie waren überall verbreitet mit Göttern, die je nach dem Land andere Namen hatten. Die Götzenanbetung war überall verbreitet. Man betete im Nahen-Osten Statuen aus Holz oder Stein der assyrischen, babylonischen, kanaanitischen usw. Göttern an, so wie in der griechischen Mythologie ganze Heerscharen von Götzen 1500 Jahre nach Abraham angebetet wurden. Die götzenanbetende Reiche (assyrisch, babylonisch, griechisch, römisch) waren dem neu entstehenden Monotheismus völlig entgegengesetzt. Sie bekämpften ihn mit Wut und verfolgten die ersten Gläubigen. Man findet eine Wiederholung dieses Kampfes gegen den Monotheismus in den modernen atheistischen Staaten.

Zu Zeiten Abrahams gab es weder Juden noch Hebräer. Abraham war ein Syrer aus Haran und nicht ein Hebräer, wie es die Juden behaupten. Die Schriftgelehrten wollten, mit einem rassistischen Ziel, sich selbst und die ganze Welt von einem historischen Irrtum überzeugen, nämlich, dass sie **vor** Abraham als hebräisches **Volk** existierten. Dieses Volk würde aus einem der Söhne Sem, nämlich Eber stammen. Von dort kommt der Name Hebräer. Einige präsentieren dieses Volk als Ebers „**Rasse**“.

Nach der Genesis sind die Söhne Sems: Elam, Assur, Arpachschad, Lud und Aram. Man muss unterstreichen, dass diese „Söhne“ Sems Namen **von Ländern** tragen. Elam befindet sich im Süden des Irans und seine Hauptstadt war Susa, Assur bezeichnet Assyrien (heutiger Irak), Lud befindet sich vermutlich in Palästina (Flughafen von Lod in Israel) und Aram ist Syrien. In anderen Worten gehören alle diese Gebiete –da sie den Söhnen Sems gehörten- zum geerbten Besitz der Hebräer und bilden das „Gross Israel“, das heute von den Israelis als Reich begehrt wird. Diese Grenzen befinden sich auf der heutigen israelischen Münze.

Bewegt durch den Gedanken, das „auserwählte Volk“ zu sein wollten die biblischen Schriftgelehrten glaubhaft machen, dass Abraham zur Zeit seiner Berufung bereits ein Hebräer war, einer der „Söhne Ebers“, Nachkommen von Arpachschad (Genesis 11,10-26). Dieser „Eber“ hätte seinen Namen den Hebräer gegeben (Genesis 11,14). Diese ganze genealogische Geschichte dient dazu, alle Hebräer in der Person von Abraham als auserwählt darzustellen. Somit sollte die ganze Welt verstehen, dass alle Juden von allen Zeiten und allen Orten das **einzige** „auserwählte Volk“, **die alleinige gewählte Rasse**, die von Gott über alle anderen Rassen erhoben wurde, bilden.

Deshalb haben die Schriftgelehrten mit Feinheit in Genesis 14,13 das Wort „der **Hebräer** Abram“ eingeführt. Diese Bezeichnung wird heimlich durch den „Lügengriffel der Schreiber“ eingebracht (Jeremia 8,8) mit dem Ziel, den Juden Rassen- und Sozial-politische-Privilegien zu verleihen. Deshalb erinnert Moses die Juden daran, dass Abraham ihr Vater „ein umherirrender **Aramäer** (*ein Syrer*)“ war (Deuteronomium 26,5) und nicht ein Hebräer. Man muss nur die Genesis lesen, um überzeugt zu sein, dass Abraham und seine ganze Familie samt Gattinnen und Nachkommen Syrer waren. Nirgends spricht die Bibel von einem hebräischen Volk, welches vor Abraham existierte… Die Geschichte auch nicht!

Gott wählte also **einen Mann** und nicht ein Volk, ein **Syrer** (Aramäer) und nicht ein Hebräer aus. Die Hebräer existierten damals noch nicht.

Gott segnete Abraham und sagte zu ihm: „Durch dich sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen“ (Genesis 12,3). Die Rabbiner interpretieren diesen Vers wie folgt: „Durch dich sollen die Juden von allen Geschlechtern der Erde Segen erlangen“. Diese restriktive Interpretation widerspiegelt nicht die Absicht Gottes.

Der Ruf Gottes erging an Abraham als er 75 Jahre alt war und seine Frau Sarai 65. Er befand sich damals in Haran, im Norden Syriens. Gott sagte zu ihm: „Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft… in das Land, das ich dir zeigen werde. Ich werde dich zu einem grossen Volk machen…“ (12,1-2). Die Rabbiner übersetzen „zu einer grossen **Nation**“ um eine politische, israelische Nuance der Wahl Gottes zu geben.

Später änderte Gott den Namen Abram in Abraham (Ab=Vater), weil er ihn „zum Stammvater einer Menge von Völkern bestimmt“ (Genesis 17,5) hat. Damit erscheint der **universelle** Plan Gottes, der alle Menschen einbezieht und nicht zugunsten einer kleinen Gruppe sein soll. Die Juden glauben diese „Menge von Völkern“ zu sein, die in allen Nationen der Erde zerstreut sind, um die Welt zu führen. Die Nationen sind die Nachkommen Jafets, die Nicht-Juden. Aus dieser Nachkommenschaft „zweigten sich die **Inselvölker** in ihren verschiedenen Ländern ab, jedes nach seiner Sprache und seinen Sippenverbänden in ihren Völkerschaften“ (Genesis 10,1-5). Die „Inselvölker“ sind die Inseln und die Länder des Mittelmeeres sowie die nicht-jüdische Welt.

Jesus verurteilte der Rassismus der Schriftgelehrten und Pharisäer. Seine Jünger verstanden, dass Gott nicht ein „Volk“ wählen wollte, sondern eine Gemeinschaft von Gläubigen **bilden**, aus welcher der Messias geboren werden sollte. Diese Gemeinschaft hatte die Aufgabe die Menschen, und zwar alle Menschen, auf diesen grossen göttlichen Plan vorzubereiten. Sie sollte dieser Plan des weltweiten Heils nicht für sich alleine bewahren. Die Apostel verstanden, dass alle Menschen die an Jesus glaubten, Söhne Abrahams waren. Diese Kindschaft war nämlich eine **geistige** und nicht eine fleischliche. „Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen“ hatte Paulus gesagt (Galater 3,29). Diese gesegnete Nachkommenschaft ist also universell und umfasst alle Nationen und alle Rassen wie es dem Abraham gesagt wurde.

Abraham wurde 2000 Jahre vor Chr. von Gott gerufen. Christus lebte also genau zwischen ihm und uns, Menschen des 20. Jahrhunderts. Gewisse Leute fragen sich, weshalb Gott so lange gewartet hat, um sich zu offenbaren. Es gab ja tausende vor Jahrhunderten vor Abraham! Die Antwort ist die folgende: Durch die Erbsünde hat der Mensch seine geistigen und psychischen Fähigkeiten verloren. Es brauchte viel Zeit bis er durch die vielen Jahrhunderte wieder ein Minimum an Fähigkeiten für tiefgründige Überlegungen entwickelte. Erst dann konnte er einen gewissen Grad an intellektueller Reife erreichen, um zu verstehen, dass Gott **Geist** ist und einzig und dass man ihn nicht in materiellen Sachen (Sonne usw.) noch in Götzen suchen soll. Auch heute noch sind viele Menschen unfähig die geistigen Realitäten und sogar die Existenz selbst eines einzigen Gottes zu erfassen. In sogenannten zivilisierten Gesellschaften herrschen überall der Fetischismus und der Aberglauben. Es gibt immer noch polytheistische Stämme in Afrika, Asien, Amerika und Australien. Du wirst erfahren, wie schwierig es ist, in unserem Jahrhundert Gott den Menschen zu offenbaren. Sie müssen ein Minimum an geistigem Interesse zeigen und eine gewisse moralische Reife erreicht haben, um Gott zu akzeptieren… oder ihn wegen persönlichen Interessen abzulehnen, nachdem sie ihn erkannt hatten.

Nachdem André Gide sein Leben bereut hatte und seine Liebe zu Gott ausdrückte sagte er zu Ihm:

> „Verzeihung Gott! Ja, ich weiss, dass ich lüge. Die Wahrheit ist, dass ich dieses Fleisch, das ich hasse, noch mehr liebe als Sie.“ („André Gide in eigenen Worten“, Écrivains de toujours, Éditions du Seuil, Claude Martin, 1963)

Scharen von Menschen denken auf diese Weise.

Abraham ist von Gott gerufen worden sein Land, Syrien, seine Verwandtschaft und das Haus seines Vaters zu verlassen. Er musste von seiner götzendienerischen und polytheistischen Umgebung entfernt werden, um ihn fern von jeder geistigen Kontamination und jedem feindseligen Angriff abzusondern. Gott sandte ihn dorthin wo ihn niemand kannte, um seinen Plan zu vollbringen und seine Weiterentwicklung zu garantieren. Abraham musste sich von der Gesellschaft, die ihn kannte, von seinen Verwandten und Freunden trennen, weil sie eine Gefahr für seinen neuen Glauben darstellten. Dies trifft auch zu bei jeder Person, die beginnt Gott und das geistige Leben zu entdecken. Die Materialisten in ihrer Umgebung werden sie bekämpfen. Hatte Jesus nicht gesagt: „Die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein“ (Matthäus 10,36)? Jeder Mensch, der den Ruf Gottes hört und der sich vom Leben der Seele angezogen fühlt muss lernen sich loszulösen. Er muss seine eigene Mentalität von den Bindungen, die die innere Begeisterung dämpfen, befreien. Ich habe dir dies bereits in der Einführung und in der „Bewusstseinserfahrung“ erklärt. Man muss den Mut haben mit jeder Person, welche uns hindert geistig weiterzukommen, zu brechen - auch wenn es ein Mitglied der Familie ist. Der Psalm (45,11) sagt zu der gläubigen Seele: „Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, **vergiss** dein Volk und dein Vaterhaus (*löse dich*). Der König verlangt nach deiner Schönheit; er ist ja dein Herr, verneige dich vor ihm!“. Und Christus sagt weiter: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig“ (Matthäus 10,37).

Ich werde jetzt die wichtigsten Punkte dieser Lektion erläutern:

### Gott verspricht Abraham und seiner Nachkommenschaft ein Land (Genesis 12,6-7)

Nachdem Gott Abraham sagte, er solle sein Land Syrien verlassen, versprach er ihm, dass er ihn schützen und belohnen wird: „Fürchte Dich nicht Abram. Ich bin dein Schild. Dein Lohn wird sehr gross sein“. Diese Aussage befriedigt nicht der Berufene: „Mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe doch kinderlos dahin…“ Und Gott verspricht ihm eine vielzählige Nachkommenschaft so wie die Sterne, um ihn zu trösten (Genesis 15,1-6).

| ![](/pictures/cb_sites-mesopotamiens_de.png "Sites mesopotamiens")  Mesopotamien und Nahen-Osten zur Zeit der Patriarchen |
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Zudem versprach Gott ihm und seinen Nachkommen ein Land, als Kompensation für das Land, das sie verlassen hatten: „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land“ (12,7). Die Schreiber machen plötzlich einen Sprung von der Nachkommenschaft, die Abraham verlangte, zu einem Land, welches weder verlangt noch spezifiziert wurde. Erst später wurde es bestimmt: das Land Kanaan, das Land Palästina.

Diese geographische Gabe an die Nachkommen Abrahams ist der Ursprung der Vorstellung des „verheissenen Landes“, welches die Hebräer während den Jahrhunderten für sich allein in Anspruch nahmen. Um diese falsche Interpretation zu korrigieren, muss man verstehen, was dieses Land gemäss Gott wirklich ist und wer die wahren Nachkommen Abrahams sind.

Das von Gott versprochene Land ist kein geographischer Ort. Es ist das Symbol einer höheren und ewigen Realität. Es handelt sich um das himmlische Glück, welches Adam vor seiner Vertreibung aus dem Paradies genoss. Dieses „verheissene Land“ symbolisiert Gott selbst, der einzig fähig ist, die Seele, die nach Leben und Glück durstet, zu stillen. Der Schöpfer ist die einzige stabile und sichere Heimat. Für immer.

Der Hl. Paulus bestätigt den **geistigen** Charakter des verheissenen Landes, indem er sagt: „Aufgrund des Glaubens gehorchte Abraham dem Ruf, wegzuziehen in ein Land, das er zum Erbe erhalten sollte… als Fremder hielt er sich im verheissenen Land wie in einem **fremden** Land auf… Denn er erwartete die Stadt mit den festen Grundmauern, die Gott selbst geplant und gebaut hat…“ (Hebräer 11,8-10). Diese **nicht terrestrische** Stadt ist Gott selbst „denn wir haben **hier** keine Stadt, die bestehen bleibt, sondern wir suchen die **künftige**“ (Hebräer 13,14).

Und bezüglich Nachkommenschaft sind die Jünger Jesus die Nachkommen Abrahams. Paulus unterstreicht dies, wenn er sagt: „Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben (*des himmlischen Landes*) kraft der Verheissung“ (Galater 3,29).

Gott lud Abraham ein sich in Kanaan niederzulassen, um auf friedliche Weise mit den Bewohnern des Landes zu leben. In der Absicht Gottes sollten sie das Licht des einzigen Gottes in einem Geist der Brüderlichkeit und der Weisheit verbreiten. Das Ziel Gottes war nicht „die Bewohner des Landes zu vertreiben…“, wie es das Buch Numeri sagt (33,55). Diese Art von Versen werden durch Jeremia als lügnerisch bezeichnet (Jeremia 8,8). Das Ziel Gottes bei der Berufung Abrahams war nie politisch und nationalistisch, sondern geistig und universell.

Als die Juden im 13. Jhd. vor Chr. in Palästina, nach ihrem Auszug aus Ägypten mit Moses einmarschierten, haben sie sich dort niedergelassen und wollten einen israelischen Staat gründen. Diese Politisierung des Judentums wurde durch Gott und die Propheten verurteilt.

Die Aufgabe Abrahams war nicht eine **Nation**, „wie alle anderen Nationen“, zu gründen, sondern eine geistige monotheistische **Gesellschaft bestehend aus** alle Nationen zu bilden. Die Botschaft bestand darin, den einzigen Gott zu offenbaren und die Menschheit auf das Kommen des Messias zu vorzubereiten. Die Juden haben den universellen Plan Gottes verzerrt, indem sie das Judentum in einen politischen Zionismus umwandelten.

Als die Schriftgelehrten die Bibel im 10. Jhd. vor Chr. niederschrieben, existierte das Königreich Israel bereits. Sie schrieben also in einem politischen und zionistischen Geist. Die göttliche Offenbarung wurde durch das zionistische Prisma verdreht und die Schriftgelehrten bemühten sich in die Texte Andeutungen zugunsten ihrer Politik einzufügen. Die Propheten haben es nicht unterlassen, diese „lügnerische“ Tat anzuklagen (Jeremia 7,22 / 8,8).

Um den israelischen Staat zu gründen haben die Juden in der Vergangenheit und auch heute grausame Verbrechen begangen. Die Propheten Michea und Jesaja, 8 Jhd. v. Chr., hatten bereits die Häupter Jakobs und die Richter aus dem Haus Israel angeklagt, „die das Recht verabscheuen und Zion (*der Zionismus*) mit Blut und Jerusalem (*Symbol des jüdischen Staates*) mit lauter Unrecht erbauen“ (Micha 3,9-10). „Weh euch, die ihr Haus an Haus reiht und Feld an Feld fügt, bis kein Platz mehr da ist und ihr allein im Land ansässig seid“ (Jesaja 5,8).

Somit kann ein jüdischer Nationalismus nach Ansicht der Propheten nur auf die Ungerechtigkeit aufgebaut werden.

Gideon hatte dies im 12 Jhd. v. Chr. verstanden. Er lehnte es ab, König Israels zu werden, als die Israeliten es ihn fragten: „Ich will nicht über euch herrschen, und auch mein Sohn soll nicht über euch herrschen; der Herr soll über euch herrschen“ (Richter 8,22-23). Der Prophet Samuel gab auch nicht nach, als die israelischen Führer ihn fragten: „Gib uns einen König, der uns regieren soll. Das missfiel Samuel…“ Der Prophet versuchte sie davon abzubringen, „aber das Volk lehnte es ab, auf Samuel zu hören und sagte: ‚Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein‘“ (1 Samuel 8,19-20). Das Volk sah es ein, dass es eine schwere Sünde tat, als es ein Königreich einsetzte. Sie gaben es gegenüber Samuel zu: „Wir haben all unseren Sünden noch **die Bosheit** hinzugefügt, einen König für uns zu verlangen“ (1 Samuel 12,19).

Auch Jesus hat ein solches terrestrisches Reich abgelehnt. Deshalb, als er die von seinen Wunder geblendeten nationalistischen Juden kommen sah, „um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König (*politisch*) zu machen, zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein“ (Johannes 6,15). Vor Pilatus, der ihn fragte: „Also bist Du ein König?“, antwortete er: „Du sagst es, ich bin ein König… Mein Königreich ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36-37).

Deshalb beweist jeder Christ, der den Juden ein Anrecht auf Palästina als verheissenes Land anerkennt, dass er nichts von der Botschaft Jesus verstanden hat. Ein Christ, der die Gründung eines israelischen Staates befürwortet, ist kein Zeuge Jesus mehr.

Bemerke auch, dass die festgelegten Grenzen dieses „verheissenen“ Landes in der Bibel je nach dem Ehrgeiz und der Begierde der verschiedenen Schreiber während der Jahrhunderte stark variieren. In Genesis 15,18 erstrecken sie sich vom Nil bis zum Euphrat; in Numeri 34,1-12 geht die Ostgrenze bis zum Jordan und dem Salzmeer, weit weg vom Euphrat…; in Josua 1,4 gehen sie wieder bis zu Euphrat aber enden im Westen mit der Sinai Wüste. Sie wagten es sich nicht bis zum Nil zu gehen. Wäre Gott der Eingeber dieser israelischen Grenzen gewesen, so wären sie nicht so fantasievoll. Gott widerspricht sich nicht.

### Melchisedek (Genesis 14,17-20)

Melchisedek ist eine wichtige Person, die man kennen sollte, denn er symbolisiert, wie es Paulus in Hebräer 7,3 erklärt, den Messias: „Dieser Melchisedek, König von Salem… er, der ohne Vater, ohne Mutter (*bekannte*) und ohne Stammbaum ist, ohne Anfang seiner Tage und ohne Ende seines Lebens, ein Abbild des Sohnes Gottes (*Jesus*)…“

Lies jetzt die Kapitel 12 bis 50 der Genesis durch. Du wirst darin einige unklare und für unsere Mentalität und unseren Gebräuchen des 21. Jahrhunderts fremde Punkte begegnen. Lass dich nicht davon aufhalten und lies bis zum Ende der Genesis weiter. Im Bibelkurs wirst du alle nötigen Erklärungen finden. Merke Dir nur während deiner Lektüre, wie Gott eine monotheistische Gesellschaft inmitten von heidnischen Nationen jener Zeit **gebildet hat**. Er hat stets seine **geistige** und nicht politische Rolle unterstrichen. Gott hat ausgehend von einem syrischen Mann eine religiöse Gesellschaft gebildet. Er hat nie ein Volk **gewählt**, da dieses zu jener Zeit gar nicht existierte.

Das Kapitel 14 berichtet über den Krieg Abrahams, um Lot zu retten. Ich hatte dir erklärt, weshalb der Vers 13 vom „Hebräer“ Abram spricht, ein von den Schreibern eingeführtes Wort, um den Eindruck zu erwecken, die Hebräer existierten seit dem Beginn der Welt. Erinnere dich stets daran, dass der Strahl der göttlichen Offenbarung durch das deformierende Prisma der zionistischen, rassistischen Politik durchging. Um diesen Strahl in seiner Reinheit und in seiner Klarheit wiederzufinden, **muss man**, wie ich es schon erwähnt habe, **die Bibel** von ihrem zionistischen Inhalt und von ihrem unheilvollen politischen Geist **befreien**, so wie das Gold der Erde durch Feuer gereinigt und wie Weizen vom Unkraut getrennt wird.

Nach dem Triumph Abrahams kommt Melchisedek, um ihn zu gratulieren und zu segnen. Wer ist er? Er ist in der Geschichte nicht bekannt. Die Genesis offenbart nur seine **symbolischen** Züge wie es Paulus erklärt, der ihn als „Abbild des Sohnes Gottes“ sieht (Hebräer 7,1-3). Die Genesis sagt, dass er sowohl **König wie auch Priester** ist. Er ist König von „Salem“ (Jerusalem) und Priester von „El-Eliôn“, ein aramäisches Wort welches „sehr hoher Gott“ oder „höchster Gott“ bedeutet, nämlich höher und grösser als alle anderen Götter der Mythologie des Nahen-Ostens. Man sollte sich merken, dass es dieser allerhöchste Gott ist, der „Himmel und Erde schuf“ (Genesis 14,19). Den Gott, den Melchisedek anbetete, ist also -unbewusst- der einzige Gott Schöpfer, den wir kennen. Es ist der Gott, der sich an Abraham und später an Moses offenbarte und der in seinem Messias, Jesus von Nazareth, Fleisch angenommen hat.

Melchisedek symbolisiert also Christus, der wie er selbst, gleichzeitig **Priester und König** ist. Jesus ist Priester, weil er sich selbst - und nicht durch einen anderen Priester- auf dem Altar des Kreuzes in Jerusalem, die Stadt Melchisedeks aufopferte. Er ist auch der geistige König, der König der Herzen, da sein Reich nicht politisch ist, und alle Menschen aller Rassen und Sprachen umfasst. Jesus herrscht auf die Gläubigen von der **himmlischen** Jerusalem aus (Offenbarung 21,2). Das irdische Jerusalem, die Stadt „Salem“ des Melchisedeks ist ein Symbol dieser geistigen Realität. Sowohl Melchisedek wie auch Jesus herrschen in Jerusalem und bringen ihr Opfer in dieser Stadt dar. Als Gott Melchisedek, als König und Priester von „Salem“ erscheinen liess, wies er auf einen anderen König und Priester hin, der 2000 Jahre später in dieselbe Stadt gekommen ist: Jesus, der ebenfalls jeden Tag den Seinen Brot und Wein als Abendmahl offeriert.

Jesus ist Priester, aber sein Priestertum gleicht nicht demjenigen der Heiden, die nur Tiere für Gott schlachteten. Das Priestertum Christi ist wie dasjenige von Melchisedek, der „Brot und Wein brachte“, denn „er war Priester des höchsten Gottes“ erklärt Genesis 14,18. Das Symbol des Brotes und des Weines wurde durch Jesus am Abend seines letzten Ostermahls mit den Aposteln offenbart: Das Brot ist sein auf dem Kreuz zerschlagener Körper und der Wein ist sein Blut, welches auf dem Kreuz gegossen wurde (Matthäus 26,26-29). Das Brot und der Wein Jesus machen also sein Opfer gegenwärtig. Es ist das Opfer des neuen Priestertums, welches durch ihn für das Heil aller Gläubigen eingeführt wurde. Es macht die von der Torah vorgeschriebenen Tieropfer zunichte, welche unfähig sind, das Herz Gottes zu rühren: „Das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden wegnehmen“, sagt Paulus (Hebräer 10,4). Später wird dies klarer werden.

Melchisedek, als König und Priester segnete Abraham, der Inhaber des göttlichen Bundes: „Gesegnet sei Abram vom höchsten Gott (*El-Eliôn*), dem Schöpfer des Himmels und der Erde“ (Genesis 14,19). Merke, dass Abraham im Vers 14,22 seinerseits, auch vor dem König von Sodom, durch „Jahweh, den höchsten Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde“, schwört. Er offenbart somit, dass es nur einen einzigen schöpferischen Gott gibt und dass sein Name nicht „El-Eliôn“, der abstrakte und unbekannte „gott“ der Mythologie ist, sondern „Jahwe“ (Wort, welches „Derjenige der ist“ bedeutet), der Gott der Offenbarung, der sich auf persönlicher Weise den Menschen durch ihn, Abraham, offenbarte.

Melchisedek erscheint plötzlich, wie eine Szene ausserhalb der Geschichte. Er unterbricht die Erzählung vom Treffen zwischen dem König von Sodom und Abraham. Die Erzählung wird später wieder aufgenommen. Auch dies ist symbolisch. Das Geistige bricht plötzlich in unserem irdischen Leben ein und unterbricht den Lauf der Dinge, um sich dem Menschen zu offenbaren und ihn aufmerksam zu machen. Danach fährt die Geschichte mit dem König von Salem fort. Er spricht weiter mit Abraham. Das bedeutet, dass der Mensch das tägliche normale Leben wieder aufnehmen muss, nachdem er das geistige Leben entdeckt hat. Er sollte sich aber bemühen diese geistige Welt, die sich ihm offenbart hat, **nie** zu vergessen.

Das erstaunende an dieser Geschichte ist die Tatsache, dass es Abraham, der Inhaber des göttlichen Bundes ist, der dem Melchisedek „den Zehnten von allem“ gibt (Genesis 14,20). Es ist auch Melchisedek, der Abraham segnet. Paulus sagt dazu: „Seht doch, wie gross der ist, dem selbst Abraham… den Zehnten von allem gab… jener der den Träger der Verheissungen gesegnet hat. Zweifellos wird aber immer der Geringere von einem höheren gesegnet“ (Hebräer 7,4-7). Der Grund für die Grösse Melchisedeks besteht darin, dass er das Priestertum des Messias andeutete. Der König David erklärte diese Andeutung in einem Psalm (offenbartes Loblied) 800 Jahre später. Er wendet sich zum Messias und sagt ihm: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Psalm 110,4).

Melchisedek ist eine geistige Figur von Christus, denn sein Priestertum stellt das Priestertum dar, welches Gott gefällt. Es besteht in der Anbetung „im Geist und in der Wahrheit“, wie Jesus erklärte (Johannes 4,23). Es ist kein menschliches Priestertum mit seinen rituellen Kulten und den damit verbunden Handel (priesterliche Kleider, Weihrauch, Schmuck, steife Bewegung usw.). Gott lässt sich durch ein solches theatralisches Priestertum nicht berühren. Er griff in die menschliche Geschichte ein, um uns zu offenbaren, dass das anscheinend heidnische Priestertum von Melchisedek in seinen Augen viel wertvoller als die pseudo-religiösen Kulte war. Deshalb offenbarte er, dass das Priestertum des Messias nicht nach demjenigen von Aaron - der jedoch aus Abraham abstammt, wie du es später erfahren wirst - sondern nach demjenigen einer fremden Abstammung sein wird. Dies geschah mit Jesus. Er hat ein Priestertum, welches für die Juden fremd war eingeführt. Jesus ist Priester, er ist sogar **der Hohe-Priester** eines neuen Priestertums, wie es Paulus erklärte (Kap 5-7 seines Briefes an die Hebräer), obwohl er nicht aus dem Stamm Levi war. Für die Juden konnten nur die Nachfolger Aarons, aus dem Stamm Levi, Priester werden und Tiere aufopfern (Numeri 18). Durch Jesus hat Gott diese menschliche Vorstellung des jüdischen Priestertums umgestürzt, indem er durch das Kreuz die tierischen Opfergaben annullierte.

Mit dem Buch der Offenbarung (du wirst es später noch sehen) verwirft Gott die **rituelle** Vorstellung des christlichen Priestertums, indem er ein neues Priestertum einführt. Dieses Priestertum besteht aus all jenen, die an die einzige Interpretation des Buches der Offenbarung glauben, welche Jesus selbst am 13. Mai 1970 offenbarte. (Siehe der Text [„Der Schlüssel zur Apokalypse (Offenbarung)“](/de/der-schlussel-zur-apokalypse-offenbarung).)

Die Erscheinung von Melchisedek ist kurz und er wird im Alten Testament nur noch einmal erwähnt (Psalm 110,4). Trotzdem beinhaltet diese rätselhafte Figur eine sehr wertvolle Lehre. Es ist eine Einladung für die **mutigen** Gläubigen sich vom traditionellen Kultus, der mit Aberglauben und Fanatismus erfüllt ist, zu befreien. Dadurch gelangen sie zu den höchsten Stufen der geistigen Vereinigung mit Gott durch das Priestertum des Herzens. Dies geschieht nach der „Ordnung Melchisedeks“ und nicht nach einer theatralen jüdischen, christlichen, moslemischen, buddhistischen oder sonstigen menschlichen Ordnung… Jesus hatte gesagt: „Die **wahren** Beter werden den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten; denn so will der Vater angebetet werden. Gott ist Geist und alle, die ihn anbeten, müssen im Geist und in der Wahrheit anbeten“ (Johannes 4,23-23).

Dies ist die Lehre von Melchisedek.

Es wäre empfehlenswert an dieser Stelle die Kapitel 5 bis 10 des Briefes an die Hebräer zu lesen. Der Hl. Paulus kommentiert auf wunderbarerweise die Rolle Melchisedeks und erläutert die Wichtigkeit des neuen Priestertums Jesus für das Heil der Menschheit. Es ist das Heil, das Adam und Eva versprochen wurde.

### Der „Bund der Stücke“ (Genesis 15,7-17)

Gott hatte dem Abraham, dessen Frau alt und steril war, ein Land um ihn zu empfangen und eine Nachkommenschaft versprochen. Dieser Sohn kam einfach nicht. Abraham, der schon alt war beklagte sich bei Gott, dass ein Fremder seines Hauses der Erbe sein wird: „Herr, mein Herr, was willst du mir schon geben? Ich gehe doch kindlos dahin und Erbe meines Hauses ist Eliëser aus Damaskus“. Gott sagte ihm aber: „Nicht er wird dich beerben, sondern dein leiblicher Sohn wird dein Erbe sein“. Danach wollte Abraham über das Land, welches er bewohnen sollte, nachdem er Haran verlassen würde, beruhigt werden: „Woran soll ich erkennen, dass ich es zu eigen bekomme?“. Er brauchte ein erfassbares Zeichen um speziell zu jener Zeit an ein Wunder zu glauben. Er hatte die Schwierigkeit seiner Aufgabe und des Bündnisses mit Gott verstanden und wollte eine „Unterschrift“ von Gott zu diesem Vertrag. Gott sagte ihm also: „Hol mir ein dreijähriges Rind, eine dreijährige Ziege, einen dreijährigen Widder…“; Abraham „brachte ihm alle diese Tiere, zerteilte sie (*nachdem er sie geschlachtet hatte*) und legte je eine Hälfte der anderen gegenüber“ (Genesis 15,1-11).

Um diesen Text besser zu verstehen, muss man wissen, dass zur Zeit Abrahams die Menschen abergläubig waren. Nach dem damaligen Brauch wurde ein Vertrag so abgeschlossen: Ein Tier (oder mehrere Tiere, je nach Wichtigkeit des Vertrages) wurde geschlachtet und dann in zwei Teile geschnitten. Die beiden Vertragsleute liefen dann zwischen den beiden Teilen hindurch. Dies bedeutete, dass der Vertrag abgeschlossen war und, dass derjenige der den Vertrag brechen würde dasselbe Schicksal erleiden müsse wie das Tier (oder die Tiere). Dementsprechend würde er ebenfalls durch die Götter in der Mitte zerschnitten. Dieser Brauch wurde sogar lange Zeit nach Abraham durch die Juden beibehalten. Der Prophet Jeremia spricht davon im 6 Jhd. vor Chr., also 1.500 Jahre nach Abraham, als er die Untreue der Juden mit folgenden Worten anklagte: „Ich mache die Männer, die mein Abkommen verletzt und die Worte der Abmachung, die sie vor mir getroffen hatten, nicht gehalten haben, dem Kalb gleich, das sie in zwei Hälften zerschnitten haben und zwischen dessen Stücken sie hindurchgegangen sind. Die Grossen Judas und Jerusalems, die Höflinge, die Priester und alle Bürger des Landes, die zwischen den Stücken des Kalbes hindurchgegangen sind, sie alle gebe ich in die Hand ihrer Feinde“ (Jeremia 34,18-20).

Um darauf hinzuweisen, dass er das Versprechen an Abraham einhalten wird, ging Gott als „rauchender Ofen und lodernde Fackel“ zwischen den geschnittenen Stücken hindurch. Die Genesis schliesst die Geschichte mit den Worten: „An diesem Tag schloss der Herr mit Abram einen Bund“ (Genesis 15,17-18). Gott hatte den Vertrag mit Abraham „unterzeichnet“. Diese Vision war das erfassbare Zeichen, nach welchem Abraham gefragt hatte.

Falls Raubvögel das Fleisch der geopferten Tiere auffressen konnten, war dies ein schlechtes Zeichen für den Vertrag. Deshalb sagt die Bibel: „Da stiessen Raubvögel auf die Fleischstücke herab, doch **Abram verscheuchte sie**“ (Genesis 15,11). Das ist ein weiteres Zeichen für dieses erfolgreiche Bündnis. Abraham wird also sein „Land“ und seine Nachkommenschaft von Sarah, seine alte und sterile Frau, haben. Obwohl die Abmachung des Bündnisses -aus menschlicher Sicht- völlig unmöglich schien, „glaubte Abram dem Herrn, und der Herr rechnete es ihm als Gerechtigkeit an (wegen seines Glaubens)“ (Genesis 15,6). Der Glaube Abrahams ist ein Licht für alle Gläubigen. Er ermutigte die Apostel und der Hl. Paulus bezieht sich oft darauf und gibt ihn als Beispiel: „Abraham glaubte Gott, und das wurde ihm als Gerechtigkeit angerechnet. Daran erkennt ihr, dass nur die, die (an Jesus) glauben, Abrahams Söhne sind“ (Galater 3,6-7).

Diese Geschichte führt uns zu zwei, für das Verständnis des Geistes der Bibel wichtige Schlussfolgerungen, die man sich merken sollte:

1\) Gott ist pädagogisch. Er spricht die Sprache des Menschen und respektiert seine Mentalität. Er erniedrigt sich bis zum Menschen, spricht zu ihm eine menschliche Sprache um verstanden zu werden, und dann erhebt er ihn stufenweise zu seiner göttlichen Mentalität, welche der Heilige Geist ist. Als er zwischen den beiden Stücken hindurch ging, gab er Abraham ein Zeichen, das dieser auch verstehen konnte.

2\) Um einen Propheten zu verstehen, muss man sich in sein historisches und soziales Umfeld versetzen. Dies ist nicht nur für die beiden Bündnissen wahr (das alte Bündnis durch die Torah und das neue durch das Evangelium), sondern auch für das apokalyptische Bündnis, dasjenige der Endzeit, das letzte Bündnis, die letzte Chance für die Menschen sich zu verbessern. Die apokalyptische Botschaft muss mit neuen Augen betrachtet werden. Um sie zu verstehen, muss man sie in das historische und soziale Umfeld seiner Epoche versetzten, nämlich das 20. und 21. Jahrhundert.

### Ismaël (Genesis 16)

Abraham und Sarai verstanden nicht wie Gott ihnen ein Sohn geben würde; denn Sarah war steril und das Ehepaar kannte die Allmacht des Schöpfers nicht. Die beiden waren zudem alt. Das Wunder war noch nicht bekannt.

Zu jener Zeit gab es das Gesetz des Königs Hammurabi welches erlaubte, dass bei einem Fall von Unfruchtbarkeit die legitime Ehefrau legitime Kinder haben konnte, indem ihr Mann mit der Dienerin ging. Das Kind, welches aus dieser ausser-ehelichen Beziehung geboren wurde, war als Kind des verheirateten Ehepaars zu betrachten unter der Bedingung, dass die Ehefrau das Kind bei der Geburt in ihren Armen empfing, um dadurch sein volles Einverständnis zu bezeugen (heute gibt es „Leihmütter“).

Als Sarai, die scheinbar einen schwächeren Glauben als ihr Mann hatte, sah, dass sie ihm keinen Sohn geben konnte, drängte sie ihren Mann mit der ägyptischen Dienerin Agar zu gehen: „Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie“ (Genesis 16,2). Dieses Vorgehen wird sich mit Jakob wiederholen, dem Enkel Abrahams, der mit den zwei Dienerinnen seiner Ehefrauen Rahel (Genesis 30,1-6) und Lea (Genesis 30,9-13) ging.

Aus der Beziehung zwischen Abraham und Agar wurde Ismael geboren. Abrahm war damals 86 Jahre alt (Genesis 16,16). Du wirst merken, dass Gott sich nicht beeilt hat dem Abraham einen Sohn durch Sarai zu geben; es ist seine Art die Weiterentwicklung des Menschen bis zur göttlichen Dimension durch die Geduld zu fördern.

Sarai hat also auf ihre Art die Initiative genommen, einen Sohn zu haben. Gott aber hatte seinen eigenen Plan, welcher er nicht ändern wollte; die Geburt Ismaels hat ihn nicht daran gehindert erneut dem Abraham zu erscheinen um ihm seinen Plan, ein Wunderzeichen, zu offenbaren: „Deine Frau Sarai… soll Sara heissen. Ich will sie segnen und dir **auch** von **ihr** einen Sohn geben“. Dies erschien dem Greisen zu schön: „Können einem Hundertjährigen noch Kinder geboren werden, und kann Sara als Neunzigjährige noch gebären? Wenn nur Ismael vor dir am Leben bleibt!“ sagte Abraham, der „auf sein Gesicht niederfiel und lachte“, vor einer solchen unglaublichen Nachricht. Aber Gott erwiderte: „Nein, deine Frau Sara wird dir einen Sohn gebären, und du sollst ihn Isaak nennen. Ich werde meinen Bund mit ihm schliessen“ (Genesis 17,15-19). Dies war die Ankündigung des ersten Wunders in der menschlichen Geschichte. Der Bund bedeutete, dass der Messias aus der Nachkommenschaft Isaaks kommen werde.

### Isaak (Genesis 17 & 18)

Abraham musste lange auf diesen Sohn, der Gott ihm beim „Bund der Stücke“ versprochen hatte warten. In der Tat, ist Isaak erst 15 Jahre nach dieser Vision geboren.

Bei der Ankündigung seiner Geburt haben sowohl sein Vater wie auch seine Mutter „gelacht“ (Genesis 17,17 & 18,12). Diese Gelegenheit zum Lachen ist der Ursprung für den Namen Isaak (Jitzhac), welcher auf Hebräisch „Lachen“ wie auch im Arabisch „Jidhac“ bedeutet: „Gott liess mich lachen; jeder, der davon hört, wird mit mir lachen. Wer, sagte sie, hätte Abraham zu sagen gewagt, Sara werde noch Kinder stillen? Und nun habe ich ihm noch in seinem Alter einen Sohn geboren“ (Genesis 21,6-7), kommentiert mit Freude die Ehefrau des Greisen, welche bei der Geburt Isaaks 90 Jahre alt war und ihr Mann 100 Jahre (Genesis 21,6-7). Nur Gott konnte dem Abraham eine solche Überraschung ankündigen und auch vollbringen. Für das alte Ehepaar war das wirklich ein Grund um zu lachen. Wir hätten dasselbe getan. Viele würden vor eine schwangere 90. jährige Frau lachen.

Isaak ist wichtig, weil er die materielle Bestätigung des Zeichens, welches Abraham von Gott verlangte darstellt: Er ist die Vollendung des „Bündnisses der Stücke“. Dieses durch die Wissenschaft aller Zeiten unerklärliche Zeichen ist ein furchtbares Zeugnis für alle Menschen aller Jahrhunderte. Es betrifft nicht nur Abraham. Es betrifft uns alle, denn der Bund, welcher mit Isaak fortbestehen sollte, kam durch den Messias zur Vollendung. Dieser sollte aus der Nachkommenschaft Abrahams durch diesen Sohn und nicht durch einen anderen kommen, denn Gott hatte gesagt: „Auch was Ismael angeht, erhöre ich dich. Ja, ich segne ihn… **Meinen Bund aber schliesse ich mit Isaak**“ (Genesis 18,20-21).

Dieses Wunder hat den Glauben Abrahams gestärkt; es soll auch unseren stärken. Gott hat es aus diesem Grunde gewollt.

Sein an Adam und Eva angekündigter Heilsplan ging also mit Abraham in Erfüllung. Dieser Heilsplan muss als eine Initiative und ein göttliches Eingreifen erscheinen, ein unwiderruflicher Beweis der Existenz und der Allmacht Gottes und ein göttlicher Plan, den die Menschen respektieren und folgen sollten. Nur die Menschen guten Willens werden sehen und verstehen.

Du hast sicherlich gesehen, wie Gott voller Geduld ist. Der Schöpfer offenbart erst 13 Jahre nach der Geburt Ismaels dem Abraham seinen Plan. Zu dieser Zeit dachten weder Abraham noch seine Frau noch daran, ein Kind zu haben. Sie begnügten sich mit Ismael. Gott aber hatte **seinen** Plan und musste die menschlichen Meinungen umstürzen, um ihn zu vollbringen. Das ist seine Weisheit. Der Mensch, als Geschöpf muss immer lernen sich an den Willen des Schöpfers anzupassen. Wenn er sich ohne Widerstand vor dem Willen Gottes beugt, wird er die tiefe Weisheit Gottes entdecken; er wird es nie bereuen sich durch Gott leiten zu lassen.

Gott hat mit Isaak seine Allmacht gezeigt. Somit hat er die Menschheit auf ein anderes, noch grösseres Wunder, dasjenige der Geburt des Messias 2000 Jahre nach Abraham, vorbereitet: Jesus ist von der Jungfrau Maria durch eine direkte göttliche Aktion, ohne Intervention eines Mannes geboren: „Der Engel Gabriel wurde von Gott zu einer Jungfrau gesandt… Maria… und er sagte ihr: Du wirst ein Kind empfangen… Er wird Sohn des Höchsten genannt werden. Der Heilige Geist wird über Dich kommen… Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden…“ (Lukas 1,26-38).

Isaak kommt somit, um die Menschen auf den Empfang des Messias vorzubereiten. Man ist nicht mehr gerechtfertigt, wenn man nicht an das **Wunder** der Geburt Jesus glaubt.

### Die Beschneidung (Genesis 17,9-14)

Die Beschneidung ist ein vor biblischer Brauch. Er existierte bereits vor Abraham und wurde oft von den Heiden aus verschiedenen Gründen ausgeübt. Während eines Krieges wurden die Besiegten durch die Sieger mit der Beschneidung gedemütigt. Die Bibel selbst spricht von diesem Brauch: Der König Saul verlangt von David „die Vorhäute von hundert Philistern, um an den Feinden des Königs Rache zu nehmen“ (1 Samuel 18,25). Dieser Brauch bedeutet also nicht unbedingt einen Bund mit Gott, auch wenn die Schriftsteller des Alten Bundes ihn als „Zeichen des Bundes“ mit Gott darstellen (Genesis 17,11).

Die Beschneidung wurde seit dem Altertum in aller Welt ausgeübt. Heute noch betrachten gewisse Stämme Australiens, Afrikas oder Amerikas die Beschneidung als ein Zeichen der Männlichkeit. Gewisse Leute wenden diese Operation sogar bei Mädchen an (Entfernung der Klitoris).

Als Abraham sah, dass die Heiden sich für ihre Götter beschneiden liessen, dachte er, er müsse diese Operation für den einzigen wahren Gott auf sich nehmen. Mit der Zeit haben die Propheten aber den symbolischen Wert dieser Aktion verstanden und Moses verlangt, dass **das Herz** beschnitten wird (Deuteronomium 10,16). Auch Jeremia betont die Reinigung der Seele durch die Beschneidung **des Herzens** (Jeremia 4,4). Dieser grosse Prophet hat stets die Gläubigen an die Introspektion und an die „Reinigung“ des Gewissens eingeladen, indem er den Schein und die Vordergründigkeit der Beschneidung der Vorhaut anklagte. Er unterstrich die Tatsache, dass die Beschneidung bereits bei den Heiden ein Brauch war: „Fürwahr, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn -, da ziehe ich alle Beschnittenen zur Rechenschaft: Ägypten, Juda, Edom… denn alle Völker und das ganze Haus Israel haben ein unbeschnittenes **Herz**“ (Jeremia 9,24-25). Beachte, dass Juda (die Juden) trotz der Beschneidung auf dem gleichen Rang wie die damaligen Heiden (Ägypten, Edom) gesetzt wurde und dass dieser Brauch auch ausserhalb Palästinas ausgeübt wurde.

Die Beschneidung muss im Zusammenhang mit den modernen Kulten, die vom Heidentum inspiriert wurden betrachtet werden: Priesterliche Kleider, Weihrauch, Kniebeugung usw. Alle diese Formen der Anbetung sind nur eine Illusion, eine vordergründige Religiosität, die Gott nicht gefallen und welche die geistige Weiterentwicklung nicht begünstigen; sie stellen vielmehr ein materielles Hindernis an die wahre Erhebung der Seele dar. Wir können dasselbe für die Taufe mit Wasser sagen. Es ist nur ein Symbol. Der einzige wertvolle Kult ist derjenige der Erkenntnis und der Liebe, die Anbetung Gottes in „Geist und in Wahrheit“ wie bereits erwähnt (Johannes 4,23-24).

Mit dem Evangelium verlassen wir endgültig das physische Konzept der Beschneidung, um das geistige Konzept zu verwirklichen, welches den alten Brauch nichtig macht: „Es kommt nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf an, die Gebote Gottes zu halten“, sagt Paulus (1 Korinther 7,19). Und noch: „In Christus Jesus kommt es nicht darauf an, beschnitten oder unbeschnitten zu sein, sondern darauf, den Glauben zu haben, der in der Liebe wirksam ist“ (Galater 5,6); „In ihm (*Christus*) habt ihr eine Beschneidung empfangen, die man nicht mit Händen vornimmt, nämlich die Beschneidung, die Christus gegeben hat. Wer sie empfängt, sagt sich los von seinem vergänglichen Körper“, sagt Paulus weiter (Kolosser 2,11).

„Es ist sinnlos, wie sie mich verehren“, sagt Jesus vor den Pharisäern und den Schriftgelehrten trotz ihrer Beschneidung (Matthäus 15,9). Auch Jesaja hatte, wie die Mehrheit der Propheten, diese Form der Furcht vor Gott verurteilt: „Der Herr sagte: Dieses Volk nähert sich nur mit Worten und ehrt mich bloss mit den Lippen, sein Herz hält es aber fern von mir, seine Furcht vor mir ruht nur auf einem angelernten menschlichen Gebot“ (Jesaja 29,13). Man wundert sich, dass einige „Jünger“ Jesu immer noch die Anbetung auf heidnische Kulten und Riten aufbauen, die durch Jesus und die Propheten verurteilt wurden: „Ihr Heuchler! Der Prophet Jesaja hatte recht, als er über euch sagte: Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen“, wiederholt Jesus (Matthäus 15,7-9).

### Offenbarung der göttlichen Trinität (Genesis 18)

Das Kapitel 18 wiederholt die Ankündigung der Geburt Isaaks durch Gott an Abraham, aber diesmal in der Gegenwart von Sara. In der ersten Erzählung war es Abraham, der „lachte“ (Genesis 17,17). In der zweiten Erzählung ist es Sara, die „am Zelteingang hinter seinem Rücken hörte“, sie Sara, der „es längst nicht mehr erging, wie es Frauen zu ergehen pflegt“, sie „lachte daher still **in sich hinein** und dachte: 'Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren? Auch ist mein Herr doch schon ein alter Mann!' (Genesis 18,11-12).

Die Wiederholung dieser Geschichte zeigt sich besonders durch die Wiederholung der Anmerkung, dass Isaak „im nächsten Jahr“ geboren sein wird (Genesis 17,21 & 18,14). Es sind zwei verschiedene mündliche Überlieferungen. Die zweite Erzählung ist durch mehr Respekt gegenüber der Ehrwürdigkeit des Patriarchen Abrahams gekennzeichnet: Nicht er hat gelacht und gezweifelt, sondern seine Frau Sara, welche in ihrem Glauben schwächer war als ihr Mann, der als tadellos betrachtet wird. Die erste Erzählung gehört zur **eloistischen** Tradition: „Gott (Elohim) sagt zu Abraham…“ (Genesis 17,9-22) und die zweite Erzählung der **Jahwisten**: „Jahweh erschien ihm bei den Eichen von Mamre…“ (Genesis 18,1-14).

Gott, der das Herz durchblickt, hat das innere Lachen Saras gesehen. Er fragt sie, nicht um sie zu tadeln, sondern um ihr seine Allmacht bewusst zu machen, weshalb sie gelacht hat. Als sie sich entdeckt fühlte hatte sie angst und verneinte es: „Ich habe nicht gelacht“. Aber Gott gutmütig und voller Verständnis wiederholte auf väterliche Art: „Doch, du hast gelacht“. Er betrachtete die eingeschüchterte Haltung seines „kleinen“ Geschöpfes nicht als Lüge (Genesis 18,15).

Der wichtigste Punkt dieser zweiten Erzählung ist die Offenbarung der göttlichen Dreifaltigkeit. Gott erscheint dem Abraham tatsächlich in der Form von **drei Personen**: „Er blickte auf und sah vor sich **drei** Männer stehen“ (Genesis 18,2).

Der Dialog zwischen Gott und Abraham ist an sich aufschlussreich: Der Patriarch spricht zu diesen drei Personen mal im Singular und mal im Plural und scheint nicht zu verstehen, ob er es mit einer oder mit mehreren Personen zu tun hat: „Mein Herr, wenn ich **dein** Wohlwollen gefunden habe… Man wird etwas Wasser holen; dann könnt **ihr** euch die Füsse waschen… **Sie** erwiderten: 'Tu, wie du gesagt hast'“ (Genesis 18,2-5). Es ist der Gott Dreifaltigkeit, der in unsere der Welt erscheint und sich 2000 Jahre vor Christus offenbart, ohne durch die verschlossene menschliche Intelligenz erfasst zu werden.

Lies das Kapitel 18 nochmals mit Aufmerksamkeit und denke darüber nach. Was meinst Du zu diesen drei Personen, die dem Abraham erschienen sind? Warum ändert sich der Dialog zwischen dem Singular und dem Plural? Gib **Deine** Erklärung.

Beachte die Art und Weise wie diese Geschichte erzählt ist: Alles wird auf einfache Weise, mit Offenheit und ohne falsche Scham, besonders von Sara gesagt. Abraham beeilt sich seinen Gast mit spontanem Enthusiasmus zu empfangen. Er bietet ihm das Beste aus seiner Herde an (im Gegensatz zum habsüchtigen Kains). Und Sara, die durch das Alter bereits verbraucht war und der „es längst nicht mehr erging, wie es Frauen zu ergehen pflegt“, fragt sich in seinem heimlichen Lachen: „Ich bin doch schon alt und verbraucht und soll noch das Glück der Liebe erfahren?“… mit ihrem „alten Mann“!!…

Diese Bemerkungen offenbaren uns das Gesicht Abrahams: ein gerader und ganzer Mensch mit einem grosszügigen Herz und genügend geschmeidig, um durch Gott geformt zu werden. Das erklärt die Wahl Gottes. Vergiss nicht, dass die Wahl Gottes auf diesen Mann, ein Syrer, gefallen ist und nicht auf ein hebräisches „Volk“, welches stets ein hartes und aufrührerisches Herz gegenüber Gott hatte, wie es die Propheten offenbaren (Jesaja 1,2-4 / Jeremia 7,25-28… usw.).

### Sodom und Gomorra (Genesis 19)

Nach der Ankündigung der Geburt Isaaks, offenbart Gott dem Abraham seine Entschlossenheit Sodoma und Gomorra wegen ihrer Verderbtheit zu zerstören. Diese zwei Stätten befinden sich im Süden des Toten Meeres und waren bekannt für ihre Ausschweifung, u.a. die Homosexualität. Von hier stammt auch der Ausdruck Sodomie. Gott entschloss sich sie zu züchtigen, wie er es früher zu Zeiten Noah mit einer sittenlosen Zivilisation getan hatte. Dies sollte eine Lehre für die zukünftigen Generationen sein und auch ein Beispiel der Strafe sein, die zu Endzeiten auf die gottlose Welt fallen wird. (Lukas 17,26-30).

Lot und seine Frau sind eingeladen Sodoma mit ihren zwei Töchtern zu verlassen, weil sie sich nicht durch die Sodomiten anstecken liessen. Die Unzucht der Sodomiten war ganz deutlich die Homosexualität (Genesis 19,4-11). Der Familie Lot wurde empfohlen, beim Verlassen der Stadt nicht zurückzuschauen (Genesis 19,17), d.h. die Vergangenheit nicht zu bereuen und das Herz wegen Besitztum, Häuser usw. nicht zurückzulassen. Im Gegenteil, sollten sie, mit Vertrauen auf Gott, in die Zukunft schauen. Die Frau Lot beachtete dieser göttlichen Rat nicht und wurde in eine „Salzsäule“ verwandelt (Genesis 19,26).

Man muss den **symbolischen** Sinn dieser Geschichte verstehen: Man soll nie zögern von einem Leben ohne Gott Distanz zu nehmen. Man soll sich von der mondänen Anziehungskraft befreien, um sich zum geistigen Leben aufzuschwingen ohne zurückzublicken und ohne die Nostalgie der vergangenen Vergnügen zu pflegen: „Keiner, der die Hand an den Pflug (*das geistige Leben*) gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“, hatte Jesus gesagt (Lukas 9,62).

### Geburt Isaaks und Rückverweisung Hagars und Ismaels (Genesis 21)

Nach der Geburt Isaaks, „beobachtete Sara eines Tages, wie der Sohn, den die Ägypterin Hagar Abraham geboren hatte, umhertollte. Da sagte sie zu Abraham: 'Verstoss diese Magd und ihren Sohn!…'“ (Genesis 21,9-10). Sara verleugnet somit Ismael als Sohn und lehnt ihn ab, sie verbannt ihn und seine Mutter… nachdem sie die Beziehung zwischen ihrem Mann und Hagar begünstigt hatte.

Die Haltung Sara „verdross Abraham sehr“, aber Gott sagte ihm: „„Sei wegen des Knaben und deiner Magd nicht verdrossen! Hör auf alles was die Sara sagt. Denn nach Isaak sollen deine Nachkommen benannt werden (durch die Ankunft des Messias)“ (Genesis 21,9-12).

Gott lässt diese weibliche Eifersucht walten: Er billigt die Rückweisung Hagar und Ismael, nicht um sie zu entwürdigen und Sara zu unterstützen, wie es die Rabbiner interpretieren, sondern um seinen messianischen Plan ohne Hindernisse und ohne Familienstreit durch Isaak zu vollbringen. Deshalb bittet Gott Abraham wegen dieser Entfernung nicht traurig zu sein: Und Gott bestätigt den Segen an Ismael (Genesis 17,20), und ruft in Erinnerung, dass er ihn „zu einem grossen Volk machen will, weil auch er dein Nachkomme ist“ (Genesis 21,13).

| ![](/pictures/cb_lieux-et-peuples-de-canaan_de.png "Lieux et peuples de canaan")  Orte in Kanaan. Aufteilung des Landes zwischen den Stämmen. |
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Dieser göttliche Segen widerspricht der Haltung der Juden gegenüber Ismael und seine Nachkommen, die Araber. Die Juden verachten die Araber unter dem Vorwand, dass ihr Ahne Ismael von Abraham „verstossen“ wurde. Die Entfernung Ismaels ist aber in der Genesis nicht in diesem rassistischen Geist dargestellt. Die Genesis betrachtet Ismael auch als Nachkommenschaft Abrahams. Nachdem Hagar und sein Sohn wegjagt wurden, erscheint ihnen ein Engel, um die bestürzte Mutter zu unterstützen und zu trösten: „Fürchte dich nicht, Gott hat den Knaben dort schreien gehört, wo er liegt. Zu einem grossen Volk will ich ihn machen. Gott öffnete ihr die Augen, und sie erblickte einen Brunnen. Sie ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu trinken. Gott war mit dem Knaben…“ (Genesis 21,14-21).

Gott hat Ismael nie verlassen, aber sein messianischer Plan musste sich mit Isaak erfüllen.

### Das Opfer Isaaks (Genesis 22)

Zu jener Zeit hatten die Heiden den Brauch ihre Kinder als Brandopfer den Götzen zu opfern. Dies wurde sogar durch gewisse jüdische Könige ausgeübt und wurde von den Propheten verurteilt (Jeremia 7,31). Abraham als eifriger Gläubige wollte Gott seinen Sohn aufopfern, wie es die Heiden mit ihren Kindern für die Götter taten; er glaubte dadurch Gott zu ehren. Gott aber griff noch rechtzeitig ein, um ihn daran zu hindern und um zu zeigen, dass er nicht wie die heidnischen „Götter“ ist, die menschliche Opfer verlangen. Ein Engel rief zu ihm: „Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus. Denn jetzt weiss ich, dass du Gott fürchtest; du hast mit deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten. Als Abraham aufschaute, sah er: Ein Widder… Abraham nahm den Widder und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar“ (Genesis 22,9-13).

Später erklärte Gott durch die Propheten, dass die einzigen Opfer, die ihm gefallen, diejenigen der Reue, der Gerechtigkeit und der Liebe sind. Der Prophet Michea ruf: „Womit soll ich vor den Herrn treten…? Soll ich meinen Erstgeborenen hingeben für meine Vergehen, die Frucht meines Leibes für meine Sünde?… Es ist dir gesagt worden, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir erwartet: Nichts anderes als dies: gerecht handeln, mit Zärtlichkeit lieben und in Demut den Weg gehen mit deinem Gott“ (Micha 6,6-8).

Mit der Ankunft Jesu wird uns ein neues Licht gegeben. Gott verlangt nicht nur keine Aufopferung der Kinder, sondern es ist er, Gott, der seinen einzigen Sohn den Menschen als Opfer für ihr Heil darbringt: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ hatte Jesus gesagt (Johannes 3,16). Und ebenfalls: „Es gibt keine grössere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt. Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage“ (Johannes 15,13-14). Durch sein Eingreifen in die menschliche Geschichte hat Gott mit Weisheit und Pädagogik, die Mentalität der Menschen hinsichtlich Opfergaben völlig verändert. Mit der Ankunft Jesus war die Zerrüttung vollkommen. Die diktatorischen Göttern der Mythologie mussten weichen vor dem einzigen Schöpfer, der sich als gütig, mitleidvoll und erbarmungsvoll offenbarte.

### Die Hochzeit Isaaks (Genesis 24)

Abraham wollte für seinen Sohn Isaak eine Frau aus „seiner Heimat und seiner Verwandtschaft“ (Genesis 24,1-4). Er sandte also seinen Diener nach Syrien, nach „Aram Naharajim“, d.h. „Syrien zwischen den Flüssen (zwischen den zwei Flüssen Tigris und Euphrat), dort wo sich die Stadt Haran, aus welcher er stammte, befindet (Genesis 24,10). Von dort aus brachte der Diener als Frau für Isaak Rebekka zurück. Sie ist die kleine Tochter von Milka, die Frau Nahors, der Bruder Abrahams (Genesis 11,27-29). Sie ist also seine Cousine auf väterlicher Seite. Rebekka wird auch später für ihren Sohn Jakob eine Frau von dort haben wollen (Genesis 27,46 / 28,5). Dies beweist den **syrischen** Ursprung der Familie Abrahams.

**Einige Gedanken**

Gott beruhigte Abraham, indem er Ismael segnete. Er ankündigte ihm auch an, dass Ismael „zwölf Fürsten zeugen wird“ (Genesis 17,20; ihre Namen sind in Genesis 25,12-16 erwähnt). Diese Zahl ist symbolisch und muss zusammen mit den 12 Stämmen Israels gesehen werden (siehe später die 12 Söhne Jakobs in Genesis 35,22-26). Diese 12 „Ehrwürdige“ sind in den Augen Gottes wertvoll und verdienen Anerkennung. Wie alle Menschen guten Willens, haben sie Anrecht auf dasselbe geistige Erbe wie die Nachkommen guten Willens von Isaak.

Ein Hagar und Ismael günstig gesinnten Schriftsteller hätte geschrieben: „Nachdem Sara Isaak gezeugt hatte, vernachlässigte sie Ismael, der davon zutiefst betroffen war. Sie verliess ihn schliesslich und vergass dabei, dass sie ihn sehnlichst gewünscht und adoptiert hatte. Aus Eifersucht, lehnte sie ihm sogar das legitime Recht mit Isaak zu erben ab“. Deshalb „verdross dieses Wort Abraham sehr“ (Genesis 21,9-11). Die Fanatiker haben später dieselbe einschränkende Mentalität Saras übernommen, anstatt der Güte und Gerechtigkeit Abrahams zu folgen.

## Vierte Lektion - Geschichte Isaaks und Jakobs (Genesis 25 bis 50)

Du solltest diese fünf Kapitel lesen und erst dann diese Lektion durchgehen. Sonst wirst Du kaum davon profitieren. Fünf wichtige Punkte sind in diesem Kapitel zu erwähnen:

### Die zwei Söhne Isaaks: Esau und Jakob (Genesis 25,19+)

Rebekka (Rivka), wie ihre Schwiegermutter Sara, war Syrerin. Genesis 25,20 betont auf die Offenbarung des „aramäischen“ Ursprungs der Frau Isaaks: „Isaak war vierzig Jahre alt, als er Rebekka zur Frau nahm. Sie war die Tochter des **Aramäers** Betuël aus Padan-Aram, eine Schwester des **Aramäers** Laban“ (Genesis 25,20).

Rebekka war wie Sara unfruchtbar: „Isaak betete zum Herrn für seine Frau, denn sie war kinderlos geblieben, und der Herr liess sich von ihm erbitten. Seine Frau Rebekka wurde schwanger“ (25,21). Sie hatte Zwillinge: Esau und Jakob. Der erste der geboren wurde, war als Ältester betrachtet. Nach dem Brauch war er bevorzugt und bekam das Erbe der väterlichen Würde. Nach der **menschlichen** Tradition, war es also Esau, der Älteste, welcher von der geistigen Mission Abrahams und Isaaks erben sollte. Der Messias sollte aus seiner Nachkommenschaft und nicht aus derjenigen seines Zwillingsbruders Jakobs kommen.

Gott lässt sich aber nicht durch menschliche, familiäre- oder stammesgebundene Bräuche und Überlegungen binden. Sie sind allzu oft rassistisch oder durch ungerechte Vorurteile geprägt. Er schliesst also seinen Bund mit Jakob und nicht mit dem ältesten Esau. Dieser „Bund“ bedeutet, dass der Messias aus der Abstammung Jakobs kommen soll.

Als Rebekka „Gott befragen ging“, antwortete er: „Zwei Völker sind in deinem Leib… der Ältere muss dem Jüngeren dienen“ (Genesis 25,23). Dies bedeutete einen vollkommenen Umsturz der Mentalität jener Zeit und der altertümlichen Traditionen. Der rein menschliche Grund für die Übertragung des Erstgeburtsrechtes auf Jakob war die Tatsache, dass Rebekka Jakob „lieber hatte“, weil er „ein untadeliger Mann war und bei den Zelten blieb“, also bei seiner Mutter (Genesis 25,27-28). Sie zettelte eine Verschwörung an, um das Erstgeburtsrecht zu entwenden und ihrem Bevorzugten zu geben. Sie erreichte durch List, dass ihr Mann, Jakob anstelle von Esau, segnete, obwohl der Vater Esau bevorzugte „denn er ass gern Wildbret (*durch Esau gekocht*)“ (Genesis 25,27-28). Man glaubte zu jener Zeit, dass der einmal gegebene Segen wirksam, endgültig und nicht auf einen anderen übertragbar war, unabhängig vom Verdienst (Genesis 27,1-45). Man sollte sich merken, dass dieses „Gott befragen“, sich durch Hellseher oder Hellseherin vollbrachte, die meinten sie hätten diese Macht des „Hellsehens“. Heute noch meinen viele, viele, sie hätten diese Macht. Die Bibel offenbart, dass die Israeliten diesen Brauch öfters ausübten: Exodus 33,7 / 1 Samuel 14,41 usw.

Die Haltung Rebekkas und Jakobs in dieser Geschichte ist keine lobenswerte moralische Haltung. Die Propheten haben später die List Jakobs verurteilt. Jeremia stellt sie als Beispiel von Betrug dar: „Hütet euch voreinander, und keiner traue seinem Bruder. Denn jeder Bruder spielt Jakobs Rolle… Einer hintergeht den andern… (Jeremia 9,3-4; Herder Bibel, 1965). „Darum geht der Herr mit Israel ins Gericht, er straft Jakob für sein Verhalten und zahlt ihm heim, wie es seine Taten verdienen. Schon im Mutterleib hinterging er seinen Bruder…“, sagt noch Hosea (Hosea 12,3-4).

Die Schriftsteller wollten aber Jakob und seine Mutter rechtfertigen und stellten die Geschichte des Linsengerichtes zu Ungunsten Esaus dar. Dieser kam hungrig und „erschöpft“ von der Arbeit im Feld zurück. Er sagte zu seinem Bruder, der ein gutes Linsengericht vorbereitet hatte: „Gib mir doch etwas zu **essen** von dem Roten (*Farbe der Linsen*), von dem Roten da, ich bin ganz erschöpft!“ Aber Jakob, der hungrig nach dem Erstgeburtsrecht war, ergriff die Gelegenheit und missbrauchte sie um seinem Bruder dieses Recht zu entwenden: „Dann verkauf mir jetzt sofort dein Erstgeburtsrecht!“ antwortete er. Esau nahm sehr wahrscheinlich die Begierde seines Bruders nicht ernst und akzeptierte. „Vom Erstgeburtsrecht aber hielt Esau nichts“ kommentierten auf zynische Art die Schriftgelehrten (Genesis 25,29-34).

Diese Geschichte hat aber den Verdienst uns aufzurütteln: sie lädt uns ein, falls wir darauf achten, die Ungerechtigkeit zu bekämpfen. Merke dir, dass Isaak, in der Tat, zu seinem Sohn Esau sagt: “… Deinem Bruder wirst du dienen. Doch **hältst** du durch, so **streifst** du ab sein Joch von deinem Nacken“ (Genesis 27,40). Man muss sich vom Joch der ungerechten Traditionen befreien.

Eine andere Lehre aus dieser Geschichte: Man soll das Geistige dem Materiellen bevorzugen und „unser Erstgeburtsrecht“, welches **unser** Recht auf das ewige Leben ist, nicht für ein irdisches Gut verkaufen. Diese Lehre wollte Jesus uns geben, als er es ablehnte, obwohl er hungrig war, auf Anfrage des Teufels, die Steine in Brot zu verwandeln, denn „der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt“ (Matthäus 4,4. Siehe auch Deuteronomium 8,3). Man muss hungrig und durstig nach den göttlichen Vorschriften. Und wenn es gilt zwischen einem materiellen und einem geistigen Interesse zu wählen, muss man das Letztgenannte wählen und das Erstgenannte opfern, ohne zurückzublicken, wie es die Frau Lot tat…

Gott versprach Adam und Eva eine Nachkommenschaft, die den Kopf des Teufels zerschlagen wird. Dieser Erlöser ist der Messias. Der messianische Plan begann mit Abraham, wurde auf Isaak übertragen und setzte sich fort mit Jakob, der der dritte Patriarch ist.

Die Geschichte des Linsengerichtes erklärt, weshalb die Nachkommenschaft nicht auf Esau, den Erstgeborenen übergeht. Diese menschliche Erklärung offenbart aber nicht die wahre Absicht Gottes.

### Die zwei Frauen Jakobs (Genesis 28 & 29)

Esau heiratete hetitische und nicht aramäische Frauen. Dies missfiel seinen Eltern (Genesis 26,34-35) und es war ein Grund mehr, um gegen ihn zu sein. Rebekka fürchtete eine ähnliche Heirat für ihren Sohn Jakob und bedrängt ihren Mann damit er ihm befehlt: „Nimm keine Kanaaniterin zur Frau! Mach dich auf, geh nach Paddan-Aram (*in Syrien*), zum Haus Betuëls, des Vaters deiner Mutter! Hol dir von dort eine Frau“ (Genesis 28,1-2). Beachte wie Isaak für Jakob und seine Nachkommenschaft „den Segen Abrahams“ erbittet (Genesis 28,4). Dieser Segen bedeutet, dass **der Messias aus dieser Nachkommenschaft kommen wird** und nicht aus derjenigen Esaus. Die Schriftgelehrten geben von diesem Segen eine geographische Interpretation, nämlich dass Palästina den Nachkommen Jakobs (*die Israeliten*) und nicht denjenigen Esaus (*die Araber*) gehört. Dies lässt sich aus dem folgenden Vers ableiten: „…damit du **das Land in Besitz nimmst**, das Gott Abraham gegeben hat“ (Genesis 28,3-4).

Auf dem Weg nach Syrien hatte Jakob einen Traum: Gott erscheint ihm am oberen Ende einer Treppe, die von der Erde bis zum Himmel reichte, um ihm die Fortsetzung seines Bundes mit Abraham durch ihn anzukündigen (Genesis 28,12-16). Jesus erinnerte an diesen Traum der Treppe. Er bezog ihn auf sich selbst, um zu offenbaren, dass er von nun an der Inhaber des göttlichen Bundes ist. Er ist der Nachfolger und Erbe der wahren Versprechen Gottes an Abraham, Isaak und Jakob (Johannes 1,51). Jesus, der Messias, ist diese Treppe, welche die Erde zum Himmel verbindet und den Menschen hilft nach oben zu steigen.

Beachte, dass sich der Glaube an einen einzigen Gott nicht ohne Schwierigkeiten entwickelt hat. Es brauchte Erfahrungen und eigene Entscheidungen. Jakob begnügte sich nicht mit den Worten seines Vaters. Er zögert an Gott zu glauben und sein Glauben ist bedingt: „**Wenn** Gott mit mir ist… **wenn** er mir Brot zum Essen gibt… **wenn** ich wohlbehalten heimkehre in das Haus meines Vaters, **dann** soll Jahwe (*allein*) mein Gott sein…“ (Genesis 28,20-22; Herder Bibel, 1965).

Die Geschichte der verschiedenen Heiraten Jakobs beginnt im Kapitel 29,15. Das hektische Rennen zwischen Lea und Rahel (Rahil), um Kinder zu gebären, erscheint uns komisch. Man muss aber beim Lesen dieser Erzählungen die Mentalität jener Zeit vor Augen haben: Die Anerkennung des Mannes war von der Zahl der Kinder abhängig, denn die Nachkommenschaft war ein Zeichen des göttlichen Segens.

Dieses erschöpfende Rennen nach Nachkommen, bei welchem auch die entsprechenden Mägde - Silpa (für Lea) und Bilha (für Rahel) – teilnahmen, gab dem Jakob 12 Buben und ein Mädchen. Die 12 Söhne Jakobs sind die Ahnen, die Gründer der 12 Stämme Israels, die erste monotheistische Gemeinschaft, die der Welt der einzige Schöpfer mit Güte offenbaren sollte.

Als Jakob reicher wurde, wollte er von seinem Schwiegervater Labban unabhängig sein. Er flüchtet also in sein Geburtsland, Kanaan. Beachte, wie Rahel in der Eile der Reise nachdrücklich die Götzen, die sie immer noch trotz ihrer Heirat mit Jakob anbetete, mitnehmen wollte (Genesis 31,34). Du siehst also, dass der Glauben an den einzigen Gott schrittweise und mit der Zeit im Herzen der Ahnen gewachsen ist. Man sollte nicht erstaunt sein. Heute noch, also 4000 Jahren nach Abraham, gibt es immer noch Juden, Christen und Moslems, welche nicht an Gott glauben… oder schlecht, auf fanatische Art, mit einer nicht erneuerten fundamentalen Mentalität, eine fetischanbeter Mentalität.

### Jakobs „Kampf“ mit Gott (Genesis 32,24-33)

Auf dem Weg zurück nach Kanaan, hatte Jakob eine andere göttliche Erscheinung: „Ein Mann rang mit ihm, bis die Morgenröte aufstieg“. Dieser „Mann“ ist Gott in einer menschlichen Gestalt, wie die drei „Männer“, die dem Abraham erschienen waren (Genesis 18).

Dieses „Ringen“ zwischen Gott und Jakob ist symbolisch: Gott will Jakob bilden und nach seinem Heiligen Geist formen. Jakob aber lässt sich durch den Schöpfer nicht formen. Als Gott den Widerstand Jakobs sah, gab er ihm den Namen „Israel“, der bedeutet „**mit Gott zu ringen**“ (Genesis 32,29).

Wenn man diese Erzählung analysiert kommt man zum Schluss, dass Jakob sich unbewusst dem Schöpfer gleichsetzen und sich als Rivale ihm gegenüberstehen wollte. Deshalb wurde seine Haltung durch die Propheten verurteilt. Hosea sagt in der Tat: „Der Herr straft Jakob für sein Verhalten… er rang mit Gott und siegte“, folgert Hosea ironisch (Hosea 12,3-4). Jakob wollte von Gott den Segen mit Gewalt und aus persönlichem Interesse entwenden, und nicht mit Liebe und Gerechtigkeit, genau wie er mit seinem Vater gehandelt hatte, um den an Esau gerichteten Segen zu entwenden.

Nach diesem Ereignis gab Gott dem Jakob einen anderen Namen: „Nicht mehr Jakob wird man dich nennen, sondern Israel (*Isra = kämpfen, und El = Gott*); denn mit Gott und Menschen (er hat mit seinem Bruder, einem Mann, „gekämpft“, um ihm das Erstgeburtsrecht zu entwenden) hast du gekämpft und hast gewonnen „, sagt ihm Gott ironisch (Genesis 32,29). Diese Bemerkung trifft die Schriftgelehrten und die Pharisäer, die immer gegen Gott und den Propheten Widerstand leistete. Die Propheten, vor Jesus und die Apostel, haben es nicht unterlassen, die ablehnende Haltung der religiösen Führer gegenüber Gott anzuklagen (siehe Jesaja 1,2-3 / Micha 1,5 / Jeremia 2,20 / Matthäus 23 / 1 Thessalonicher 2,14-16). Man muss im „Sieg“ Jakobs in seinem Kampf gegen Gott dieselbe göttliche Ironie sehen, wie diejenige, die an Adam gerichtet war nach seinem Fall (Genesis 3,22).

Die biblische Schriftstelle behaupten, dass Gott „dort Jakob segnete“ (Genesis 32,30). Ich sehe in diesem „Segen“ einen Widerspruch zu den oben zitierten Worten der Propheten und einen durch den „Lügengriffel“ der Schritstellen hinzugefügten Satz (Jeremia 8,8). Dies soll ihren eigenen Widerstand Gott gegenüber rechtfertigen. Er wird somit als von Gott akzeptiert und sogar „gesegnet“ dargestellt. Deshalb sagt Gott der israelitischen Gemeinschaft durch Jesaja: „Schon dein Urahn (*Jakob - Israel*) hat gesündigt; deine Ausleger (*die Schriftgelehrten und andere religiösen Führer, die die biblischen Texte auslegten*) haben sich gegen mich aufgelehnt; deine Fürsten haben mein Heiligtum entweiht. Darum habe ich Jakob der Verfluchung und Israel der Verspottung hingegeben“ (Jesaja 43,27-28). Von wo kommt also dieser „Segen“ Jakobs? Er kommt von den Ausleger und Schriftgelehrten, die sich ebenfalls, wie Jakob, gegen Gott aufgelehnt haben. Dieser wurde wegen seine Widerstands gegenüber Gott Israel genannt. Dieser Name wurde an seinen Nachkommen übertragen, die diesen Widerstand geerbt haben.

Heute noch ist dieser Kampf gegen Gott durch den Staat Israel dargestellt. Indem die Zionisten das Judentum politisieren, setzten sie den Kampf Jakobs gegen Gott und die Menschen fort: Gegen Gott, weil sie die einzige geistige und universelle Mission des Judentums ablehnen und weil sie Jesus ablehnen, und gegen die Menschen, weil sie auf ungerechterweise und durch Gewalt ein Land besetzen, das ihnen nicht gehört. Gleichzeitig behaupten sie aber das „auserwählte Volk“ zu sein.

Viele **schlechte** Gläubige verdienen den Namen „Israel“, weil sie jeweils zu Gott sagen: „Dein Wille geschehe“, und gleichzeitig eigensinnig ihren eigenen Willen durchsetzen gegen Gott und gegen die Menschen. Sie missachten dabei Gott und die Menschen.

### Die zwölf Söhne Jakobs: Die zwölf Stämme Israels (Genesis 35,22-26)

Jakob hatte von seinen zwei Frauen und ihren Mägden zwölf Söhne und eine Tochter bekommen:

Lea hatte 6 Söhne und eine Tochter:

- *Ruben* (der Erstgeborene): Er schlief mit Bilha (Magd Rahels; Genesis 35,22) und bekam den Segen seines Vaters deswegen nicht (Genesis 49,3-4).
- *Simeon und Levi*: Sie haben einen rassistischen und verräterischen Mord begangen (Genesis 34,25-31), welcher **den Fluch ihres Vaters** hervorrufe (Genesis 49,5-7). Mose und sein Bruder Aaron stammen aus dem verdammten Stamm Levi, welcher durch Mose gewählt wurde, um den einzigen priesterlichen Stamm zu sein, d.h. der Stamm, aus welchem die Priester hervorgingen, die Tiere aufopfern sollten (Numeri 3,45).
- *Juda*: Aus seinem Stamm kommt der Messias (nicht aus dem Stamm des erstgeborenen Rubens); deswegen lobt ihn sein Vater (Genesis 49,8-12).
- *Issachar und Sebulon.*
- *Dina* ist die einzige Tochter Jakobs.

Rahel hatte 2 Söhne:

- *Josef*: Seine Halb-Brüder waren auf ihn eifersüchtig. Er wurde durch sie verkauft. In Ägypten wurde er sehr mächtig und empfing schliesslich dort seine ganze Familie.
- *Benjamin*: Der letztgeborene Jakobs

Bilha (Magd Rahels) hatte 2 Söhne:

- *Dan*
- *Naftali*

Silpa (Magd Leas) hatte 2 Söhne:

- *Gad*
- *Ascher*

Das Kapitel 49 der Genesis berichtet über die Prophezeiungen Jakobs über jeden seiner Söhne. Die Wichtigste ist diejenige über Juda, denn aus ihm wird der Messias hervorgehen. Dieser wird der „Löwe Judas“ genannt, weil diese Prophezeiung Juda als „junger Löwe“ bezeichnet (Genesis 49,9). Im Buch der Offenbarung wird dieser messianische Titel an Jesus gegeben (Offenbarung 5,5).

Der Stamm Judas hat in der jüdischen Geschichte die messianische Rolle gespielt. Die in Judea herrschenden Könige mit David und seiner Dynastie aus welcher der Messias kommen sollte, waren aus diesem Stamm. Die Genesis 38 weist auf die Abstammung des Messias durch Juda und Tamar, d.h. aus einer ausserehelichen Beziehung. Dies wurde in Matthäus 1,3 wieder aufgenommen. Es ist Juda, der sich wegen des Verkaufs seines Bruders Josef auflehnte. Er verliess seine Familie und heiratete eine Kanaaniterin, eine Nicht-Jüdin. Juda intervenierte bei seinen Brüdern, um das Leben Josephs zu retten (Genesis 37,26). Diese würdige Haltung brachte das Lob seines Vaters hervor (Genesis 49,9) und den Verdienst der Ahne des Messias zu sein.

Entsprechend der Prophezeiung Jakobs, sollte der kommende Messias das Reich in Israel abschaffen und nicht, wie es die Juden und sogar die Apostel dachten, festigen (Apostelgeschichte 1,6). Er sagte in der Tat: „**Nie weicht** von Juda das Zepter… **bis der kommt** (*der Messias*), dem es gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt“ (Genesis 49,10). Das Zepter, Symbol des Königreichs, wird also bis zum Kommen des Messias bleiben. Dieser muss die Krone erobern, um das universelle und **geistige** Königreich gemäss Gott und nicht das politisch-militärische gemäss den Menschen einzuführen.

Der Grund für die Zerstörung dieses politischen Reiches - du wirst es später verstehen - ist die Tatsache, dass es durch die Juden entgegen dem Willen Gottes gegründet wurde. Wenn aber der Messias das irdische Reich eines israelischen Staates abschaffen sollte, so ist es, um ein geistiges, weltweites Reich gemäss den prophetischen Worten Jakobs zu seinem Sohn Juda zu errichten: „Nie weicht von Juda das Zepter… bis **der** kommt (*der Messias*), dem es (*das Zepter, also das Königreich*) **gehört**, dem der Gehorsam **der Völker** gebührt“ (Genesis 49,10). In der Tat, wurde das Reich in Israel beendet. Dies geschah aber erst nach dem Kommen des Messias, der sich **geistiger** König aller Völker proklamierte. Nach Jesus tatsächlich wurde das politische Königreich in Israel beendet, als Titus Jerusalem eroberte und den Tempel zerstörte. Von da an wurde das geistige und weltweite Reich des Messias, der „Löwe“ aus dem Stamm Juda, für immer gegründet. Ihm gehört das „Zepter“ für immer.

Der Stamm Juda (im Hebräischen „Jehuda“) hat seinen Namen den Juden (im Hebräischen die „Jehudim“ oder „Jahud“ im Arabischen) gegeben. Die deutsche Übersetzung der beiden Namen („Jehuda“ wird zu „Juda“ und „Jehudim“ zu „Juden“) deutet ebenfalls auf die Beziehung zwischen dem Stamm Juda und den Juden. Die Worte „Juden“ und „Judentum“ kommen also aus diesem Stamm, welcher wegen seiner messianischen Eigenschaft eine grosse Bedeutung in der ganzen Gemeinschaft hatte. Die Juden haben seinen Namen übernommen und wurden die „**Jehudin**“, da sie für den Christus aus dem Stamm „**Jehuda**“ Zeugnis ablegen sollten. Dasselbe gilt für den übernommenen Namen Israel, welcher bezeugen sollte, dass sie die Nachkommen Jakobs waren.

Die Jünger Jesus werden „**Christen**“ genannt, denn sie glauben, dass Er der „**Christus**“ ist. Somit ist der Messias im Zentrum der beiden Gemeinschaften. Er ist der Referenzpunkt. In ihm definieren sie sich und in ihm finden sie ihre Identität. Er ist Alles für alle im Alten und im Neuen Testament.

Somit beziehen sich das Judentum und das Christentum auf den Messias. Das Judentum ist die Erwartung des Messias und das Christentum ist die Ankündigung der Erfüllung dieses glücklichen Ereignisses in der Person Jesus. Ein „Christ“ ist also derjenige, der Jesus als der angekündigte Christus anerkennt. Man muss also keinen anderen mehr erwarten, wie es die Juden tun.

Die jüdische Gemeinschaft hatte die Aufgabe die Erkenntnis Gottes und die **zukünftige Ankunft** des Messias zu verbreiten. Die christliche Gemeinschaft, hingegen, zeugt von **der Erfüllung** der messianischen Prophezeiungen durch Jesus, indem er als der einzige erwartete Messias dargestellt wird. Man sollte also keine anderen mehr erwarten (Matthäus 11,2-3).

Diese zwölf Söhne Jakobs hatten also keine politische Aufgabe. Ihre Aufgabe war einzig geistiger Natur. Sie bestand darin, Gott bekannt zu machen und die Ankunft des Messias in ihrer eigenen Gemeinschaft und in der ganzen Welt zu verkünden. Somit sind diese zwölf Stämme nicht nur die **geistigen** Ahnen der Juden, sondern auch all derer, die wahrhaftig an Jesus als der einzige Christus Gottes glauben.

Man sollte wissen, dass das Wort „Messias“ vom Hebräischen „Meschiah“ stammt. Es bedeutet der „**gesalbte**“, derjenige der die Salbung Gottes empfängt. Das Wort „Christus“ stammt vom Griechischen „Christos“, welches auch der gesalbte, der auserwählte Gott bedeutet. Die Könige waren durch die Salbung gekrönt. Der Messias ist aber der König der beiden Welten und seine Salbung kommt direkt von Gott.

### Die zwölf Stämme in Ägypten (Genesis 37 bis 50)

Mit der Geschichte Josefs haben wir erfahren wie die „Söhne Israels“ um 1700 Jahre v. Chr. nach Ägypten kamen. Sie blieben dort 4 Jahrhunderte und wurden zahlreich. Die Erzählung des Bundes „der Stücke“ zwischen Gott und Abraham hatte dieses Ereignis „prophezeit“ (Genesis 15,13-15). Man muss jedoch wissen, dass die Berichterstattung in der Bibel um 1000 v. Chr. stattfand. Der Aufenthalt in Ägypten und der Auszug aus diesem Land hatten **bereits** stattgefunden. Die Schriftsteller haben diese „Prophezeiung“ später eingefügt.

Dieser Aufenthalt in Ägypten hat die israelitische Gemeinschaft, welche mit der Zeit Gott vergessen hat und sich zu den Bräuchen des ägyptischen Götzenkultes hinreissen liess, stark geprägt. Es stellte eine Bedrohung für den messianischen Plan Gottes dar.

Um diesen Plan fortzusetzen und zu vollenden übergab Gott vier Jahrhunderte später dem Mose die Aufgabe, die Israeliten aus Ägypten herauszuführen. Das Buch Exodus, welches Du in der 5. Lektion kennen lernen wirst, erzählt die Geschichte dieses Auszuges. Mit Jakob haben 70 Israeliten in Ägypten Zuflucht gesucht (Genesis 46,27). Mit Moses waren es 600'000, die 400 Jahre später, auszogen (Exodus 12,37).

Man sollte sich die zwei Träume Josefs, als er 17 Jahre alt war merken: derjenige der Garben seiner Brüder, die sich tief vor seiner Garbe neigten und derjenige der Sonne, des Mondes und der elf Sterne, die sich auch vor ihm verneigten (Genesis 37,2-11). Erinnern wird uns auch an die zwei Träume des Pharaos: derjenige der Kühe und derjenige der Ähren (Genesis 41,1-7). Gott spricht oft zu den Menschen durch Träume und offenbart sich ihnen so.

Der Schöpfer verkündet dieselbe Botschaft auf zwei verschiedene Arten: zuerst an Josef und dann dem Pharao. Gott spricht also zu uns durch Träume. Man muss aber vorsichtig sein, denn es gibt auch satanische Inspirationen für unsere Träume. Man muss die Inspirationen unterscheiden können und den Sinn der von Gott bekommenen Botschaft **gut interpretieren** sowie sich vergewissern, dass es tatsächlich Gott war. Man muss beten, um sie richtig zu verstehen und entsprechend mit Weisheit handeln. Gott hat oft dieses Vorgehen gewählt. Besonders im Buch der Offenbarung, wo dieselbe Botschaft durch sich wiederholende Visionen, unter verschiedenen Formen, angekündigt wird, wie die Träume Josefs und des Pharaos. Der Prophet Joel informiert uns im Auftrag Gottes, dass Gott sich seinen Auserwählten in Träumen und Visionen offenbaren wird: „Danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgiesse über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen…“ (Joël 3,1).

Die Genesis endet mit den Israeliten in Ägypten. Jakob wird in Kanaan (Palästina) in der heutigen Stadt Hebron (im Arabischen „El Khalil“) begraben, dort wo auch Abraham und Isaak begraben sind (Genesis 50,12-13). An diesem Ort befindet sich heute eine Moschee, die von den Juden begehrt wird.

Vor seinem Tod teilt Josef seinen Brüdern mit, dass „Gott sich ihnen annehmen wird“, um sie „aus diesem Land heraus- und in jenes Land hinaufzuführen, dass er Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid zugesichert hat“. Josef sagt seinen Brüdern sie sollen seine Gebeine mitnehmen (Genesis 50,24-25). Dies wurde durch Mose beim Auszug aus Ägypten getan (Exodus 13,19).

Der Ausdruck: „Gott wird sich ihnen annehmen“ sollte man sich merken. Er wird auch übersetzt durch: „Gott wird sie heimsuchen (oder besuchen)“. Dieser Ausdruck wird in der Bibel oft gebraucht. Gott „sucht heim“ durch einen Gesandten, um zu belohnen oder um durch glückliche oder unglückliche Ereignisse zu züchtigen. Es ist eine biblische Art auszudrücken, dass es Gott ist, der hinter diesen Ereignissen steht: „Vom Herrn der Heere wirst du mit Donner und Getöse und mit lautem Dröhnen heimgesucht…“, prophezeit Jesaja gegen Jerusalem, die Gesetzlose (Jesaja 29,6; siehe auch Jeremia 29,10 / Amos 3,2 / Lukas 7,16 und Lukas 19,44). Gott besucht Dich durch das Studium der Bibel…

### Fragenkatalog zur Rückschau

1. Hast du versucht dich „loszulösen“ und deine „Bewusstseinserfahrung“ zu machen?
2. Warum studierst du die Bibel und nicht ein anderes heiliges Buch?
3. Bist du sicher, dass der biblische Text authentisch ist? Warum?
4. Hast du Freude daran, die Bibel zu studieren? Was fühlst du?
5. Erkläre die Erzählungen der Schöpfung und die mündlichen Überlieferungen.
6. Was Bedeutet „Gott schuf den Menschen nach seinem Abbild“? Bist du nach diesem Abbild?
7. Wie stellst du dir den Zustand des Menschen im Paradies (vor dem Fall) vor? Und nachher?
8. Wie verstehst du die Sünde Adams und Evas?
9. Erkläre Genesis 3,15. Welche Verbindung besteht zu Abraham?
10. Gott empfängt das Opfer Abels, dasjenige von Kain nicht. Weshalb?
11. Wer war der Nachfolger Abels?
12. Was hast du von der Sintflut und von den Nachkommen Noahs verstanden?
13. Was weisst du über das Epos von Gilgamesch?
14. Wie verstehst du Genesis 6,1-4? Genesis 10? Genesis 15? Genesis 18,1-15? Genesis 32,23-33? Genesis 49,8-12?
15. Welches war das Ziel des göttlichen Planes mit Abraham?
16. Welches der beiden Konzepte ist richtig: „**auserwähltes** Volk“ oder „**gebildete** Gemeinschaft“? Warum?
17. Sara schickte Hagar und Ismael weg. Kommentiere dies.
18. Ist die Beschneidung, die Taufe mit Wasser, eine göttliche Bedingung für das Heil der Seele?
19. Was hast du von Melchisedek verstanden?
20. Was hast du von Sodoma und Gomorra verstanden?
21. Die Frau Lot wurde in Salzsäule verwandelt. Kommentiere dies.
22. Die zwölf Stämme Israels. Erkläre sie.
23. Kommentiere die Träume Josefs und des Pharaons.
24. Wer ist „der Löwe aus dem Stamm Juda“? Weshalb dieser Name?
25. Stelle die Nachkommenschaft von Abraham bis Juda dar.
26. Warum wollten die Juden die Moschee von Hebron erobern und diejenige von Omar in Jerusalem?(Die Moschee von Hebron ist auf dem Ort gebaut, wo Abraham, Isaak und Jakob beerdigt wurden. Die Omar Moschee in Jerusalem ist auf dem Ort gebaut, auf welchem vermutlich Abraham sein Sohn Isaak aufopfern wollte. Salomon hatte dort den ersten Tempel gebaut, welcher im Jahr 586 vor. Chr. durch Nebukadnezzar und später erneut im Jahr 70 nach Chr. durch Titus zerstört wurde. Im 7. Jahrhundert hat der Chalif Omar Ibn-Le-Khattab die Moschee an diesem Standort gebaut).

## Fünfte Lektion - Das Buch Exodus

Bevor Du meine Erklärungen liesst, wäre es von Vorteil, wenn Du das ganze Buch Exodus lesen würdest, um mit seinem Inhalt vertraut zu werden. Dann komm auf die folgenden Punkte zurück:

### Der lange Aufenthalt der Israeliten in Ägypten

| ![](/pictures/cb_concordances-bible-histoire_de.jpg "WICHTIGSTE ÜBEREINSTIMMUNGEN ZWISCHEN DER BIBEL UND DIE GESCHICHTE")  Auszug aus dem französichen Buch „Moïse et Pharaon“ Dr Maurice Bucaille |
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Durch den langen Aufenthalt in Ägypten haben die Israeliten den Monotheismus vergessen. Sie brachten den ägyptischen Götzen einen Kult dar. Auf ihrem Rückweg nach Palästina in der Wüste haben sie erneut das Kalb „Apis“, eines der damaligen ägyptischen Götzen anbeten (Exodus 32). Das zeugt davon, wie weit sie sich vom göttlichen Plan, welcher mit Abraham begonnen hatte, entfernt hatten. Dieser Plan zielte darauf hin, den Messias durch die Nachkommen Abrahams in die Welt zu senden.

Deshalb musste Gott diese durch die Götzenanbetung angesteckte Gemeinschaft aus Ägypten herausführen, wie er 700 Jahre früher Abraham isolierte und ihn aus Haran nach Kanaan, mehr im Süden, führte, um seinen neu entstandenen Glauben vom umgebenden Heidentum zu schützen (Genesis 12,1-5). Du solltest wissen, dass das Wort „israelitisch“ die jüdische Religion, die geistige Gemeinschaft betrifft, während das Wort „israelisch“ sich im Gegenteil auf den Nationalismus des hebräischen Staates bezieht und somit ein politisches Wesen darstellt, welches Gott nie wollte.

Die aus syrischer Abstammung kommende israelitische Gemeinschaft stellt die soziale Matrix dar, aus welcher der Messias, Jesus von Nazareth, 13 Jahrhunderte später zur Welt kommen wird. Dies ist der einzige Grund für seine Entstehung und seine Bedeutung.

### Die Berufung Mose

Es war keine einfache Aufgabe die Juden aus Ägypten auszuführen; man musste zuerst die Juden selbst von der moralischen Notwendigkeit dieses Schrittes überzeugen. Mose wurde von Gott zu diesem Zweck gewählt. Seit der Geburt wurde er geführt, um seine Berufung erfüllen zu können, da er im Palast des Pharaos verkehrt hatte.

Mose gehört zum Stamm Levi (Exodus 2,1). Sein Name bedeutet im Hebräischen „gerettet aus den Gewässern“ („Moï“ = Wasser und „she“ = gerettet: 2,10). Die Tochter des Pharaos „nahm ihn als Sohn an“ (Exodus 2,10). Er wuchs im Palast und war vom Kult der pharaonischen Religion erfüllt. Deshalb haben die Juden und die Moslems eine grosse Anerkennung für diese Tochter des Pharaos.

Als Gott dem Mose im brennenden Busch erschien (Exodus 3,1-15) erkannte er den Gott seiner Ahnen nicht. Er wusste auch nicht wie er ihn den Israeliten, die ihn auch vergessen hatten, darstellen sollte. Es brauchte diese neue göttliche Erscheinung an Mose, um den mit Abraham begonnenen Plan fort zu setzten.

Mose fragt Gott nach seinen Namen, da er glaubt, er hätte einen Namen wie die Götter der Mythologie. Gott antwortet, dass sein Name „Ich bin der Ich-bin“ ist, das Sein par excellence, im Gegensatz zu den Göttern der Mythologie die „nicht sind“, denn sie existieren nicht. Gott sagt dem Mose, er solle ihn bei den Juden, die ihn vergessen hatten, unter dem Namen „Jahwe“ bekanntmachen. Dieser Name bedeutet „Ich bin“. Im Hebräischen schreibt sich dieser Name mit 4 Buchstaben (JHVH). Deshalb spricht man vom „Tetragramm“ (die 4 Buchstaben) und diese Buchstaben findet man oft auf religiösen jüdischen Gebäuden (Synagogen). „Das ist mein Name für immer, und so wird man mich nennen in allen Generationen“, sagt der Schöpfer (Exodus 3,15). Man soll sich nicht buchstäblich an diesen Namen klammern, wie es die Juden tun, sondern an seine tiefe Bedeutung -ICH BIN-, die leider von den Gläubigen vernachlässigt wird.

| ![](/pictures/cb_tetragramme.png "Tetragramm")  Der Tetragramm |
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Jesus lehrte uns, wie wir uns zu Gott hinwenden sollten, wie Kindern zu ihrem Vater, mit der Bitte: „Geheiligt werde dein Name“ (Matthäus 6,9), d.h. gereinigt werde dein Name. Er sprach dabei nicht vom Name „Jahwe“, ein ausgesprochenes Wort, sondern vom Wesen Gottes, von dem was Er wirklich ist. Die Absicht Christi besteht also nicht darin, Gott, der bereits heilig ist, zu „heiligen“, sondern die Erkenntnis, die wir von Gott haben, zu reinigen. Gott ist nicht so wie ihn die Mehrheit der religiösen Leute aus allen Richtungen präsentieren, denn sie haben von ihm eine falsche Vorstellung und wiedergeben ein falsches Bild von seiner Person. Viele wollen deshalb nicht an ihn glauben und eine Grosszahl der Atheisten lehnt eher dieses falsche Bild als Gott selbst ab. Könnten diese Atheisten aber Gott mit seinem wahren Gesicht kennen lernen, dann wären sie bessere Gläubige als der Klerus, welches der Name des Schöpfers durch ihre im Name Gottes vollbrachten bösen Taten, entweiht hat. Die Propheten haben diese Entweihung verurteilt sowie diejenigen, die durch ihre Ungerechtigkeit dem Namen Gottes schaden und sein Bild verzerren:

> „Ihr werdet meinen heiligen Namen nicht mehr mit euren Opfergaben und mit euren Götzen entweihen“ (Ezechiel 20,39).“… sie entweihten meinen heiligen Namen; denn man sagte von ihnen: „Das ist das Volk Jahwes… Da tat mir mein heiliger Name leid, den das Haus Israel bei den Völkern entweihte… Meinen grossen, bei den Völkern entweihten Namen, den ihr mitten unter ihnen entweiht habt, werde ich wieder heiligen“ (Ezechiel 36,20-23 / siehe auch Römer 2,24).
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> „…weil sie den Gerechten um Geld und den Armen für ein Paar Schuhe verkaufen; weil sie nach dem Erdenstaub auf den Köpfen der Geringen gierig sind und die Wehrlosen vom Wege stossen; weil Vater und Sohn zur Dirne gehen, um meinen heiligen Namen zu entheiligen.“ (Amos 2,6-7)
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> „Ihr entheiligt ständig meinen Namen“ (Maleachi 1,12).

Gott hat seinen heiligen Namen geheiligt, durch das wahre Bild seiner eigenen Person, das Er uns durch die Person des Messias vermittelt hat. Jesus sagte: „Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen“ (Johannes 17,3). Jesus hat der Name Gottes geheiligt, indem er ihn so bekannt machte wie er tatsächlich ist: Liebe, Güte, Einfachheit. Gott ist ein zärtlicher Vater für diejenigen, die sich durch Jesus zu ihm nähern. Jesus hatte vor den Aposteln gesagt, dass er ihnen „der Name Gottes offenbart hatte und ihn in der Zukunft noch offenbaren werde“ (Johannes 17,26), nämlich in Abhängigkeit des Reinigungsstandes der Seele. Der heilige Name Gottes sei in uns allen geheiligt. Amen.

Heute noch wird dieser heilige Name überall entheiligt und die Christen haben ihrerseits auch die Namen Gottes und des Messias entheiligt.

Beachte, dass Mose eine Madianitin und nicht eine Jüdin heiratete. Deshalb betrachteten die Juden seine zwei Söhne nicht als Juden (Exodus 2,16-22 & 18,6). In der Tat, anerkennen die Rabbiner nur diejenigen als Juden, die auch eine jüdische Mutter haben. Deshalb erzählt das Buch Numeri, dass „Mirjam und Aaron wider Mose redeten wegen der äthiopischen Frau, das er genommen hatte, denn er hatte eine Äthiopierin als Frau genommen“ (Numeri 12,1). Der Schwiegervater von Moses heisst „Reguël“ (Exodus 2,18) und anderswo „Jitro“ (Exodus 3,1 & 4,18). Dies ist auf die verschiedenen mündlichen Traditionen zurückzuführen.

Mose befindet sich in Madian, da er aus Ägypten geflohen ist, nachdem er ein Ägypter getötet hatte, um einen Juden zu verteidigen (Exodus 2,11-15). Er wusste also, dass er Jude ist. Die Tochter des Pharaos hatte es ihm gesagt. Sie hatte seine jüdische Identität wegen der Beschneidung entdeckt (Exodus 2,6).

Hast du gemerkt, dass Mose sich nicht leicht ausdrücken konnte und von seiner Mission eingeschüchtert war. Deshalb bat er Gott ihm seinen Bruder, der ein guter Redner war, als Unterstützung zu geben? (Exodus 4,10-17). Viele Propheten haben gezögert die ihnen von Gott anvertraute schwierige Aufgabe auf sich zu nehmen (Jeremia 1,6-7).

Auf dem Rückweg nach Ägypten, nahm Moses seine Frau und seinen Sohn mit sich auf einem Esel. Während einem Aufenthalt hat Mose wegen der Nicht-Beschneidung seines Sohnes eine Gewissenskrise. Diese Krise ist für den Schriftsteller des Bibeltextes, der an die Wichtigkeit der Beschneidung glaubte, ein Treffen mit Gott, der Mose wegen seines unbeschnittener Sohn töten will. Zippora, die Frau Mose, war nicht Jüdin und kannte dieser für Madian fremde Brauch nicht und verstand die Verwirrung Mose nicht. Vor dem Drängen seines Mannes, beschnitt sie selber ihren Sohn und in einer aufgeregten Bewegung berührte sie „die Beine des Mose und sagte: Ein Blutbräutigam bist du mir!“ (Exodus 4,24-26). Man kann diese ungerechtfertigte Krise mit derjenigen Abrahams als er seinen Sohn Isaak an Gott aufopfern wollte vergleichen.

Wäre der Name Gottes in Abraham und Moses geheiligt gewesen, dann hätte weder der erste gedacht seinen Sohn aufzuopfern noch der zweite seinen Sohn zu beschneiden. Es ist wichtig Gott richtig zu verstehen, damit wir uns nicht unnötig durch Taten, Riten und Kulten, die er nicht will, das Leben erschweren.

Diese Geschichte ist vielleicht die Ursache der Trennung zwischen den beiden Eheleuten, denn Mose ist allein in Ägypten ohne Frau und Söhne. Er traf sie später wieder nach dem Auszug aus Ägypten wieder, als sein Schwiegervater mit seinen zwei Söhnen ihm entgegenkam: „… da nahm Jethro, Moses Schwiegervater, die Zippora, die Frau Moses, die er zurückgesandt hatte…“ (Exodus 18,1-6). Beachte, dass Mose „seinem Schwiegervater entgegenging, fiel vor ihm nieder und küsste ihn…“ (Exodus 18,7). Es wird nicht gesagt, dass Moses sich beeilte seine Frau und seine zwei Söhne die anwesend waren, zu küssen. Diese Vernachlässigung ist durch die jüdischen Schriftsteller gewollt, um die Frau und die zwei Söhne, die nicht Juden waren, zu verachten.

Wie du vielleicht beachtet hast, anerkennt Jitro, dass Gott „grösser ist als alle Götter“ und bringt ihm ein Opfer dar (Exodus 18,11-12). Er hatte aber nicht verstanden, dass er der einzige Gott ist. Nach diesem Opfer „kamen Aaron und alle Ältesten Israels, um mit dem Schwiegervater des Mose vor dem Angesicht Gottes ein Mahl zu halten“ (Exodus 18,12). Es genügt also an Gott zu glauben, um in seiner Anwesenheit und erwärmenden Gesellschaft zu sein. Die Juden hätten immer wie Mose mit Jitro handeln sollen: Gott und seine Wundertaten denjenigen, die ihn nicht kannten, in einem Geist der Brüderlichkeit und der Liebe, bekannt zu machen.

### Die zehn Plagen in Ägypten

Man sollte in diesen Plagen keine historischen Wahrheiten sehen. Durch diese Märchen können wir uns die Macht Gottes, die über das Böse triumphiert vorstellen. Du hast bemerkt, dass die ägyptischen Wahrsager einige der Wunder Mose nachmachen konnten, aber es war immer Mose, der schlussendlich der Sieger war. Gott gewinnt gegenüber dem Teufel. Tatsächlich ist es die Schlange Mose, welche diejenige der Wahrsager verschlingt; trotzdem blieb das Herz des Pharaos ungläubig und kalt, kommentieren die Schriftsteller (Exodus 7,12-13). Die Wahrsager konnten durch ihre Magie das Wunder der Frösche wiederholen; sie konnten aber die von ihnen ausgelöste Plage nicht mehr aufhalten. Der Pharao musste Mose dazu bitten, der mit Hilfe des Gebetes die Plage beenden konnte (Exodus 8,1-11). Mit der Plage der Stechmücken überzog Mose das Land mit diesen Insekten und „in ganz Ägypten wurden aus dem Staub auf der Erde Stechmücken“ (symbolische Art darzustellen wie schlimm die Plage war). Die ägyptischen Wahrsager konnte nicht dem Gesandten Gottes standhalten und gaben vor dieser Macht, die sie übertraf zu: „Das ist der Finger Gottes“ (Exodus 8,12-15). Schlussendlich, als Gott die Ägypter mit der Plage der Geschwüre mit aufplatzenden Blasen schlug, waren die Wahrsager selbst betroffen und konnten nicht mehr vor dem Pharao erscheinen (Exodus 9,8-12). Trotzdem blieb der Pharao verhärtet und lehnte es ab, entgegen seinem Versprechen, die Juden weggehen zu lassen. Der Text sagt dazu: „Der Herr verhärtete das Herz des Pharaos“ (Exodus 9,12). Es ist eine irrige Art und Weise die Verhärtung des Pharaos zu erklären, denn Gott verhärtet das Herz von niemand; zu jener Zeit dachten aber die Gläubigen, dass es Gott war, der für alle unsere Entscheidungen verantwortlich war. Das ist falsch! Gott respektiert unsere Freiheit und richtet uns deshalb. Sonst wäre er ungerecht.

Merke dir aus dieser bildlichen Geschichte, dass die Dämonen die Macht haben auf Erden Wunder zu vollbringen, um die Menschen irrezuführen. Die wahren Gläubigen sind aber fähig diese satanischen Wunder zu vereiteln. Der Teufel ist „der Affe Gottes“, aber diese Nachäffereien werden immer vereitelt, wenn man das wahre Licht Gottes unterscheiden kann und man mit Glauben und unerschütterlicher Kraft auf das Ende der Macht des Bösen warten kann.

### Ostern

Ostern heisst auf Hebräisch „Pessah“ und auf Arabisch „Fesseh“. Es ist bei den Juden ein im Frühling jährlich gefeiertes Fest. Es fällt manchmal mit der christlichen Ostern zusammen.

Die jüdische Ostern, die „Übergang“ oder „der Schritt tun“ bedeutet, erinnert an den Auszug der Juden aus Ägypten nach dem Durchgang des Todesengels, der die ägyptischen Erstgeborenen tötete, und danach nach dem „Übergang“ des toten Meeres durch die flüchtenden Juden. Sie flüchteten vor der Armee des Pharaos.

Die Torah sagt den Juden, sie sollten jedes Jahr ein Mahl halten, um dieses Fest des Übergangs vom Land der Sklaverei zum „verheissene Land“ zu feiern. Dieses Mahl besteht aus einem Lamm mit bitteren Gewürzen. Es ist das Mahl des Osterfestes, das Paschamahl, das die Juden „Seder“ nennen: „… Esst es hastig! Es ist die Paschafeier für den Herrn… Feiert ihn als Fest zu Ehren des Herrn!…“ (Exodus 12,11-14). Die Juden erinnern sich jedes Jahr an die Ostern durch das im Familienkreis gegessene Paschamahl. Sie teilen das Osterlamm und den Wein mit Segenssprüchen.

| ![](/pictures/cb_moise-et-pharaon_de.jpg "Moise et Pharaon")  Mose und Pharao |
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Jesus wurde durch Johannes der Täufer als das neue österliche Lamm anerkannt: „Seht, das Lamm Gottes“, sagte er (Johannes 1,36). Man muss also das Lamm der ägyptischen Ostern vergessen, für ein anderes „Lamm“, eine neue Ostern. Jesus ist der von Gott gesandte Messias, um uns aus dem geistigen Tod herauszuführen und uns in das ewige Leben überzuführen. Er bedeutet Ostern für alle Menschen, die an ihn glauben und die ihm treu sind. Deshalb hat Jesus sich selbst, am Abend bevor er ans Kreuz geliefert wurde, während dem Paschamahl, das er mit seinen Jüngern feierte, als Nahrung für die effiziente Verzeihung der Sünden und für das ewige Leben gegeben: „Nehmt und esst; das ist mein Leib (*mein Fleisch, und nicht dasjenige eines tierischen Lammes*), Trinkt, das ist mein Blut, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Matthäus 26,26-28). „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hin wegnimmt“, sagt Johannes der Täufer noch (Johannes 1,29). Jesus hatte auch gesagt: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, für das Leben der Welt…“ (Johannes 6,51-58). Das christliche Paschamahl oder das „Mahl des Herrn“ (1 Korinther 11,20) lässt uns von dieser vergänglichen Welt in die Andere übergehen, und das bereits hier auf Erde… Unser Vehikel ist Christus lebendig in der Eucharistie. Um uns zu helfen unser Leben zu vergeistigen, hat Jesus uns gesagt wir sollten diese Handlung wiederholen. Er sagte: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lukas 22,19).

Als die Juden aus Ägypten auszogen, haben sie die Ägypter „ausgeraubt“, indem sie ihren Schmuck mitnahmen (Exodus 12,35-36)… Dieser gestohlene Schmuck hat zur Errichtung des von den Juden angebeteten goldenen Kalbes gedient (Exodus 32,1-6). Diese Besitzung der Güter anderer wiederholt sich oft in der Bibel (Numeri 33,50-56).

### Das Priestertum

Vor Mose war die Vorstellung des Priestertums in der jüdischen Gemeinschaft unbekannt. Gott hatte mit Abraham nie darüber gesprochen. Während Jahrhunderte nach ihm hatte die erste monotheistische Gemeinschaft keine Priester, jeder brachte seine Opfer dar. Das Priestertum wurde nach dem Aufenthalt der Israeliten in Ägypten eingeführt und wurde aus der ägyptischen Mythologie inspiriert und kopiert. Man darf nicht vergessen, dass Mose im pharaonischen Palast aufgewachsen ist. Er war erfüllt vom ägyptischen Kult und hatte die Priester aus der Nähe gekannt. Er wollte ein jüdisches Priestertum, welches dem ägyptischen ähnlich war einführen. Dieses Priestertum bestand darin, Tiere den Göttern und Götzen aufzuopfern. Einzig die Priester durften diesen Kult ausführen, nach einer strikten Ausbildung. Mose inspirierte sich davon. Anstatt die Opfer den Götzen darzubringen, musste man sie Gott darbringen.

Am Anfang brauchte es aber keine priesterliche Institution und auch keine Opfer, da Abraham sich auf einfache Art Gott zuwendete, ohne einen speziellen Kult (Genesis 18,22-33).

Als das jüdische Priestertum eingeführt wurde, waren „alle Erstgeburten bei den Israeliten“ als Priester dem Herrn geweiht (Exodus 13,1). Im Laufe der Zeit wurde der Kult alleine den Leviten anvertraut: „Nimm die Leviten als Ersatz für alle erstgeborenen Israeliten entgegen“. Die Erstgeborenen der anderen Stämme mussten durch ihre Eltern „ausgelöst“ werden. Und „er übergab Aaron und seinen Söhnen das Lösegeld, wie es der Herr Mose befohlen hatte (*!!*)“ (Numeri 3,44-51). Man darf nicht vergessen, dass Mose und Aaron zum Stamm Levi gehörten. Dieser Stamm wurde durch sie und nicht durch Gott bevorzugt. Sie bekam so den Auftrag, all dieses Geld entgegenzunehmen… mit dem Vorwand, es sei ein göttlicher Befehl. Ich denke nicht, dass Gott hinter diese auf die ägyptische Mythologie abgestimmten Kult und Priestertum war. Denn Gott hatte die Ankunft des einigen Priestertums, das ihm gefällt angekündigt, nämlich das Priestertum des Messias, nach dem Orden Melchisedeks und nicht Levis (Psalm 110 (109),4). Siehe dazu was Paulus in seinem Brief an die Hebräer (5,1 bis 7,19) schreibt.

Das Priestertum gemäss Jesus nimmt seine ganze Bedeutung im apokalyptischen Zeitalter. Mit der Enthüllung der Botschaft des Buches der Offenbarung, führt Jesus ein neues Priestertum ein zugunsten all jener, die an diese Botschaft glauben: „Würdig bist du, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu brechen… denn du hast für Gott mit deinem Blut Menschen erkauft aus allen Stämmen und Zungen und Völkern und Nationen und hast sie für unsren Gott zu einem König-reich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden“ (Offenbarung 5,9-10). Durch die Öffnung des Buches der Offenbarung führt Jesus also neue Priester ein, die von den alten priesterlichen Vorstellungen befreit sind.

### Das Lied des Mose (Exodus 15)

Nach dem Übergang des Roten Meeres „sang Mose mit den Israeliten dem Herrn ein Lied“ von Freude und von Dankbarkeit denn „Rosse und Wagen (der ägyptischen Armee) warf er ins Meer“ (Exodus 15,1-21). Dieses Lied ist in der jüdischen Gemeinschaft als „das Lied des Mose“ sehr bekannt. Es wird im Tanz gesungen zum Anlass von jüdischen Siegen, wie es früher Miriam, die Schwester Mose getan hatte (Exodus 15,20-21).

Das Kapitel 15 der Apokalypse erwähnt das „Lied des Mose“ und auch das „Lied des Lammes“. Dieses neue Lied wird durch die getreuen Jünger Jesus der Endzeiten gesungen werden, nach ihrem Sieg über das Tier, der Feind Christi, der Antichrist. Dieser Sieg entspricht dem Übergang des Roten Meeres, denn er ist ein glorreicher Durchgang durch die Schwierigkeiten, welche durch die Feinde Jesus hervorgerufen werden. Sie singen dann ihre Siegeshymne, das Lied des Lammes. Deshalb sieht Johannes „etwas, das einem gläsernen Meer glich (*ein geistiges „Meer“ und nicht mehr das Rote Meer*) und mit Feuer (*das Feuer der Prüfung*) durchsetzt. Und die Sieger über das Tier (Israel) standen auf dem gläsernen Meer… Sie sangen das Lied des Mose und das Lied zu Ehren des Lammes“ (Offenbarung 15,2-3).

### Die Manna (Exodus 16)

Die Israeliten hatten in der Wüste Hunger. Durch ein Wunder gab Gott ihnen Manna zu essen, mit dem Rat sie sollten sich täglich davon begnügen und keinen Vorrat für den nächsten Tag anlegen. Damit wollte Gott sie lehren sich ganz auf ihn zu verlassen, indem sie sich vom täglichen Brot begnügten, ohne sich um den nächsten Tag zu kümmern, wie es Jesus gelehrt hatte (Matthäus 6,11 / 6,25-34).

Die Erzählung der Manna wurde durch Jesus im Evangelium des Johannes wieder aufgenommen. Jesus stellt sich selbst als das himmlische Manna dar, das wahre Brot des Himmels, welches die Seele ernährt: „Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben… Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist…“ (Johannes 6,32-51).

Eine neue Manna ist für die apokalyptische Zeit reserviert (Offenbarung 2,17). Es ist eine „verborgene“ mystische Manna, aus welcher sich die apokalyptischen Jünger der Endzeiten ernähren: die Eucharistie in der Familie (Offenbarung 3,20 / Offenbarung 12,6 / Offenbarung 12,14).

### Das Gesetz Mose (Exodus 20-31)

Das Gesetz Mose (Tora) ist in zwei Teile zusammengesetzt:

1. die 10 Gebote
2. das Gesetz der Werke oder die Ausübung des Kultes (Beschneidung, reine und unreine Ernährung usw.)

#### Die 10 Gebote

Die Mehrheit dieser Gebote existierte bereits und waren im Gesetz des Königs Hammurabi niedergeschrieben (Du sollst nicht töten, nicht stehlen usw.). Es sind die drei ersten Gebote betreffend der alleinige Gott, welche neu sind: „Du wirst keine andere Götter als ich haben… usw.“. Die 10 Gebote werden immer gültig bleiben und Jesus hat sie mit einem Wort „Liebe“ zusammengefasst. Denn derjenige der liebt, tötet nicht, stiehlt nicht, beschimpft nicht. Meditiere diese Worte Christi in Matthäus 22,36-40 und Paulus in Römer 13,8-10: „Denn die Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses“. Und der Hl. Augustinus sagte: „Liebe und mach was du willst“. Er wusste, dass die Person, die wirklich liebt keine Straftat tut. Man empfiehlt nicht einer liebenden Mutter, sie solle ihren Kindern nicht schaden… Das ist selbstverständlich.

#### Das Gesetz der „Werke“

Das Gesetz der Werke besteht in der Ausübung kultische Werke, wie die Beschneidung, der Sabbat, die reine und unreine Nahrung, die Opfergaben usw. Es ist ein Gesetz, welches nicht nur überholt ist, sondern vom Schöpfer nie inspiriert wurde, wie es der Prophet Jeremia offenbarte: „**Ich habe euren Vätern**, als ich sie aus Ägypten herausführte, **nichts gesagt und nichts befohlen**, **was Brandopfer und Schlachtopfer betrifft**“ sagt Gott (Jeremia 7,22).

Alle diese Bräuche wurden durch die jüdischen Priester und zu ihrem materiellen Vorteil erfunden. Schriftsteller und Priester haben während Jahrhunderten mehr als 600 Bräuche hinzugefügt. Bei Missachtung begeht man eine Sünde: das Licht an einem Sabbat anzünden, sich nach dem Sonnenuntergang am Freitag zu kämmen, am Sabbat mehr als einen Kilometer zu laufen, eine Frau, die die Menstruation hat zu berühren oder sogar ein Objekt, das sie berührt hat… usw. All dies wird als unrein betrachtet und verlangt eine Reinigung durch den Priester, der dafür selbstverständlich bezahlt werden muss. Der Prophet Jeremia hatte ebenfalls „der Lügengriffel der Schreiber“ verurteilt (Jeremia 8,8).

Jesaja hatte ebenfalls angekündigt, dass der von den Juden ausgeübte Kultus vergebens war und aus menschlicher, nicht göttlicher Offenbarung stammte: „Weil dieses Volk sich mir nur mit Worten nähert… sein Herz aber fernhält von mir, weil seine Furcht vor mir nur auf einem angelernten **menschlichen Gebot** beruht…“ (Jesaja 29,13). Jesus verurteilt die von den Pharisäer und Schriftgelehrten ausgeübten Traditionen und stützt sich dabei auf die Worte des grossen Propheten Jesaja. Er bezeichnet sie als Heuchler und sagt: „Ihr Heuchler! Der Prophet Jesaja hatte recht, als er über euch sagte: 'Dieses Volk ehrt mich mit den Lippen, sein Herz aber ist weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren; was sie lehren, sind Satzungen von Menschen“ (Matthäus 15,7-9). Diese sinnlosen Gebräuche sind diejenigen der Tora, das Gesetz Mose. Dieser vergebliche und schwere Kult ist eine Fälschung des Wortes Gottes. Jesaja erklärt es, indem er dazu sagt: „Sie sahen in den Worten Gottes nur Gesetz auf Gesetz, Brauch auf Brauch, Befehl auf Befehl, eine Nichtigkeit hier, eine Nichtigkeit da damit sie gehen und hintenüber fallen, damit sie sich verfangen und verstricken“ (Jesaja 28,13). Jesus klagt die Schriftgelehrten und Pharisäer an, weil sie „schwere Lasten (*die Bräuche der Tora*) auf die Schultern der Leute schnüren, aber sie selber rühren kein Finger“ (Matthäus 23,4).

Der Prophet Hosea hat es nicht unterlassen weiterzugeben, was Gott ihm über seine Ablehnung der Tieropfer und die Nichtigkeit des mosaischen Kultes offenbarte: „Liebe will ich, nicht Schlachtopfer, Gotteserkenntnis statt Brandopfer“ (Hosea 6,4-6). Der Prophet Micha sagte ebenfalls: „Womit soll ich vor den Herrn treten… Es ist dir gesagt worden, Mensch, was der Herr von dir erwartet: **Nichts anderes** als gerecht handeln, mit Zärtlichkeit lieben und in Demut den Weg gehen mit deinem Gott“ (Micha 6,6-8).

Der Hl. Paulus hat ebenfalls dieses Gesetz der Riten und Kulten angeklagt. Er sagte, es sei ein „Fluch“, von welchem Christus uns befreit hat (Galater 3,13). Er sagte, es sei für das Heil unnützlich gewesen und wir seien nicht durch die Werke des Gesetzes, sondern durch den Glauben an Jesus gerettet worden (Römer 3,28). Alle Anstrengungen Jesus und der Apostel bestanden darin, die Gläubigen von der Ausübung dieses Gesetzes des Aberglaubens zu befreien.

### Die Bundeslade und der Leuchter (Exodus 25)

Mose liess ein Zelt als Heiligtum für das Gebet in der Wüste aufbauen. Beachte vor allem die Bundeslade und der Leuchter mit sieben Armen. Die Bundeslade war eine tragbare Kiste, welche die zwei Steine der Zehn Gebote enthielt. Der siebenarmige Leuchter symbolisiert das göttliche Licht. Die Zahl sieben sollte man sich merken, denn sie symbolisiert die Vollkommenheit.

| ![](/pictures/cb_arche-alliance.png "Arche de l$$Alliance")  Die Bundeslade | ![](/pictures/cb_candelabre-7-branches.png "Candelabre 7 branches")  Der Leuchter mit sieben Arme |
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Die Bundeslade spielt eine wichtige Rolle in der jüdischen Geschichte. Sie und der Leuchter sind nach der Zerstörung des Tempels verloren gegangen. Die Bundeslade wird heute durch die jüdischen Archäologen sehr aktiv gesucht. Jeremia hatte aber prophezeit, dass man zur messianischen Zeit „nicht mehr rufen wird: 'Die Bundeslade des Herrn!' Sie wird niemand in den Sinn kommen; man denkt nicht mehr an sie, vermisst sie nicht und stellt auch keine neue her“ (Jeremia 3,16). Das Verschwinden dieser Bundeslade ist ein Zeichen, dass die messianische Zeit mit Jesus tatsächlich gekommen ist. Nach ihm, im Jahr 70, haben die Römer in der Tat den Tempel zerstört und die Bundeslade verschwand von diesem Zeitpunkt an.

### Das goldene Kalb (Exodus 32)

Die Juden wurden durch die in der Wüste erlittenen Leiden und Entbehrungen ungeduldig und lehnten den einzigen Gott für, welchen sie den Wohlstand in Ägypten verlassen hatten, ab. Sie machten sich einen auf sie zugeschnittenen Gott: ein goldenes Kalb, sehr wahrscheinlich der Gott Apis (war in Ägypten unter der Form eines Kalbes angebetet). Anstatt sie davon abzuhalten, war Aaron der Priester einverstanden! Daraus lässt sich die Wut Mose erklären, der die zwei Steine mit den 10 Geboten zerstörte.

In unserem geistigen Werdegang müssen auch wir durch Höhen und Tiefen gehen. Wir sollten uns vor der Müdigkeit und der Erschöpfung in unserer geistigen Wüste hüten und uns nicht gehen lassen wie andere, die sich ein falsches Bild von Gott bauen. Es ist dann ein Bild, welches auf sie zugeschnitten ist und die materiellen Neigungen, die von Gott entfernen befriedigen. Die Geduld gibt und Weisheit und läutert uns.

### Fragen

1. Was hast Du vom Name Gottes Jahwe verstanden?
2. Welcher Unterschied besteht zwischen den Wundern Mose und denjenigen der ägyptischen Hellseher?
3. Was ist Ostern?
4. Was bleibt im Gesetz Mose bestehen?
5. Die Bundeslade und der Leuchter
6. Was denkst Du über die Brandopfer der Tiere?
7. Was denkst Du über die von „Gott“ verschriebenen Priestergewänder (Exodus 28)?
8. Was denkst Du über die Riten der Priesterweihe (Exodus 29)?

**Einige Gedanken**

Das Buch Exodus sagt, dass die Juden in Ägypten zu Zeiten Moses „sich vermehrten und überaus stark wurden; sie bevölkerten das Land“ (Exodus 1,7). Sie verdankten diese Macht ihrem Ahnen Josef, denn er besass selbst einen sehr hohen Rang und war „extrem machtvoll“. Er hatte seinen eigenen Brüder wie auch anderen Juden bei ihrem Eintritt in Ägypten zu hohen Stellungen im Staat verholfen. Mit der Zeit wurden sie vielzählig und mächtig. Sie wollten das ganze Land regieren. Dies begründet das strenge Vorgehen des Pharaos.

| ![](/pictures/cb_peninsule-sinai_de.png "La péninsule du Sinaï")  Die Sinai-Halbinsel und die wichtigsten im Exodus erwähnten Orte |
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## Sechste Lektion - Levitikus - Numeri - Deuteronomium

Mit dieser sechsten Lektion beenden wir die drei letzten Bücher der Tora oder Pentateuch, die auch durch die Juden als „das Gesetz“ bezeichnet werden. Das Buch Exodus hat die Geschichte des Austritts der Israeliten aus Ägypten erzählt. Diese drei letzten Bücher des Gesetzes enden vor ihrem Eintritt in Palästina mit dem Tod von Mose.

### Das Buch Levitikus

Dieses Buch ist unverdaulich und überholt. Man muss es jedoch kennen, um eine gute biblische Ausbildung zu erwerben, aber ohne sich mit den seltsamen Riten, die dort beschrieben werden, aufzuhalten. Lies dieses Buch, ohne Dich zulange daran aufzuhalten und nimm dann das Lesen des Kurses wieder auf.

Das Buch Levitikus wurde von den Schriftgelehrten und levitischen Priestern geschrieben. Von da kommt auch der Name. Es unterbricht die Erzählung der Ereignisse der Abwanderung, indem es eine Gesamtheit der durch die Priester und in ihrem Interesse vorgeschriebenen Riten vorstellt. Die Priester geben diesen Riten eine besondere Bedeutung, indem sie sie Gott zuweisen. Er hätte von Mose und Aaron den Ritus der Brandopfer verlangt (Levitikus 1-7), das Zeremoniell der Einweihung der Priester und die materiellen Vorteile, die daraus entstehen (Levitikus 8-10) sowie die Vorschriften bezüglich rein und unrein usw.

Um das Wichtigste dieses Buches zu verstehen, muss man sich daran erinnern, dass es von Priestern geschrieben wurde, die ihre materiellen Interessen und ihre geistige und psychologische Macht über die Gemeinschaft bewahren wollten. Diese Haltung lässt sich heute im Klerus beobachten, welches im Namen Gottes die „geistliche Wirtschaft“ monopolisiert.

Die Kapitel 1–7 breiten das Sortiment der an Gott, d.h. dem Priester, geschenkten Produkte aus. Man unterscheidet dort:

**Die Opfer von Tieren**, die entweder als **Holocaust** (das Opfer wird völlig durch das Feuer verbrannt, dem Priester bleibt nichts übrig) oder **für die Sünden** (die Priester entnehmen für sich Teile des Opfers) oder als **Lob** oder **Kommunion** in Hinblick auf ein Gelübde (das Fleisch des Opfers bekommt selbstverständlich der Priester und das Fett wird für Gott verbrannt…).

**Das Speiseopfer** besteht darin, Gott eine Handvoll der Produkte des Bodens zu schenken, aber „der Rest gehört Aaron und seinen Söhnen als etwas **Hochheiliges** von den Feueropfern des Herrn“ (Levitikus 2,1-3). Man unterschied unter den Opfern die heiligen Sachen und die sehr heiligen Sachen. Diese letzten reinigen alle, die sie berühren (Exodus 29,37).

Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass der Prophet Jeremia diese betrügerischen Praktiken angezeigt hatte, indem er sagte, dass sie durch die Schriftgelehrten und nicht durch Gott vorgeschrieben wurden (Jeremia 7,22). Auch andere Propheten haben auf ihre Nutzlosigkeit hingewiesen (Hosea 6,6 / Amos 5,21-24). Der Psalm 51 (50), 18-19 sagt dazu: „Schlachtopfer willst du nicht… Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist (*durch die Reue*), ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du Gott, nicht verschmähen“. Und Jesus erinnert die Juden daran, dass Gott „Barmherzigkeit will, nicht Opfer (*der Tiere*)“ (Matthäus 12,7).

Die Kapitel 8-10 sprechen von der Einweihung der Priester. Diese antiken und lächerlichen Zeremonielle sind vom (vor allem ägyptischen) Heidentum inspiriert und von abergläubischen Gesten gekennzeichnet. Sie beinhalten nichts Göttliches. Die Kleider eines Priesters sind in seinem Innern. In der apokalyptischen Ära sind wir alle berufen durch den Glauben und das Mitgefühl Priester zu werden… ohne theatralischen Einweihungsriten (Offenbarung 1,6 / 5,9-10).

Die Kapitel 11-27 stellen mit einer minutiösen Genauigkeit verschiedene kultische Empfehlungen dar. Unter anderem, was in den Augen der Schreiber und Priester als rein oder unrein zu betrachten ist. Gleichzeitig wird vor einer Verletzung des Sabbats gewarnt (Levitikus 19,2 / 19,30 / 26,2). Dies war schon in Exodus 20,8-11 / 35,1-3 vorgeschrieben worden. Die Gläubigen wurden durch eine Vielzahl von Geboten, die fälschlicherweise Gott zugeschrieben wurden, überlastet. Alle diese Gesetze bringen weder Heiligung noch Heil. Im Gegenteil, sie stellen ein gefährliches Hindernis für das geistige Leben dar, wie es die Propheten, Jesus und die Apostel erklärt haben. Sie bringen diese, die sie ausüben zum Stolpern, ein „Geschwätz bald hier und Geschwätz bald dort, damit sie sich verfangen, und verstricken und schliesslich zerschellen“ unter der Last des Gesetzes, wie es Jesaja ausdrückte (Jesaja 28,13). Jesus warnte gegen die Schriftgelehrten und den Klerus, die „schwere Lasten zusammen schnüren und sie den Menschen auf die Schultern legen…“ (Matthäus 23,4). Nichts von dem, was man isst, beschmutzt den Menschen hatte Jesus noch gelehrt; und das hatte die Juden schockiert (Matthäus 15,10-12).

Die Warnung gegen die Verletzung des Sabbats wird in den Büchern des Gesetzes mehrfach mit Nachdruck wiederholt. Im Falles eines Verstosses wird als Strafe die Steinigung bis zum Tode vorgesehen (Exodus 35,1-3). Das Buch Numeri spricht vom Fall eines Mannes, der sich traute, an einem Samstag Holz zu sammeln. Er wurde einfach gesteinigt (Numeri 15,32-36). Das Evangelium erzählt, dass die Juden sich gegen die Apostel, die am Samstag Ähren pflückten, in Furie setzten (Matthäus 12,1-8). Jesus wurde auch verfolgt, weil er Heilungen am Sabbat operierte (Johannes 5,16-18). Das stellte für die Fanatiker Arbeit dar, also die Todesstrafe. Sie wurden noch mehr gegen ihn irritiert, als sie ihn sagen hörten, dass er „Meister vom Sabbat“ war und „der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat“ (Markus 2,27).

Mose konnte das gerechte Bild von Gott nicht wiedergeben. Durch die Morde, die er im Namen Jahwe verfügte, entstellte er das wahre Gesicht des Schöpfers. Schreiber und Priester trübten durch die Folge noch mehr das göttliche Gesicht. Sie verstanden seinen Geist nicht.

Gott zu kennen bedeutet Gott zu **verstehen**. Einzig Jesus hat uns das wahre Gesicht des Vaters offenbart. Durch ihn allein können wir in den göttlichen Geist eindringen, der dem Geist des Gesetzes (Tora) völlig entgegengesetzt ist.

Gott ist der Vater aller Rassen. Er öffnet seine Arme allen Menschen mit reinem Herzen und nicht den einzigen Israeliten. Deshalb schreibt Johannes: „Das Gesetz wurde durch Mose gegeben, die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus, der Messias. Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht“ (Johannes 1,17-18). Moses hat also Gott weder gesehen noch verstanden. Sonst hätte er keine Morde in seinem Namen vorgeschrieben. Das Gesetz, das er vorschrieb, wurde nicht von Gott inspiriert.

Ist es Mose, der dieses ganze Gesetz im heiligen Namen vorschrieb oder sind es die Schreiber und die Priester? Moses ist sicherlich teilweise involviert, den Rest wurde von den Schreibern und den Priestern hinzugefügt. Und beide Teile sind riesig und schrecklich ernst. Und ernsthaft sind auch die Konsequenzen während Jahrhunderte. Bis an unsere Tage…

Das Buch der Apostelgeschichte erzählt die von den Aposteln geführten bitteren Kämpfe, um die Eitelkeit des Gesetzes zu beweisen. In seinen Briefen an den Römern und den Galater erklärt Paul, dass das Heil durch den Glauben an Jesus erreicht wird. Das Gesetz hingegen ist nur noch unwirksamer toter Buchstabe für das ewige Leben (Man lese Römer 3,28-30 / Galater 3,10-24 / Epheser 2,14-16 / Hebräer 10,10) ist.

Das Buch Levitikus enthält gewisse Lehre mit aktuellem Wert. Sie sind Teil des in den Büchern des Alten Testaments vergrabenen Goldes.

#### Der Spiritismus

Diese verhängnisvolle Praxis ist ein menschlicher Versuch, das Jenseits durch verschiedene materielle Mittel zu kontaktieren. Sie wurde verurteilt: „Übt weder Wahrsagungen noch Beschwörungen (Levitikus 19,26) … Gegen einen, der sich an Totenbeschwörer und Wahrsager wendet, richte ich mein Angesicht (Levitikus 20,6) … Männer oder Frauen, in denen ein Toten- oder ein Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tod bestraft werden (Levitikus 20,27)“. Dies beweist, dass der Spiritismus schon lange ausgeübt war, wie es auch weiter vorne in der Bibel, die Geschichte des Königs Saul mit der Wahrsagerin, die für ihn Samuel berief, bezeugt (1 Samuel 28).

Noch heute in der Welt verbreitet, verführt der Spiritismus eine grosse Zahl von Menschen. Die eindeutige biblische Verurteilung dieser Praxis wird immer gültig bleiben. Denn im Spiritismus ruft man gute Geister (Engel, Heilige), aber es sind böse Geister, die sich präsentieren, Geister oder Seele, die sich an die Erde klammern. Gott greift nicht ein, denn die Anhänger solcher Praktiken haben meistens weder den geistigen Durst noch ein tiefer Wunsch um die göttliche Wahrheit zu suchen und sich ihr zu unterwerfen. Sie suchen Antworten von zeitlicher, Gefühls- oder wirtschaftlicher Ordnung. Oder sie stellen Neugier Fragen bezüglich der Vertrautheiten von anderen. Deshalb wendet sich Gott von ihnen ab und erlaubt es den schlechten Geistern in solchen Versammlungen zu intervenieren. Es sind Geistern, die wie es der Hl. Petrus ausdrückte „umhergehen und suchen, wen sie verschlingen können“ (1 Petrus 5,8).

Es kommt dagegen vor, dass Gott die Initiative selbst nimmt, die Personen seiner Wahl, die er durstig nach Licht und Wahrheit sieht, zu kontaktieren. Er manifestiert sich diesen Herzen, die ihn ehrlich kennen wollen und die auch bereit sind alles aufzugeben, um ihm zu folgen. In diesem Falle ist das Ergebnis immer heilsam, denn die Intervention kommt von Gott, nicht vom Menschen, und die Beweggründe sind geistiger und nicht materieller Art. Dieser himmlische Kontakt vollbringt sich durch Gott selbst oder durch einer seinen Gesandten (Engeln oder Heiligen).

Gott oder seine Gesandten zeigen sich in Träumen oder Visionen (Joël 3,1-2), oder sogar wenn jemand völlig wach ist: Die Erscheinungen des auferstandenen Christus an seinen Aposteln (Lukas 24) und der Jungfrau Maria in Lourdes, La Salette und Fatima.

Die Bibel ist reich an göttlichen Interventionen, Träumen, Visionen und Erscheinungen. Die Himmelsnachricht kann in einem symbolischen oder klaren Stil kommuniziert werden.

**In Träumen** (während dem Schlaf): die Träume von Joseph (Genesis 37,5 usw.), vom Mundschenk und Bäcker (Genesis 40,5 usw.), vom Pharao (Genesis 41,1 usw.) von Nebukadnezzar (Daniel 2,1 usw.), von Daniel (Daniel 7,1 usw.), von Joseph, dem Gatten von Maria (Matthäus 1,20 / 2,13-22), von der Frau von Pilatus (Matthäus 27,19).

**In Visionen** (während dem Schlaf oder im halbbewussten Zustand): Abraham (Genesis 15,1), Samuel (1 Samuel 3), der Hauptmann und Petrus (Apostelgeschichte 10), Johannes in der Apokalypse, die Visionen von Jesaja (Jesaja 6) usw.

**In Erscheinungen** (im wachen Zustand): Abraham (Genesis 18), Zacharia (Lukas 1,11), die heilige Jungfrau Maria (Lukas 1,26), die Apostel (Lukas 24 / Johannes 20 / Johannes 21 / Apostelgeschichte 1,3-9), Paulus (Apostelgeschichte 9) usw.

Andrerseits die Erscheinungen der Jungfrau Maria in La Salette, Lourdes und Fatima usw. sind biblische Zeichen der Endzeit, die von Jesus angekündigt wurde: „Es wird Zeichen im Himmel geben“ (Lukas 21,11), „ein grosses Zeichen erschien am Himmel, eine Frau…“ (Offenbarung 12,1…).

Eine Meditation, die vom Buch Ijob inspiriert ist: Um den Menschen gerade zu richten „redet Gott einmal und zweimal, man achtet nicht darauf. Im Traum, im Nachtgesicht… um von seinem Tun den Menschen abzubringen, den Hochmut aus dem Manne auszutreiben, seine Seele vor dem Grab zu retten… (Ijob 33,14-18). Aus diesen Gründen nimmt Gott Kontakt auf mit dem Mensch.

Ausserdem hatte Jesus denen, die ihn lieben, versprochen, sich zu manifestieren: “…Wer mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch **ich werde** ihn lieben und **mich ihm offenbaren**… Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen“ (Johannes 14,21).

Wenn Gott sich also uns offenbaren will, warum setzen wir uns dann nicht in den Verfügungen, die er verlangt? Warum appellieren gewisse Leute an Geister, wenn der Heilige Geist uns darum bittet, an ihn zu appellieren? Warum sollen wir zu ungewissen Dienern gehen, wenn der Meister uns ruft?

Wenn die Anrufung der Geister verurteilt wird, wird die Anrufung des Heiligen Geistes hingegen empfohlen. Man muss Gott aus übernatürlichen Gründen kontaktieren. Dieses göttliche-menschliche Band ist eine Notwendigkeit, die in der menschlichen Natur tief gegründet ist. Es ist einen Durst, den einige erstickt haben. An deren Stelle haben sie den Spiritismus gesetzt, ein gefährlicher Ersatz der Wirklichkeit, eine „falsche Münze“, dass die klugen Seelen erkennen und auf keinem Falle gegen den himmlischen Schatz der Offenbarung Gottes und seines Messias in uns austauschen würden.

Wir können durch die Einkehr und das Gebet, unsere frommen Verstorbenen kontaktieren. Wir können uns an sie wenden, um ihre Unterstützung im täglichen geistlichen Kampf zu erhalten. Die Seelen der Heiligen und die Geister der Engel brennen vor dem Wunsch, uns zu kontaktieren, um uns geistlich zu stützen. Die heilige Thérèse von Lisieux hatte gesagt: „Ich werde meinen Himmel verbringen Gutes auf Erde zu tun“. Auch wir müssen empfänglich für das Ersuchen des Himmels sein. Es ist das Gegenteil des Spiritismus. Glauben wir an die Macht der Fürsprache der himmlischen Seelen und an ihre Beihilfe.

#### Die Homosexualität

Sie wird eindeutig verurteilt. Dies beweist, dass diese sexuelle Abweichung antik ist, wie das in der Geschichte von Sodom und Gomorra (Genesis 18,20-19,25) gezeigt wird.

„Du sollst bei keinem Mann liegen wie beim Weib; denn das ist ein Greuel“ (Levitikus 18,22).

„Wenn ein Mann bei einer männlichen Person schläft, als wäre es ein Weib, die haben beide einen Greuel getan… usw.“ (Levitikus 20,13).

In seinem Brief an die Römer wiederholt Paulus diese Verurteilung und bezieht sie auch auf die sexuellen Beziehungen zwischen Frauen: „Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften. Denn ihre Frauen haben den natürlichen Gebrauch vertauscht mit dem widernatürlichen; gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde…“ (Römer 1,24-32).

In diesem 20. Jahrhundert haben sich Bewegungen zur Unterstützung der Homosexualität entwickelt. Im Namen der Freiheit (?) fordern sie, dass diese Praxis, die der Natur widerstrebt und die von ihr verworfen wird, als natürlich und normal akzeptiert wird. Diese Praxis setzt sich nämlich dem lebenswichtigen und fortschreitenden Schwung der Natur zur Sublimation entgegen. Wir erinnern mit Paulus daran, dass diese „**entbehrende Leidenschaften** den natürlichen Gebrauch vertauscht haben“ (Römer 1,26). Wir können das, was gegen Natur ist, nicht als natürlich bezeichnen, denn zusammen mit Jesaja verkünden wir: „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen; die Finsternis für Licht und Licht für Finsternis erklären“ (Jesaja 5,20).

Im Namen des Schöpfers, im Namen der wahren und verantwortlichen Freiheit, im Namen der Natur und ihrer Grösse tadeln wir diejenigen, die ein so genanntes natürliches und sogar moralisches Recht auf Homosexualität verkünden. Gewisse „Geistliche“, die sich Christen nennen, haben sogar homosexuelle „verheiratet“. Dabei vergessen sie, dass die Bibel solche Praktiken verurteilt und anklagt und auch diejenigen verurteilt, die „diese gutheissen“ (Römer 1,32).

#### Der Inzest

Diese sexuelle Verdrehung unter allen ihrer Aspekte ist schon seit dem Altertum bekannt. Der „Odipuskomplex“ beschränkt sich nicht auf die moderne Zeit wie es das Buch Levitikus schreibt: „Du sollst die Nacktheit deiner Mutter nicht entblössen. Das ist deine Mutter; du wirst seine Nacktheit nicht entblössen „(Levitikus 18,7).

Der Vaterinzest wird nicht eindeutig erwähnt. Aber diese moralische Schande, die so oft in den Familien mit allen damit verbundenen psychologischen Zerstörungen vollbracht wird, ist auf indirekter Weise und implizit angeklagt, da empfohlen wird: „Niemand soll sich seiner Blutsverwandten nahen, ihre Scham zu entblössen“ (Levitikus 18,6). Falls man sich von den „Blutsverwandten“ fern halten soll, dann umso mehr von seiner eigenen Tochter. Dies wird noch weiter bestätigt: „Die Nacktheit der Tochter deines Sohns oder deiner Tochter, ihre Nacktheit sollst du nicht entblössen“ (Levitikus 19,10).

Der brüderliche Inzest, eine andere heimtückische Praxis, die heimlich Millionen Opfer quält, wird verurteilt: „Du wirst die Nacktheit deiner Schwester nicht entblössen, sei sie Tochter deines Vaters oder Tochter deiner Mutter (*Halbschwester*)“ (Levitikus 18,9). Solche Abweichungen wurde vom Levitikus verurteilt, weil sie innerhalb der israelitischen Gemeinschaft praktiziert wurden, wie es die Geschichten von Amnon und seiner Halbschwester Tamar zeigt (2 Samuel 13), sowie von Ruben mit der Konkubine seines Vaters Jakob (Genesis 35,22).

Der brüderliche Inzest erstreckte sich auf die Frau des Bruders: „Du sollst die Nacktheit der Frau deines Bruders nicht entdecken“ (Levitikus 18,16). Es ist aufgrund dieses hoch moralischen Prinzips, dass Johannes der Täufer den König Herodes verurteilte (Matthäus 14,3-4).

#### Die menschlichen Opfer

Dieser heidnische Kult war weitgehend innerhalb der israelitischen Gemeinschaft, die jedoch monotheistisch war, ausgeübt: „Denn die Kinder Juda haben getan, was in meinen Augen böse ist, spricht der Herr… Sie haben auch die Höhen des Tophet im Tal Ben-Hinnom gebaut, um ihre Söhne und Töchter mit Feuer zu verbrennen, was ich ihnen nie befohlen habe und was mir nie in den Sinn gekommen ist“ erklärt Gott durch Jeremia (Jeremia 7,30-31 / 19,5 / 32,34).

Die menschlichen Opfer werden eindeutig in 1 Könige 16,34 erwähnt: „Zu derselben Zeit baute Hiel von Bethel Jericho wieder auf. Es kostete ihn seinen erstgeborenen Sohn Abiram (*d.h. er wurde aufgeopfert*), als er ihren Grund legte, und seinen jüngsten Sohn Segub“. Der König Achaz selbst „liess seinen Sohn durchs Feuer“, um das Schicksal zu beschwören (2 Könige 16,3).

In dieser heidnischen Atmosphäre haben die levitischen Priester im Levitikus vorgeschrieben: „Du sollst auch von deinen Kindern keines hergeben, dass es dem Moloch geopfert werde“ (Levitikus 18,21), „Wer von den Kindern Israel oder den Fremdlingen, die in Israel wohnen (*die Palästinenser wurden als Fremde betrachtet*), von seinem Söhnen dem Moloch gibt, der soll des Todes sterben“ (Levitikus 20,1-5).

Mit Bedauern stellt man fest, dass die Israeliten sich von den heidnischen Bräuchen anstecken liessen, anstatt die anderen durch den Glauben am einzigen Gott zu erleuchten.

#### Die Hindernisse zum jüdischen Priestertum

Die körperlichen Schwächen waren und sind immer noch ein Hindernis zum levitischen Priestertum: „Sollte jemand von deinen Nachkommen in ihren künftigen Geschlechtern mit irgendeinem Gebrechen behaftet sein, so darf er sich nicht herzunahen… er sei blind oder lahm oder verstümmelt, oder habe ein zu langes Glied… usw. Wer nun ein solches Gebrechen an sich hat, der soll sich nicht herzunahen, die Feueropfer des Herrn darzubringen… weil er ein Gebrechen hat, dass er mein Heiligtum nicht entweihe…“ (Levitikus 21,16-24).

Das Mosaische Gesetz verwechselt zwischen körperlicher Behinderung und moralischer Befleckung. Die Behinderten beschmutzen die Gegenstände des Kults nicht. Der beschmutzte Mann, das ist der Sünder. Aber falls der Sünder bereut, wird er von der göttlichen Gnade gereinigt. Die Gnade ist stärker als die Befleckung und, nach dem Wort von Paul: „Da wo die Sünde häufig ist, ist die Gnade im Überfluss“ (Römer 5,20).

Die körperlichen Hindernisse am levitischen Priestertum wurden von den christlichen Kirchen übernommen. Diese lehnen es ab, die körperlichen Behinderten, die geistig gesund sind als Priester zu weihen. Zudem verweigern sie den Priestern das Recht auf die Hochzeit. Damit betrachten sie die Ehe als eine Befleckung. Die Hochzeit ist aber ein Sakrament, das die Seele reinigt.

Das Heiratsverbot der Priester wird aber gemäss einer Offenbarung des Hl. Paulus von Gott verurteilt (1 Timotheus 4,1-3). Das weibliche Geschlecht an sich ist ebenfalls ein Hindernis zum levitischen Priestertum. Die Männer der Kirchen sind durch diese menschlichen Gebote gefesselt, zögern aber leider nicht, um psychologisch Verformte, moralisch Behinderte und lieblose Menschen ohne Herz und Mitgefühl als Priester zu weihen. Die Worte Jesus, die früher an die Pharisäer adressiert wurden, sind heute auf das christliche Klerus aus allen Riten anwendbar, deren Kulte ebenso vergeblich sind wie diese ihrer Vorgänger (Matthäus 15,1-20).

Das apokalyptische Priestertum entkommt glücklicherweise diesen ganzen jüdisch-christlichen Überlegungen. Christus, **unter uns** (Emmanuel) **lebend**, hat uns als Pioniere seines neuen priesterlichen Volks selbst gewählt. Alle die „ihm die Tür öffnen, um mit ihm Mahl zu halten“ (Offenbarung 3,20) sind Teil dieses priesterlichen Volks. Die körperlich Behinderten können, wenn sie es wünschen dazu gehören und alle zusammen bilden so den lebendigen apokalyptischen Tempel, der für die Menschen unsichtbar ist. Dieser göttliche Tempel enthält keine geistigen Behinderungen und Fehlern, denn „es wird nichts Unreines in sie eingehen, noch wer Gräuel und Lüge übt, sondern nur die, welche im Lebensbuch des Lammes geschrieben stehen“ (Offenbarung 21,27). Nur diese werden in diesem Buch eingetragen, die das apokalyptische Tier erkannt und es bekämpft haben (Offenbarung 13,18 / 13,8 / 20,12).

Im Gleichnis des hochzeitlichen Festessens, sagt Jesus seinen Dienern: „Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Geladenen waren nicht würdig; darum gehet hin an die **Kreuzungen der Strassen** und ladet zur Hochzeit, soviele ihr findet! (Matthäus 22,7-10). In der heutigen Endzeit haben die Diener Jesus, die wir sind, mit Bitterkeit und Traurigkeit realisiert wie unwürdig so viele geistliche Priester sind. Wir wurden an den **Kreuzungen der Strassen** auserwählt und sind Pioniere des apokalyptischen Bündnisses. Wir waren an der Kreuzung der Wege, die zum geistigen Leben führen und haben einen Zugang gesucht. Die Hand Gottes hat uns da erfasst und hat uns eine neue Geburt geschenkt. Pioniere eines neuen Weges haben wir die Erbauung des „neuen Himmels und der neuen Erde“, die von Petrus (2 Petrus 3,13) und Johannes (Offenbarung 21,1) gesehen wurden, angefangen. Mit uns nimmt Jesus „die (in den Augen der Welt) Armen, die Lahmen, die Krüppel und die Blinden“ (Lukas 14,21) zufolge mit, um die zu vereiteln, die diese „Behinderte“ von ihrem menschlichen Priesteramt ausschliessen, ein Priestertum, das für das Heil der Seele unwirksamen ist. Und als Zeichen dieses neuen Starts für den Aufbau der neuen göttlichen Gesellschaft auf Erde, nehmen die Frauen mit den „Behinderten“ am Priesteramt Jesus teil. Dabei sind wir uns bewusst, dass es „im Königreich Gottes weder Mann noch Frau“ gibt (Galater 3,28).

Nach dem Gesetz Mose wird Jesus, der nicht vom Stamm Levi abstammt, nicht als Priester anerkannt (Hebräer 8,4). Dem göttlichen Geist zufolge ist er aber „der grosse Priester“ des neuen Bündnisses (Hebräer 4‚-14 bis 5,10 / 9,11 etc.). Desgleichen ihr, die Männer und Frauen, die ihr Apostel und Priester des apokalyptischen Bündnisses sind, ihr seid durch die Synagoge und die Kirche nicht als Priester anerkannt. Aber dem göttlichen Geist zufolge, seid ihre wohl „die Könige und die Priester“, die durch Jesus eingeweiht wurden „vor Gott, seinem Vater“, der auch unser Vater ist (Offenbarung 1,5-6).

Das apokalyptische Priestertum kennt nur ein einziges Hindernis: die Befleckung der Seele durch Unehrlichkeit (Offenbarung 21,27.) Aber die körperliche Behinderung ist nicht ein Hindernis.

Glücklich und selig sind diejenigen, die an der ersten Auferstehung teilnehmen! Sie werden „Priester von Gott und vom Christus“ sein (Offenbarung 20,6). Der logische Schluss unseres Glaubens ist, dass wir zu diesen Priestern gehören. Unser Glaube an der apokalyptischen Nachricht ist der Zeuge und die Garantie unserer Teilnahme an der ersten Auferstehung und, infolge, am Priestertum von Gott und von seinem Christus, Jesus. Ein Zeugnis und eine Garantie befinden sich noch in diesen Worten Paulus: „Mit Christus wurdet ihr in der Taufe **begraben**, mit ihm auch **auferweckt**, durch **den Glauben**… (Kolosser 2,12-13). Die Toten, die wir waren, haben die Stimme des Gottessohnes gehört und sind zum Leben zurückgekehrt (Johannes 5,25). Wir haben diese göttliche Stimme ein erstes Mal im Evangelium gehört, um uns das Gesicht von Christus zu enthüllen und ein zweites Mal in der Apokalypse, um das Gesicht vom Antichrist zu enthüllen. Und wir haben an die einen und an die andere Stimme geglaubt! Und dieser Glaube hat uns auf dem Augenblick, von Toten in lebendigen Priestern umgewandelt, wie Lazarus, der aus seinem Grab heraus stieg, als er die Stimme des Menschensohnes hörte (Johannes 11). Der lebenspendende göttliche Blitz ist auf uns niedergegangen, um uns zu erwecken, und die Zeit eines Blitzes sind wir zum Leben zurückgekommen: “Wie der Blitz… so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein „(Matthäus 24,27), dieser Blitz „der **bis zum Westen** hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt“ (Matthäus 24,27) wird vom „Engel, der vom Osten emporsteigt“ los geworfen (Offenbarung 7,2).

Ja, wir sind Priester, um diese Rückkehr Jesus vorzubereiten, eine Rückkehr, die wir zuerst uns selbst ankündigen. Wir empfangen in uns diesen grossen „Rückkehrer“, damit er uns von der Strassenkreuzung, vom Beginn der Wege, wo wir sind, hinaus sendet, dort wo er uns bestimmt hat, um „die Kastanien aus dem Feuer zu ziehen“ und diejenigen zu retten, die in dieser erbärmlichen Menschheit noch gerettet werden können.

„Seid gleich den Menschen, die ihren Herrn erwarten, wenn er von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm **gleich** auftun. Selig sind diese Knechte, welche der Herr, wenn er kommt, wachend finden wird! Wahrlich, ich sage euch, er wird sich schürzen und sie **zu Tische** führen und hinzutreten und sie bedienen (Lukas 12,36-37). Ich bestätige diese Worte von Christus, indem ich sage: „Glücklich sie sind diese, die ihm die Tür mit Eifer, Liebe und Einfachheit, geöffnet haben, ohne sich durch Riten in diesen apokalyptischen Zeiten vom XX. Jahrhundert, zu versperren. Er hat uns alle **an seinen Tisch** gesetzt, um mit uns Mahl zu halten, Er mit uns und wir mit Ihm“ (Offenbarung 3,20). Das Buch der Apokalypse bestätigt somit, was bereits im Evangelium angekündigt wurde. Alles dreht sich um das apokalyptische Priestertum, dessen geistliches Niveau sich nicht mit den levitischen und geistlichen Priesteramten vergleichen lassen… beide ganz fern der Herzen der wahren Gläubiger, die innig mit dem Gatten das Abendmahl halten, ohne theatralischen Kult.

Priester, wir sind es, aber unser Priestertum ist vor der Welt versteckt, denn „unser Leben ist mit Christus verborgen in Gott“ (Kolosser 3,3), und mit Christus in uns. Denn der „Morgenstern“ ist in unseren von seinem göttlichen Glanz aufgewärmten Herzen **schon** aufgestanden und hat unserer verletzten Seele das Leben zurückgegeben (2 Petrus 1,19 / Offenbarung 2,28 und 22,16).

#### Die Gerechtigkeit

Der levitikus hat die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit nicht vernachlässigt. Das ist jedoch eine ganz relative Gerechtigkeit und zielt dazu ab, die Juden zum Schaden von anderen zu privilegieren, denn er stellt sie über die anderen Nationen. Die göttliche Gerechtigkeit stellt dagegen alle Männer, alle Nationen, alle Rassen auf das gleiche Niveau.

Es ist wahr, dass gesagt wird: „Du sollst deinen Nächsten nicht ausbeuten… Der Lohn des Tagelöhners soll nicht über Nacht bis zum Morgen bei dir bleiben“ (Levitikus 19,13). Wer ist aber der Nächste? Das ist die Frage.

Dem Levitikus zufolge, muss der Jude eine besondere Rücksichtnahme gegenüber seinem jüdischen Nächsten haben. Die anderen Bewohner des Landes (die Palästinenser) werden als „Ausländer“ betrachtet oder als Bürger zweiter Klasse, wie es heute noch in Israel der Fall ist: „Du sollst **deinen** Stammesgenossen nicht verleumden und das Leben deines (*jüdischen*) Nächsten fordern… Du sollst in deinem Herzen keinen Hass gegen deinen (*jüdischen*) Bruder tragen. An den Kindern **deines Volkes** sollst du dich nicht rächen und ihnen nichts nachtragen. Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Levitikus 19,16-18). Dieser „Nächste“ ist der Jude; die Nicht-Juden (die Palästinenser und die „Gojim“) werden als Ausländer betrachtet.

Es existiert jedoch ein einziger Vers zugunsten des Ausländers: „Wenn bei dir ein Fremder in eurem Land lebt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten, und du sollst ihn lieben wie dich selbst… “(Levitikus 19,33-34). Man muss unterstreichen, dass der hier erwähnte Fremde eigentlich der ursprüngliche Bewohner des Landes ist, der durch die jüdischen Siedler enteignet wurde.

Die jüdischen Propheten lehnten sich gegen den Chauvinismus ihrer Religionsleute auf. Sie zeigten die unbegründeten Schikanen gegen den Ausländer an, und verkündeten, dass die wahre Gerechtigkeit darin besteht, „**die Ausländer**, der Waise und die Witwe nicht zu misshandeln…“ (Jeremia 22,3). Ezechiel sagt noch: „Die Bürger des Landes erpressen und rauben… Sie erpressen die Fremden gegen jedes Recht“ (Ezechiel 22,29). Das passt auch zum modernen Israel, das den Palästinensern ihre grundlegenden Rechte entzieht.

Jesus hatte die israelischen Ungerechtigkeiten ebenfalls verurteilt: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen (*jüdischen*) Nächsten lieben und deinen Feind (*jeder Nicht-Jude; eine Vorschrift des Talmuds, nicht der Bibel*) hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen (*heute Terroristen genannt; liebt sie, denn sie haben recht und nicht **ihr**!…*) Und wenn **ihr** nur eure (*jüdische*) Brüder grüsst, was tut ihr damit Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden?“ (Matthäus 5,43-47). Christus adressierte diese Worte den fanatischen Mengen, aber nicht seinen Jüngern: „**Euch, die ihr mir zuhört**, sage ich: Liebt eure Feinde…“ (Lukas 6,27). Nun waren diese, die ihm zuhörten begierige Nationalisten, die ihn zum politischen König von Israel auszurufen wollten (Johannes 6,15). Sie verstanden seinen „Pazifismus“ gegenüber den Ausländern, die Nicht-Juden, die in Palästina wohnten, nicht.

Die von Jesus gelehrte Gerechtigkeit findet sich in seiner Bergpredigt (Matthäus 5-7). Sie lädt Schriftgelehrte ein, das diskriminierende Konzept zu überragen: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht wie grösser ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 5,20). Jesus bindet unwiderruflich die Gerechtigkeit und die Nächstenliebe (Lukas 10,27). Als Beispiel vom Nächsten gibt er weder ein Leviten, noch ein Priester oder ein Jude, sondern ein Samariter an, der durch die Juden als Feind betrachtet wurde (Lukas 10,29-37). Er wusste sehr gut, dass „die Juden die Samariter hassten und keine Beziehungen mit ihnen hatten“ (Johannes 4,9). Durch dieses Gleichnis verurteilt er den Chauvinismus und versucht das was die Schreiber und die Pharisäer im Namen des Mosaischen Gesetzes verdreht haben, gerade zu richten: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“ (Matthäus 5,17). Diese Vollendung vollzieht sich durch die Öffnung gegenüber allen Menschen guten Willens, auch wenn sie für „mein“ Volk fremde sind, und durch die Ablehnung aller Menschen schlechten Willens, auch wenn sie zu meinem Volk gehören.

#### Um euer Gott zu sein

Nach vier Jahrhunderten in Ägypten vergassen die Israeliten derjenige, der sich Abraham offenbart hatte. Umgeben von Götzen und vom pharaonischen Kult, widmeten sie sich dem Götzendienst. Der messianische Plan Gottes war so in Gefahr. Gott holte also die Hebräer aus Ägypten heraus, damit sie zu ihm zurückzubringen: „Ich, der euch aus Ägypten herausgeführt hat, **um euer Gott zu sein**, ich bin der Herr“ (Levitikus 22,33 / 25,38).

Die Hebräer interpretierten auf egoistischer Weise den Ausdruck „**euer Gott**“ und sahen darin einen exklusiven Besitz von Gott. Sie glaubten, privilegiert zu sein, fühlten sich geschmeichelt und einzige durch ihn Auserwählte. Neidisch auf diesen Besitz, wollten sie Gott für sich alleine. Er durfte nicht ebenfalls der Gott anderer Völker sein. Die göttliche Absicht zielte aber darauf ab, die Juden den Götzen wegzureissen, um seinen messianischen Plan weiterzuführen.

Sie hatten die Kenntnis vom einzigen Gott empfangen. Sie hatten zur Mission, ihn andere Völker kennen zu lassen. Sie sollten diesen Völkern die Absicht Gottes den Messias zu senden offenbaren. Aber, nachdem sie aus Ägypten ausgezogen waren, meinten sie, sie seien die einzigen Berufenen. Der Messias kam diese Verdrehung gerade zu richten. Er lehrte, dass viele von den vier Ecken der Erden zu Gott kommen werden, die Juden aber wegen ihres Fanatismus durch Gott verworfen werden: „Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham im Himmelreich zu Tisch sitzen… die, aber für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äusserste Finsternis“ (Matthäus 8,11). Christus enthüllte seinen Jüngern diese erschütternde Tatsache und bat sie darum, dies ihrerseits zu verkünden. Deshalb verkündetet Petrus nach der Auferstehung Christus vor den Juden: „… Gott, der die Herzen kennt… hat den Heiden ebenso wie uns den Heiligen Geist gegeben. Er machte keinerlei Unterschiede zwischen uns und ihnen…“ (Apostelgeschichte 15,7-9). „Ist denn Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden…“, schreibt noch Paulus (Römer 3,29).

Gott holte die Juden nicht für den Ruhm von Israel aus Ägypten, sondern um den Messias senden zu können, der ihn in der ganzen Welt bekannt machen sollte. Der Prophet Ezechiel rief aus: „So spricht Gott, der Herr: Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen, den ihr bei den Völkern entweiht habt…“ (Ezechiel 36,22). Desgleichen verkündete Gott durch Jesaja: „Hört her, ihr vom Haus Jakob, die ihr den Namen Israels tragt… die ihr beim Namen des Herrn schwört und euch bekennt zu Israels Gott, aber nicht offen und ehrlich… Denn ich wusste, dass du treulos sein wirst, man nennt dich abtrünnig vom Mutterleib an. Doch **um meines Namens** willen halte ich meinen Zorn lange zurück, **um meiner Ehre** willen bezähme ich mich, um dich nicht vernichte zu müssen… **Nur um meinetwillen** handle ich jetzt, denn sonst würde mein Name entweiht; **ich überlasse die Ehre, die mir gebührt**, keinem andern“ (Jesaja 48,1-11).

Wären die Juden in Ägypten geblieben, hätte sie die ägyptischen Kulte weiter ausgeübt und die Vergessenheit von Gott wäre vollkommen gewesen. Der universelle Plan Gottes, der mit Abraham begann hätte sich nicht erfüllen können und wäre nicht bis zu uns zu gekommen. Der Messias konnte nur durch Gemeinschaft gesandt werden, die Gott und seinen messianischen Plan kannte. Ohne diese Gemeinschaft hätten die den Messias betreffenden Prophezeiungen nie offenbart werden können, da es keine Propheten, denen Gott sie anvertrauen konnte, gegeben hätte. Es brauchte eine Basis, auch eine unvollkommene, um den Messias zu empfangen. Gott wachte über seinen Plan, als er die jüdische Gemeinschaft aus Ägypten holte. Sein Plan konkretisiert sich im Messias, und nicht in einem Volk oder einem israelischen Staat.

Der Messias ist vor 2000 Jahren schon gekommen. Er wandte sich und wendet sich heute noch an die ganze Welt. „Er rief: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt… Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fliessen. Er meinte den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben“ (Johannes 7,37-39). All jene, die auf der Suche sind und die sich an der „Kreuzung der (geistigen) Strassen“ befinden, werden ihn entdecken und diesen göttlichen Geist erhalten. Indem sie ihn empfangen, kommen sie zum Leben zurück und werden Söhne Gottes. (Johannes 1,12). Das ist die erste Auferstehung (Johannes 5,25 / Offenbarung 20,6), die Rückkehr der Seele zum Leben. Das ist eine wunderbare Erfahrung, die nur die kennen, die sie erleben. Wir verdanken unseren Glauben an Gott und an Christus dem Auszug der Juden aus Ägypten im XIII. Jahrhundert vor Christus. Gott führte sie heraus, um der Gott aller Gläubigen zu sein, um **unser** Gott und **unser** Vater zu sein.

Wir sollten uns vom innigen Band zwischen dem „Auszug“ aus Ägypten und uns bewusst sein. Die Abwanderung mit Moses war kein einfacher Durchgang von einem Land zu einem anderen, sondern das Symbol des Überganges von **einem Zustand der Seele** zu einem anderen, einem Ausgang aus dem Unwissen in die Bekanntschaft Gottes. Diese Kenntnis gibt unserer Seele das Leben zurück, durch die Neuentdeckung des ewigen Lebens: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen…“ (Johannes 17,3).

Um das Abendmahl einzuführen, wählte Jesus das jüdische Osterfest, das den „Auszug“ aus Ägypten feiert (Matthäus 26,17). Dieses Brot des ewigen Lebens reisst unsere Seelen beim Tod aus: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat **bereits** das ewige Leben (*in ihm*)… er bleibt in mir, und ich bleibe in ihm… Er wir leben in Ewigkeit“, sagte Jesus (Johannes 6,51-58).

Ohne den Auszug aus Ägypten wäre der Plan Gottes gescheitert: wir hätten weder den Messias, noch die Bibel, noch das Evangelium noch die Apokalypse gehabt. Wir hätten die erste Auferstehung, die das wieder gefundene Paradies auf Erde ist, ignoriert. Das ist das wahre verheissene Land. Es ist nicht das geographische Palästina, wie es einige meinen, die sich an die Materie und die Erde klammern.

Der erste Schritt zur ersten Auferstehung wurde mit Abraham gemacht. Der folgende Schritt war der Auszug aus Ägypten. Danach war es der Ruf Jesus, der alle Gläubige der ganzen Welt einlud daran teilnehmen. Mit der Apokalypse wird dieses Versprechen eine erlebte Wirklichkeit, ein königliches Priesteramt. Wir verdanken unser apokalyptisches Priestertum der göttlichen Initiative, die Juden aus Ägypten heraus zu holen. Dadurch konnten wir uns auch von der geistigen Unwissenheit und vom Tod der Seele befreien. Wie können wir ihm danken? Durch Jesus!

Was wären wir ohne diesen Auszug aus Ägypten? Anbeter oder Priester der Götter Râ, Baal, Jupiter, Zeus, Diana oder Astarte…!

**Überlegung**

Meinst Du wir seien durch den Glauben an Jesus oder durch die Praxis des Gesetzes Moses gerettet (Beschneidung, Sabbat, rein und unrein usw.).

Meinst Du, dass die Tier- und die Brandopfer den Sünder mit Gott versöhnen können?

Je nach Antwort auf diese Fragen ist man Jünger oder Feind von Jesus.

### Numeri

Dieses Buch beginnt mit einer Volkszählung der Israeliten, um die Zahl ihre Einwohner (Bedeutung von Numeri) zu erfassen. Man soll sich nicht durch all diesen Zahlen aufhalten lassen. Zuerst werden nur die Leviten nicht gezählt (Numeri 1,48), denn sie sollten im Dienste der „Wohnstätte der Bundesurkunde“ sein. Diese Wohnstätte ist das Zelt des Zeugnisses, wo die Opfergaben **als Zeugnis** dem alleinigen Gott dargebracht wurden. Aaron und seine Söhne, und niemand anders, wurden „beauftragt, den Priesterdienst zu versehen. Wer unbefugt daran teilnimmt, wird mit dem Tod bestraft“ (Numeri 3,10), wird im Namen Jahweh behauptet, um die Rechte der Priester zu bewahren…

Man sollte dieses Buch jetzt rasch lesen und zum Bibelkurs zurückkehren, wo die wichtigsten Punkte erläutert sind.

Die Schilderung des Aufmarsches der Juden in der Wüste wurde durch die Schriftgelehrten und Priester ungefähr drei Jahrhunderte später niedergeschrieben. Wie bereits erklärt, fügten die Schriftgelehrten-Priester Dinge hinzugefügt, um die unumgängliche Rolle des Kults und des Priestertums Aaron und seinen Nachkommen hervorzuheben. Die Gemeinschaft verbrachte vierzig Jahre an der Wüste. Diese Zeit reichte aus, um bei der Wohnstätte der Bundesurkunde, die als Tempel diente, einen Kult zu organisieren. Im inneren befand sich die Bundeslade, welche die zwei Tafeln der Zehn Gebote enthielt. Sie bedeutete die Anwesenheit Gottes. Deshalb war sie auch so wichtig (Numeri 10,33-35). Sie eröffnete den Zug des Volks wie in gewissen modernen religiösen Prozessionen mit religiösen Symbolen an der Spitze.

Die Leviten hatten eine Rolle des Diensts im Kult, aber das Priestertum war für Aaron und seinen Söhnen reserviert. Dies wird oft mit Beharrlichkeit in der Tora und im Buch Numeri wiederholt. Numeri 3,1-4 bestimmt Aaron und seine Söhne zu den **einzigen levitischen Priestern** im ganzen Stamm und sogar in der ganzen Gemeinschaft. Der Rest des Stamms Levi hat im Kult nur eine bescheidene Rolle, nämlich Aaron und seinen Söhnen zu dienen: „Lass den Stamm Levi vor dem Priester Aaron antreten, damit sie ihm dienen…“ (Numeri 3,6). Die Gegenleistung lautet: „Den Leviten gebe ich als Erbteil den ganzen Zehnten, den die Israeliten entrichten…“ (Numeri 18,21.) Dies ist eine sehr hübsche Summe. Der Zehnte von diesem Zehnten musste jedoch an Jahweh abgegeben werden (Numeri 18,26), d.h. letztendlich in den Taschen des Priesters Aaron landen, da wie es die Schreiber präzisieren, das, was Gott geschenkt wird, fällt wieder dem Priester ein: „… diese Abgabe für den Herrn sollt ihr dem Priester Aaron übergeben“. Weiter wird noch verlangt, dass „ihr sollt die ganze Abgabe für den Herrn leisten, **von allem das Beste**, als heilige Gabe…“ (Numeri 18,28-29). Die ersten Früchte der Ernte waren der beste Teil.

Die Schreiber verfassten diese Texte Jahrhunderte nach Aaron; sie waren selbst Priester, Nachkommen von Aaron. Da sie ihre Privilegien sichern wollten, beeilten sie sich, in ihrer Gunst Verse hinzuzufügen, die Gott zugesprochen wurden: „Der Herr sprach zu Mose und sagte: Wenn ihr in das Land kommt, in das ich euch bringe, und wenn ihr vom Brot des Landes esst, dann **sollt ihr** eine Abgabe für den Herrn (*d.h. für den Priester*) entrichten… Als **Erstlingsgabe** von eurem Brotteig sollt ihr einen Kuchen abgeben… **von Generation zu Generation**“ (Numeri 15,17-21). Damit erhalten die Schriftgelehrten-Priester ihre „göttlichen Rechte“ auf den Nachkommen der Gemeinschaft aufrecht.

Glauben wir nicht, dass Gott darum bittet, ein Priestertum einzuführen, dass das Beste vom Gut anderer beschlagnahmt. Man erkennt darin nochmals „den Lügengriffel der Schreiber“ (Jeremia 8,8). Das so genannte christliche Klerus stürzte sich in den gleichen wirtschaftlichen Abgrund. In Buch der Offenbarung lädt Gott die seinen ein, „gratis“ die Fluten von Gnade zu nehmen, die er auf denen ableitet, die glauben (Offenbarung 21,6 / 22,17). „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“, empfiehlt noch Jesus (Matthäus 10,8 / Lukas 9,2.)

#### Die Tötung von zwei der Söhne Aaron

Das Buch der Zahlen berichtet lakonisch über den Tod am Sinai, von Nadab und Abihu, den Söhnen von Aaron, dem Ältesten und dem jüngeren Bruder. Der Tod von diesen zwei Brüdern wird an Jahweh zugeschrieben. Das war aber in Wirklichkeit eine Tötung: „Nadab und Abihu waren vor den Augen des Herrn gestorben, als sie in der Wüste Siani dem Herrn ein unrechtmässiges Feueropfer darbrachten“ (Numeri 3,4). Der Levitikus ist eindeutiger: „Die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen jeder seine Räucherpfanne… sie brachten vor dem Herrn ein unerlaubtes Feuer dar… Da ging vom Herrn ein Feuer aus, das sie verzehrte, und sie kamen vor dem Herrn um“ (Levitikus 10,1-2).

Diese zwei Männer, Priester und Leviten, fanden den Tod am Tag ihrer priesterlichen Einweihung (Numeri 8,13). Das Feuer, das sie verschlang, war nichts anderes als der bewaffnete Arm Mose und seiner Bande. Was war ihr Verbrechen? Sie wollten an Jahweh in ihrem mit Weihrauch rauchenden Weihrauchfass ein so genanntes unerlaubtes Feuer schenken, unerlaubt, weil nicht von Moses vorgeschrieben. Wollten sie anstelle von Aaron beräuchern? Auf jeden Fall haben sie die mörderische Wut ihres Onkels Moses hervorgerufen, der ihre Tötung wie immer „auf Befehl Gottes“ verfügt. Er hatte sich danach auch wegen einer Angelegenheit von Nahrung über die zwei überlebende Brüder aufgeregt: „Warum habt ihr das Sündopfer nicht an einem heiligen Ort gegessen?… Sein Blut wurde ja nicht in das Innere des Heiligtums gebracht; das Fleisch hättet ihr im Heiligtum essen sollen, **wie ich es angeordnet habe**“. Moses beruhigte sich nur nach der erklärenden und ängstlichen Intervention von Aaron (Levitikus 10,16-20).

Der Tod seiner zwei Söhne liess Aaron vor Mose terrorisiert. Denn vor den durch seinen Bruder gegebenen Erklärungen „schwieg Aaron“, gelähmt durch die Angst vor dieser unerwarteten Gewalt. Der durch diese überraschende Tötung provozierte Schlag am Tag der fröhlichen Zeremonie, liess Aaron und seine zwei anderen Söhne erstarren. Als Mose die Angst seines Bruders und seiner zwei Neffen sah, beruhigte er sie: „Zerreisst nicht euere Kleider, sonst müsst ihr sterben… Verlasst nicht den Eingang des Offenbarungszeltes, sonst müsst ihr sterben“ (Levitikus 10,1-7). Ausserhalb des Zeltes gab es ein von Mose geführten Volksaufstand gegen alle, die sich den strengen Anforderungen des Kults nicht beugen wollten. Aaron und seine zwei überlebende Söhne riskierten, gesteinigt zu werden.

Falls eine Flamme Nadab und Abihu verschlungen hätte, dann wären ihre priesterlichen Kleider zu Asche geworden. Nun „wurden sie in ihren Gewändern vor das Lager hinaus getragen“ (Levitikus 10,5). In Wirklichkeit konnte die mörderische Flamme nur die entzündete und bewaffnete Wut von Mose gewesen sein. In der Überzeugung Gott habe ihn beauftragt einen Kult zu organisieren, weicht Mose nicht aus und drängt einen „regulären“ durch die Kraft des Schwertes auf. Vergessen wir nicht, dass Moses ein gewalttätiger Mann war, der fähig war zu töten. Hatte er nicht schon einen Ägypter getötet, bevor er aus Ägypten floh (Exodus 2,11-15)? Hat er nicht persönlich den israelitischen Chefs befohlen: „Jeder soll die von seinen Leuten töten, die sich mit Baal-Pegor eingelassen haben… Im ganzen waren vierundzwanzig tausend Menschen an der Plage gestorben“ (Numeri 25,1-9). Politiker werden heutzutage im Namen der Menschenrechte für weniger Verbrechen verurteilt! Ausserdem wird der Ausdruck „eine Flamme ging aus, um zu verschlingen“ in Numeri 21,28 erläutert: „Von Heschbon ging ein Feuer aus, eine Flamme von Sihons Burg, sie hat Ar-Moab gefressen“. Dieses „Feuer“ ist nichts anderes als die Schlacht in welcher Sihon, der König der Moabiten starb (Numeri 21,21-30).

Die Schreiber stellen jedoch Moses vor wie „ein sehr demütiger Mann, demütiger als alle Menschen auf der Erde“ (Numeri 12,3). Diese Demut ist völlig abhängig von der Gewalt seiner Bewunderer. Falls das Strafregister „des demütigsten Mannes“ so aussieht, wie sähe dann dasjenige des gewalttätigsten aus? Und welcher Rang von Zartheit und Demut hätte dann Jesus von Nazareth? Dieser hatte Recht, als er von Johannes der Täufer sagte: „Unter allen Menschen hat es keinen grösseren gegeben als Johannes den Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist grösser als er“ (Matthäus 11,11). Die Gewalt von Moses gibt ihm einen Rang weit hinter Johannes.

#### Aufruhr von Mirjam und Aaron gegen Mose

„Mirjam und Aaron redeten über Mose wegen der kuschitischen Frau, die er sich genommen hatte… Sie sagten: Hat etwa der Herr nur mit Mose gesprochen? Hat er nicht auch mit uns gesprochen?“ (Numeri 12,1-3). Die Gereiztheit Mirjams und Aarons gegen seinen Bruder lässt sich nicht nur nicht durch die Tatsache der Hochzeit von diesem mit einer Nicht-Jüdin erklären. Es gibt ihrerseits auch den Anspruch Gesprächspartnern Gottes zu sein. Und dieser Anspruch ist berechtigt. Man muss verstehen, dass Moses zu Unrecht das exklusive Recht beanspruchte mit Gott zu sprechen und ihn zu hören. Aus diese Sichtweise muss man alles das, was Moses sagt, ausführen, und zwar genauso wie er es sagt. Sonst wird von Gott den Tod verfügt. Im Namen Gottes wird auf dieser Weise ein Terrorregime eingeführt. Das ist der Grund, weshalb Aaron versucht vor Mose zurückzutreten. Er hat Angst für sich und seine zwei noch lebenden Söhne und bettelt, um sein Mitleid (Numeri 12,4-15).

#### Der Aufruhr Korachs

Der Jähzorn von Moses bemerkt sich auch im Aufstand der Leute von Korach, der jedoch ein Leviter war. Die seinem Bruder Aaron und seinen Neffen von Moses (nicht von Gott) gewährten übermässigen materiellen Privilegien machten viele unzufriedenen. Sie sahen darin keinen göttlichen Willen, sondern ein menschlicher Gewinn. Die Leviten selbst waren frustriert, denn sie mussten Aaron und seinen Söhnen „der beste Teil“ des Zehnten, den sie entnahmen, geben. Aber auch die anderen Stämme empfanden auf negativer Weise die Wirkung dieses missbräuchlichen Betriebes, dass unter dem Vorwand Gottes getätigt wurde. Von da kommt der Aufstand von Korach, ein hochrangiger Levit, der zwei Prinzen des Hauses von Ruben, Eliab und Abiram zu sich gewinnen konnte sowie viele andere Leviten. Empört über den verschlingenden Appetit der Priester „erhoben sie sich gegen Mose, zusammen mit 250 führenden Männern aus der Gemeinde… (*sie stellen also die ganze Gemeinschaft dar*). Sie rotteten sich gegen Mose und Aaron zusammen und sagten zu ihnen: Ihr nehmt euch zu viel heraus. Alle sind heilige, die ganze Gemeinde, und der Herr ist mitten unter ihnen. Warum erhebt ihr euch über die Gemeinde des Herrn?“ (Numeri 16,1-3). Sie hatten Recht!

Vor diesem Aufstand entscheidet sich Moses sich zuerst getrennt mit Korach zu unterhalten, dann mit Datan und Abiram. Diese weigerten sich mit Verachtung, sich vor Moses vorzustellen und lösten dadurch die „heftige Wut“ von diesem aus (Numeri 16,12-15). Mose forderte Korach auf, sich mit den Privilegien der Leviten zu genügen und warf ihm vor „nun wollt ihr auch noch das Priesteramt“ (Numeri 16,8-10).

Die Schreiber behaupten, dass der Boden sich im Sinne eines Wunders unter ihnen spaltete, um die Aufständigen zu verschlingen und dass ein „Feuer vom Herrn ausging und die 250 Männer frass“ die sie begleiteten (Numeri 16,28-35). Dieses „Feuer“ ist das gleiche, das schon die zwei Söhne von Aaron ermordet hatte: sie wurden durch Mose und seinen Männern getötet.

Warum erzählen die Schreiber solche Geschichten? Weil sie selbst Priester, Nachkommen von Aaron waren. Drei Jahrhunderte später als sie schrieben, hingen sie immer noch neidisch an ihren Vorrechten. Sie berichten über diese Ereignisse damit „das ein mahnendes Zeichen dafür sei, dass **kein Unbefugter, keiner, der nicht zu den Nachkommen Aarons gehört**, sich dem Herrn nähern darf, um für ihn Weihrauch zu verbrennen; sonst geht es ihm genau so, wie dem Korach und seinem Anhang“. Und schamlos fügen sie hinzu „so wie es der Herr durch Mose angekündigt hatte“ (Numeri 17,5).

Ich glaube nicht an die historische Wirklichkeit dieser Geschichte. Ich glaube nicht, dass der Boden sich geöffnet hat, um Korach und seinen Anhang zu verschlingen. Im Geist gehöre ich zu diesem Anhang. Denn wie Korach glaube ich, dass die Priester „zu viel heraus nehmen. Alle sind heilige, die ganze Gemeinde, und der Herr ist mitten unter ihnen“. Ich glaube, dass unser himmlischer Vater Mitten unter uns ist, dass wir Emmanuel erleben und dass wir das von Gott und seinen Messias Jesus gewollte apokalyptische Priestertum ausüben.

Die Wahrheit ist, dass Mose und seine bewaffnete Bande Korach und die Seinen töteten. Der „Boden, der sich spaltete“, um diese zu verschlingen und die „Flamme“, die die zwei Söhne von Aaron verschlang, sind nur die blutigen Schwerter der Mafia von Mose. Dies geht aus der Reaktion der Gemeinschaft gegen Moses und Aaron nach dieser Schlachterei hervor: „Am nächsten Tag murrte die ganze Gemeinde der Israeliten gegen Mose und Aaron; sie sagten: **Ihr habt das Volk des Herrn getötet**!“ (Numeri 17,6).

Es braucht ein geistig schwachsinniges Wesen, um vorbehaltlos alles zu glauben, was die priesterlichen Schreiber in den historischen Büchern des Alten Testaments erzählen. Die Propheten klagen diesen geistigen Schwachsinn an. Sie sagen im Namen Gottes: „Israel hat keine Erkenntnis, mein Volk hat keine Einsicht… usw.“ (Jesaja 1,3). Und Jeremia: „Ach, töricht ist mein Volk; mich kennen sie nicht. Sie sind unverständige Kinder, ja, sie sind ohne Einsicht. Sie wissen wie man Böses tut, aber Gutes zu tun verstehen sie nicht“ (Jeremia 4,22).

Diese gravierende Fehler „der jüdischen Priester“ haben das Gesicht Gottes verzerrt; es ist für die Menschen unerkennbar geworden. Die Kenntnis des wahren göttlichen Charakters wäre ohne Jesus unmöglich gewesen. Falls die Juden, wie es die Propheten offenbarten, unfähig waren Gott zu kennen, war Jesus hingegen sehr bewusst, dass er ihn wirklich kannte: „Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt“, hatte er gesagt. Und weiter: „Ich habe ihnen deinen Namen bekannt gemacht und werde ihn bekannt machen“ (Johannes 17,25-26). Jesus hat uns das wahre Gesicht Gottes, seinen wahren „Namen“, enthüllt.

Falls man diesen wesentlichen Punkt des geistlichen Lebens gut verstanden hat, würde die wichtigste Sorge sein, zu bitten, wie es Jesus uns vorgeschrieben hat, damit in uns „der Name Gottes geheiligt werde“, d.h. dass wir Gott kennen und dass wir ihn bekannt machen, so wie er wirklich ist, und nicht so wie ihn einige präsentieren. Denn das ewige Leben ist Gott zu kennen: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“ (Johannes 17,3). Das ist der Grund weshalb Jesus uns zuallererst gelehrt hat zu beten: „Vater… geheiligt werde dein Name“. Wir haben zur Mission, diesen heiligen, diesen wunderbaren Namen unseres schöpferischen Vaters, zu heiligen.

#### Einige andere springende Punkte

##### Gabe des Geistes (Numeri 11)

Während Mose die Verwirrung der Israelis in der Wüste sah, wurde er entmutigt. Er fand, dass seine Mission zu schwer war. Er wandte sich an Gott: „Warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, dass du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst?“ (Numeri 11,10-11). Der Herr bittet ihn darum, 70 der Alten von Israel und der Schreiber zu wählen, denen er seinen Geist geben wird, um ihm bei seiner Aufgabe zu helfen. Nachdem er sie versammelt hatte, „sobald der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in prophetische Verzückung; später geschah das nicht mehr“ (Numeri 11,24-25). Warum geschah das später nicht mehr? Wahrscheinlich, weil Mose entschied alleine zu prophezeien, d.h. alleine im Namen Gottes zu regieren. Prophezeien bedeutet im Namen Gottes zu sprechen, den Sprecher Gottes zu sein, die göttliche Meinung über die Ereignisse zu offenbaren. Das kann sich nicht ohne einen direkten Beistand von Gott erfolgen. Deshalb gibt Gott den Menschen, die er für eine Mission auswählt, seinen Geist.

Zwei Männer, Eldad und Medad, prophezeiten unabhängig von den 70 Ältesten, die um Mose herum versammelt waren. Josua, der Diener von Moses, wollte sie daran hindern, aber Mose hielt ihn zurück und sagte: „Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde, wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!“ (Numeri 26-29). Das verhinderte Moses nicht, gegen Aaron und Korach zornig zu sein, weil sie gesagt hatten, dass Gott mit ihnen sprach. Die Haltung von Josua gleicht im Evangelium derjenigen von Johannes: „Johannes sagte zu Jesus: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns“ (Markus 9,38-40). Diese Fälle der Schenkung des Geistes ausserhalb eines traditionellen Rahmens erinnert an die Worte Jesus an Nikodemus: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist“ (Johannes 3,8).

Der Geist von Gott sprach oft zu Mose. Das ist unleugbar! Aber es ist auch wahr, dass Mose oft persönliche Entscheidungen traf und dabei glaubte, sie kämen von Gott. Auch, um in den Büchern des Alten Testaments zwischen dem, was von Gott eingeflösst wird, und dem was von Mose kommt, zu unterschieden, muss man sich auf das Licht stützen, das uns Jesus im Evangelium gibt.

##### Josua

Die erste Erwähnung von Josua befindet sich in Exodus 17,9: „Mose sagte zu Josua: Wähl uns Männer aus, und zieh in den Kampf gegen Amalek“. Er war der einzige, der mit Moses auf den Berg am Sinai (Exodus 24,13) steigen durfte. Er bediente ihm treu und war mit dem Kult und dem Zelt eng verbunden (Exodus 33,11). Das Buch Numeri erwähnt ihn zum ersten Mal, als er die zwei Männer, Eldad und Medad verhindern wollte zu prophezeien (Numeri 11,26-29). Diese Tatsache zeigt seine grosse Eifersucht für Moses. Er gehörte zu den zwölf von Moses gesandten Männern, um das Land von Kanaan zu erforschen. Er ist dieser „Hoschea, der Sohn Nuns, aus dem Stamm Ephraïm“ (Numeri 13,8), deren Namen Moses in Josua änderte (Numeri 13,16). Moses bezeichnete ihn als sein Nachfolger (Numeri 27,15-23). Das Buch Josua, das erste Buch nach dem Pentateuque, trägt seinen Namen und erzählt wie er die Israeliten in Kanaan einführte.

##### Erkundungsmission in Kanaan

Mose schickte 12 Stellvertreter nach Kanaan, ein Vertreter von jedem Stamm, um die Bevölkerung und das Land vor der Eroberung der Juden zu erkunden. Josua war einer von ihnen. Sie gingen von Kadesch aus. Merke dir diesen Namen. Als die Kundschafter von ihrer vierzigtägigen Expedition zurückkehrten erzählten sie, dass das Land Kanaan zivilisiert und befestigt war: „Es ist wirklich ein Lanad, in dem Milch und Honig fliessen; das hier sind seine Früchte“ (Numeri 13,27). Sie brachten Exemplare von Weintrauben, Granatäpfel und Feigen zurück. Die Weintrauben mussten, weil sie so gross waren, zu zweit getragen werden (Numeri 13,23). Es gab aber ein grosses Hindernis: „Aber das Volk, das im Land wohnt, ist stark, und die Städte sind befestigt und sehr gross“ (Numeri 13,28). Das machte den zehn Kundschaftern Angst. Sie empfahlen auf die Invasion zu verzichten: „Wir können nichts gegen dieses Volk ausrichten; es ist stärker als wir… alle Leute, die wir dort gesehen haben sind hochgewachsen… Wir kamen uns selbst klein wie Heuschrecken vor, und auch ihnen erschienen wir so“ (Numeri 13,31-33). Nur Josua und Kaleb waren anderer Meinung.

Das Volk schloss sich der Meinung der Mehrheit der Kundschafter an (Numeri 14,1-4) und bereitet sich vor, trotz der Ermutigungen von Josua und Kaleb, Mose und seinen Clan zu steinigen: „Doch die ganze Gemeinde drohte Mose und Aaron zu steinigen“ (Numeri 14,10). Es war aber im Gegenteil Mose, der schlussendlich diese tötete: „Die Männer, die Mose ausgeschickt hatte, um das Land erkunden zu lassen, die dann aber nach ihrer Rückkehr die ganze Gemeinde zum Murren verführt hatten fielen plötzlich tot zu Boden…, alle die über das Land falsche Gerüchte verbreitet hatten. Nur Josua und Kaleb blieben am Leben“ (Numeri 14,36-38).

„Palästina war also nie eine Wüste, wie es einige behaupten. Seit Jahrtausenden war sie immer zivilisiert und mit zahlreichen Obstbäumen bepflanzt. Den Anspruch erheben die „palästinensische Wüste“ in einen „israelischen Garten“ zu verwandeln ist eine Lüge, die nur die Unwissenden verführt.“

Vor der Macht den Kanaaniter, waren einzig Josua und Kaleb bereit in das Land einzutreten. Später entschlossen sich die Israelis auch dazu. Es war aber zu spät, denn Gott war nicht mehr mit ihnen: „Da kamen die Amalekiter und die Kanaaniter und schlugen die Israeliten“ (Numeri 14,45). Die Lehre aus dieser Geschichte: Man sollte nie zögern, um zu handeln, wenn die Stunde Gottes gekommen ist und immer auf eine auch anscheinend gute Tat verzichten, wenn sie nicht mit Gott getan wird. Deshalb hatte Mose ihnen geraten, auf dieses Vorhaben zu verzichten (Numeri 14,41-42). Sie wurden gemäss der Erzählung der Schriftsteller geschlagen denn „weder die Bundeslade noch Mose war mit ihnen“ (Numeri 14,44).

Da die Israeliten nicht den direkten Weg durch Kadesch nahmen, mussten sie das Territorium Edoms nach Süden umgehen. Als der König Edoms deren grosse Zahl sah, weigerte er sich ihnen ein Durchgangsrecht zu geben (Numeri 20,14-21). Sie verzichteten also auf diese Abkürzung und gingen nach Süden hinunter und danach wieder nach Norden, nach Moab hinauf. Es war eine so lange, schwierige und gefährliche Reise, dass sie 38 Jahre dauerte. Viele werden nicht in Palästina einziehen. Sogar Mose und Aaron werden dieses Land nicht sehen (Numeri 14,29-38).

##### Verschiedene Vorschriften des Kults

Die Erzählung des Aufenthaltes in Kadesch wird durch eine ganze Reihe von kultischen Vorschriften, die in den Kapiteln 15-19 beschrieben werden unterbrochen. Ich erwähne die wichtigsten Punkte:

**Der Sabbat**

Jede Arbeit an einem Sabbat wird verboten. Wenn ein Mann an einem Sabbat Holz sammelt, dann wird dies als ein Verstoss gegen das „göttliche“ Gesetz des Sabbats betrachtet. Dieser Mann muss getötet werden „wie der Herr es Mose befohlen hatte“ (Numeri 15,36). Eine solche engstirnige Haltung entspricht nicht dem Geiste Gottes. Vergleiche dies mit der Haltung Jesus vor den Pharisäern, die die Apostel kritisierten, weil sie an einem Sabbat Weizenähren abgerissen hatten (Matthäus 12,1-8).

**Die Quasten**

Mose behauptet Gott hätte verlangt, dass „sie sich Quasten an ihre Kleiderzipfel nähen sollten, von Generation zu Generation, und an den Quasten eine violette Purpurschnur anbringen…“ (Numeri 15,37). Diese **lächerliche** „religiöse“ Mode wurde durch die Christen, vor allem in der katholischen Kirche (Kardinäle und Bischöfe) befolgt. Jesus verurteilt diese Kleidergebräuche (Matthäus 23,5) und betont die Wichtigkeit des Glaubens und die Einfachheit, nicht der Kleider.

**Die rote Kuh**

Nach einer Verfügung Gottes im Gesetz sind die Äschen der roten Kuh, welche durch die Priester mit Wasser vermischt werden, fähig zu reinigen (Numeri 19,1-10). Die Äsche „wird für die Gemeinde der Israeliten zur Zubereitung des **Reinigungswassers** aufbewahrt. Es ist ein Sündopfer“. Noch ein heidnischer Ritus, welcher samt seinem Aberglauben in den jüdischen Kult aufgenommen wurde. Die moralische Reinigung mit dem Wasser ist in den altertümlichen Religionen bekannt. Es entpricht dem „Weihwasser“ bei den Christen, den Waschungen bei den Moslems, dem Fluss von Gange für die Hindus usw.

Diese „Reinigung“ ist also illusorisch, da sie materiell und durch die heidnische Zauberei und Aberglauben befleckt ist. Denke an die religiöse Wichtigkeit der „weissen“ Kuh in Indien (die Farbe der Kuh ändert sich, aber nicht der Geist des Kultus). Der Unterschied aber ist die Tatsache, dass die Schritstellen diesen Kult an… Jahwe zuschreiben! Der wahre Grund aber ist, dass es den Priestern passte, denn für eine solche Reinigung durch eine schwer zu findende „rote“ Kuh wurde viel bezahlt. Vor einigen Jahren haben Israelis mit Freude angekündigt, dass die messianische Zeit gekommen sei, weil man in Spanien endlich eine den Forderungen der Tora entsprechende rote Kuh gefunden hatte…!

Um die **geistige** Reinigung durch die Reue zu erlangen, brauchte es eine neue Entwicklungsstufe. Es ist Jesus, der mit dem Preis seines Blutes, uns gelehrt hat, wie wir uns durch das Opfer von unseren schlechten Neigungen und die Bitte um Vergebung reinigen sollten, und nicht durch einen äusseren, illusorischen Kult. Es ist Gott, der vergibt und die reumütige Seele reinigt.

**Das Wasser aus dem Fels**

Da sich die Gemeinschaft nochmals gegen Mose empört hatte, fehlte es ihr an Wasser und Nahrung. Sie bedauerte Ägypten für einen unbewohnten Ort verlassen zu haben (Numeri 20,1-5). Gott sagte also an Moses:

„Nimm deinen Stab (*der Stab Aarons, der beim Aufstand gegen Mose anstelle vom Stab Korach geblüht hatte: Numeri 17,21-26*); dann **versammle die Gemeinde**, du und dein Bruder Aaron, und sagt vor ihren Augen zu dem Felsen, er solle sein Wasser fliessen lassen… Mose und Aaron riefen die Versammlung vor dem Felsen zusammen… Dann hob er seine Hand hoch und schlag mit seinem Stab zweimal auf den Felsen. Da kam Wasser heraus, viel Wasser, und die Gemeinde und ihr Vieh konnten trinken“ (Numeri 20,6-11.) Der Ort dieser **Versammlung** ist umstritten, wie wir es weiter vorn sehen werden: war es um einen Felsen oder einen Brunnen herum?

Nach diesem Wunder regte sich Gott über Mose und Aaron auf: „Weil ihr mir nicht geglaubt habt und mich vor den Augen der Israeliten nicht als den Heiligen bezeugen wolltet (nicht meine Allmacht bezeugen wolltet), darum werdet ihr dieses Volk nicht in das Land hineinführen, das ich ihm geben will“ (Numeri 20,11-12). Es war tatsächlich Josua, der sie nach Palästina einführte (Numeri 27,12-22). Was war der Fehler des Moses und des Aarons? Warum diese göttliche Wut gegen sie? Eine solche Reaktion von Gott nach einem solchen Wunder begreift man nicht. Moses schlug den Felsen zwei Male. Er hätte ihn **ein einziges Mal** mit Sicherheit und nicht ein zweites Mal mit Zögerung schlagen sollen. Hätte er, der mit Gott gesprochen hatte, nicht mit Überzeugung und Kraft handeln sollen, wohl wissend, dass Gott vor allen sich „als den Heiligen bezeugen“ kann?

Die Antwort befindet sich im Ort, wo die Versammlung stattfinden musste, um Wasser zu trinken: war es wirklich um einen Felsen wie es die Schreiber in Numeri 20,1-13 behaupten, um an das Wunder glauben zu lassen? Diesem Ort wird in Numeri 21,16-18 widersprochen, der aufzeigt, dass die Versammlung um einen Brunnen erfolgte: „… Von dort ging es weiter nah Beer (*Name von einem Ort, der Brunnen bedeutet*); **es ist der Brunnen**, von dem der Herr zu Mose gesagt hat: Versammle das Volk, damit ich ihnen Wasser gebe. Danach sang Israel das folgende Lied: Steig auf, Brunnen! Singt über ihn ein Lied über den Brunnen, den Heerführer gruben“ (Numeri 21,16-18). Auf Hebräisch wie in Arabisch bedeutet das Wort „Beer“ Brunnen. Dieser Ort bekam also seinen Namen aus dem Brunnen, der dort liegt.

Um zu trinken, wurde also die „Versammlung“ nicht um einen Felsen aber ganz einfach um einen Brunnen gehalten. Ausserdem, indem er das Wasser vom Brunnen trank, respektierte Mose nicht seine Verpflichtung „das Wasser von den Brunnen nicht zu trinken“, dass die Gemeinschaft überqueren würde (Numeri 20,17 / 21,22).

Die Ursache des Zornes Gottes gegen Mose und Aaron wäre also eher ihre äusserste Gewalt und die Einführung eines unnachgiebigen Kults nach Modell der Heiden, das von Gott nie vorgeschrieben wurde. Und dies im Name Gottes!

**Der Tod Aarons (Numeri 20,14-21)**

Wir haben bereits gesehen, dass die Edomiten die Israeliten daran hinderten durch ihr Land zu ziehen. Die Israeliten mussten dann einen grossen Umweg in Richtung Süden machen. Auf dem Weg starb Aaron in „Hor“. Sein Sohn Eleasar folgte ihm als Hoher Priester nach.

**Die kupferne Schlange (Numeri 21,4-9)**

Diese kupferne Schlange wurde auf Anfrage Gottes gebaut und wurde in **horizontaler** Weise auf eine **vertikale** Fahnenstange aufgehängt. Sie bildete somit ein Kreuz. Diejenigen, die in der Wüste durch Schlangen gebissen wurden und die danach mit Glauben zu dieser kupferne Schlange blickten, wurden physisch geheilt. Gott verzieh ihnen ihre Auflehnung.

| ![](/pictures/cb_serpent-airain.jpg "Le serpent d$$airain")  Die kupferne Schlange |
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Dieses Kreuz stellte ein anderes, viel Wichtigeres dar, dessen Heilungskraft geistig und nicht körperlich ist, ewig und nicht vergänglich. Das durch die kupferne Schlange gebildete Kreuz kündigte die Kreuzigung Christi an und die Heilung all derer, die an ihn glauben. Jesus hat diese Geschichte wieder aufgenommen und hat sie auf geistiger Ebene der lebenspendenden Kraft seiner Kreuzigung zugeschrieben. Die kupferne Schlange war nur ein Vorzeichen seines Leidensweges: „Wie Mose die (*kupferne*) Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn (*Christus*) erhöht (*auf dem Kreuz*) werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das **ewige** Leben findet“, hatte Jesus gesagt (Johannes 3,14).

Diese kupferne Schlange wurde lange Zeit durch die Juden verehrt und sogar angebetet. Deshalb hat sie der König Ezechias, 600 Jahre später, vernichtet (2 Könige 18,4).

**Der Ritus des „Urim und Tummim“ (Numeri 27,21; siehe auch Exodus 28,30)**

Die Urim und Tummim waren zwei verschiedene Steine oder Würfel, die vom hohen Priester getragen wurden, um Gott über eine Sache zu befragen. Der Priester warf die „Urim und Tummin“ und je nach der Position der Würfel oder die darauf zu lesenden Zeichen, folgerte er auf eine positive oder negative göttliche Antwort auf die gestellte Frage. Es ist ein schlechtes Vorgehen, um Gott zu befragen und die Resultate waren oft unheilvoll.

**Die Nahrung für Jahwe geht an die Priester**

Das Kapitel 28 wiederholt die Vorschriften des mosischen Gesetzes. „Gott“ sagt dem Volk betreffend Tieropfer: „Ihr sollt darauf bedacht sein, zur festgesetzten Zeit meine Opfergaben, meine Speise, durch das Feueropfer… mir darzubringen“ (Numeri 28,1-2). Alle diese „an Jahwe geopferte“ Nahrung endete auf dem Tisch der Priester und Leviten, die diese Texte auch geschrieben haben (Lies 1 Samuel 2,12-17). Es passte also den Priestern, Schriftgelehrten und Leviten eine möglichst grosse Anzahl von aufgeopferten Tieren… für Jahwe… zu haben, da diese Opfer von ihnen selbst gegessen wurden… und dies im Name Jahwes!

#### Bileam und die Prophezeiungen über den Messias (Numeri 22-24)

Das wichtigste Thema im Buch Numeri sind die Prophezeiungen von Bileam, ein nicht jüdischer Hellseher, über den Messias.

Um in Palästina einzuziehen, mussten die Israelis das Land Moab (heute Jordanien) durchqueren. Der moabitische König Balak wollte sie durch Gewalt daran verhindern. Er rief einen Zauberer dieser Gegend benannt Bileam. Er sagte ihm, er solle die Israelis behexen und verfluchen, damit er sie mühelose besiegen kann: „Die ältesten von Moab und die ältesten von Midian machten sich auf den Weg, mit Wahrsagerlohn (*Behexung der Juden*) in den Händen“ (Numeri 22,7).

Gott hinderte Bileam daran sie zu verfluchen, „Zauberei wirkt nicht gegen Jakob, Beschwörung hilft nicht gegen Israel“ (Numeri 23,23). Weshalb? Weil, sagt der Zauberer Bileam, „ein **Held** geht hervor aus seiner Nachkommenschaft, er herrscht über zahlreiche Völker… (Numeri 24,7; Herder Bibel 1965)… Ich sehe ihn, aber nicht jetzt, ich erblicke ihn, aber nicht in der Nähe: Ein **Stern** geht in Jakob auf, ein Zepter erhebt sich in Israel… (Numeri 24,17)“.

Somit ist der einzige Grund, weshalb Gott dieses Volk schützt, die Tatsache, dass der Messias daraus hervorgehen soll. Er ist dieser „Held“, der aus der Nachkommenschaft kommen soll. Er ist auch dieser „Stern“, der von Bileam erblickt wird, aber „nicht in der Nähe“. Jesus kam, in der Tat, erst 13 Jahrhunderte später. Er ist der „Morgenstern“, wie er im Buch der Offenbarung genannt wird (Offenbarung 20,28 / 22,16). In diesem Text wird offensichtlich, dass die einzige Berufung der Israeliten die Ankunft des Messias ist. Nach dem Kommen des Messias in der Person von Jesus von Nazareth kann heutzutage jeder Israeli, der Jesus verleugnet, und auch jeder Mensch, der dieser Held-Stern ablehnt, nicht mehr Anspruch auf irgendeinen göttlichen Segen erheben.

Die Person Bileam sollte man sich merken, denn als er unfähig war die Juden zu verfluchen, hat er sie zur Unzucht mit den Prostituierten Moabs getrieben, um auf diese Art den göttlichen Zorn auf sie zu lenken (Numeri 25,1-3). Beachte, dass sowohl die Moabiten wie auch die Madianiten durch die Juden beschuldigt werden (Numeri 25,6-16). Es ist aber Bileam, der als der grosse Verantwortliche in dieser Sache von Schittim erscheint. Deshalb haben die Israelis ihn später getötet (Numeri 31,8). Das Buch der Offenbarung spricht von Bileam und vergleicht die gottlosen der Endzeit mit „Bileam, der Balak lehrte, er solle die Israeliten dazu verführen, Fleisch zu essen, das den Götzen geweiht war, und Unzucht zu treiben“, damit sie Gottes Zorn verdienten (Offenbarung 2,14). Diese Gottlosen sind die Anhänger des Tieres, die die Jünger Christi verderben, um sie von Gott zu entfernen, wie es Bileam getan hat (Lies das Buch „Die Protokolle der Weisen von Zion“).

#### Die Grenzen Israels

Das Buch Numeri endet mit den Israelis an den Grenzen Palästinas, im Osten des Jordans, auf dem Berge Nebo, welcher der palästinensichen Stadt Jericho (Ariha) gegenüber steht. Dort starb Mose (Deuteronomium 34,1-5).

Die den Juden gemäss den Schriftsteller zugeteilten Grenzen erstrecken sich vom Sinai bis zur Stadt Hamat, im Norden Syriens (Numeri 34,8) und enden im Osten mit dem Jordan und dem toten (salzigen) Meer (Numeri 34,12).

Diese Grenzen sind phantasievoll und hängen nicht von Gott, sondern von den verschiedenen Ambitionen der israelischen Schriftsteller ab. Je nach dem gierigen Appetit dieser Schriftsteller werden die Grenzen vom Sinai bis zum Jordan, wie es hier der Fall ist, oder vom Nil bis zum Euphrat, wie es in Josua 1,3-4 steht, gesetzt. Wenn Gott den Israelis diese Grenzen gegeben hätte, dann würden sie nicht von einem Schriftsteller zum anderen wechseln. Sie wären unverändert, gut definiert und vor allem historisch dauerhaft gewesen.

Die modernen Israelis sind mit dem Land, welches „Gott“ ihnen gegeben hat, nicht sehr zufrieden. Dieses Land wurde durch Mose als das Land in dem „Milch und Honig fliesst“ bezeichnet (Exodus 3,8 - Numeri 13,27). Als die Juden damals noch in der Wüste waren, hatten sie „die Fische, Gurken, Melonen, Zwiebeln und den Knoblauch“, die sie in Ägypten „umsonst“ bekamen vermisst (Numeri 11,5-6). Im Jahre 1977 hatte die verstorbene israelische Ministerpräsidentin Golda Meir gesagt: „Israel wird dem Mose seine mangelnde Voraussicht nie verzeihen: Er brachte die Juden aus Ägypten und schlug auf den Fels, um ihren Durst zu löschen; er liess sie aber 40 Jahre in der Wüste umhergehen, um sie dann in der einzigen Gegend ohne Erdöl niederzulassen“.

### Das Buch Deuteronomium

#### Bedeutung des Wortes

Das Deuteronomium (Dtn) stammt aus dem Griechischen: „deftero“ und bedeutet „erneut“ oder „nochmals“ und „noma“ bedeutet „Gesetz“ (Tora). Deuteronomium bedeutet also „zweites Gesetz“ oder „ein zweites Mal das Gesetz“. Dieses Buch wird so bezeichnet, denn es ist eine Wiederholung der vier Bücher des Gesetzes (Pentateuch), die zuvor geschrieben wurden. Es ist eine Sammlung, eine Zusammenfassung oder eine Synthese der Tora.

#### Wann und durch wen wurde es geschrieben?

Der Deuteronomium wurde im 8 Jhd. v. Chr., ungefähr 200 Jahre nach den vier ersten Büchern und mindestens 400 Jahre nach dem Einzug der Israeliten in Palästina niedergeschrieben. Er wurde durch eine Gruppe von Schriftgelehrten und Priester geschrieben, um das Wichtigste der Lehre Mose in einem Buch zusammen zu bringen. Sie fügten hinzu, was sie an Vorschriften zu ihren Gunsten gewünscht hätten. Um den Vorschriften mehr Gewicht zu geben, lassen sie Mose selbst reden. Sukzessive Reden bilden sein moralisches Testament. Nebst den Gesetzen und Vorschriften, enthält der Deuteronomium die Berichte der wichtigsten Ereignisse, die sich in der Wüste abspielten.

Das Buch wurde nach der Institution des Königreichs Israels verfasst. Sein Ziel ist, in der Zukunft, die früher begangenen Fehler zu vermeiden: „Wenn du in das Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt, hineingezogen bist, es in Besitz genommen hast, und dann sagst: Ich will einen König über mich einsetzen wie alle Völker in meiner Nachbarschaft!… Er soll sich keine grosse Zahl von Frauen nehmen (*wie David und Salomon es getan hatten*)… Er soll nicht zu viel Silber und Gold anhäufen. Und wenn er seinen Königsthron bestiegen hat, soll er sich von dieser Weisung, die die levitischen Priester aufbewahren, auf einer Schriftrolle eine Zweitschrift anfertigen lassen. Sein Leben lang soll er die Weisung in der Rolle lesen…“ (Deuteronomium 17,14-20). Bemerkenswert ist die Bedeutung der Priester in der biblischen Redaktion. Dieser Text sollte man mit 1 Samuel 8,5-19 vergleichen, wo die Juden, als es am 11. Jahrhundert v. Chr. noch kein Königreich gab, Samuel um einen König baten: „Setze jetzt einen König bei uns ein, der uns regieren soll, wie es bei allen Völkern der Fall ist“. In 1 Könige 10,14-18 und 1 Könige 11,1-8 sind das Gold, die Pferde und die zahlreichen Frauen von Salomon erwähnt. Das Deuteronomium zielt in der Zukunft darauf ab, die Wiederholung solcher Missbräuche zu vermeiden. Alles wird in einem Volumen wiederholt, um alle und vor allem die Könige an ihre Aufgaben gegenüber Gott zu erinnern: „Heute sollst du erkennen und dir zu Herzen nehmen: Jahwe ist der Gott im Himmel droben und auf der Erde unten, keiner sonst. Daher sollst du auf seine Gesetze und seine Gebote achten…“ (Deuteronomium 4,39-40).

Der Deuteronomium wurde lange nach seiner Verfassung vernachlässigt. Es war im Tempel vergraben und wurde wiedergefunden unter dem König Josias im Jahr 622 vor Chr. Es ist „das im Tempel von Jahwe wieder gefundene Gesetzbuch“ (2 Könige 22,8) und „das Buch von Mose“, auf welches sich Nehemia 13,1-3 bezieht.

Um ihren Worten mehr Gewicht zu verleihen, bemühten sich die levitischen Schriftgelehrten offensichtlich den Eindruck zu erwecken, dass sie von Mose verfasst und den Leviten anvertraut wurden: „Als Mose damit **zu Ende** war, den Text dieser Weisung in eine Urkunde einzutragen, befahl Mose den Leviten…: Nehmt diese Urkunde… usw.“ (Deuteronomium 31,24-26).

Der Text vom Deuteronomium beweist, dass es nicht Moses war, der bis zum Ende der Autor war. Er kann nicht der Autor des letzten Kapitels, das sich mit seinem Tod und mit seiner Beerdigung befasst, sein (Deuteronomium 34). Er hätte nicht geschrieben: „Das sind die Worte, die Mose gesprochen hat…“ (Deuteronomium 1,1), sondern „Das sind die Worte, die ich gesprochen habe…“, und auch nicht „Mose wählte also drei Städten“ (Deuteronomium 4,41), sondern „Ich wählte also drei Städte“. Alles deutet darauf hin, dass die Priester und die Schriftgelehrten den Deuteronomium unter der monarchischen Regierung in Israel vor der babylonischen Invasion im Jahr 586 vor. Chr. verfassten. In seiner Einführung zum Deuteronomium erkennt André Chouraqui, Autor der französischen Bibel, die seinen Namen trägt, dass „Hinweise daran verhindern, das Werk des großen Gesetzgebers (*Mose*) in diesem Buch zu sehen“.

Man sollte nun das Buch Deuteronium ganz lesen und erst dann auf die Erklärung der wichtigen Punkte im nachfolgenden Bibelkurs zurückkommen.

#### Enteignung

Die Aufgabe die Nationen zu enteignen wird oft im Deuteronomium wiederholt. Die Israeliten wurden von Mose angetrieben die Bewohner aus Kanaan zu vertreiben und sich ihres Besitzes zu bemächtigen und dies in Gottesnamen:

„Er hat bei deinem Angriff Völker **vertrieben**, die grösser und mächtiger sind als du, um dich in ihr Land zu führen und es dir als Erbbesitz zu geben“ (Deuteronomium 4,38).

„Höre, Israel! Heute wirst du den Jordan überschreiten, um in das Land von Völkern, die grösser sind als du, hineinzuziehen und ihren Besitz zu **übernehmen**“ (Deuteronomium 9,1).

„Und wenn der Herr, dein Gott, dich in das Land führt, von dem du weißt: er hat deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen, es dir zu geben – grosse und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, mit Gütern gefüllte Häuser, die du nicht gefüllt hast, in den Felsen gehauene Zisternen, die du nicht gehauen hast, Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast -, wenn du dann isst und satt wirst: nimm dich in Acht, dass du nicht den Herrn vergisst“ (Deuteronomium 6,10-12).

Man ist beeindruckt durch die mehrmalige Wiederholung des Gebotes andere zu enteignen und die anderen Nationen zu verwüsten… in Gottesnamen! Diese Aufforderung zur Enteignung wird in einem einzigen Vers zwei Male wiederholt: „Wenn der Herr, dein Gott, die Völker, in **deren** Land du hineinziehst, um ihren Besitz zu **übernehmen**, vor dir niedergestreckt hat, wenn du ihren Besitz **übernommen** hast und dort wohnst…“ (Deuteronomium 12,29).

Aber enteignen reichte nicht aus: „Wenn du vor eine Stadt ziehst, um sie anzugreifen, dann sollst du ihr zunächst eine friedliche Einigung (*!!*) vorschlagen. Nimmt sie die friedliche Einigung an und öffnet dir die Tore, dann soll die gesamte Bevölkerung, die du dort vorfindest, zum Frondienst verpflichtet und dir untertan sein (*!!*). Lehnt sie eine friedliche Einigung mit dir ab und will sich mit dir im Kampf messen, dann darfst du sie belagern. Wenn der Herr, dein Gott, sie in deine Gewalt gibt, sollst du alle männlichen Personen mit scharfem Schwert erschlagen. Die Frauen aber, die Kinder und Greise, das Vieh und alles was sich sonst in der Stadt befindet, alles, was sich darin plündern lässt, darfst du dir als Beute nehmen. Was du bei deinen Feinden geplündert hast, darfst du verzehren… Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nicht, was Atem hat, am Leben lassen“ (Deuteronomium 20,10-16). Enteignung, Vandalismus und Verbrechen im Gottesnamen. Die Liste der Texte, die man zitieren könnte, wäre lang. Das hat der heilige Gottesname entheiligt.

Die Zehn Gebote enthalten aber drei klare Gebote: „Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen. Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlange, nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin, seinem Rind oder seinem Esel oder noch irgendetwas, das deinem Nächsten gehört“ (Exodus 20,13-17). Um diesem Gebot auszuweichen, interpretieren die Schriftgelehrten und die Priester auf subtiler Weise das Wort „Nächsten“. Für den Juden ist der nächste der Jude. Diese Gebote sind nur in dieser Hinsicht gültig. Die Gojim sind die Feinde, die man entsprechend der Empfehlung enteignen und sogar töten soll. Das verhinderte Mose nicht daran, die Tötung von seinen eigenen Neffen und von einer großen Zahl von Juden zu verfügen. Die Samariter selbst wurden von den Juden als Feinde angesehen. Um Jesus zu beleidigen, nannten die Pharisäer ihn Samariter (Johannes 8,48). „Die Juden haben keine Beziehungen mit den Samaritern“, schreibt Johannes (Johannes 8,48). Jesus korrigierte die Interpretation dieses Gebotes, als er einen Samariter, also einen traditionellen Feind der Juden, als Beispiel der Nächstenliebe gab (Lukas 10,29-37). Er ging sogar weiter, indem er den römischen Hauptmann, einen Heiden, lobte und gleichzeitig die Juden tadelte: „Jesus war erstaunt, als er die Worte des Hauptmannes hörte und sagte: Amen, das sage ich euch: Einen solchen Glauben habe ich in Israel noch bei niemand gefunden. Ich sage euch: Viele werden von Osten und Westen kommen und mit Abraham, Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen; die aber, für die das Reich bestimmt war, werden hinausgeworfen in die äusserste Finsternis; dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen“ (Matthäus 8,10-13). Deshalb lädt Jesus die Juden eine, **ihre Feinde** zu lieben und aufzuhören, ihre Grüsse nur an **ihre Brüder** zu reservieren: „Liebt eure Feinde… Wenn ihr nur eure Brüder grüsst, was tut ihr damit Besonderes?“ (Matthäus 5,42-48).

Diese Beharrlichkeit auf Enteignung und Tötung weist zweifellos auf die Quelle dieser Gebote hin: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt. Er war ein **Mörder** von Anfang an“, stosste Jesus seinen Leugnern aus (Johannes 8,44). Es sind diese Befehle, die Mose aussprach, die die göttliche Wut gegen ihn anzogen. Nachdem er die Israeliten aus Ägypten geführt hatte, wollte er die Nationen vom Sinai bis zum Libanon und Jenseits besitzen. Er gab vor der Gemeinschaft zu: „Ich rief den Herrn um Gnade für mich an: Gott, mein Herr! … Lass mich doch hinüberziehen! Lass mich das prächtige Land jenseits des Jordan sehen, dies prächtige Bergland und den Libanon! Doch euretwegen zürnte mir der Herr und erhörte mich nicht“, warf er dem Volk vor. „Der Herr sagte zu mir: Genug! Trag mir diese Sache niemals wieder vor!“ (Deuteronomium 3,23). Die schneidende Wut Gottes ist nicht auf das Volk zurückzuführen, wie es Mose denkt. Sie zielt dazu ab, den Appetit auf Besitz von diesem letzten zu beschränken (Deuteronomium 4,21).

Sollte man in der Einschätzung des Verhaltens von Mose gewisse mildernde Umstände berücksichtigen: die Mentalität und die Bräuche des Volks von jener Zeit, die Schwierigkeit der Mission, die Härte des Volkes…?

#### Die Ergänzungen

Moses gab zu, dass Gott nichts zu den Worten der Zehn Gebote hinzufügte: „Diese Worte sagte der Herr auf dem Berg zu eurer vollzähligen Versammlung… **diese Worte und sonst nichts**. Er schrieb sie auf zwei Steintafeln und übergab sie mir“ (Deuteronomium 5,22). Moses schrieb zudem folgendes vor: „Ihr sollt dem Wortlaut dessen, worauf ich euch verpflichte, nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen“ (Deuteronomium 4,2). Rituelle und vielzählige religiöse Ergänzungen wurden aber zugunsten des materiellen Wohlergehens der Priester hinzugefügt. Von wo kommen sie? Vom „Lügenschreiber“ der Schriftgelehrten (Jeremia 8,8). Wir sind heute imstande diese Unreinheiten zu identifizieren und durch die Lehre Jesus die Tora zu exorzieren.

#### Der kleine Rest

Moses prophezeit in Deuteronomium 4,25-31 den geistigen Verrat der Israeliten: „Nur einige von euch werden übrig bleiben“ (Deuteronomium 4,27). Schon immer sind es „nur einige“, ein „kleiner Rest“, der an Gott und an seinem Messias treu bleibt und in der Prüfung des Glaubens erfolgreich bleibt. Nur eine kleine Minderheit der israelitischen Gemeinschaft hat nämlich den angekündigten Messias in Jesus erkannt, und nur eine kleine Minderheit erkennt heute den Antichristen: „Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Viele werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen“ (Lukas 13,23-24). Jesus sagte noch diesbezüglich: „Dann wird man euch in grosse Not bringen und viele werden zu Fall kommen… die Liebe wird bei vielen erkalten. Wer jedoch bis zum Ende standhaft bleibt, der wird gerettet“ (Matthäus 24,9-13). Er fragte noch: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ (Lukas 18,8). Er wird ihn nur im Herzen eines kleinen Restes finden, der die Welt entflammen wird.

#### Die „Nation“ Israel

Deuteronomium 4,34 stellt Israel als wie eine von Gott gewählte **Nation** vor: „Hat je ein Gott es ebenso versucht, zu einer **Nation** zu kommen und sie mitten aus einer anderen herauszuholen… wie es der Herr in Ägypten **für euch** getan hat, vor deinen Augen?“ In dieser Erklärung sind zwei Fehler erkennbar: es ist falsch, zu behaupten, dass Gott eine Nation gewählt hat; die göttliche Wahl fiel auf einen Mann, Abraham. Es ist auch falsch den Juden zu sagen: „… wie es der Herr **für euch** getan hat“. Wir haben gesehen, dass Gott gehandelt hatte, um seinen messianischen Plan zugunsten **aller Männer** auszuführen, und nicht für den exklusiven Ruhm der jüdischen Gemeinschaft.

#### Beschneidung des Herzens

Wir finden im Deuteronomium eine Weiterentwicklung im Verständnis der Beschneidung nach dem Geist und nicht dem Buchstaben. In Deuteronomium 10,16 ist zum ersten Mal die Rede von der Beschneidung **des Herzens**: „Ihr sollt die Vorhaut eures Herzens beschneiden und nicht länger halsstarrig sein“. Der Prophet Jeremia kommt einige Jahrhunderte später auf die geistliche Beschneidung zurück: „Beschneidet euch für den Herrn, und entfernt die Vorhaut eures Herzens“ (Jeremia 4,4).

Trotzdem bestehen einige immer noch auf die körperliche Beschneidung der Vorhaut. Diese Praxis war unter den ersten Aposteln von Jesus die Ursache von grossen Meinungsverschiedenheiten: „Es kamen einige Leute von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr euch nicht nach dem Brauch des Mose beschneiden lässt, könnt ihr nicht gerettet werden“ (Apostelgeschichte 15,1). Die wahre Beschneidung ist diese des Herzens erinnert Paulus: „Jude ist, wer es im Verborgenen ist, und Beschneidung ist, was am Herzen durch den Geist, nicht durch den Buchstaben geschieht“ (Römer 2,29).

#### Die Wahl zwischen Segen und Verfluchung

Den Israelis werden Segen, wenn sie treu sind, und Verfluchungen, wenn sie untreu sind, dargeboten: „Seht, heute werde ich euch den Segen und den Fluch vorlegen“ (Deuteronomium 11,26-30). Auf dem Berg Garisim wurde den Segen verkündet und auf dem Berg Ebal den Fluch (Deuteronomium 11,29). Der Berg Garisim, als Ort der Segnungen, wurde von den Samaritaner als Heilige Stätte und Ort des Kultes gewählt. Er ist es heute noch. Die Juden ihrerseits übten ihren Kultus im Tempel von Jerusalem aus. (siehe Johannes 4,20-24, der Dialog zwischen Jesus und der Samaritanerin).

#### Mose kündigt den Messias an

Das wichtigste Thema in diesem Buch ist die Ankündigung durch Mose des Messias-Propheten: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören…“. Mose fügt hinzu: „Jahwe sagte zu mir: Einen **Propheten** wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen, und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage. Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört, die der **Prophet** in meinem Namen verkünden wird, ziehe ich selbst zur Rechenschaft“ (Deuteronomium 18,15-19).

Man sollte sich diese wichtige, messianische Prophezeiung merken. Jesus bezieht sich darauf: „Denn über mich hat Mose geschrieben“ (Johannes 5,46). Auch die Apostel beziehen sich auf diesen Vers: „Wir haben den gefunden, über den Mose im Gesetz und auch die Propheten geschrieben haben: Jesus aus Nazaret, den Sohn Josefs“ (Johannes 1,45). Als die Pharisäer Johannes der Täufer fragten, ob er „der Prophet“ war, dachten sie auch an diese Prophezeiung von Mose (Johannes 1,21).

Ein bemerkenswerter Punkt ist, dass dieser Prophet „wie“ Mose, d.h. gleich gross wie Mose sein wird. Als Jesus kam, stellte sich heraus, dass er noch grösser als Mose war, wie es Paulus offenbart: „Er (*Jesus*) hat **grössere** Herrlichkeit empfangen als Mose, so wie der, der ein Haus baut, grösseren Ruhm geniesst als das Haus“ (Hebräer 3,3).

Der durch Mose angekündigte Messias kommt für das Heil all jener, die an ihn glauben, seien sie Juden oder Nicht-Juden, und für die Verurteilung aller, die ihn ablehnen (Deuteronomium 18,19). Jesus verkündetet: „Wer an mich glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat“ (Johannes 3,18).

„Hiermit lege ich dir heute das Leben und das Glück, den Tod und das Unglück vor“, sagt Gott in Deuteronomium 30,15. Das Leben ist auf der Seite des Messias, Jesus. Der Tod ist auf der Seite des zionistischen Staates, der sich dem Geist Gottes und seines Messias entgegensetzt. „Man kann nicht gleichzeitig zwei Herren dienen“ (Matthäus 6,24).

#### Abraham, der Syrer

Die Schreiber stellen Abraham als Hebräer vor: „Ein Flüchtling kann und berichtete es dem **Hebräer** Abram“ (Genesis 14,13). Ihre Absicht ist glaubhaft zu machen, dass die hebräische „Rasse“ vor der Wahl Abrahams bereits existierte. Nach dieser Logik gehörte Abraham bereits dazu. Mit der Wahl Abraham wären somit alle Hebräer in ihm auserwählt. Das ist ihre Logik, aber nicht diejenige von Gott. Auch nicht unserige.

Deshalb hat Mose seiner Gemeinschaft gesagt: „Du sollst vor dem Herrn, deinem Gott, folgendes Bekenntnis ablegen: Mein Vater war ein heimatloser **Aramäer**. Er zog nach Ägypten…“ (Deuteronomium 26,5). Moses erinnert so die Juden daran, dass ihr Vater, Abraham, von syrischem und nicht von hebräischem Ursprung ist. Zur Zeit Abrahams gab es keine Hebräer. Diese Präzisierung verurteilt den zionistischen Rassismus und bringt ihn in Verlegenheit.

#### Das göttliche Versprechen ist bedingt

Die Treue der Israeliten zu Gott ist die wichtigste und unabdingbare Bedingung, um das verheissene Land zu besitzen: „…wenn du auf seinen Wegen wandelst… wenn du seine Gebote einhälst…“ (Deuteronomium 26,17-18). Diese Bedingung wurde aber nicht eingehalten: „Dieses Volk wird sich erheben; man wird in seiner Mitte Unzucht trieben, indem man den fremden Göttern nachfolgt… es wird mich verlassen und den Bund brechen, den ich mit ihm geschlossen habe“, sagt Jahwe an Mose (Deuteronomium 31,16).

Moses warnt im Falle einer Untreue: „… denn du hast nicht auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, gehört… Ihr werdet aus dem Land, in das du nun hineinziehest, um es in Besitz zu nehmen, herausgerissen werden“ (Deuteronomium 28,62-68). Jeremia seinerseits zeigte die israelitische Untreue und den Bruch des Bündnisses mit Gott an: „**Diesen meinen Bund haben sie gebrochen**“ sagt der Herr (Jeremia 31,32).

Alleine ein „kleiner Rest“ wird treu bleiben (Deuteronomium 28,62), um den Plan Gottes durch den Empfang des Messias weiterzuführen, dieser Messias, der den Urheber des von den Propheten angekündigten **Neuen Bundes** sein wird: „Ich werde mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen **neuen Bund** schliessen, nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe… Diesen meinen Bund **haben sie gebrochen**“ (Jeremia 31,31-32). Durch sein Martyrium hat Jesus diesen neuen ewigen Bund eingesetzt (Matthäus 26,28).

Der Bruch des ersten Bundes nimmt den Israelis des XX. Jahrhunderts jeder Vorwand weg, um Palästina im Name Gottes zu besitzen. Ihre Untreue gegenüber dem Schöpfer durch ihre Ablehnung Jesus wird sie nochmals aus diesem Land ausreissen. Wenn sie heute dort sind, ist dies nicht auf eine göttliche Intervention zurückzuführen. Das Buch der Offenbarung (Apokalypse) offenbart uns, dass sie dort von „vier Ecken der Erde durch den Verführer (*der Teufel*)“ angezogen werden (Offenbarung 20,7-9). Dieser zieht sie dort an, indem er ihnen vor schaukelt sie seien das auserwählte Volk, welches aus den vier Ecken der Erde zurück in das verheissene Land geht. Israel ist somit gemäss Paulus diese „Macht des Irrtums, die in der Welt erscheinen wird, um alle zu verführen, die die Ungerechtigkeit geliebt haben. Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten“ (2 Thessalonicher 2,8-12).

#### Der Tod Mose

Der Tod Mose und Aaron ausserhalb Palästinas ist die von Gott prophezeite Strafe (Numeri 20,12). Der Tod des grossen Gesetzgebers ausserhalb des „verheissenen Landes“ bedeutet, dass die Ausübung des Mosischen Gesetzes unfähig ist in das Reich Gottes einzuführen, da der Gründer selbst nicht in das „verheissene Land“, Symbol des Himmels, eingehen konnte.

**Überlegung**

Die Bibel ist eine Goldmine. Wie in allen Goldminen enthält sie zusammen mit dem Schatz Verunreinigungen. Man muss sie feststellen und sie vom Wesentlichen trennen können.

Die Verunreinigungen sind die abscheulichen Gebote und Kulte, die Gott zugewiesen sind. Diese, die sie vorschrieben, entheiligten „den heiligen Namen“. Diese widerlichen Aktionen werden mit Überfluss erwähnt. Sie kommen nur im Alten Testament vor. Sie wurden von den Propheten, Jesus und den Aposteln angezeigt.

Das Gold im Alten Testament ist die Offenbarung des einzigen Gottes, der Fall des Mannes und seine Ursache, die göttliche Entschlossenheit die Menschheit zu retten, die Berufung Abraham, die Bildung der ersten monotheistischen Gemeinschaft, die Mitteilung der Ankunft des Messias durch die Propheten usw.

Im neuen Testament ist alles Gold. Der Zeitpunkt ist gekommen, um das biblische Gold am Schmelztiegel der apokalyptischen Nachricht zu reinigen. Dort sagt Jesus: „Darum rate ich dir: Kaufe von mir Gold, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst…“ (Offenbarung 3,18). Um das Gold zu reinigen, müssen wir es erkennen und es von den Verschmutzungen trennen. Dafür braucht es die göttliche Gnade und die biblische Erfahrung.

### Fragen

1. Zeichne eine Karte der Region mit Ägypten, der Sinai, das Tote Meer, der Jordan, der Tiberiassee und zeichne der Weg der Israelis in der Wüste Sinai. Lokalisiere Madian, Kadesch, Edom, Hor, Schittim, Moab, Nebo, Jericho, der Berg Garizim.
2. In Deuteronomium 33,8-11 segnet Mose der Stamm Levi. Wie verstehst du das im Vergleich zur Verfluchung, die Jakob gegen Levi ausgesprochen hat (Genesis 49,5-7)?
3. Warum wurde Bileam von den Israeliten getötet (Numeri 31,1-12). Was symbolisiert er?
4. Was geschah in Kadesch? (Numeri 13).
5. Was geschah in Schittim? (Numeri 25,1)
6. Welche Schuld haben Mose und Aaron begangen, damit sie den Zutritt in Palästina nicht verdienten.
7. Was denkst du über die Urim und Tummim?
8. Meinst du, dass es Gott war der alle Punkte des Mosischen Gesetzes buchstäblich inspiriert hat? Wie verstehst du die Verse 7,22 und 8,8 von Jeremia?
9. War Abraham Hebräer?
10. Wollte Gott mit Abraham eine Nation bilden oder eine weltweite Botschaft geben?
11. Beschneidung der Vorhaut oder des Herzens? Taufe des Körpers mit Wasser oder der Seele durch die Erkenntnis und den Glauben?
12. Was ist das verheissene Land? Wem wurde es verheissen?
13. Ist der Bund zwischen Gott und der israelitischen Gemeinschaft immer noch gültig? Warum?

## Siebte Lektion - Josua, Richter, Ruth, Samuel 1&2

Das Verständnis der fünf Bücher der Tora in einem kritischen Geist, wie wir es getan haben, bildet eine sichere und realistische Grundlage, um den Rest der Bücher des Alten Testaments durchzugehen. Lies die Bücher Josua und der Richter mit Aufmerksamkeit durch und komme danach auf die folgenden Erklärungen zurück.

### Das Buch Josua

Dieses Buch erzählt die Geschichte des Einzuges der Israeliten in Palästina, um das Jahr 1200 v. Chr., mit Josua an ihrer Spitze. Der Abzug fand ab Schittim statt (Josua 3,1). Die Grenzen des Landes, welches erobert werden sollten, wurden schnell definiert: von der Wüste (Sinai, mit dem Nil als westliche Grenze) bis zum Euphrat (Josua 1,4). Der Libanon wird dabei verschlungen. Die Tür der israelischen Knesset trägt folgende Schrift: „Dein Gebiet Israel erstreckt sich vom Nil bis zum Euphrat“. Deshalb trägt die israelische Fahne auf weissem Hintergrund, der Stern mit sechs Spitzen (Davidstern) zwischen zwei blauen Banden, die den Nil und den Euphrat darstellen. Siehe die sechste Lektion des Bibelkurses am Ende des Buches Numeri: die Grenzen Israels.

Als Zeichen der Anwesenheit Gottes mit der israelitischen Gemeinschaft (umgewandelt in eine einfallende Armee) durchquert die *Bundeslade* den Jordan an der Spitze der Menge.

*Die Beschneidung* war vernachlässigt worden. Sie wird auf Befehl Josua mit Hilfe von „Steinmessern wieder“ aufgenommen (Josua 5,2-9).

Eroberung Jerichos: Diese Eroberung soll nicht wörtlich verstanden werden. Beachte, dass die Stadt am 7. Tag, nach dem 7. Umkreis genommen wurde. Die Zahl 7 ist diejenige der Vollkommenheit (Josua 6,14-16). „Das Widderhorn blasen“ (Josua 6,4-5 / 6,16) ist ein ritueller Brauch, welcher heute noch durch die betenden Juden an der Klagemauer ausgeübt wird. Josua verflucht Jericho. Derjenige, der diese Stadt wiederaufbauen wird, muss, so sagt er, seine Söhne den Götzen aufopfern (Josua 6,26-27). Das erste Buch der Könige, das später als das Buch Josua aufgesetzt wurde, erzählt, dass Hiel von Bethel diese Stadt wiederaufbaute und dabei seine zwei Söhne als Opfergabe dar brach (1 Könige 16,34). Diese „Prophezeiung“ gehört zu all jenen, die nachträglich erzählt wurden mit der Absicht, ihnen eine geschichtliche Wahrhaftigkeit zu gewähren.

Das Horn (Josua 6,16) bekam eine **prophetische** und geistige Bedeutung (wie die Glocken auch), nachdem es für liturgische Zwecke verwendet wurde. Es kündet an, dass Gott zu den Menschen sprechen wird und sie aufhorchen sollten: „Ihr Bewohner der Welt… horcht alle auf, wenn man das Widderhorn bläst. Denn so hat der Herr gesprochen…“ (Jesaja 18,3-4). Zur Endzeit wird Jesus, als letzte Mahnung, seine Jünger mit „lautem Posaunenschall“ aussenden (Matthäus 24,31). Dieser Posaunenschall ist symbolisch: er kündet die Öffnung des Buches der Offenbarung an (Offenbarung 8,2 / 10,2) und lädt alle Menschen, die Ohren haben, zu hören, was ihnen Gott sagen will (Offenbarung 3,22).

| ![](/pictures/cb_corne-animale.jpg "Trompette")  Das Horn eines Tieres als Posaune. Das Widderhorn ist bescheidener. |
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In diesem Text wird die Rolle der Priester in der Eroberung der Stadt als unerlässlich dargestellt. Dies wurde von den Priestern-Schriftgelehrten, die diesen Text erst später aufsetzt haben so dargelegt. Der Einsturz der Mauer von Jericho ist eine Einbildung ohne geschichtliche Grundlage und ist Teil der mehrfachen „jüdischen Fabeln“, gegen welche Paulus uns warnte (Titus 1,13-14). Man soll sich noch die Empfehlung merken, die der Gemeinschaft beim Eintreten in die Stadt gemacht wird: „Hütet euch aber davor, von dem, was dem Untergang geweiht ist, etwas zu begehren… Alles Gold und Silber und die Geräte aus Bronze und Eisen sollen dem Herrn geweiht sein und in den Schatz des Herrn kommen“, d.h. in die frommen Taschen der Priester (Josua 6,17-19). Die Schriftgelehrten ergötzen sich, zu schreiben, dass die Kämpfer „mit scharfem Schwert alles, was in der Stadt war, dem Untergang weihten, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel“ (Josua 6,21). Das erinnert an die Massaker von Deir Yassine, Kfar Kassem usw. in Palästina, wegen der Errichtung des Staates Israel (1948) sowie an denjenigen von Sabra-Chatila usw. im Libanon, als Folge des expansionistischen zionistischen Plan.

*Der Stillstand der Sonne* in Gibeon (Josua 10,12) muss poetisch und nicht reell verstanden werden, da auch der Mond auf Befehl von Josua „stillstand“.

*Verteilung des eroberten Landes*: Jeder Stamm bekam eine Gegend zugeteilt. Nur der Stamm Levi nicht, weil „der Herr, der Gott Israels, sein Erbteil ist“ (Josua 13,14). Dieser nicht geographische Erbteil bezeugt, dass das „verheissene“ Land“ **eine geistige Realität** und nicht eine geographische Realität darstellt, wie es Jesus und seine Apostel später gut erklärten (Lukas 17,21 / Hebräer 13,14). Die Aufteilung des Landes zwischen den Stämmen wurde durch das Los entschieden (Josua 14,2).

*Das Heiligtum Schilos*: Das erste Zentrum für den Kult wurde in Schilo, im nördlichen Teil des Landes, errichtet (Josua 18,1). Es wurde zu einem Wallfahrtsort (1 Samuel 1,3). Die Bundeslade war dort aufbewahrt, bevor sie später in den Tempel von Jerusalem übertragen wurde.

*Josua starb* (Josua 24,29), ohne einen Nachfolger bestimmt zu haben. Dies führte zu Schwierigkeiten bezüglich der Leitung der Gemeinschaft. Verschiedene „Richter“ werden über das politische und militärische Schicksal der Israeliten entscheiden. Ihre Geschichte ist im Buch der Richter erzählt. Es folgt dem Buch Josua.

*Die Gebeine des in Ägypten verstorbenen Josefs* wurden nach Sichem (heutiges Nablus, wo sich der Brunnen Jakobs befindet) gebracht und beerdigt. Sein Grab befindet sich heute noch dort (Josua 24,32).

*Bemerkung*: Die Israeliten sind in Palästina mit Schwert und Blut eingedrungen. Sie hätten sich auf friedliche Weise etablieren und gute Beziehungen zu den Nachbarn pflegen sollen. Dabei hätten sie die Kenntnis Gottes schrittweise und durch freundschaftliche Gesten weitergeben sollen, so wie Gott es wollte.

| ![](/pictures/cb_principaux-sites-conquete-canaan_de.jpg "Die wichtigsten Stätten im Zusammenhang mit der Erzählung von der Eroberung Kanaans")  Die wichtigsten Stätten im Zusammenhang mit der Erzählung von der Eroberung Kanaans |
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### Das Buch der Richter (Ri)

Nach Josua, unterlagen die Juden der Götzenanbetung. „Sie verliessen den Herrn und dienten dem Baal und Astarten… Sie gehorchten auch ihren Richtern nicht, sondern gaben sich anderen Göttern hin“ (Josua 2,13-17). Man muss allerdings beachten, dass diejenigen, die die Israeliten „ausplünderten“ nichts anderes taten, als ihr von den Israeliten gestohlenes Hab gut zurückzunehmen.

Die israelitische Geschichte besteht aus einem Gespinst aus Verrat gegenüber Gott und Aggressivität gegenüber den Menschen. Man kann sich nur wundern über die Worte, die die Schriftsteller dem Bileam zuschrieben, als er es ablehnte, die Juden zu verfluchen: „Man erblickt kein Übel in Jakob“ (Numeri 23,21). Denn dieses Übel wurde aber bei der Anbetung des goldenen Kalbes und bei vielen anderen Untreuen durch Mose angeklagt. Das einzige Gute, das aus dieser Gemeinschaft hervorgegangen ist, war der Messias. Jedes Ereignis wird aber durch die Schriftsteller und die jüdischen Priester zu Gunsten und zum Dienste der Juden interpretiert. Als Beispiel: Die nicht-jüdischen Nationen wurden von Gott verschont und “(er tat das) **nur**, um die Generationen der Israeliten, die das Kriegführen nicht mehr kannten, darin zu unterrichten…“ (Richter 3,1-2) Eine seltsame kriegerische Mentalität, die Gott als zerstörerischer Kriegsführer von jedem Nicht-Juden sieht. Du solltest solche Verse mit einem kritischen und objektiven Geist lesen, um unterscheiden zu können zwischen dem was von Gott stammt und dem was von der rassistischen, jüdischen Mentalität kommt. Die Interpretation vom Weiterbestehen der Nicht-Juden zusammen mit den Juden hätte ganz anders sein sollen: Gott, der Vater aller Völker, lässt die Israeliten inmitten der Nationen leben (und nicht die Nationen inmitten der Juden), damit sie auf **friedliche** Weise, und nicht mit Aggressivität, mit ihnen leben, und ihnen mit Weisheit die Existenz Gottes offenbaren. Stattdessen liessen sich die Juden, nachdem sie den einzigen Gott erkannt haben, zur heidnischen Götzenanbetung hinreissen (Richter 3,4-6).

Nach Josua folgten während einem Zeitabschnitt von hundert Jahren ein dutzend Richter. Der Richter („Suffet“ im Hebräischen) war nicht die Person, die im Gericht über die Angelegenheiten von Einzelpersonen richten musste. Er ist derjenigen, der die Gemeinschaft orientiert und leitet, nachdem er bei Gott Rat suchte (Richter 4,4-6). Er beurteilt wie man handeln soll. Der Richter war Prophet, er half dem Volk sich zu regieren, Entscheidungen zu treffen und in den Kampf zu gehen. *Ehud* „richtet“ indem er gegen Moab Krieg führte und sein König Eglon tötete. *Debora* richtet, indem sie die Kanaaniter bekämpft und ihren Führer Sisera tötet. Der Richter *Gideon* führt den Krieg gegen Madian. Debora ist die einzige Frau unter den Richtern, eine Art Jeanne d$$Arc. Die Richter sind also vertrauenswürdige Personen, die die Israeliten verteidigen. Der bekannteste, aber nicht der wichtigste, ist Simson.

#### Gideon

Beachte, dass die Israeliten zum ersten Mal mit Gideon versucht haben ein Reich zu gründen, eine Nation zu werden, und sich somit von Israeliten -eine Gemeinschaft mit einer geistigen Mission- in Israelis -ein politisches Wesen- zu verwandeln. Sie fragten Gideon, ob er ihren König werde und mit seinem Sohn als Nachfolger eine königliche Dynastie beginnen würde. Er lehnte es aber ab, weil er verstanden hatte, dass Gott der einzige König ist und die Aufgabe der Israeliten nicht politisch war: „Ich will nicht über euch herrschen, und auch mein Sohn soll nicht über euch herrschen; der Herr soll über euch herrschen“. Er verlangte aber, „jeder von euch gebe mir einen Ring aus seiner Beute“ (Richter 8,22-23). Sein Sohn Abimelek begehrte den Thron nach ihm und versuchte, ein Königreich zu erstellen, das nur 3 Jahre dauerte. Er hatte alle seine 70 Brüder getötet, um zu regieren, aber er wurde selbst durch die Würdenträger von Sichem umgestürzt, die ihm zuvor geholfen hatten seine Brüder zu töten (Richter 9). Ein Jahrhundert später werden die Israeliten mit Samuel den zweiten Versuch unternehmen, der zur Errichtung des israelischen Königtums mit Saul als erster König, führte (1 Samuel 8). Das war die Erbsünde der Hebräer, wie wir es im ersten Buch Samuel sehen werden.

#### Jiftach

Der Richter Jiftach, Sohn einer Hure (Richter 11,1) bekämpfte die Ammoniter und machte an Jahwe ein: „Wenn ich wohlbehalten von den Ammoniten zurückkehre, dann soll, was mir (als erstes) aus der Tür meines Hauses entgegenkommt, als Brandopfer dargebracht werden“ (Richter 11,31). Er musste seine eigene Tochter aufopfern (Richter 11,34-40). Diese menschlichen Opfer waren ein heidnischer Brauch, der von Gott verboten wurde. Sie wurden von den Israeliten ausgeübt und Gott verurteilte sie deswegen (Jeremia 7,30-31). Mose hatte die Tieropfer angeordnet, nicht weil es Gottes Willen war, sondern weil er verhindern wollte, dass die Juden Brandopfer oder sogar menschliche Opfer an die Götzen darbrachten. Das Ziel wurde aber nicht erreicht und die Israelis vollbrachten die eine und die andere Abscheu.

#### Simson

Die Geschichte Simsons ist voller Übertreibungen, die man nicht wortwörtlich nehmen sollte. Seine Kämpfe zuerst gegen den Löwen (Richter 14,6) und dann mit Hilfe eines „Esselskinnbacken“ gegen die Palästinenser (Richter 15,9-17) sind offensichtliche Märchen. Sie bezwecken von diesem kraftvollen Mann das Bild eines unbesiegbaren Juden, eine Art „Herkules“ jener Zeit, zu geben. Eine reife Person kann das nicht glauben.

#### Der Mord der Daniten

Merke dir die blutige Geschichte vom Mord der Daniten (Kap 17-18). Dieser Mord wurde nach Befragung Gottes ausgeübt! Die Daniten fragten den Priester: „Befrag doch Gott für uns, damit wir erfahren, ob die Reise, die wir machen, Erfolg haben wird“. Der Priester antwortete: „Zieht in Frieden weiter! Der Weg, den ihr gehen wollt, liegt vor den Augen des Herrn“ (Richter 18,5-6). Beachte, dass der vom levitischen Priester angerufene „Gott“ nichts anderes als eine Statue war. Dieser „Gott“, der durch die Terafim (Urim und Tummim) befragt wurde, segnet den mörderischen Feldzug der Daniten! (Richter 18,5-6). Dieser Gott war das Werk von Michas. Voller Wut als er ihn verlor, sagte er zu den Daniten: „Ihr habt **meinen Gott, den ich mir gemacht hatte** weggenommen…!“ (Richter 18,24). Dieser durch Mika fabrizierte Gott erlaubte den Daniten „ein sorgloses Volk… ein ruhiges und friedliches Volk“ zu köpfen (Richter 18,10 / 18,27-28). Gott wurde von den Priestern durch solche Hexereien befragt. Dadurch haben sie auch den heiligen Namen des Schöpfers befleckt.

So viele Menschen fabrizieren ebenfalls einen Gott nach ihrer Vorstellung, anstatt sich nach dem Abbild Gottes verwandeln zu lassen uns sie verlieren durch eigene Schuld dieses Abbild.

Ein anderes widerliches Verbrechen wurde diesmal durch die Benjameniten in Gibea begangen (Kapitel 19-20). Er hatte unheilvolle Konsequenzen in der ganzen Gemeinschaft und entwickelte sich in unverständlicher Weise (Richter 19,1 bis 21,25). Der Prophet Hosea wird dieses unvorstellbare Verbrechen nicht vergessen (Hosea 9,9 / Hosea 10,9).

**Bemerkungen:**

Die Schriftgelehrten wollten die Gründung eines israelischen Königreichs rechtfertigen. Deshalb haben sie alle sozialen Unruhen in der Gemeinschaft auf die Tatsache zurückgeführt, dass „in jenen Tagen es noch keinen König in Israel gab“ (Richter 18,1 / 19,1). Sie beenden das Buch der Richter, indem sie diese Tatsache betonen: „In jenen Tagen gab es noch keinen König in Israel. Jeder tat, was ihm gefiel“ (Richter 21,25). Die Gründung des Königreichs hat aber die Probleme nicht gelöst: die soziale Situation wurde nicht besser, das Königreich wurde in zwei gespalten: eins im Norden und eins im Süden. Die Könige waren oft unfähig zu regieren und die Propheten unterliessen es nicht, sie zu verurteilen. Sie haben die Tatsache der Gründung selbst des Königreichs angezeigt (Hosea 8,4).

Diese im Alten Testament berichteten makabren biblischen Geschichten laden uns dazu ein, nachzudenken: „Gott schreibt gerade auf krumme Linien“, hatte ein moderner Philosoph gesagt. Ihm gelang es trotz der Unfähigkeit der Israeliten, seinen messianischen Plan zu vollenden. Der Messias musste von den Juden kommen (Johannes 4,2), „wie eine Wurzel in trockener Erde“ (Jesaja 53,2). Diese unfruchtbare Erde ist das israelitische Milieu, von dem Jesus auftauchte. Er ist es, sagt der Hl. Paulus, dieser Messias ist es, der die mosische Hülle entfernt hat, diese Hülle, welche die Gläubigen daran hinderte das Licht Gottes zu schauen: „Bis zum heutigen Tag liegt die gleiche Hülle auf dem alten Bund, wenn daraus vorgelesen wird, und sie wird nicht weggetan, weil sie nur in Christus abgetan wird. Bis heute liegt die Hülle auf ihrem Herzen, wenn Mose vorgelesen wird. Sobald sich aber einer dem Herrn Jesus zuwendet, wird die Hülle entfernt“ (2 Korinther 3,14).

### Das Buch Rut

Lies dieses lehrreiche historische Buch. Beachte dabei, dass Rut eine moabitische und nicht eine israelitische Frau war. Die Wichtigkeit dieser Geschichte, die zur Zeit der Richter stattfand, besteht darin, dass Rut - eine Nicht-Jüdin - eine Ahnin des Messias ist, da sie die urgrossmutter des Königs David ist. Und der Messias stammt aus dem Hause David. In der Tat, gebar Rut „Obed. Obed zeugte Isai, und Isai zeugte David“ (Richter 4,17 - siehe Matthäus 1,3-5 / Lukas 3,31-33).

Dieses Tatsache steht im Widerspruch zum jüdischen Prinzip: „Nur die Kinder von Juden sind Juden“. David und der Messias selbst haben eine Nicht-Jüdische Ahnin: Rut.

Man hätte gerne gesehen, dass alle historischen Bücher der Bibel mit demselben Geist wie das Buch von Rut geschrieben gewesen wären. Man findet darin keine Gewalt, kein Rassismus. Noomi, die jüdische Schwiegermutter ist für seine Liebe und Zärtlichkeit gegenüber Rut, eine Nicht-Jüdin, zu bewundern. Es ist Noomi, die Rut in die Arme von Boas trieb. Die harmonische Beziehung zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter ist beispielhaft. Gott wollte von allen Israeliten eine solche Haltung. Noomi hat es verdient, die Ahnin des Messias zu sein, denn Jesus kam, um der Welt diesen liebevollen Geist zu geben. Das ist der Heilige Geist, der dem chauvinistischen Geist in andere Teile der Tora völlig entgegen gestellt ist.

### Das erste Buch Samuel

Die zwei Bücher Samuel und die zwei Bücher der Könige bilden eine historische Einheit vom Jahr 1100 v. Chr. bis zum Jahr 580 ungefähr v. Chr, im ganzen während fast 550 Jahren. Es ist die Geschichte von der Errichtung des Königtums, von seiner Aufsplitterung in zwei Reiche und vom Zerfall der beiden Reiche. Dieser Zerfall führte zur Verbannung der Israelis nach Babylonien.

N.B.: Gewisse Bibeln nennen die beiden Bücher Samuel „erstes und zweites Buch der Könige“ und diejenigen der Könige „drittes und viertes Buch der Könige“, ohne den Namen Samuel, als Titel, zu nennen. Dies ist damit begründet, dass diese Bücher über die israelischen Könige sprechen.

Lies das erste Buch Samuel und komm zu den Erklärungen zurück:

#### Die heilige Stätte in Silo

Dort befand sich die Bundeslade. Die Palästinenser zerstörten die Stätte und nahmen die Bundeslade mit (1 Samuel 4,11). Die Schriftgelehrten behaupten, dass diese davon Angst hatten (1 Samuel 4,7). Aber David hatte später auch Angst davor (2 Samuel 6,9-10). Diese Tatsachen decken die abergläubische antike Vorstellung von allem, was sich auf die Gottheit bezieht, auf. Gott war schrecklich und alles, was ihn Betrifft, war unberührbar und zu fürchten.

#### Das Danklied von Hanna (1 Samuel 2,1-10)

Voller Freude improvisiert Hanna ein Gedicht für Gott, der sie von der „Scham“ der Unfruchtbarkeit befreit hat. Sie konnte ihr Ansehen vor Peninna, die andere Frau ihres Mannes, wieder erheben. Peninna verachtete Hanna, weil sie selbst sehr fruchtbar war. Hanna konnte sich mit der Geburt Samuels rächen; Samuel wird ein Sohn von hoher Moral und mit grossem Schicksal sein: „Mein Herz frohlocket im Herrn… Der Boden der Helden wird zerbrochen… Die Unfruchtbare bekommt sieben Kinder (*Samuel ist im Ansehen Gottes gross und gilt wie 7 Kinder*), doch die kinderreiche (*Peninna*) welkt dahin“ (1 Samuel 2,4-5). Die Jungfrau Maria hat sich von diesem Lied inspiriert: „Meine Seele preist die Grösse des Herrn…“ (Lukas 1,44-55). Einen geschichtlichen Fehler ist im Danklied von Hanna zu erkennen: „Er gibt **seinem König** die Kraft…“ (1 Samuel 2,10). Es gab noch keinen König in Israel. Das bezeugt davon, dass die Schriftgelehrten später königliche und nationalistische Nuancen am Danklied hinzufügten.

#### Gründung des Reiches

Der erste wichtige Punkt im 1. Buch Samuel ist die Gründung des Königtums mit Saul, als erster König (1030-1010 v. Chr.). „Es missfiel Samuel“, sagt der Text, und es missfiel auch Gott, der sich durch die Israelis „verworfen“ fühlte, denn „er sollte nicht mehr ihr König sein“ (1 Samuel 8,6-7). Einer der Faktoren, der zum Wunsch ein Königreich zu schaffen geführt hat, war die Unmoral der Söhne Samuels (1 Samuel 8,5) nach derjenigen der Söhne des Priesters Elia (1 Samuel 2,12-25).

Diese Umwandlung der israelitischen Gemeinschaft in ein israelisches Volk wurde durch die Propheten verurteilt: „Sie setzen Könige ein, aber gegen meinen Willen; sie wählen Fürsten, doch ich erkenne sie nicht an“, sagt Gott zum Prophet Hosea (Hosea 8,4). Danach sagt er dem Volk mit Wut: „**In meinem Zorn** gab ich dir einen König, in meinem Groll **nahm ich ihn weg**“ (Hosea 13,11). Die Monarchie endete Tatsächlich in Israel nach der assyrisch-babylonesischen und der römischen Eroberungen, wie du es später sehen wirst.

Nachdem die Israelis einen König verlangt haben, sagt Samuel dem Volk sie sollen „erkennen und einsehen, wie gross euer Unrecht in den Augen des Herrn ist, das ihr dadurch begangen haben, dass ihr für euch einen König verlangt habt“. Die Israelis anerkannten ihre Schuld und sagten zu Samuel: „Wir haben all unseren Sünden noch die Bosheit hinzugefügt, einen König für uns zu verlangen“ (1 Samuel 12,17-19)… aber ohne auf den König zu verzichten.

Die Israelis wollten einen König mit dem Ziel Krieg zu führen und Gewalt anzuwenden und nicht Frieden zu schaffen: „Nein, ein König soll über uns herrschen. Auch wir wollen wie alle anderen Völker sein… Unser König soll vor uns herziehen und soll **unsere Kriege führen**“ (1 Samuel 8,19-20). Gideon hatte verstanden, dass Gott der einzige König war (Richter 8,23). Jesus lehnte es auch ab, ein israelisches Königtum zu gründen (Johannes 6,15). Er sagte: „Mein Reich ist nicht von dieser (politischen) Welt“ (Johannes 18,36). Und Samuel drängte darauf: „Der Herr, euer Gott, ist euer König“ (1 Samuel 12,12).

#### Bruch zwischen Samuel und Saul

Saul ergriff die Initiative in Gilgal anstelle Samuels ein Opfer darzubringen. Saul eignet sich ein religiöses Recht an, das ihm nicht zukommt und beseitigt Samuel, der ihn darauf ebenfalls beseitigt: „Deine Herrschaft wird keinen Bestand haben. Der Herr hat sich einen Mann nach seinem Herzen (*David*) gesucht und ihn zum Fürsten seines Volkes gemacht“ (1 Samuel 13,8-15).

#### David und Goliat (1 Samuel 17-18)

Der junge David hätte einen palästinensischen Koloss getötet, Goliat von Gat (1 Samuel 17,1-51). Dies führte zu einer starken Freundschaft (diejenige Jonatans, Sohn des Sauls) und zu einer wilden Gegnerschaft (diejenige von Saul): „Jonatan schloss David in sein Herz. Und Jonatan liebte David wie sein eigenes Leben“ (1 Samuel 18,1). Saul, dagegen wurde mit Eifersucht erfüllt: „David geben sie Zehntausend, mir aber geben sie nur Tausend. Jetzt fehlt ihm nur noch die Königswürde“, sagte er. „Von diesem Tag an war Saul gegen David voll Argwohn“. Am nächsten Tag, versuchte er ihn zweimal zu töten, David aber konnte entfliehen (1 Samuel 18,6-11).

Wie sieht es mit der geschichtlichen Echtheit dieser Erzählung? Ist es wirklich David, der Goliat tötete? Wir lesen aber in 2 Samuel 21,19, dass ein gewisser Elhanan, ihn niedergeschlagen hatte: „Als es wieder einmal bei Gob zum Kampf gegen die Philister kam, erschlug Elhanan, der Sohn Jaïrs aus Betlehem, den Goliat aus Gat…“. So würden die Heldentaten von David nur einfache Epen, um dem König von Israel ein Heldenbild zu geben. Denn es handelt sich um den gleichen Goliat von Gat: „Der Schaft seines Speeres war (so dick) wie ein Weberbaum“ (1 Samuel 17,7 / 2 Samuel 21,19).

Die Liebe Jonatans für David wird bis zum Tode andauern. Dasselbe gilt auch für den Hass Sauls, der sein ganzes Leben lang versuchte David zu töten. Verschiedene Psalmen Davids sind Vertrauens- und Danklieder zu Gott, weil er ihn aus der Hand Sauls befreit hatte (Psalm 18 / 52 / 54 / 57 / 59 / 63).

#### Die Flucht Davids zu Achisch

Die Schriftgelehrten berichten auf zwei verschiedener Weise über die Flucht von David weit von Saül und seinem Zufluchtsort bei Achisch, der palästinensische König von Gat, die Gegend von Goliat. Im ersten Bericht (1 Samuel 21,11-15) empfängt der König David: „Doch die Diener des Achisch sagten zu ihrem Herrn: Ist das nicht David, der König des Landes? Ist das nicht der, von dem man beim Reigentanz gesungen hat: Saul hat Tausend erschlagen, David aber Zehntausend? David nahm sich diese Worte zu Herzen, und er fürchtete sich sehr vor Achisch… Darum verstellte er sich vor ihnen und tat in ihrer Gegenwart so, als sei er wahnsinnig. David ging von dort weg und brachte sich in der Höhle von Adullam in Sicherheit“. Bemerkenswert ist, dass „viele Männer sich ihm anschlossen, die unter Druck standen, sowie alle möglichen Leute, die Schulden hatten, und er wurde ihr Anführer…“ (1 Samuel 22,2). David flüchtete sich danach zum König von Moab, dem er seinen Vater und seine Mutter anvertraute (1 Samuel 21,11-22,4).

Dem zweiten Bericht (1 Samuel 27,1-29,11) zufolge, suchte David Zuflucht bei Achisch, der ihn empfing und ihm die Stadt von Ziklag gewährte, wo er ein Jahr und vier Monate verweilte. Und die Schriftgelehrten folgerten daraus: „Deshalb **gehört** Ziklag den Königen von Juda bis zum heutigen Tag“ (1 Samuel 27,6). Es reicht also aus, dass ein Jude in einem Ort wohnt, damit Israel sich davon abschliessend bemächtigt: „Jeden Ort, den euer Fuss betreten wird, gebe ich euch, wie ich es Mose versprochen habe“, schreiben die Schriftgelehrten… im Name Gottes! (Josua 1,3).

Der gute Empfang von David durch die beiden Könige zeigt, dass die Israeliten in Palästina in Frieden hätten leben können.

#### Spiritismus (1 Samuel 28,3-25)

Saul beschwört Samuel, der zwar erscheint, aber um ihn zu verurteilen und den Tod seiner Söhne anzukündigen. Der Spiritismus, d.h. die Beschwörung der Geister ist möglich. Er wird aber durch Gott verurteilt (Levitikus 19,31 / Deuteronomium 18,10-11). Fast immer manifestieren sich böse Geister, um die Personen, die solche Beschwörungen ausüben, irrezuführen. Trotzdem wurde die Geisterbeschwörung (oder Spiritismus) von den Israelis und deren Könige ausgeübt (2 Könige 21,6). Leider wird sie heute noch in der ganzen Welt ausgeübt.

Nachdem Saul im ersten Buch Samuel vorgestellt wurde, endet das Buch mit seinem Tod.

### Das zweite Buch Samuel

Dieses Buch berichtet über das Königtum Davids und endet kurz vor seinem Tod. Lies es ganz durch und kommt dann zu den Erläuterungen zurück.

#### David König

Nach dem Tod Sauls, wurde David gewählt und durch „das Haus Juda zu **seinem** König gesalbt“ (2 Samuel 2,7). Das Haus Juda bestand aus den Mitgliedern des Stammes von Juda. Sie besetzten den südlichen Teil Palästinas, von Jerusalem im Norden bis zu Hebron (El Khalil) im Süden. Dort befinden sich die Gräber der Patriarchen. Die nördlichen Stämme, genannt „Israel“, haben Ischbaal, den Sohn Sauls, als König von Israel gewählt (2 Samuel 2,8-10). Sie lehnten das Königtum Davids ab. Der Name Ischbaal bedeutet „Mann von Baal“ (Isch = Mann im Hebräischen). Dieser Name, der Saul seinem Sohn gab, bezeugt von seiner Zuneigung zur Götzenanbetung.

Diese Spannung zwischen „Juda“ und „Israel“ wird bis zum Sturz der beiden Königreiche andauern. Der Hass zwischen den beiden Königen zwang David aus der Stadt Hebron, ganz im Süden zu regieren, weit entfernt von seinen Feinden. „Der Krieg zwischen dem Haus Saul und dem Haus David zog sich lange hin. David wurde immer stärker, während das Haus Saul immer schwächer wurde (2 Samuel 3,1). In 2 Samuel 2,8-32 findest du ein Beispiel vom „sehr harten“ Kampf zwischen den beiden Lagern.

Wegen einer Frauengeschichte trennte sich Abner, der militärische Führer Israels, von Ischbaal, seinem König. Er erlegte David als König über das ganze Volk, vom Norden bis zum Süden des Landes, auf (2 Samuel 3,6-21). Nach dem Mord von Abner und Ischbaal „kamen alle Stämme Israels zu David nach Hebron und sagten: … du sollst Israels Fürst werden… und sie salbten David zum König von Israel“ (2 Samuel 5,1-3), nachdem er König von Juda gewesen war.

Ein seltsamer Vers deckt auf, dass „die Söhne von David Priester waren “ (2 Samuel 8,18). Aber das Priesteramt, dem Mosischen Gesetzes zufolge, war den Leviten, die Nachkommen Aarons, vorbehalten (Numeri 17,5 / 18,7). David, vom Stamm Juda, hatte kein Anrecht darauf. Die Söhne Davids, die sich selbst zu Priester einsetzten, verdienten den Tod: „… Wer unbefugt daran teilnimmt, wird mit dem Tod bestraft“ (Numeri 3,10). Saul rief den Ärger von Samuel hervor, weil er gewagt hat, ein Opfer darzubringen (1 Samuel 13,7-15). Korach und die Seinen wurden ausgemerzt, weil sie behaupteten -und sie waren Leviten-, sie hätten Anspruch auf das Priesteramt (Numeri 17,5). Die Söhne Davids eigneten sich also eine Funktion an, die den Leviten vorbehalten war. Sehr wahrscheinlich haben sie dadurch ihren Zorn provoziert, da zwei levitischen Priester Zadok und Abjatar bereits die priesterlichen Funktionen ausübten (2 Samuel 8,17). Diese Tatsache sprengt das enge rechtliche Konzept des mosischen Priesteramtes und bereitet somit das durch Jesus eingeführte universelle Priesteramt vor (siehe Matthäus 12,1-8 / 1 Korinther 3,16-17 / Offenbarung 1,6 / 5,9-10 / 20,6).

#### David besetzt Jerusalem

Im Jahre 1000 v. Chr. eroberte David Jerusalem und nannte sie die „Stadt Davids“ (2 Samuel 5,6-9). Nach Hebron wurde Jerusalem zur Hauptstadt und Aufenthaltsort des Königs: „David war dreissig Jahre alt, als er König wurde (*das Alter Jesus, als er seine Mission begann: Lukas 3,23*), und er regierte vierzig Jahre lang. In Hebron war er 7 Jahre und 33 in Jerusalem“ (2 Samuel 5,4-5). Er liess sich ein Palast aus Zedernholz bauen (2 Samuel 5,11). Die Stadt wurde so zur Hauptstadt des Königreichs.

#### Die Bundeslade

Die Bundeslade wird nach Jerusalem, die Hauptstadt gebracht, die sich zum zukünftigen religiösen Zentrum und zum zukünftigen Wallfahrtsort entwickelt. Nachdem David für sich selbst ein Palast bauen liess, dachte er daran, einen Tempel für die Aufbewahrung der Bundeslade zu bauen. Dies bot dem Propheten Natan die Gelegenheit die wichtige, messianische Prophezeiung von 2 Samuel 7,1-17 zu verkünden. Man sollte sie nochmals lesen, bevor man mit dem Bibelkurs weiterfährt.

#### Die Prophezeiung Natans über den Messias (2 Samuel 7,1-17)

Diese Prophezeiung ist der wichtigste Punkt des Buches. David teilte dem Propheten Natan seine Absicht mit, einen Tempel für die Aufbewahrung der Bundeslade zu bauen. Natan befürwortet spontan diese Absicht. „Aber in jener Nacht erging das Wort des Herrn an Natan: Geh zu meinem Knecht David, und sag zu ihm: Du willst mir ein Haus bauen…? Ich habe bis heute nie in einem Haus gewohnt…, wenn deine Tage erfüllt sind… werde ich deinen Nachkommen nach dir, der aus deinem Leibe hervorgeht, einsetzen und seinem Königtum Bestand verleihen. Er wird für meinen Namen ein Haus bauen, und ich werde seinem Königsthron ewigen Bestand verleihen. Ich will für ihn Vater sein, und er wird für mich Sohn sein“. Somit lehnt Gott die Idee des Tempels, dass David ihm bauen wollte ab und kündigt an, dass einer seiner Nachkommen den Tempel gemäss Gott bauen wird.

Erläuterung der Prophezeiung:

**Der Tempel**

Gott nicht will, dass David ihm ein Haus aus Stein und Beton baut: „Ich habe bis heute nie in einem Haus gewohnt“ sagt Gott (2 Samuel 7,6). Es ist eher „Jahwe, der ihm ein Haus bauen wird“ (2 Samuel 7,11). Denn für Gott ist der Tempel, seine Heimstädte, kein materielles Gebäude. Gott wohnt im **Herzen** der wahren Gläubigen. „Wenn jemand mich liebt“ hatte Jesus gesagt, „wird mein Vater ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und **bei ihm** (*in ihm*) wohnen“ (Johannes 14,23). Paulus sagt ebenfalls: „wisst ihr nicht, dass **ihr Gottes Tempel seid** und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Korinther 3,16). Und Petrus sagt: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem **geistigen** Haus aufbauen…“ (1 Petrus 2,5). Deshalb sieht Johannes keinen Tempel (Kirche oder Moschee oder Pagode…) in dem „himmlischen Jerusalem“, welcher die Gläubigen der Endzeit darstellt, wie er es im Buch der Offenbarung schreibt; denn „der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm (*der Messias, Jesus*)“ (Offenbarung 21,22). All jene, die materielle Gebäude für Gott bauen, haben weder von der Prophezeiung Natan noch von den Lehren Jesus und den Aposteln etwas verstanden.

**Der Messias**

Ein Nachkommen von David fortan bekannt unter dem Titel „Sohn Davids“ wird den von Gott gewollte Tempel bauen. Dieser Nachkomme ist der Messias und dieser Tempel ist geistig, nicht materiell. Die Juden interpretierten diese Prophezeiung falsch und meinten, dass Salomon, den Sohn und Nachfolger Davids die Mission hatte den materiellen Tempel in Jerusalem zu bauen. Die göttliche Intervention erleuchtet uns also, nicht nur über die wahre Bedeutung des Tempels, sondern auch über den Messias, der 1000 Jahre nach der Verkündung der schönen Prophezeiung von Natan kam.

Der Messias ist der „Nachkomme“, die Nachkommenschaft der aus „dem Leibe“ Davids hervorgeht (2 Samuel 7,12). Aufgrund dieser Prophezeiung wurde der Messias als „Sohn David“ und „Sohn Isai“ (Isai ist der Vater Davids) bekannt. Er ist auch „Sohn Gottes“, da Gott sagt: „Ich will für ihn **Vater** sein, und er wird für mich **Sohn** sein“. Die Juden meinten, es handle sich um Salomo, der Sohn und Nachfolger Davids (siehe 1 Chronik 22,1-19 und vor allem Verse 8-10). Deshalb wollte Salomon unbedingt einen Tempel aus Zedernholz und aus Gold für die Aufbewahrung der Bundeslade bauen. Die Prophezeiung meinte aber nicht den direkten Sohn Davids. Sie wies mit einem zeitlichen Abstand von 1000 Jahren Jesus. Er sprach von der **Zerstörung** des materiellen Tempels, dass durch Salomo und seine Nachkommen gebaut wurde. Jesus hat seinen „**Leib**“, d.h. seine Person, als den endgültigen Tempel der Gläubigen präsentiert (Johannes 2,19-22 / Offenbarung 21,22).

Diese Prophezeiung Natans zielte also viel weiter und viel höher als es die menschliche Vorstellung der Juden ahnen konnte. Es war weder Salomon noch ein materielles Gebäude gemeint. Dies wurde erst nach der Erfüllung der Prophezeiung Natans, also 10 Jahrhunderte später, verstanden, als der Engel Gabriel der zarten Jungfrau in Nazareth erschien, um ihr zu sagen: „Du wirst einen Sohn gebären… Er wird gross sein und **Sohn des Höchsten** genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben“ (Lukas 1,26-37). Lies diesen Text mit Aufmerksamkeit und vergleiche ihn mit der Prophezeiung Natans.

Warum ist Jesus der „Sohn des Höchsten“ und der „einzige Sohn Gottes“, wie es Johannes schreibt (Johannes 3,16)?

Die Antwort ist im Dialog zwischen Maria und dem Engel Gabriel zu finden (Lukas 1,35):

Maria: „Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“

Gabriel: „Der Heilige Geist wird über dich kommen… **Deshalb** wird auch das Kind **Sohn Gottes** genannt werden“ (Lukas 1,35).

Jesus gibt uns ein neues Licht bezüglich seiner Abstammung. Er ist viel mehr als der „Sohn Davids“, denn seine Genealogie bezieht sich nicht auf einen Mann, egal wie gross er ist. Er stammt von viel höher, nämlich von Gott alleine, dessen Inkarnation er ist. Im Gespräch mit den Pharisäer, fragte Jesus sie: „Was denkt ihr über den Messias? Wessen Sohn ist er? Sie antworteten ihm: Der Sohn Davids. Er sagte zu ihnen: Wie kann ihn dann David, vom Geist (*Gottes*) erleuchtet, „**Herr**“ nennen? Denn er sagt: Der Herr (*Gott*) sprach zu meinem Herrn (*der Messias*): Setze dich mir zu Rechten… (Psalm 110,1). Wenn ihn also David „Herr“ nennt, wie kann er dann Davids Sohn sein? Niemand konnte ihm darauf etwas erwidern“ (Matthäus 22,44-45). Die göttliche Natur Jesus hat seine menschliche Abstammung völlig in den Schatten gelegt. Niemand hätte sich dieser Ursprung vorstellen können. Er geht in die Ewigkeit, nicht in die Zeit, zurück. Der Prophet Micha sprach acht Jahrhunderte vor Jesus unter Eingebung und offenbarte die göttliche Herkunft, indem er sagte: „Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in den Tagen der **Ewigkeit**“ (Micha 5,1).

Jesus ist also Sohn Gottes, denn kein Mann kann in Wahrheit und Gerechtigkeit den Anspruch erheben, seinen physischen Vater zu sein. Jesus ist durch die direkte Intervention Gottes im Schosse Marias empfangen worden. Deshalb ist nur Gott sein Vater, denn „die Kraft des Höchsten hat sie überschatten. Denn für Gott ist nichts unmöglich“ (Lukas 1,35-37).

Wie die Mehrheit der messianischen Prophezeiungen, konnte diejenige Natans erst nach seiner Erfüllung verstanden werden. Merke dir also als allgemeines Prinzip, dass eine Prophezeiung erst bei seiner Erfüllung im Laufe der Zeit verstanden wird. Diejenigen, die sie sind verstehen, lehnen es ab sie nach dem Geist Gottes zu interpretieren. Sie wollen eine prophetische Erfüllung gemäss ihrer eigenen Vorstellung. Das war die Schuld der Juden: Sie lehnten Jesus ab, weil er nicht ihrem nationalistischen und militärischen Ehrgeiz entsprach. „Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“, sagt ihnen der Herr (Jesaja 55,8-9).

Aus dieser wunderschönen Prophezeiung von 2 Samuel 7,1-17 sollten wir uns merken, dass niemand für Gott ein materielles Haus bauen soll. Es ist Gott, der eine ewige Wohnstätte für alle Gläubigen baut (2 Samuel 7,11), einen geistigen Tempel, um seine Auserwählten im ewigen Glück zu versammeln. Jesus hat diesen ewigen Tempel gebaut und dieser Tempel ist Er selbst und die Seinen.

#### Die schwere Sünde Davids

Die Kap. 11-12 erzählen der doppelte Mord Davids: Ehebruch mit Batseba und gleichzeitig Ermordung von ihrem Mann Urija, der Hetiter. Es war ein absichtlicher und scheusslicher Mord. David wird durch Natan getadelt und er bereut es. Der Psalm 51 (50) wurde von ihm verfasst, um Gott um Vergebung zu bitten: „Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen…“

#### Amnon und Tamar

Amnon ist der älteste Sohn Davids. Er verliebte sich in seiner Neffin Tamar, Tochter Abschaloms, der dritte Sohn Davids (2 Samuel 3,2-3). Er vergewaltigte sie durch List, demütigte sie danach und wies sie aus. Sein Bruder Abschalom liess ihn ermorden und floh danach weit weg von David (2 Samuel 13 und 14).

#### Abschalom, der Sohn Davids

Die Kap. 13-19,5 erzählen die Intrigen von Abschalom, der für eine Zeit seinen Vater entthronen konnte und seine Konkubinen missbrauchte.

#### Schwere Spannungen zwischen Israel und Juda

Die starken Spannungen zwischen dem Norden (Israel) und dem Süden (Juda) brachen aus, als David auf den Thron zurückkam. Denn beide stritten sich um den König (2 Samuel 19,10 bis 20,3). Der Aufstand Schebas, ein Benjaminiter (Nord), war die Vorbereitung der Trennung zwischen den beiden Reichen, die vierzig Jahre später stattfand (um 931 v. Chr.). Der Unfügsamkeitsschrei Schebas wird dann von den Aufrührern Israels gegen Juda wieder aufgenommen: „Welchen Anteil haben wir an David?… In deine Zelte, Israel! Nun kümmere dich um dein Haus, David!“ (1 Könige 12,16).

Die Umwandlung der Israeliten in ein Königreich hat nichts gelöst. Die Lage zwischen ihnen wurde sogar schlimmer und die Beziehungen zu den Nachbarländern wurden vergiftet. Die Könige haben schwere Fehler und sogar Missbräuche vollbracht. Die Warnungen Samuels gegen die Könige waren wegen ihrer Haltung gerechtfertigt. Diese Haltung wurde immer schlimmer, wie das Buch der Könige offenbart. Die Worte Samuels in 1 Samuel 8,10-18, die er der Gemeinschaft adressierte, gingen in Erfüllung: „An jenem Tag werdet ihr wegen des Königs, den ihr euch erwählt habt, um Hilfe schreien, aber der Herr wird euch an jenem Tag nicht antworten“.

#### Die Volkszählung (2 Samuel 24,1-9)

Die Volkszählung durch David wird als eine Gottlosigkeit betrachtet, denn sie bedeutete, Vertrauen in sich selbst zu haben, eher als in Gott, der fähig ist die Bevölkerung zu vermehren und für ihr Wohlbefinden zu sorgen. Die Mentalität dieser Zeit überliess jede Initiative an Gott. Es ist also Gott, der David dazu drängte, die Volkszählung durchzuführen. Aber das erste Buch der Chroniken schreibt fünf Jahrhunderte später und berichtigt: „**Satan** trat gegen Israel auf und reizte David, Israel zu zählen“ (1 Chronik 21,1). War es also Gott oder Satan, der David einflösste? Oder war das nur ein einfacher Wunsch Davids, der hoffte, die Zahl von den Kämpfern Judas höher als diejenige Israels, seines Gegners, zu sehen? Denn diese Volkszählung enttäuschte den König: „Dann aber schlug David das Gewissen, weil er das Volk gezählt hatte“ (2 Samuel 24,10). Warum? Denn die Zahl der Kämpfer von Israel überschritt diejenige der Kämpfer Judas im Dienst von David: 800 000 gegenüber 500 000 gemäss 2 Samuel 24,29, aber 1 100 000 gegen 470 000 gemäss 1 Chronik 21,5, wo zudem geschrieben steht: „Levi und Benjamin hatte Joab nicht zusammen mit ihnen gezählt; denn der Befehl des Königs war ihm ein Gräuel“ (1 Chronik 21,6). Das Gewissen Davids konnte ihn also schlagen vor dieser offensichtlichen Überzahl… ohne die streitlustigen Stämme von Levi und Benjamin zu berücksichtigen… die nicht gezählt wurden!

Welche der zwei Volkszählungen sollte man glauben? Wo ist die geschichtliche Wahrheit? Sind diese zwei verschiedenen Texte durch Gott inspiriert? Noch ein Beispiel, das nach einem kritischen Geist verlangt und nach Urteilsvermögen. Dieser Text, der nach der Enttäuschung Davids geschrieben wurde, interpretiert die Volkszählung als ein Fluch.

Diese Geschichte erlaubt uns besser zu verstehen, warum man zu Unrecht dachte, dass alle Entscheidungen Mose oder anderen von Gott kamen. Es hat Zeit und vor allem das Licht von Jesus Christus gebraucht, um zu unterscheiden, was wirklich in den Schriften von Gott eingeflösst wurde. Man versteht, warum Jesus denen gesagt hatte, die ihn verwarfen: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und ihr wollt das tun, wonach es euren Vater verlangt“ (Johannes 8,44). Denn abzulehnen, dass Jesus der Messias ist, ist nicht von Gott, sondern vom Teufel inspiriert (nachdenken über 1 Korinther 12,3).

## Achte Lektion - Die Bücher der Könige - der Chronik - Esdra - Nehemia - Tobit - Judit - Ester - Makkabäer

### Das erste Buch der Könige

Lies das Buch von Anfang bis Ende und dann die Stellen, auf die ich dich hinweise:

*Salomon König*: David wählt vor seinem Tod Salomon als Nachfolger und beendet die Intrigen wegen der Nachfolgerschaft auf den Thron. Das Königtum hätte dem Adonija, dem ältesten Sohn, zukommen sollen (1 Könige 2,15-22).

| ![](/pictures/cb_autel-salomon.jpg "Autel")  Altar |
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*Joab* sucht Zuflucht im Tempel und greift zu den Hörnern des Altars. Er wird trotzdem auf Befehl Salomos getötet, weil er sich für Adonija erklärt hatte (1 Könige 2,28-34). Die Ecken der Opferaltäre hatten die Form von Hörnern, damit das Blut der geschlachteten und geopferten Tiere abfliessen konnte (Exodus 27,2). Wer im Tempel Zuflucht suchte und die Hörner der Altäre ergriff, durfte nicht an Ort und Stelle getötet werden (Haltung von Adonija: 1 Könige 1,50-53). Dieser Brauch wurde lange Zeit bei den Christen, vor allem in Europa ausgeübt. Die Mörder konnten in den Kirchen Zuflucht suchen und die Polizei durfte sie dort nicht erwischen.

*Bau des Tempels*: 480 Jahre nach dem Auszug aus Ägypten (ca. im Jahre 960 v. Chr.) baute Salomon den Tempel aus Zedernholz und Gold und überführte dorthin die Bundeslade (1 Könige 6 bis 8). Dieser Tempel von Salomon ist bekannt unter dem Namen „Erster Tempel“ von Jerusalem. Er wurde ungefähr 400 Jahre später durch Nebukadnezzar zerstört (581 v. Chr.). Der „zweite Tempel“ wird später im Jahre 515 v. Chr. wieder aufgebaut.

| ![](/pictures/cb_temple_salomon.jpg "Temple de Salomon")  Der Tempel von Salomon |
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*Die zwei Kolonnen des Tempels*: Am Eingang des Tempels liess Salomon zwei Kolonnen bauen: „Jachin“ („absolute Erkenntnis“, wie das arabische „Jaqin“ welches Wissen mit Gewissheit bedeutet) und „Boas“ („Kraft“; vielleicht ähnlich zum arabischen Wort „Fulaz“, welches „Stahl“ bedeutet) (1 Könige 7,21). Ich erwähne diese Einzelheiten, weil sie eine grosse Bedeutung in der „Mystik“ von gewissen esoterischen Sekten, wie die Freimaurerei und die Rosenkreuzer haben. Diese Sekten üben einen Kult für die „Gnosis“, d.h. die „Erkenntnis“ aus. Es ist de Name einer der beiden Kolonnen, die den Tempel symbolisieren, welcher die Juden in Jerusalem wieder aufbauen wollen.

*Die Königin von Saba* (Äthiopien: 1 Könige 10,1-13): Der Besuch dieser Königin ist wichtig, weil Jesus von ihr sprach, als er zu den Juden, die ihn ablehnten, redete: „Die Königin des Südens (*eine Nicht-Jüdin*) ist die Königin Äthiopiens, im Süden von Palästina. Sie, die Nicht-Jüdin, wird beim Gericht gegen diese Generation auftreten und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Welt, um die Weisheit Salomos **zu hören**. Hier aber (*unter euch*) ist einer, der mehr ist als Salomon (*und ihr hört nicht auf ihn*)“ (Matthäus 12,42).

*666 Goldtalente*: (1 Könige 10,14): „Das Gewicht des Goldes, das alljährlich bei Salomo einging, betrug 666 Goldtalente“. Diese Zahl stellt also das salomonische Reich in seiner ganzen Macht und Pracht dar. Die heutigen Juden träumen davon, ein solches Reich aufzubauen; Salomo ist ihr Beispiel und symbolisiert auch das Bild des zionistischen Messias, den sie erwarten, um ihre Grenzen vom Nil zum Euphrat zu erweitern. Diese zionistische Gefahr ist eine Drohung für die ganze Menschheit. Deshalb wurde sie mit dem Symbol des „Tieres“ im Buch der Offenbarung von Johannes prophezeit. Die Zahl dieses Tieres ist **666** und weist auf das Gewicht des Goldes, welches jährlich in die Kassen des Königs Salomo floss (Offenbarung 13,18).

*Die Untreue Salomos*: Salomo liebte Gott… aber liebte auch „viele ausländische Frauen“, 1000 im Ganzen… Sie „verführten ihn zur Verehrung anderer Götter… Er tat, was dem Herrn missfiel… Der Herr wurde zornig über Salomo und sagte zu ihm: 'Ich werde dir das Königreich entreissen… ich hinterlasse deinem Sohn noch einen Stamm (*Juda*)…“ (1 Könige 11,1-13). Die Trennung zwi-schen Israel und Juda ist vorausgesagt.

*Jerobeam*, ein Mann aus dem Norden, im Dienste Salomo lehnt sich auf (wegen der von Salomo von den Nordisten verlangten Taxen: 1 Könige 12,4). Der Prophet Ahija kündigt dem Jeroboam an, dass er König über 10 Stämme sein werde. Er sagt weiter, dass Gott aber einen Stamm für die Dynastie Davids, wie er es früher dem Salomo gesagt hatte, lassen wird, „damit meinem Knecht David für immer eine Leuchte vor mir bleibe in Jerusalem“ (1 Könige 11,29-36). Diese „Leuchte“ war im Dienste des kommenden Messias, der aus der Nachkommenschaft Davids kommen sollte. Deshalb wurde das Königreich in Juda durch eine stabile Dynastie bis zur babylonischen Eroberung regiert. Das Reich im Norden hingegen wurde durch Auflehnungen gekennzeichnet. Ein König hat den anderen durch Mord entthront. Keine fortdauernde Dynastie konnte sich durchsetzen.

*Die Trennung* (1 Könige 12): Die Trennung zwischen den beiden Landteilen ist ein Zeichen des Misserfolges für den Versuch, ein israelisches Königreich zu gründen. Sie ereignete sich ca. im Jahre 930 v. Chr., also nur 100 Jahre nach dem Beginn des Reiches mit Saul.

Rehobeam, der Sohn Salomos, liess sich im Norden, in Sichem als König salben. Die Stämme des Nordens sagten zu ihm: „Dein Vater hat uns ein hartes Joch auferlegt. Erleichtere du jetzt den harten Dienst deines Vaters“ (1 Könige 12,1-4). Rehobeam war töricht und antwortete: „Ich werde euer Joch noch schwerer machen…“ (1 Könige 12,14). Tatsächlich war dies nicht „vom Herrn bestimmt“, wie es die Schriftsteller interpretiert haben, sondern der Herr hat vielmehr Rehobeam wegen seinem Wahnsinn verlassen (1 Könige 12,15). Gott war ja gegen das Königtum. Die Reaktion der Israelis war unverzüglich. Es war die Trennung: „Welchen Anteil haben wir an David…“ (1 Könige 12,16). „So fiel Israel vom Haus David ab und ist abtrünnig **bis zum heutigen Tag**“ (1 Könige 12,19). Dieser Text wurde also von den Schriftgelehrten **während** der Trennung geschrieben.

Die Stämme des Norden erhielten den Namen Israel, denn sie waren zahlreicher und stellten zahlenmässig den Patri-arch Jakob, der Vater der 12 Stämme, genannt Israel dar (Genesis 32,29). Juda behielt seinen Namen, denn der Messias sollte aus seiner Abstammung kommen. Die Gründer des heutigen, im Jahre 1948 gegründeten Staates Israel haben zwischen diesem Namen und dem Namen „Juda“ gezögert. Sie haben sich schliesslich für „Israel“, welches biblisch bekannter war, entsch-lossen.

Die Trennung hatte einen politischen und einen religiösen Aspekt:

Der politische Aspekt bewirkte, dass die Israelis sich Jerobeam, als König des Nordens, und die Judäär Rehabeam, als König des Südens, auswählten. Die religiöse Trennung war die Folge der Politik: „Jerobeam dachte bei sich:… Wenn dieses Volk hinaufgeht, um im Hause des Herrn in Jerusalem (im Süden) Opfer darzubringen, wird sich sein Herz dem Rehabeam zuwenden. Mich werden sie töten… Er liess zwei goldene Kälber anfertigen und sagte zum Volk: Ihr seid schon zuviel nach Jerusalem hinaufgezogen. Hier ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägypten herausgeführt hat“. Er setzte Priester ein, die aus allen Teilen des Volkes stammten, und somit keine Söhne Levis waren. Er ging selbst zum Altar hin, um das Opfer, den von ihm gebauten Kälbern, darzubringen (1 Könige 12,26-33). Jerobeam wurde zum Beispiel der Frevelhaftigkeit. Er regierte von 931 bis 910 v. Chr.

Das Resultat des Verlangens nach einem König mit Samuel (1 Samuel 8) war, dass es schliesslich zwei Königreiche und zwei heilige Stätte gab. Beide wurden zerstört, sowohl die Königreiche wie auch die heiligen Stätte. Diejenige im Norden wurden im Jahre 721 v. Chr., 210 Jahre nach Jerobeam, zerstört. Diejenige des Südens wurde im Jahre 581 v. Chr., 140 Jahre später, zerstört. Das Königreich des Südens, das längste Königreich, dauerte gesamthaft nur 450 Jahre lang.

Die Könige des Nordens und diejenigen des Südens überstiegen sich gegenseitig durch ihre Untreue. Sie „taten was dem Herrn missfiel“, gemäss dem Ausdruck der Bibel (1 Könige 16,30).

| ![](/pictures/cb_principaux-sites-periode-monarchique_de.jpg "Principaux sites periode monarchique")  Hauptstandorte der Königszeit |
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#### Der Prophet Elija

Der schlimmste aller Könige Israels war Ahab, der sich Isebel, eine Sidonierin, als Frau nahm. Er betete ihren Gott „Baal“, ein Götzenbild an (1 Könige 16,29-33). Der Prophet Elija erscheint plötzlich, um gegen ihn zu prophezeien. Elija selbst war auch vom Norden, aus Tischbe. Beachte, dass Elija eine Trockenzeit, als Züchtigung, voraussagt: „Weder Tau noch Regen…“ (1 Könige 17,1). Dies dauerte drei Jahre und sechs Monate: ein Jahr, zwei Jahre und ein halbes jahr (1 Könige 18,1; siehe auch Jakobus 5,17). Dieser Zeitraum wird of durch den Ausdruck „eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit“ bezeichnet. Er wurde symbolisch und die Zeugen im Buch der Offenbarung werden auch, aber auf eine andere Art, fähig sein dasselbe wie Elija zu tun. Sie werden Macht haben „den Himmel zu verschliessen, damit kein Regen fällt in den Tagen ihres Wirkens“ (Offenbarung 11,6). Der Geist Elijas ist in der Endzeit am Werk… aber nur wenige verstehen es.

Beachte, dass Gott sich an Elija durch „ein sanftes, leises Säuseln“ offenbart und nicht im „starken, heftigen Sturm“ (1 Könige 19,9-12).

Elija musste nach Sarepta im Libanon (heute Sarafand) zu einer Nicht-Jüdin fliehen (1 Könige 17,7-24). Jesus stellt dieses Ereignis als Beispiel dar: Man muss nicht Jude sein, um Gott zu gefallen und seine Propheten zu schützen. Deshalb „als die Leute (*die Juden*) in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut“ gegen Jesus (Lukas 4,25-30). Elija wählt Elischa als Nachfolger (1 Könige 19,19-21).

##### Nabots Weinrebe (1 Könige 21,1-29)

Merke dir diese Geschichte, die von der Grausamkeit Ahabs und Isebels zeugt. Sie konkretisiert die damaligen Warnungen Samuels gegen die Könige. Das von Gott angekündigte Unglück gegen das Haus Achab wird sich später mit dem Massaker der ganzen Familie erfüllen (2 Könige 9-10).

##### Der Prophet Micha

Die Geschichte dieses Prophetes ist erwähnenswert, weil wir darin die falschen von den wahren Propheten unterscheiden können. Vierhundert falsche „Propheten“ sind einverstanden den beiden Königen ihren Triumph vorauszusagen. Ein einziger, nämlich Micha widerspricht ihnen. Der wahre Prophet ist immer alleine gegen alle. Die **ironische** Haltung Michas ist bewundernswert: „Zieh hinauf, und sei erfolgreich!…“ Er wusste sehr wohl, dass der König verlieren wird (1 Könige 22,15). Der König verstand die Ironie: „Wie oft muss ich dich beschwören, mir im Namen des Herrn nur die Wahrheit zu sagen?“ Dann erwiderte Micha ehrlich: „Ich sah ganz Israel über die Berge zerstreut wie Schafe, die keinen Hirten haben…“ (1 Könige 22,17). Die Menschen wollen die Wahrheit kennen, aber wenn sie ihnen nicht passt, lehnen sie sie auf ihren eigenen Kosten ab…

Früher gab es in Palästina jüdische Schulen um Prophet zu werden, wie es christliche Seminare um Priester zu werden gibt. Die wahren Propheten brauchen aber diese Schule nicht und werden ausserhalb dieser menschlichen Institute von Gott gewählt. Dies war der Fall bei allen biblischen Propheten.

Vergleiche die Arroganz des falschen Propheten Sedecias, der es wagte Micha zu schlagen, mit der resignierten Haltung des Betroffenen. Man erkennt die falschen Propheten an ihrer Arroganz: „Jeden Baum erkennt man an seinen Früchten“ sagt Jesus (Lukas 6,43-45). Die Haltung Michas (1 Könige 22,24-25) ist vergleichbar mit derjenigen Jesus, als der Diener des Hohenpriesters ihm eine Ohrfeige gab (Johannes 18,22-23).

Ein wahrer Prophet braucht nicht die Urim und Tummim, wie es die levitischen Priester taten, um Gott zu befragen. Dieser Brauch existiert glücklicher Weise zumindest offiziell nicht mehr. Nur Geistesgestörte üben ihn noch aus. Wenn Gott einen Prophet auswählt, offenbart er sich ihm. Um der Herr zu befragen und seine guten Ratschläge zu bekommen, braucht man nicht Kopf oder Schrift zu wählen (Urim-Tummim). Gott antwortet immer den wahren Gläubigen, die seine Spra-che in ihrem Herzen erfassen können (Lies Matthäus 7,7-11 / 1 Johannes 3,21-22). Vergleiche auch die Haltung der falschen Propheten, die „in prophetischer Verzückung“ waren (Euphorische Bewegungen mit Zaubersprüchen, die sie zum Phantasieren anleiteten; siehe 1 Samuel 10,5), mit der Nüchternheit Michas, der dieses ganze Theater nicht brauchte, um mit Gott zu kommunizieren und den Sieg der Syrer auf die Juden vorauszusehen.

Dieser Micha vom Norden des Landes ist nicht derjenige von welchem wir ein Buch unter den „prophetischen Büchern“ haben. Der zweite Micha war Judäär, vom Süden, und lebte 150 Jahre später.

Im 1. Buch der Könige sollte man sich zwei historische Ereignisse merken:

- Der (unnötige) Bau des ersten Tempels durch Salomon.
- Die Trennung wegen der Spannung zwischen den Juden. Sie bedeutet den Konkurs des israelischen Königreichs.

### Das zweite Buch der Könige

Dieses Buch ist vom historischen Standpunkt aus wichtig. Es erzählt das zentrale Ereignis, welches die Geschichte der israelischen „Nation“ gekennzeichnet hat. Es war die Deportation nach Assyrien und Babylonien. Dies ist die Erfüllung der Drohung Moses, als er die Juden warnte, dass sie „aus dem Land, in das sie hineinziehen, um es in Besitz zu nehmen, herausgerissen werden“ (Deuteronomium 28,63), falls sie untreu würden. Die Propheten, die du in den prophetischen Büchern kennen lernen wirst (Jesaja, Jeremia, Ezechiel usw.) haben dieses Ereignis als Strafe vorausgesagt.

Lies mit grosser Aufmerksamkeit dieses Buch. Bemüh dich nicht die Namen aller Könige zu be-halten. Lies danach meine Erläuterungen weiter.

#### Die Entrückung Elijas

Elija ist die zweite biblische Figur, die dem körperlichen Tod entgeht. Der erste war Henoch (Genesis 5,24). Man wird also kein Grab Elijas auf Erden finden können (2 Könige 2,11-18).

Elischa war der geistige Nachfolger Elijas. Beachte mit welcher Kraft und welcher Verachtung er mit dem König des Nordens spricht; und sein Wunsch Gott zu befragen mit einer sanften Harfenmusik im Hintergrund (2 Könige 3,14-15). Kein Urim-Purim und keine Verzückung sind hier erkennbar. Die Musik erhebt die Seele, wenn sie harmonisch ist. Der in diesen letzten Zeiten von den Agenten des „Tieres der Apokalypse“ ausgeführte satanische Plan zielt darauf hin, die Gläubigen von Gott durch eine erregte Musik voller Missklang zu entfernen; der lärmende Rhythmus zerstört wortwörtlich die menschliche Seele. Auch David lobte Gott, indem er Musik hörte und alle Psalmen sind gesungene Lieder.

Elischa machte Wunder, wie Elija: wundervolle Produktion von Öl (2 Könige 4,1-7), Auferstehung eines toten Kindes (2 Könige 4,33-37). Beachte die Zahl 7, die symbolisch ist. Die Heilung des syrischen Feldherrn (2 Könige 5,14) wurde durch Jesus wiederaufgenommen, um die rassistischen Juden zu beschämen (Lukas 4,27). Beachte in diesem Zusammen nochmals die Zahl 7 (2 Könige 5,10). Die Reinigung im Jordan symbolisiert die Taufe.

Ich signalisiere dir ein Fall von bilokation: Elischa ist körperlich weit entfernt, aber trotzdem an-wesend und sieht seinen Diener Gehasi Geld von Naaman ergaunern (2 Könige 5,20-27).

Hier noch ein letzter wichtiger Punkt betreffend Elija, um die Worte Jesus über ihn zu verstehen. Gott hatte durch den Prophet Maleachi gesagt: „Bevor aber der Tag des Herrn kommt, der grosse und furchtbare Tag, da sende ich zu euch den Propheten Elija. Er wird das Herz der Väter wieder den Söhnen zuwenden und das Herz der Söhne ihren Vätern…“ (Maleachi 3,23-24). Seither haben die Juden die Ankunft Elijas selbst erwartet, noch **vor** der Erscheinung des Messias. Die Apostel sahen aber Elija zusammen mit Mose erscheinen, **nach** der Ankunft Jesus und sie wunderten sich darüber. Jesus erklärt ihnen, dass es sich um Johannes der Teufer gehandelt habe (Matthäus 17,1-13). In der Tat, als Gabriel dem Zacharias die Geburt von Johannes ankündigte, sagte er ihm: „Er (*Johannes*) wird mit **dem Geist und der Kraft des Elija** dem Herrn vorangehen… und so das Volk für den Herrn bereit machen“ (Lukas 1,17). Es handelt sich also nicht um die Person selbst von Elija, da dieses Kind dem Messias vorangehen wird mit dem „Geist“ Elijas, derselbe Geist, der „auf Elischa ruhte“ (2 Könige 2,15). Elija ist während der Verklärung Jesus erschienen (Matthäus 17), um uns zu offenbaren, dass die Prophezeiung Maleachis sich mit Johannes der Teufer erfüllt hat (siehe Matthäus 11,10). Vergleiche die Kraft Elijas gegen Ahab und Isebel mit derjenigen Johannes der Teufer gegen Herodes und Herodias (Matthäus 14,3-4). Es ist derselbe Geist, der mit Kraft redet und mit Mut gegen die ungerechten Grossen und Mächtigen in dieser Welt prophezeit. Dieser Geist erscheint erneut im Buch der Offenbarung des Johannes am Ende der für die Heiden bestimmten Zeiten (Offenbarung 10,11).

Mit Elija und Elischa bewegen wir uns um die Jahre 850 v. Chr. Wir kommen nun zum Kapitel 17. Damit machen wir einen Sprung von 120 Jahren, um zu den beiden Deportationen, zuerst des Nordens (Israel), und dann des Südens (Juda) zu kommen.

| ![](/pictures/cb_chronologie-des-rois_de.png "Chronologie der biblischen Könige")  Chronologie der biblischen Könige (2 Könige 14 bis 25) |
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#### Die Deportation des Nordens (2 Könige 17-19)

Im Jahre 721 v.Chr. (das Datum sollte man sich merken) „fiel der König von Assur (Sargon II) über das ganze Land (*Israel*) her, rückte gegen Samaria vor… Er eroberte die Stadt, verschleppte die Israeliten nach Assur… (2 Könige 17,5-6)… Das geschah, weil die Israeliten sich gegen den Herrn, ihren Gott, versündigten… Sie schufen sich Gussbilder, zwei Kälber… Ihre Söhne und Töchter liessen sie durch das Feuer gehen (*den Götzen aufgeopfert*)… “(2 Könige 17,7-17).

Die Israeliten wurden nicht nur deportiert, an ihrer Stelle wurden durch Sargon „Leute aus Babel gebracht… Sie liessen sich in den Städten Samariens nieder“ (2 Könige 17,24). Diese Anwesenheit von Fremden wird einen zusätzlichen Grund für den Zwiespalt zwischen den Juden aus Judäa und den Samaritanern sein, die von den Juden schon seit Jahrhunderten verachtet und nicht als Juden betrachtet werden: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“, sagte diese Frau aus Samarien zu Jesus 8 Jahrhunderte nach dieser Deportation. Das Evangelium erklärt, dass „die Juden nämlich nicht mit den Samaritern verkehren“ (Johannes 4,7-9).

Der Prophet Jesaja (Judäär) lebte zur Zeit dieser Deportation. Sanherib, der Sohn und Nachfolger Sargons „zog gegen alle befestigten Städte **Judas** und nahm sie ein“ (2 Könige 18,13). Jerusalem war auch bedroht (2 Könige 18,17) und Ezechias, der König Judas, wendete sich Ägypten zu (2 Könige 18,21-24). Angesichts der wiederholten Drohungen holte Ezechias Ratschläge beim Propheten Jesajas, der ihn beruhigte (2 Könige 19,1-7) und seine Prophezeiung gegen Sanherib aussprach. Er verachtete ihn (2 Könige 19,20-31) und kündigte an, dass dieser „nicht in Jerusalem eindringen wird“ (2 Könige 19,32-34). Allerdings prophezeite Jesaja an Ezechias, dass es Babylonien sein wird, welches in Judäa -150 Jahre später- eindringen wird (2 Könige 20,12-19). Dies ist der erste Hinweis auf das babylonische Reich, welches das assyrische Reich ablösen wird, nachdem die Babylonier es in der Schlacht von Karkemisch (in 2 Chronik 35,20 erwähnt) zerstört haben.

Der Prophet Jesaja hat auch das mit diesem Namen bezeichnete Buch unter den prophetischen Büchern geschrieben. In seinem Buch findet man die Wörter der Verfluchung, die er gegen die Judäär geäussert hat. Diese Wörter wurden aber durch die Verfasser von 2 Königen nicht aufgenommen. Sie begnügten sich damit, den Judäärn zu schmeicheln. In seinem Buch hatte Jesaja die Deportation des Südens, wegen der zahlreichen Mordtaten der Judäär vorausgesagt: „Weh dem sündigen Volk, der schuldbeladenen Nation, der Brut von Verbrechern, den verkommenen Söhnen… Euer Land ist verödet, eure Städte sind niedergebrannt. Fremde verzehren vor euren Augen den Ertrag eurer Äcker“ (Jesaja 1,4-7). Es handelt sich um die babylonische Eroberung, die bereits von Jesaja dem Ezechias in 2 Könige 20,12-19 vorausgesagt wurde.

Alle in den prophetischen Büchern der Bibel erwähnten Propheten lebten von diesem Zeitpunkt an bis ca. 350 Jahre später. Sie deckten somit auch die Eroberung des Südens (Judäa) durch die Babylonier ab, deren Zeitgenosse der Prophet Jeremia war. Jeremia hatte ebenfalls diese Eroberung prophezeit.

| ![](/pictures/cb_principaux-sites-juda-monarchie-tardive_de.jpg "Hauptorte von Juda unter der Spätmonarchie")  Hauptstandorte von Juda in der späten Monarchie.   Die gestrichelte Linie zeigt die Grenzen der Lehen des Reiches im späten siebten Jahrhundert v. Chr., zur Zeit des Königs Josia. |
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#### Die Deportation des Südens (2 Könige 24,10-25,21)

Um der Züchtigung zu entkommen, hat der König Joschijas religiöse Reformen unternommen. Er liess Reparaturen im Tempel machen und entfernte die Statuen Baals (2 Könige 22,3-7). Du siehst, dass es mitten im Tempel der „Kultpfahl (*Phallus*)“ und die „Hierodulen (*Tempeldirnen*)“ gab (2 Könige 23,4-7). Die Götzenanbetung und die Aufopferung der Kinder waren ebenfalls ausgeübt (2 Könige 23,8-14). Die Reformen Joschijas erstreckten sich bis zum Tempel Samariens, das alte Reich des Nordens (2 Könige 23,15).

Trotz allen Reformen Joschijas, wurde er durch die Armee des Pharaos Neko in Megiddo bekämpft und getötet (609 v. Chr.). Die Propheten Zefanja, Nahum und Habakuk lebten zu jener Zeit. Um ihre Bücher zu verstehen, musst du sie in den Rahmen ihrer Geschichte zurückversetzen und so die Umstände, die Anlass für ihre Prophezeiungen gaben, verstehen.

Die Schlacht von Megiddo (2 Könige 23,29-30), die nur ganz kurz von den Verfassern erwähnt wurde (scheinbar kamen sie wegen der Niederlage dieses frommen Königs in Verlegenheit), sollte man sich merken und gut verstehen. Es herrschte Krieg zwischen dem schwachen Assyrien und dem angreifenden, mächtigen Babylonien. Ägypten wollte den Assyriern helfen. Joschijas wollte den Pharaon verhindern, den Assyriern gegen die Babylonier zu helfen. Er wünschte die Niederlage der Assyrier, weil sie den Norden des Landes (Samarien) besassen und somit eine Gefahr für die Judäär darstellten. Er dachte nicht daran, dass die Babylonier zu befürchten waren. Er irrte sich. Joschijas und die Israelis dachten, sie könnten die Armee des Pharaos besiegen, weil Gott wegen der religiösen Reformen mit ihnen war. Dies war aber nicht der Fall. Die Niederlage von Megiddo hat die Judäär entmutigt und Jeremia schrieb ein Klagelied darüber. Diese Schlacht ist ausführlicher beschrieben in 2 Chronik 35,25. Von diesem Krieg geschwächt wird Judäa eine einfache Beute für den babylonischen König Nebukadnezzar sein.

Im Jahre 586 v. Chr. überstürmten die Babylonier Jerusalem und zerstörten den Tempel (der erste von Salomon gebaute Tempel). Die wichtigsten Judäär wurden ihrerseits verbannt (2 Könige 25,11-12) … sogar mit den 2 Kolonnen des Tempels (2 Könige 25,16). Dies geschah 135 Jahre nach der Verbannung der Israelis, so wie es Jesaja vorausgesagt hatte (2 Könige 20,16-18 / Jesaja 5,13 / Jesaja 39,1-8).

Jeremia prophezeit, dass diese Verbannung 70 Jahre andauern wird. Diese bekannte Prophezeiung sollte man sich merken (2 Chronik 36,21 & Jeremia 25,11). Beachte, dass die Deportation in zwei Etappen stattfand: Eine erste Deportation fand im Jahre 598 v. Chr. (2 Könige 24,10-16) und die zweite, elf Jahre später (2 Könige 25,1-21) statt. Der Tempel wurde während der zweiten Deportation zerstört (587-586 v. Chr.).

### Die Bücher der Chroniken

Diese zwei Bücher wurden nach der Rückkehr der Juden aus dem babylonischen Exil, welches 70 Jahre dauerte, geschrieben. Die Schriftgelehrten verfassten nach der Rückkehr in Palästina eine Zusammenfassung von der ganzen Geschichte seit Adam bis zum Befehl von Kyrus, dem König von Persien, der das babylonische Reich stürzte. Kyrus erlaubte es, den Verbannten zurück in ihr Land zu gehen. Diese Verbannten bestanden nicht nur aus Juden, sondern aus allen anderen Völkern der Region, die durch Nebukadnezzar besiegt wurden. Jede Völkergruppe konnte in ihre ursprüngliche Heimat zurückkehren und ihren Tempel wieder aufbauen. Diese historische Zusammenfassung ist in den beiden Büchern „Chronik“ enthalten. Chronik bedeutet „historische Folge von Ereignissen“.

Du wirst also in 1 & 2 Chronik das Wichtigste von dem, was bereits gesagt wurde finden. Lies das Ganze schnell durch bis zum Kapitel 33 vom zweiten Buch. Die letzten drei Kapitel (2 Chronik 34/35/36) sollten mit Aufmerksamkeit gelesen werden. Merke dir folgendes:

#### Die Prophetin Hulda

Sie kündigt die Zerstörung Judas trotz den Reformen Joschijas an. Allerdings weil dieser König fromm war, wird er sterben, „und seine Augen sollen all das Unheil nicht mehr sehen, das Gott über diesen Ort und seine Bewohner bringen wird“ (2 Chronik 34,22-28 / 2 Könige 22,14-20).

#### Megiddo und Karkemisch

2 Chronik 35,19-25 erzählt diese Schlachten mit mehr Einzelheiten als in 2 Könige 23,29-30, wo Megiddo nur ganz kurz erwähnt wird. Von Karkemisch ist keine Rede in 2 Kön, vermutlich weil diese Schlacht damals noch nicht stattgefunden hatte (sie fand im Jahre 605 v. Chr. statt, 4 Jahre nach Megiddo) oder weil der Verfasser seine Wichtigkeit für die Juden nicht verstanden hatte.

Der Verfasser (oder die Verfasser) der Chronik hatte hingegen Zeit bis zur Rückkehr aus dem Exil, um nachzudenken und den Zusammenhang zwischen den wichtigen Ereignissen herzustellen.

Deshalb wird die Schlacht von Karkemisch in 2 Chronik erwähnt. Diese Schlacht ist wichtig, weil sie das Ende des assyrischen Reiches und die Bestätigung des babylonischen Reiches durch den Triumph Nebukadnezzar auf Neko im Jahre 605 v.Chr. bedeutete. Es war die letzte Chance für die Assyrier. Sie verloren sie, trotz der Hilfe der ägyptischen Armee des Pharaos Necho.

Um dies besser zu verstehen, muss ich dir von einer anderen, früheren Schlacht als Karkemisch, nämlich derjenigen von Ninive im Jahre 612 v. Chr. sprechen. Ninive war die Hauptstadt der Assyrier, auf dem östlichen Ufer des Tigris. Sie wurde durch den babylonischen König Nabopolassar, Vater von Nebukadnezzar, erobert und zerstört. Der assyrische König Assurbanipal war gestorben. Er hinterliess ein geschwächtes Land. Die Assyrier suchten Hilfe bei den Ägyptern, um ihre Heimat zu befreien und Ninive zurückzugewinnen. Sie kämpften zusammen mit Necho in Karkemisch, wurden aber sieben Jahre nach dem Sturz von Ninive, im Jahre 605 v. Chr., geschlagen.

Der Prophet Nahum lebte zu jener Zeit und kündigte den Sturz von Ninive an. Sein Buch ist der Niederlage der Assyrier gewidmet. Nahum liebte die Assyrier nicht, weil sie Samaria eroberten und Judäa bedroht hatten: „Von dir stammt der Mann, der Böses plant gegen den Herrn“ (Nahum 1,11). Er verkündet das Unglück gegen Ninive an: „Weh der Stadt (*Ninive*) voll Blutschuld (Nahum 3,1)… Ein Mann zieht gegen dich, der dich erschmettern wird“ (*Nebukadnezzar*) (Nahum 2,2).

Die Juden erhofften sich viel Ruhe nach dem Sturz Ninives. Aber es war im Gegenteil das Drama von Megiddo. Der Prophet Habakuk sehnte sich nach der Befreiung Judas und freute sich im Hinblick auf den Zusammenbruch der Assyrier unter dem Angriffen der Chaldäer (Babylonier): „Denn seht, ich stachle die Chaldäer auf, das grausame, ungestüme Volk, das die Weiten der Erde durchzieht, um Wohnplätze zu erobern, die ihm nicht gehören“ (*gemeint sind die Assyrier*) (Habakuk 1,6). Habakuk konnte nicht erahnen, dass die Chaldäer Juda erobern und sogar den Tempel zerstören würden. Der Prophet Zefanja freute sich ebenfalls über die Zerstörung Ninive und kündigte an, dass Gott „seine Hand nach Norden ausstreckt und Assur vernichtet, und Ninive zur Öde macht…“ (Zefanja 2,13). Dies geschah im Jahre 612 v. Chr.

| ![](/pictures/cb_megiddo-karkemish_de.png "Les 4 batailles")  Die vier Schlachten, die man sich merken sollte |
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Um später die Propheten zu verstehen, sollte man sich diese 4 Schlachten merken:

- **612 - Ninive**: Niederlage der Assyrier. Necho entscheidet sich ihnen zu helfen.
- **609 - Megiddo**: Joschija versucht ihn daran zu hindern. Er wird besiegt und getötet.
- **605 - Karkemisch**: Niederlage der Assyrier und Nechos. Ende des assyrischen Reiches
- **586 - Jerusalem**: Die babylonische Armee erobert Jerusalem und zerstört den Tempel.

Die durch Jeremia angekündigten 70 Jahre der Verbannung: Merke dir diese Prophezeiung (2 Chronik 36,21), weil sie zum Verständnis der Prophezeiungen Daniels beiträgt (Daniel 9,1-2 / 9,24).

Der Befehl von Kyrus (2 Könige 36,22-23) sollte man sich merken. Durch diesen Befehl beginnt das Buch Esra (Esra 1,1-4). Dieses Buch, wie auch das Buch Nehemia und die Bücher der Chronik wurden nach der Rückkehr aus dem Exil geschrieben. Sie erzählen die Rückkehr der Juden aus Babylonien, der Wiederaufbau des Tempels (Esra) und der Stadtmauer von Jerusalem (Nehemia).

### Das Buch Esra

Dieses Buch erzählt die Schritte und die Schwierigkeiten beim Wiederaufbau des Tempels „an seiner alten Stelle, obwohl die Völker der Nachbarländer (*die Palästinenser und Samaritaner*) sie davon abzuschrecken suchten“ (Esra 3,3). Lies das Buch und komm zu den Erklärungen zurück.

*Der Befehl von Kyrus*, König von Persien (Iran), steht zu Beginn des Buches (Esra 1,1-4). Dieser Befehl kann mit dem Balfur Versprechen verglichen werden. Es war das im Jahre 1917 vom engländischen Aussenminister an die Juden abgegebene Versprechen einer Heimat in Palästina. Es erlaubte jedoch nicht den Wiederaufbau des Tempels zum dritten Mal (der dritte Tempel). Der zweite Tempel wurde durch Esra ca. im Jahr 515 v. Chr. wiederaufgebaut. Er wurde durch die Römer im Jahre 70 n. Chr. zerstört.

*Serubbabel und Jeschua* (Esra 2,2) zählten zu den aus dem Exil zurückgekehrten Zionisten. Einige zogen es vor in Babylonien zu bleiben. Serubbabel ist der Sohn Schealtiël, von der königlichen Familie, und Erbe des Thrones von David. Deshalb ist er sehr wichtig. Matthäus erwähnt ihn als Ahne des Messias (Matthäus 1,12). Jeschua war Priester. Beide haben den Wiederaufbau des Tempels unterstützt. Deshalb sind diese zwei Personen wichtig und haben eine geistige, **symbolische** Bedeutung, da sie zwei Zeugen vom Wiederaufbau des Tempels waren.

*Die Samaritaner* wollten beim Wiederaufbau des Tempels helfen. Da sie vom Norden waren, wurden sie aber als „Feinde von Juda und Benjamin“, die zwei Stämme des Südens (Esra 4,1-3), betrachtet. Ihre Hilfe wurde somit abgelehnt.

*Die Propheten Haggai und Sacharja*, dessen Schriften bei den prophetischen Büchern zu finden sind, lebten zu jener Zeit (Esra 5.1) und trieben den Wiederaufbau des Tempels voran. Du kannst das kleine Buch von Haggai bereits lesen. Es besteht nur aus 2 Kapitel. Du wirst somit in der richtigen Stimmung sein, um es zu verstehen. Lies auch das Kapitel 4 von Sacharja, wo er die Vision der zwei Olivenbäume erzählt. Er identifiziert sie mit Serubbabel und Jeschua, den Wiederaufbauern des Tempels. Das Buch der Offenbarung des Johannes übernimmt diese Vision, um zu offenbaren, dass die zwei Olivenbäume die zwei Zeugen der Apokalypse sind. Diese Zeugen haben die Aufgabe den **geistigen** Tempel der letzten Zeiten zu erbauen (Offenbarung 11,3-4). Der materielle Tempel, wie du es weisst, hat den Herrn nie interessiert.

Der zweite Tempel war einfacher ausgestattet als der erste, der aus Zedernholz und Gold bestand. Er enttäuschte „viele betagte Priester, Leviten und Familienoberhäupter, die noch den ersten Tempel (*mit seinem Luxus; es war der durch Nebukadnezzar zerstörte Tempel von Salomon*) gesehen hatten… sie weinten laut“ (Esra 3,12). Die neue Generation aber „schrie vor Jubel und Freude“, als sie dieses Heiligtum sah. Es wurde im Jahre 515 v. Chr. vollendet.

Dieser zweite Tempel, der während den Jahrhunderten missachtet und entweiht wurde (du wirst es im Buch der Makkabäer lesen: 1 Makkabäer 1,41-47), wurde durch den König Herodes vergrössert und geschmückt. Er brauchte 46 Jahre, um diese Arbeiten zu vollenden. Jesus hat dieser Tempel gekannt und hat seine Zerstörung vorausgesagt (Johannes 2,13-21 / Matthäus 24,1-2).

*Rassismus von Esra*: Beachte die im Vers 9,12 enthüllte zionistische Mentalität. Danach sollen die Juden „nicht immer das Glück und Wohl der Völker des Landes (*Palästinenser*) suchen“. Vergleiche dies mit der Lehre, die Jesus den Juden gab: „Liebt eure Feinde (*die Nicht-Juden, die von den Juden immer als Feinde betrachtet wurden*)… Was ihr von anderen erwartet, das tut ebenso auch ihnen…“ (Lukas 6,27-31).

*Der gerettete Rest*: (Esra 9,8): Das Thema des nach dem Sturz des israelischen Reiches „kleinen geretteten Restes“ der Juden kommt in der biblischen und prophetischen Sprache häufig vor. Gott züchtigt das ganze Volk, aber einen Resten bleibt bestehen, um die geistige Mission der Israeliten zu vollenden (Jesaja 4,3 / 10,20-22 / Römer 9,27). Das Ziel dieses Restes, seine heilige Mission, ist der Empfang des Messias bei seiner Wiederkunft. Es war in der Tat eine kleine Menge, ein kleiner Rest, der Jesus nachfolgte und der ihn unterstütze. Die Mehrheit hat ihn verfolgt.

### Das Buch Nehemia

Nehemia war eine bedeutende Persönlichkeit der jüdischen Familien, die nicht aus dem Exil zurückkamen. Er war in Susa (im Süden des Iraks) und hatte Zugang zum König, da er für den Wein des Königs zuständig war (Nehemia 2,1). Die Geschichte spielt sich im Jahre 445 v. Chr. ab, also mehr als 60 Jahre nach der Rückkehr aus dem Exil und dem Befehl von Kyrus. Der zweite Tempel war bereits wiederaufgebaut, aber die jämmerliche Lage der Juden in Palästina und der Stadtmauer von Jerusalem, die „niedergelegt war und die Tore abgebrannt“ (*nach der Zerstörung durch Nebukadnezzar*) setzte Nehemia in Trauer. Er wollte dem „Rest, der von den Gefangenen übriggeblieben ist“ helfen (Nehemia 1,1-4) und die Stadtmauer wieder aufbauen (Nehemia 2,7-8).

Dieses Buch erzählt die Geschichte der Rückkehr Nehemias in Palästina, mit der Unterstützung des persischen Königs, um die Stadtmauer von Jerusalem wieder aufzubauen. Lies dieses Buch.

### Die Bücher Tobit, Judit und Ester

Diese Bücher erzählen Geschichten aus dem Exil. Man kann sie gut lesen. Tobit und Judit sind nicht in der hebräischen Bibel enthalten.

### Erstes und zweites Buch der Makkabäer

Die Bücher der Makkabäer erzählen einen Teil der Geschichte der beiden Reiche, die dem persischen Reich folgen: es waren das griechische und das römische Reich.

Du hast die Geschichte der israelitischen Gemeinschaft unter den drei Reichen von Assyrien (Deportation vom Norden), Babylonien (Deportation vom Süden) und Persien (Rückkehr aus dem Exil) kennengelernt. Die letzten Nachrichten aus jener Zeit sind im Buch Nehemia enthalten und erzählen den Wiederaufbau der Stadtmauer von Jerusalem, um die Jahre 445-450 v. Chr. Durch die Bücher der Makkabäer erhalten wir Informationen über die Ereignisse, die sich in Palästina und in der Region des Mittelmeeres vom Jahre 175 v. Chr. bis ungefähr 135 v. Chr abspielten. Es betrifft also einen Zeitraum von ca. 40 Jahren. Die Bibel gibt keine Auskunft über den Zeitraum zwischen 450 und 175 v. Chr., also 275 Jahre.

Diese zwei Bücher befinden sich nicht in der hebräischen Bibel. Beide erzählen dieselben Ereignisse. Das Buch 2. Makkabäer ist praktisch eine Wiederholung von 1 Makkabäer und erzählt die Geschichte des jüdischen Widerstandes gegen das griechische Reich. Die Familie von Juda Makkabäer leitete diesen Widerstand, deshalb auch der Name der beiden Bücher. Der wichtigste griechische König war Antiochus Epiphanes. Dieser Name solltest du dir merken.

Lies die beiden Bücher und danach meine Erläuterungen:

#### 1 Makkabäer

*Alexander der Grosse*: Das Buch beginnt mit dem Hinweis auf Alexander der Grosse, der Sohn von Philippus, der „Darius, den König der Perser und Meder besiegte und sein Nachfolger wurde“ (1 Makkabäer 1,1). Dieser Sieg Alexanders in der Schlacht von Arbela (Irak) im Jahre 331 v. Chr., beendete das persisch-medische Reich, welches ca. 200 Jahre dauerte. Mit Alexander begann das griechische Reich.

*Antiochus Epiphanes*: Aus den Nachfolger Alexanders „ging ein besonders gottloser Spross hervor, Antiochus Epiphanes… Er trat im Jahre 137 der griechischen Herrschaft die Regierung an“ (1 Makkabäer 1,10). Dies entspricht dem Jahr 175 v. Chr. Er wollte die griechische Kultur unter den Juden ausbreiten und „einige aus dem Volk fanden sich bereit, zum König zu gehen. Der König gab ihnen die Erlaubnis, nach den Gesetzen der fremden Völker zu leben. Sie errichteten in Jerusalem eine Sportschule… und liessen bei sich die Beschneidung rückgängig machen… usw. (1 Makkabäer 1,13-15). Ein grosser Teil der Juden übernahm die Lebensweise der Griechen (1 Makkabäer 1,43-52).

„*Der unheilvolle Greuel*“: Antiochus Epiphanes entweihte den Tempel und setzte darin die Statue von Zeus, „das unheilvolle Greuel“ (1 Makkabäer 1,54). Der Prophet Daniel hatte 400 Jahre früher von diesem „Greuel“ gesprochen. Er prophezeite, dass „oben auf dem Heiligtum ein unheilvoller Greuel stehen wird“ (Daniel 9,27). Zur Zeit der Makkabäer glaubten die Juden dieses Greuel sei die Götzenstatue Zeus im Tempel. Als Jesus aber über die letzten Zeiten sprach, nahm er diese Prophezeiung Daniels wieder auf und sagte, dass sie nicht unter Antiochus Epiphanes in Erfüllung ging. Er sagte sie werde erst in den letzten Zeiten erfüllt, wenn die Anhänger des Antichrists Jerusalem erobern und viele Jünger Jesus täuschen werden (Matthäus 24,15). Am Ende Antiochus Epiphanes Lebens warfen die Juden dieses „Greuel“ um (1 Makkabäer 6,6-7).

*Der König Alexander Balas*, ein Heide, weiht Jonatan als hohen Priester der Juden. Dieser war sogar einverstanden! Er hätte es ablehnen sollen, sich durch einen Heiden, der Gott ignoriert, einweihen zu lassen. Auf diese Art wurde der Kult Gottes dargebracht… (1 Makkabäer 10,15-21).

*Bund zwischen Juden und Römer* (1 Makkabäer 8,1-31 / 12,1-23 / 14,16-24 / 15,15-21). Es war der Beginn des anwachsenden römischen Reiches. Es ist eine Gewohnheit der Zionisten sich mit einer mächtigen Nation zu verbünden, um in Palästina eine Nation zu gründen. Im 20. Jahrhundert wurden sie zu diesem Zweck zuerst die Verbündeten der Engländer, und dann der Vereinigten Staaten.

#### 2 Makkabäer

Das zweite Buch der Makkabäer bildet nicht die Fortsetzung des Ersten. Es erzählt dieselben Ereignisse, endet aber mit der Niederlage Nikanors. Dies entspricht einem geschichtlichen Zeitraum von 15 Jahren und deckt die Kapitel 1-7 des ersten Buches. Die Römer werden darin nicht erwähnt.

Am Ende dieser Lektionen über die historischen Bücher solltest du dir die fünf Reiche, die aufeinander folgten merken:

1. Assyrisch
2. Babylonisch
3. Persisch-Medisch
4. Griechisch
5. Römisch

Damit wirst du die Prophezeiungen der Propheten, wie z.B. diejenige Daniels, in welcher er dem König Nebukadnezzar ankündigt, dass der Messias im dritten Reich nach dem Seinen erscheinen wird, besser verstehen (Daniel 2,36-45). Es handelt sich um das römische Reich, unter welchem Jesus geboren ist.

| ![](/pictures/cb_les-5-empires_de.png "Die fünf Reiche")  Die fünf Reiche |
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### Empfehlung

Wir empfehlen das Buch „The Bible unearthed“ (bisher nicht auf deutsch übersetzt): Die neuen Endeckungen der Archäologie, durch die zwei israelischen Archäologen Israel Finkelstein und Neil Asher Silberman. The Free Press, A division of Simon & Schuster, Inc. (New York, USA), 2001.

Diese zwei Archäologen beweisen auf wissenschaftlicher Weise, dass die so genannte Grösse der israelischen und judäaschen Reiche sowie des Tempels von Jerusalem, geschichtlich nicht fundiert ist.

## Neunte Lektion - Die sieben Bücher der Weisheit

### Das Buch Ijob

Lies zuerst meine Erläuterungen und erst dann das Buch.

Zu jener Zeit, und auch heute noch, waren viele Gläubige davon überzeugt, dass Reichtum, Gesundheit und Kinder, Zeichen des Segens Gottes waren. Hingegen war das Gegenteil davon, ein Ausdruck der Verfluchung Gottes gegenüber dem Sünder. Jedes Unglück wurde als göttliche Strafe interpretiert.

Nun war Ijob ein gerechter und gläubiger Mensch, der zudem reich, mit guter Gesundheit und mit einer zählreichen Nachkommenschaft beglückt war. Plötzlich traf ihn unerwartet eine Flut von unglücklichen Ereignissen. Er verlor sein Reichtum und seine Kinder, lehnte sich aber dabei nicht gegen Gott auf: „Nackt kam ich hervor aus dem Schoss meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück. Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn“ (Ijob 1,20-22).

Dieses Unglück war nicht die Konsequenz der Sünden Ijobs, wie viele es dachten, sondern wurde vom Teufel hervorgerufen. Er wollte ihn treffen, damit er sich von Gott entfernt und dabei Gott wegen seines Unglücks verflucht. Das ist die grosse Lehre aus diesem Buch. Gott kann dem Teufel erlauben gerechte und Gott getreue Leute zu prüfen. Dadurch beschämt er den Teufel, der nicht imstande war in der selbstlosen Liebe zu Gott auszuharren. Dies kann mit einem Mann verglichen werden, der von der Liebe und Treue seiner Frau absolut sicher. Er erlaubt einem Intrigant ihr den Hof zu machen, um ihn durch die offenbare Treue seiner Ehefrau zu beschämen.

In der Geschichte fragt der Teufel tatsächlich Gott um die Erlaubnis Ijob zu prüfen: „Wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. - Gut! sagt Gott zum Teufel, all sein Besitz ist in deiner Hand, nur gegen ihn selbst streck deine Hand nicht aus“ (Ijob 1,11-12). (Das Wort „Satan“ bedeutet „Feind“, da der Teufel der Feind des Menschen ist).

Ijob erwies sich wunderbar treu in der Prüfung. Gott sagt zum Teufel: „Ijob ist so untadelig und rechtschaffen… Noch immer hält er fest an seiner Frömmigkeit, obwohl du mich gegen ihn aufgereizt hast, ihn ohne Grund zu verderben. Der Satan antwortete: …Streck deine Hand aus, und rühr an sein Gebein und Fleisch; wahrhaftig, er wird dir ins Angesicht fluchen. Da sprach der Herr zum Satan: Gut, **er ist** in deiner Hand. Nur schon sein Leben!“ (Ijob 2,5-6).

Der Satan „schlug Ijob mit bösartigem Geschwür von der Fusssohle bis zum Scheitel“ (Ijob 2,7). Seine Frau spornte ihn an, Gott zu lästern. Job aber erwiderte ihr: Wie eine Törin redet, so redest du. Nehmen wir das Gute an von Gott, sollen wir dann nicht auch das Böse annehmen? Bei all dem sündigte Ijob nicht mit seinen Lippen“ (Ijob 2,9-10).

Somit konnte Ijob in den Prüfungen, sogar in seinem Leib, triumphieren.

Drei Freunde Ijobs erstatteten ihm in seinem Unglück einen Besuch, um mit ihm zu sprechen. Sie wollten ihn zum Bekenntnis bringen, dass er gesündigt hat und somit dieses Unglück verdiente. Ihre Rede wird auf poetische Weise erzählt und einer nach dem anderen versucht Ijob zu über-zeugen, dass er ein Sünder ist. Ihre Rede ist oft ironisch, sogar sarkastisch und böse und konnte das Leiden Ijobs nur vergrössern, wie du es beim Lesen merken wirst. Aber Ijob erwiderte ihnen mit viel Feingefühl und konnte seine Gesprächspartner zurechtweisen und seine Unschuld bestätigen: „Wie hilfst du doch dem Schwachen auf, stehst du bei dem kraftlosen Arm!“, sagt er ironisch zu einem der drei, „wem trägst du die Reden vor, und wessen Atem geht von dir aus? (*damit meint er es sei nicht der Geist Gottes*)… Fern sei es mir, euch recht zu geben (*indem er zugibt gesündigt zu haben*), ich gebe, bis ich sterbe, meine Unschuld nicht preis“. Dies war die ständige Haltung Ijobs (Ijob 26,1-27,5).

Einer der drei Freunde behauptete die Geheimnisse Gottes zu kennen, sowie die Gründe weshalb Gott Ijob so behandelte. Gott antwortet ihm: „Mein Zorn ist entbrannt gegen dich und deine beiden Gefährten; denn ihr habt nicht recht von mir geredet wie mein Knecht Ijob“ (Ijob 42,7). „Der Herr wendete das Geschick Ijobs… und segnete die spätere Lebenszeit Ijobs mehr als seine frühere…“ (Ijob 42,10-12).

Lies jetzt dieses Buch. Die Lehre daraus ist, dass Gott die Prüfung eines gerechten Mannes erlaubt. Dadurch sollte die Mentalität der Gläubigen, die wie die drei Freunde Ijobs denken, umgestürzt werden. Es sollte aber vor allem eine Vorbereitung der Gläubigen auf das Verständnis des Leidens des kommenden Messias sein. Er ist der Gerechte „par excellence“, der nicht für seine Sünden, sondern für die Sünden und zahlreichen Mordtaten anderer leidet.

### Das Buch der Psalmen

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es nicht notwendig, dass du das ganze Buch durchliest. Ich werde einige Psalmen erläutern und du kannst sie dann auch lesen.

Dieses Buch ist eine Sammlung der wichtigsten Psalmen. Ein Psalm ist ein auf einem Musikinstrument gesungenes Lied. Die Christen sprechen von einem Loblied, das sie an Gott, an Christus oder an die Hl. Jungfrau widmen.

Die meisten Psalmen wurden zu verschiedenen Angelegenheiten durch David komponiert: „Psalm 3: Ein Psalm Davids, als er vor seinem Sohn Abschalom floh“ usw. Gewisse Psalmen sind von Salomon (Psalm 72), Asaf (Psalm 73 - 83) oder von den Korachitern (Psalm 84)…usw. geschrieben worden. Die Autoren von gewissen Psalmen sind unbekannt.

Im Ganzen gibt es 150 Psalmen. Die griechische Bibel teilt der Psalm 9 in die zwei Psalmen 9 und 10 auf. Dies erschwert ab dem Psalm 11, der zu Psalm 11 (10) wird, die Nummerierung. Das (10) steht für die Nummerierung in der hebräischen Bibel. Der Psalm 147 hingegen vereinigt die zwei Psalmen 146 und 147. Somit wirst du in allen Bibeln immer 150 Psalmen finden.

Ein Wort nun zu den wichtigsten Psalmen, die alle messianischen Psalmen sind, d.h. vom kommenden Messias sprechen. Ich werde vor allem von diesen Psalmen sprechen:

#### Psalm 2

Dieser Psalm stellt der Messias als der von Gott gekrönte König und als seinen Sohn dar: „Die Könige der Erde haben sich verbündet gegen den Herrn und seinen Gesalbten (*der Messias, der mit göttlichem Parfum „gesalbt“ ist, so wie die Könige der Erde, mit duftendem Öl bei ihrer Krönung gesalbt werden*)… Doch er, der im Himmel thront, lacht, der Herr verspottet sie. Dann aber spricht er zu ihnen im Zorn: 'Ich selber habe meinen König eingesetzt auf Zion, meinem heiligen Berg'. Den Beschluss des Herrn will ich kundtun (*es ist der Messias, der hier vorweg redet*). Er sprach zu mir: 'Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt… Ich gebe dir die Völker zum Erbe…“

Der Autor dieses messianischen Psalms ist unbekannt. Der Messias wird darin als König aller Nationen angekündigt. Gott gibt ihm diese Nationen „zum Erbe“. Der Teufel versuchte Jesus und versprach ihm das **politische** Reich über die Welt zu geben (Matthäus 4,8-10). Jesus lehnte es ab, denn sein Reich „ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,36). Die Macht, die dem Messias in diesem Psalm versprochen wird, ist geistig zu verstehen, und nicht politisch, wie der Teufel es mit Jesus tat.

Die Juden wollten ebenfalls (und wollen es immer noch) das Königreich des Messias auf politische Weise verstehen. Deshalb leisteten sie (und leisten noch) Jesus Widerstand; sie verfolgten ihn und seine Apostel. Der Hl. Petrus wendet dieser Psalm auf Jesus an. Er klagt „Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels“ an, sie seien diese „Könige der Erde“ von welchen dieser Psalm spricht; sie seien „gegen den Herrn und seinen Gesalbten verbündet“ (Apostelgeschichte 4,25,28).

Das Königreich des Messias kann nicht politisch sein, denn Gott sagt: „Ich **selber** habe **meinen** König eingesetzt auf meinem heiligen Berg“. Gott wollte aber kein Königreich in Israel, wie wir es bereits in 1 Samuel 8 gesehen haben. Es wurde sogar durch ihn verurteilt. Somit handelt es sich in diesem Psalm, um das geistige Königreich, welches von Jesus eingerichtet wurde. Er war der von Gott gewählte Christ-König, um geistiger Herrscher über die ganze Welt zu sein, trotz all jenen, die ihm Widerstand leisten.

#### Psalm 22

Der Messias wird darin in seinem Leiden, seinem Sterben und in seiner Auferstehung nach der Prüfung beschrieben. Am Kreuz hat Jesus den Anfang dieses messianischen Psalms ausgesprochen, um darauf hinzudeuten, dass er damit gemeint war. Er wollte dabei auch die Juden beschämen, die in seiner Kreuzigung ein Zeichnen der Verfluchung Gottes sahen. Der Psalm beginnt mit den Worten des erwarteten Messias, der sagt: „Eli (*mein Gott*), Eli, lema sabachtani (*warum hast du mich verlassen*)? (s. Matthäus 27,46). Viele verstehen den tiefen Grund weshalb Jesus diese Worte gesagt hat nicht; sie interpretieren es falsch, wenn sie meinen, Jesus fühlte sich von Gott verlassen. Die Feinde Jesus behaupten sogar, Jesus habe am Kreuz verstanden, dass Gott ihn verfluche. Die Juden, die ihn kreuzigten meinten, er rufe den Propheten Elija um Hilfe (Matthäus 27,49). In Wahrheit war dieser letzte Schrei Jesus prophetisch. Diese letzten Worte sind Worte der Barmherzigkeit und ein Licht für all jene, die darin eine prophetische Erfüllung sehen wollen. Denn es sind die Worte des Psalms 22, wo der Messias im Voraus sterbend, inmitten seiner Feinde, gesehen wurde und dabei sagte:

**„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?**… Viele Hunde umlagern mich, eine Rotte von Bösen umkreist mich. **Sie durchbohren mir Hände und Füsse**, und in den Todesstaub haben sie mich gelegt… Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand… (Psalm 22,17-19)… Alle Enden der Erde sollen daran denken und werden umkehren zum Herrn (Psalm 22,28)… Und meine Seele wird leben für ihn (*diese Worte weisen auf die Auferstehung hin*), mein Geschlecht wird ihm dienen… Er hat es vollbracht“ (Psalm 22,30-31).

Dieser Psalm kann sich nicht auf seinen Verfasser, David, beziehen. Dieser starb nicht von Feinden umkreist, mit den Händen und Füssen durchbohrt.

Dieser prophetische Psalm gleicht dem Kapitel 53 von Jesaja, der ebenfalls das Leiden, den Tod und die Auferstehung des Messias voraussagt.

#### Psalm 110

Dieser Psalm stellt der kommende Messias als **König** und gleichzeitig auch als **Priester** dar:

„Von Zion strecke der Herr das **Zepter** deiner Macht aus (Psalm 110,2)… Der Herr hat geschworen, und nie wird$$s ihn reuen: Du bist **Priester** auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks“ (Psalm 110,4).

Weder das **Königtum** noch das **Priestertum** des Messias entsprachen den Vorstellungen und den Bräuchen der Israeliten. Das messianische Königtum folgt nicht der politischen Dynastie Davids (die übrigens mit Nebukadnezar abgeschafft wurde). Und das messianische Priestertum gleicht überhaupt nicht demjenigen Levi. Es wurde ja „nach der Ordnung **Melchisedeks**“ prophezeit und nicht nach derjenigen Levi. Dies bedeutet einen radikalen Wechsel des jüdischen Kultus, wie Paulus es in den Kapiteln 5 bis 7 seines Briefes an die Hebräer erklärt. Durch sein Opfer, hat Je-sus den Opfergaben sowie dem jüdischen Priester- und Königtum ein Ende gesetzt.

Mit dem Buch der Offenbarung (Apokalypse) öffnet sich ein neues Zeitalter, in welchem alle **wahren** Gläubigen Jesus Christi „Könige und **Priester**“ sein werden (Offenbarung 1,6). Gott wollte dies von Anfang an (Exodus 19,6), aber er wurde damals nicht verstanden. Ein priesterliches Herz ist fähig, Mitleid gegenüber dem Gerechten, der von einem Ungerechten verfolgt wird, zu haben. Er fühlt und leidet mit ihm. Er verteidigt den Armen, der ungerechterweise angeklagt wird und legt Zeugnis für die Gerechtigkeit und die Wahrheit ab, indem er die Identität des Antichristen, das Tier der Apokalypse, denunziert (Offenbarung 13,18). Auch um den Preis seines Lebens. Das ist das von Gott entgegengenommene priesterliche Opfer.

Die anderen Psalmen sind Loblieber zu Gott oder eine Bitte zum Allerhöchsten um Hilfe gegen einen ungerechten Feind, oder ein Danklied für die Rettung. Man lernt die Psalmen kennen, indem man sie mit dem Heiligen Geist, der in Jesus ist, betet, und nicht mit einer materiellen oder zionistischen Mentalität.

### Das Buch der Sprichwörter

Es enthält Sprichwörter von hoher Moral, die man von Zeit zu Zeit lesen sollte, um das geistige Leben zu vertiefen und die Suche nach Weisheit zu fördern: „Die Weisheit ruft laut auf der Strasse… (Sprichwörter 1,20)… Wie lang noch, ihr Törichten, liebt ihr Betörung, gefällt den Zuchtlosen ihr dreistes Gerede, hassen die Toren Erkenntnis? (Sprichwörter 1,11)… Mein Sohn, wenn du meine Worte annimmst… dann wirst du die Gotteserkenntnis finden (Sprichwörter 2,1-5)“.

Lies es ein erstes Mal schnell durch, um dich damit vertraut zu machen. Und dann komm ständig wieder darauf zurück, um es zu vertiefen und die Weisheit zu erwerben.

### Das Buch Kohelet (Qoh)

Es ist das Buch der Worte „Kohelets“, d.h. auf Hebräisch die Worte des Lesers in der Versammlung. Es sind also die weisen Worte eines Predigers in verschiedenen Versammlungen. Das wichtigste aus dieser Lehre besteht darin festzustellen, dass alles sich auf Erden wiederholt. Derjenige, der für diese Welt lebt wird darin nur Eintönigkeit finden. Daraus lässt sich schliessen, dass man das ewige Leben suchen sollte. Nur das ewige Leben kann den Menschen befriedigen: „Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch. Welchen Vorteil hat der Mensch von all seinem Besitz, für den er sich anstrengt unter der Sonne?“ (Kohelet 1,2). Wenn alles was wir tun nur für die Zeit unseres Lebens „unter der Sonne“ bestimmt ist, dann lohnt sich die Mühe wirklich nicht: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in diesem Leben auf Christus gesetzt haben, sind wir erbärmlicher daran als alle anderen Menschen“, sagt Paulus (1 Korinther 15,19).

### Das Hohelied (Hld)

Es ist ein Liebesdialog zwischen dem Bräutigam (Gott) und seiner Braut (die Auserwählten).

Ein erstaunlicher Punkt: Die Braut kommt nicht aus Israel, sondern aus dem Libanon: „Komm doch mit mir, meine Braut, vom Libanon, weg vom Libanon, komm du mit mir!“ (Hohelied 4,8). Der Libanon wurde oft als der Ort gesehen, aus welchem die Auserwählten Gottes kommen. Ezechiel kündigt den Triumph des Zeders (Symbol des Libanons) über den Berg Zion: „So spricht Gott, der Herr: 'Ich selbst nehme ein Stück vom hohen Wipfel der Zeder (Symbol des Libanons) und pflanze es ein. Auf die Höhe von Israels Bergland pflanze ich ihn. Dort treibt er dann Zweige, er trägt Früchte und wird zur prächtigen Zeder… Ich, der Herr, habe gesprochen, und ich führe es aus'„(Ezechiel 17,22-24). In der Tat hat Gott das Buch der Offenbarung des Johannes im Libanon geöffnet, um es der ganzen Welt zu erklären und viele Früchte zu bringen.

Die Thematik des Bräutigams und der Braut wird im Buch der Offenbarung wieder aufgenommen. Die Braut ruft den Bräutigam: „Komm!… Amen, Komm, Herr Jesus!“ (Offenbarung 22,17-20). Du wirst dies später mit dem Studium des Buchs der Offenbarung besser verstehen.

### Das Buch der Weisheit

Es ist ein Buch, welches zur Erforschung und zur Erkenntnis Gottes, dessen Weisheit nie wie diejenige der Menschen ist, antreibt: „Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an… Roh und grausam wollen wir mit ihm verfahren… Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich… Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts“ (Weisheit 2,18-22). Diese Worte wurden von den Juden über den Messias am Kreuz gesagt (Matthäus 27,41-43). Es ist nicht Weisheit, sondern Wahnsinn auf diese Art zu sprechen!

Dieses Buch lädt zum Verständnis der Weisheit Gottes ein. Es warnt auch davon, sich nach der falschen Weisheit der Menschen bilden zu lassen.

### Das Buch Jesus Sirach

Das Buch wurde durch Ben Sirach geschrieben. Es ist das Buch der Versammlung (ecclesia im Griechischen) und nicht das Buch des Lesers, der in der Versammlung spricht und liesst, wie im Buch „Kohelet“. Das Buch wird also in den Versammlungen, z.B. in der Synagoge, gelesen. Es kommt nicht in der hebräischen Bibel vor, wurde aber früher wegen seinem hohen moralischen Wert in den Synagogen gelesen. Wie die anderen Bücher der Weisheit, lädt das Buch den Leser ein, sich Gott trotz allen Schwierigkeiten zu nähern, zu versuchen ihn kennenzulernen und zu verstehen. Der Mensch soll sich in den Prüfungen mit Geduld bewaffnen, denn diese Kenntnis ist alle Mühe, die man sich geben kann, wert:

„Alle Weisheit stammt vom Herrn (Sirach 1,1)… Begehrst du Weisheit, so halte die Gebote, und der Herr wird dir die Weisheit schenken (Sirach 1,26)… Mein Sohn, wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich auf Prüfung gefasst! (Sirach 2,1)… Nimm alles an, was über dich kommen mag, halt aus in vielfacher Bedrängnis! Denn im Feuer wird das Gold geprüft, und jeder, der Gott gefällt, im Schmelzofen der Bedrängnis (Sirach 2,4-5)“.

Jetzt bist du mit allen Weisheitsbüchern vertraut. Sie sind sehr wertvoll und sollten mehrmals gelesen werden. Du kannst alle Tage deines Lebens einzelne Abschnitte daraus lesen und deine Seele so ernähren und gleichzeitig erheben. Ich habe nur auf die grossen Züge hingewiesen. Deine persönlichen Bemühungen werden dir erlauben, die geistigen Früchte der reifen Weisheit zu geniessen. Und dies um so mehr als du dein ganzes Leben bestrebt sein wirst, Gott und seinen Messias zu kennen: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast“, hatte Jesus gesagt (Johannes 17,3).

Begnüge dich jetzt mit dieser ersten Lektüre der Weisheitsbücher und fahre mit dem Bibelkurs und besonders mit dem Studium der prophetischen Bücher fort.

## Zehnte Lektion - Die vier grossen prophetischen Bücher

### Einführung

Jetzt hast du bereits eine gewisse Kenntnis der historischen Geschichte des von Gott zum Empfang des Messias Jesus herangebildeten Volkes. Somit bist du im Stande die Propheten zu verstehen. Ohne diese Kenntnis ist es nicht möglich, die Anspielungen der von Gott gesandten Menschen zu verstehen. Diese Menschen wurden gesandt, um die ständigen Ablenkungen der Israeliten zu korrigieren. Auch wir **alle** sind solchen Ablenkungen ausgesetzt. Somit sind die Worte der Propheten für alle Menschen aller Zeiten gültig, falls wir fähig sind, sie in den historischen Hintergrund verschiedener Epochen zurück zu versetzen und sie diesem Hintergrund anzupassen.

Das Studium der Propheten gibt den historischen Büchern einen ergänzenden Aspekt, indem der **geistige** Sinn der Ereignisse erklärt wird. Die wahre -oft verborgene- Absicht Gottes wird offenbart. Man muss fähig sein **zwischen den Zeilen** zu lesen, um die Propheten zu verstehen und die Feinheit ihrer Anspielungen zu erfassen. Da sie in einem zionistischen und politischen Kreis lebten, begegneten sie fast unüberwindlichen Schwierigkeiten, um die antizionistischen, geistigen Gedanken Gottes bekannt zu machen. Sie wurden meistens verfolgt, abgelehnt und wurden als Verräter zu ihrer „Heimat“ und zum Königreich betrachtet. Diese Heimat und dieses Königreich wurden aber nie von Gott gewollt. Sie wurden erst nach ihrem Tod als Propheten anerkannt, nachdem sie im Leben verfolgt wurden (lies dazu die Worte Jesus in Matthäus 23,29-39).

Der Prophet ist ein Wortsprecher Gottes. Gott offenbart sich ihm und schreibt ihm vor, seine Meinung, seine Empfehlungen oder seine Urteile über die Ereignisse und die Haltung der Menschen, vor allem der verantwortlichen Führer (Könige, Priester) zu äussern. Diese werden unter Androhung der göttlichen Strafe ermahnt, sich den Anforderungen und den göttlichen Gedanken zu beugen. Meistens ging es darum, auf die zionistische Mentalität zu verzichten (krankhafte Verbundenheit mit dem exklusiven Besitz des Landes Palästina und mit dem israelischen Reich). Jeremia z.B. wurde verfolgt, weil er den Juden gesagt hatte, sie sollten sich dem Nebukadnezar unterwerfen, und weil er die Zerstörung des Tempels ankündigte.

Das wichtigste aus der prophetischen Botschaft betrifft die zwei folgenden Punkte:

1. Die Verbannung als Strafe für die Untreue.
2. Die zukünftige Sendung eines Erlösers (der Messias), der von den Juden zu unrecht als politisch-militärischen Führer gesehen wurde.

Die prophetischen Bücher sind die Schriften über die Worte und die Handlungen der Propheten, die kurz vor, während und nach der Verbannung gelebt hatten. Sie haben also das Exil prophezeit, haben es gelebt und die Rückkehr der Verbannten (nach 70 Jahren der Verbannung), sowie den Wiederaufbau des (zweiten) Tempels angekündigt.

Das Ereignis der Verbannung hat die israelitische Seele tief verwundet. Die Juden waren hinter der Lösung ihres gelebten Dramas her und suchten die „Befreiung Israels“ (gemäss der prophetischen Äusserung). Während Jahrhunderten drehte sich die Hoffnung auf Befreiung um die Person des mit Ungeduld und extremen Begehrens erwarteten Messias. Dieser Messias musste aber die Seele des Sünders befreien, und nicht die Juden von einer politischen Situation.

Bevor man einen Propheten liest, **muss man ihn in seine historische Lage zurück versetzen**: exisitierte er vor, während oder nach der assyrischen Eroberung des Nordens (Israel: 721 v. Chr.), der Niederlage von Ninive (612 v. Chr.), die Schlachten von Megiddo, Karkemisch, der babylonischen Eroberung des Südens (Judäa), der Rückkehr aus dem Exil, dem Wiederaufbau des Tempels? Diese historischen Etappen begleiten die prophetischen Bücher. Merke sie dir.

Die Propheten, von denen diese Bücher sprechen, sind zu unterscheiden von den anderen Propheten wie Elija und Elischa oder von der Gruppe der in 1 Samuel 10,5-6 erwähnten Propheten. Wir besitzen kein schriftliches Dokument von diesen Propheten. Unsere einzige Informationsquelle über sie sind die historischen Bücher.

Die Propheten, die wir studieren werden (man kann sie als die Schriftsteller-Propheten betrachten) haben zwischen einer Zeitspanne von 300 Jahren existiert (750 v.Chr bis 450 v.Chr.). Sie werden in zwei Gruppen aufgeteilt:

1. die 4 „grossen“ Propheten: Jesaja, Jeremia, Ezechiel, Daniel.
2. die 12 „kleinen“ Propheten

Die ersten werden als „gross“ bezeichnet, weil ihre Bücher umfangreicher als die „kleinen“ Bücher der 12 anderen Propheten sind und nicht wegen einer geistigen Grösse (vergleiche die 66 Kap. Jesajas mit den 4 Kap. Joels und mit dem einzigen Kapitel Obadjas).

Mit den vier grossen Propheten werde ich auch die „Klagelieder“ Jeremias und der Prophet „Baruch“ einbeziehen, dessen kleines Buch demjenigen Jeremias folgt. Baruch war der Jünger und der Sekretär Jeremias. Das Buch Baruch befindet sich nicht in der hebräischen Bibel.

In gewissen Bibeln (wie die Jerusalem Bibel) werden nützliche Einführungen zu den prophetischen Büchern hinzugefügt, die dir beim Verständnis der historischen Zeit in welcher der Prophet gelebt hat helfen können. Später wäre es gut, wenn du dich bemühst einer oder zwei Propheten gut kennen zu lernen. Ich empfehle dir Jeremia, der uns psychologisch nahe steht und der geistig nahe zu Jesus steht.

Nun beginnen wir das Studium der 4 grossen Propheten mit Jesaja. Lies das Buch erst nachdem du meine Erklärungen studiert hast. Das gilt auch für die anderen Propheten.

### Jesaja (Jes)

Jesaja war ein hoher königlicher Beamte, der einen grossen Einfluss auf die Ereignisse seiner Zeit hatte. Er ist um das Jahr 765 v.Chr. geboren. Im Jahre 740 v.Chr., im Alter von 25 Jahren, hatte er eine Vision. Gott vertraut ihm die schwierige und mutige Aufgabe an, die Zerstörung Israels, gefolgt von derjenigen Judas, als Strafe für die unzähligen Untreuen der Juden anzukünden.

Jesaja erzählt im Kap. 6 seine Vision in welcher Gott fragte: „Wen soll ich senden! Wer wird für uns gehen?“ Und Jesaja antwortete mutig und ohne Zögerung: „Hier bin ich, sende mich“. Es brauchte sicher einen starken Charakter, um die schwierige und gefährliche Aufgabe zu übernehmen Könige und die Mächtigen des königlichen Hofes anzuklagen. Jeremia, wie auch Mose, hat zuerst das göttliche Angebot abgelehnt (Jeremia 1,6). Es ist nicht eine leichte und angenehme Last die Mächtigen zu tadeln; auch nicht wenn es im Auftrag Gottes gemacht wird. Derjenige, der diese Aufgabe übernommen hat, kann sich manchmal den unerträglichen Verfolgungen nicht entziehen. Der Mut Jesajas ist bewundernswert.

Lies bereits jetzt dieses 6. Kapitel. Gott kündigt den Juden darin die Verbannung an: „bis die Städte verödet sind und unbewohnt, die Häuser menschenleer… Der Herr wird die Menschen weit weg treiben; dann ist das Land leer“ und es wird nur „der Stumpf, ein heiliger Same, bleiben“. Dieser Stumpf stellt der „kleine Rest“ dar, von welchem ich bereits gesprochen hatte. Gott schont ihn, um seinen messianischen Plan zu vollenden.

Mehrmals kündigt Jesaja das Exil an: „Darum muss mein Volk in die Verbannung, denn es hat keine Erkenntnis“ (Jesaja 5,13). Aber ein Rest wird bleiben, um die Mission weiterzuführen: „Dann **wird** der Rest von Zion, und wer in Jerusalem noch übrig ist, heilig genannt werden“ (Jesaja 4,3). Das Thema des „**kleinen Restes**“ wurde zuerst dem Prophet Amos, der einen grossen geistigen Einfluss auf Jesaja hatte, offenbart ((Amos 3,11-12 & 5,15). Amos ging Jesaja kurz voran. Als Jesaja seine Mission begann, war er alt und prophezeite bereits seit fast 40 Jahren.

Ausser der Verbannung betreffen die wichtigsten Prophezeiungen Jesajas den Messias. Ich erwähne dir die Wichtigsten:

#### „Emmanuel“ (Jesaja 7,14)

Jesaja sagt dem König Ahas, der einen Sohn wollte: „Der Herr wird euch von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die Jungfrau (*„Alma“ auf Hebräisch*) wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären, und sie wird ihm den Namen Immanuel geben“. Dieser Name bedeutet „Gott mit uns“. Es ist ein von Gott gegebenes „Zeichen“ (Jes (Jesaja 7,14).

Um diese Prophezeiung zu verstehen, muss man die historische Lage, in welcher sie angekündigt wurde verstehen. Geh zum Kapitel 16 von 2 Könige zurück. Darin ist die Rede von diesem König Ahas, zu welchem sich Jesaja wendet. Zu jener Zeit war Pekach (in Jesaja 7,1 bezeichnet als Sohn Remaljas) König von Israel und Rezin war der König Syriens (Aram: Jesaja 7,1). Der König Assyriens (Tiglat-Pileser, genannt „Pul“: 2 Könige 15,19) bedrohte die ganze Region. Rezin und Pekach wollten Aha gegen Pul mit sich reissen. Ahas lehnte es ab. Er opferte seinen einzigen Sohn, der Erbe des Thrones den Götzen auf, um das Schicksal zu beschwören (2 Könige 16,3). Er hatte also keinen Erben mehr und die Nachfolgschaft der Dynastie war bedroht.

Rezin und Pekach beschliessen Juda zu erobern, um Ahas zu enthronen und einen König („der Sohn Tabeals“: Jesaja 7,6), der sich mit ihnen gegen Pul verbünden würde, einzusetzen (Jesaja 7,1-2). Ahas bekam Angst: „Das Herz des Königs und das Herz seines Volkes zitterte…“ (Jesaja 7,2). Gott aber sandte Jesaja zu Ahas, um ihn zu beruhigen, indem er ihm versicherte, dass die „beiden Holzscheite, der rauchende Stummel“ (Jesaja 7,4), nämlich Rezin und Pekach, in ihrem Unternehmen gegen Juda scheitern werden: „Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und das Haupt von Damaskus ist Rezin… Das Haupt von Efraim (*vom Norden*) ist Samaria, und das Haupt von Samaria ist der Sohn Remaljas (*Pekach*)“ (Jesaja 7,8-9). Damit meinte er, dass die Hauptstadt Judas Jerusalem ist und das Haupt von Jerusalem Ahas. Gott ergriff noch die Gelegenheit, um die vorstehende Niederlage von Samarias anzukünden: „Noch 6 oder (*sogar*) 5 Jahre, dann wird Efraim (Samaria) zerschlagen, es wird aufhören, ein Volk zu sein“ (Jesaja 7,8). Es ist die Ankündigung der assyrischen Eroberung des Nordens (Samaria).

Ahas ist durch die Ereignisse und den Verlust seines einzigen Sohnes, der von ihm aufgeopfert wurde, niedergeschlagen. Die Propheten hatten aber vorausgesagt, dass der „Sohn Davids“, der erwartete Messias, sich für immer auf den Thron Davids setzen wird. Jesaja bestätigte dies ebenfalls: „Ein junger Trieb (*der Messias*) wächst aus dem Baumstumpf Isais (*der Vater Davids*)… Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm…“ (Jesaja 11,1-2). Es soll deshalb nicht für den Thron Juda gefürchtet werden, denn „der Herr wird von sich aus ein Zeichen geben: Seht, die „Alma“ wird ein Kind empfangen, sie wird einen Sohn gebären: Immanuel (Jesaja 7,14). Die Schwangerschaft der jungen Königin war für Ahas aus zwei Gründen ein göttliches Zeichen:

- Ahas wusste nicht, dass seine Frau schwanger war
- Er wusste nicht, dass es ein Bube war. Dieser Sohn wurde ihm durch Gott nicht gegeben, um ihm Freude zu machen, denn Ahas zeigte sich gottloser als die anderen Könige, sondern um die messianischen Ziele Gottes zu erfüllen.

Der König Hiskija war der Nachfolger seines Vaters Ahas. Er war reformatorisch und tat „was dem Herrn gefiel“, indem er die Götzenstatuen und die Kupferschlange Moses zerstörte (2 Könige 18,1-4). Er war aber nicht dieser so innig erwartete „Immanuel“, der Juda und Israele vereinen sollte, die Verbannten aus Assyriens zurückführen, um die „Völker des Ostens zu **plündern**…“ und letztendlich das illusorische zionistische Reich durch **Plünderung** einzusetzen… (Jesaja 11,10-16).

Die Prophezeiung Immanuels ging erst acht Jahrhunderte später in Erfüllung. Erst dann wurde sie von jenen, die Augen haben um sie zu sehen und eine Intelligenz, die fähig ist die Ziele Gottes zu erfassen, verstanden. Matthäus offenbart, dass sich diese Prophezeiung in Jesus erfüllt hat:

> Seht die Jungfrau (*Alma*) wird einen Sohn empfangen und gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben.“ (Matthäus 1,22-23)

Gott wollte, dass sein Messias von der Jungfrau Maria, die „Alma“ par excellence, von der Jesaja sprach, geboren wird. Im Allgemeinen kann eine Prophezeiung erst bei ihrer Erfüllung verstanden werden. Man sollte deshalb wachsam und aufmerksam, lenksam und gewillt sein, die Absichten Gottes zu verstehen, ohne auf unsere Vorstellungen zu beharren, wie es die Juden, die Jesus ablehnten taten. Man sollte sich im Gegenteil an die Vorstellungen Gottes orientieren.

Man sollte sich merken, dass der Name „Immanuel“ symbolisch ist, denn er bedeutet „Gott mit uns“, wie es Matthäus erklärte (Matthäus 1,23). Der Messias musste nicht unbedingt diesen Namen tragen, wie es viele Juden meinten. Er ist aber „Gott mit uns“, Gott, der körperlich auf Erden mitten unter uns lebt. Diese Tatsache wird durch andere symbolischen Namen, die Jesaja dem Messias gibt bestätigt: „Man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, **starker Gott, Vater in Ewigkeit**, Fürst des Friedens“ (Jesaja 9,5). Diese Namen offenbaren die göttliche Identität des Messias. Gott sagt in der Tat durch Ezechiel: „Ich werde mich **selber** um meine Schafe kümmern…“ (Ezechiel 34,11).

Jesaja verspürte unbewusst das Bedürfnis einer göttlichen Inkarnation als er rief: „Reiss doch der Himmel auf, und komm herab“ (Jesaja 63,19).

#### Der Messias ist Galiläär

Jesaja sieht „ein grosses Licht aus den Ländern Sebulon und Naftali“ strahlen, die Stämme im Norden Palästinas, in Galiläa, dort wo Jesus lebte (Jesaja 8,23-9,6). Die Einwohner dieser Gegend, die Nachbarn zum damaligen heidnischen Libanon waren, wurden durch die Juden verachtet. Die Juden betrachteten sie verunreinigt durch ihre Nachbarn: „Aus Nazaret (in Galiläa)? Kann von dort etwas Gutes kommen?“ sagte Natanaël zu Philippus (Johannes 1,45-46). Und die Pharisäer sagten zu Nikodemus, der Jesus verteidigte: „Bist du vielleicht auch aus Galiläa? Lies doch nach: Der Prophet kommt nicht aus Galiläa“ (Johannes 7,52).

Hätten aber die Pharisäer selbst die Propheten besser gelesen, dann hätten sie gemerkt, dass der Messias, der wichtigste der Propheten, im Gegensatz zu ihrer Vorstellung, eben aus Galiläa kommen sollte. Jesaja sagt in der Tat:

„Einst hat er (*Gott*) das Land Sebulon und das Land Naftali (*Galiläa*) verachtet, **aber später** bringt er die Strasse am Meer wieder zu Ehren, das Land jenseits des Jordan, das Gebiet der Heiden. Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein **helles** Licht; über denen, die im Land der Finsternis (*Galiläa*) wohnen, strahlt ein Licht (*der Messias*) auf… Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt (*Immanuel, der Sohn der Alma-Jungfrau*). Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens…“ (Jesaja 8,23-9,6).

Matthäus bezieht sich in seinem Evangelium auf diese Prophezeiung Jesajas (Matthäus 4,12-16).

Das Gebiet Galiläa wurde also durch den assyrischen Eroberer gedemütigt, aber durch Jesus, der in Nazareth (Sebulon) lebte und arbeitete und in Kafarnaum predigte (Naftali) verherrlicht.

#### Der Messias wird durch die Juden verfolgt und getötet

Jesaja hatte vorausgesagt, dass der Messias durch sein Volk abgelehnt wird, ein schreckliches Leiden ertragen und zum Tod ausgeliefert wird. Er hat aber auch seine Auferstehung vorausgesagt, denn „**nachdem** er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht (*der Messias ist der „Knecht“ Gottes*), der Gerechte, macht die vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich“ (Jesaja 53,11). Das Licht, welches dieser treue Knecht erblicken wird ist das Licht der Auferstehung, nach dem Tode.

Ich erwähne hier die wichtigsten Verse des Kapitels 53 von Jesaja, die von diesem guten Knecht sprechen und erkläre sie in den Klammern:

„Wer hat unserer Kunde geglaubt?…“ (Jesaja 53,1; *wer hätte geglaubt, dass der erwartete Messias ein armer und abgelehnter Anti-Zionist sein wird*)… „Er hatte keine schöne und edle Gestalt, so dass wir ihn anschauen mochten (Jesaja 53,2; *er stammt aus einer armen und einfachen Gesellschaft, ohne pompösen Kleider und ohne menschliche Herrlichkeit*)… Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut… Er war verachtet; wir (*die Juden, sein Volk!*) schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Schmerzen auf sich geladen… Wir (*die Juden*) meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen (*die Kreuzigung*)… Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen… Doch der Herr rettete den, der sein Leben als Sühneopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben… Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht (*die Auferstehung*)“.

Lies bereits jetzt dieses Kapitel. Es wurde sogar nach dem Kommen Jesus, der diese Prophezeiung erfüllte, keine schönere und echtere Beschreibung des Leidens Jesus gemacht. Als er mit den Jüngern von Emmaus lief (Lukas 24,25-27), sagte ihnen Jesus: „Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht“. Das Kapitel 53 von Jesaja (und ebenfalls der Psalm 22) gehörte zu diesen Erläuterungen. Man fragt sich weshalb die Juden es immer noch nicht verstehen! Die Antwort ist, dass sie durch die zionistische Mentalität geblendet sind: Begierde nach der Macht des Besitzes.

#### Die „Tröstung“ Israels

Die 26 letzten Kapitel Jesajas wurden mit der Absicht geschrieben, die Juden durch die Ankündigung des Heils zu trösten. Man stellte sich dieses Heil als die Rückkehr nach Palästina und die „nationale jüdische“ Wiederherstellung vor. Gott aber sprach vom **geistigen** Heil, welches Jesus **allen Menschen** brachte. Viele Juden lehnten es ab. Diese Kapitel sind als „das Buch der Tröstung“ bekannt, weil sie so beginnen: „Tröstet, tröstet mein Volk… Verkündet, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist (*durch die zukünftige Sendung des Messias*)… Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste… usw.“ (Jesaja 40,1-4). Diese Verse wurden im Evangelium für Johannes den Täufer angewendet. Er kam, um den Weg des Messias in der Wüste der verschlafenen Seelen vorzubereiten (Matthäus 3,3).

Einige meinen diese Kapitel der Tröstung wurden nicht durch Jesaja selbst geschrieben, sondern durch seine Jünger **nach** der Rückkehr aus dem Exil.

Das Lebensende von Jesaja ist unbekannt. Nach einer jüdischen Tradition wurde er unter dem König Manasse in zwei Teile gesägt und getötet. Manasse war der Nachfolger Hiskijas. Er „tat, was dem Herrn missfiel… und vergoss unschuldiges Blut in strömen, bis er Jerusalem von einem Ende zum andern damit anfüllte…“ (2 Könige 21,16).

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### Jeremia - Klagelieder - Baruch

#### Jeremia

Jeremia stammt aus einer priesterlichen Familie, welche in der Gegend von Jerusalem, in Anatot (Jeremia 1,1) lebte. Er prophezeite in Jerusalem im 13 Jahr des Königs Joschija (626 v.Chr.) „bis das elfte Jahr des Königs Zidkija“ (Jeremia 1,3), welches das Jahr der Verbannung war (2 Könige 25,2). Er erlebte also selbst die ganze Vorbereitung des Dramas der Verbannung und hatte sie auch vorausgesagt.

Der Fall von Ninive (612 v.Chr.) und die Reformen Joschijas gaben den Israeliten Anlass zur Hoffnung auf das Heil, aber nach der dramatischen Niederlage in Megiddo (609 v.Chr.) und dem Aufkommen der babylonischen Drohung waren sie erneut verzweifelt.

Jeremia wurde von Gott berufen, als er noch ein ganz junger Mann war: „Das Wort des Herrn erging an mich: 'Noch ehe ich dich im Mutterleib formte, habe ich dich ausersehen… zum Propheten für **die Völker** habe ich dich bestimmt'. Da sagte ich: Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung“ (Jeremia 1,5-6). Aber trotz seines jungen Alters insistierte Gott: „Sag nicht: 'Ich bin noch so jung'… denn ich bin mit dir um dich zu retten… Hiermit lege ich meine Worte in deinen Mund… Ich setze dich **über Völker** und Reiche: du sollst ausreissen und niederreissen, vernichten und einreissen, aufbauen und einpflanzen“ (Jeremia 1,6-10). Bevor er aufbauen kann, muss Gott das was die Menschen ohne seine Zustimmung aufgebaut haben, niederreissen.

Beachte, dass Jeremia als Prophet für „die Völker“ und nicht nur für die Israeliten auserwählt wurde. Er ist universell. Gott setzt ihn „über **Völker** und **Reiche**“. Er soll „ausreissen und niederreissen“, um danach „aufzubauen und einzupflanzen“. Seine Aufgabe ist ähnlich wie diejenige des Propheten der Apokalypse, der „gegen viele Völker und Nationen mit ihren Sprachen und Königen weissagen muss“ (Offenbarung 10,11).

Jeremia hat die schwierige Aufgabe, die babylonische Eroberung aus dem Norden her, vorauszusagen. Er kündigt auch die Zerstörung des Tempels von Salomon, die Verbannung nach Babylonien und die Rückkehr nach Palästina 70 Jahre später an: „Von Norden her ergiesst sich das Unheil über alle Bewohner des Landes… (Jeremia 1,14)… Seht, ich lasse über euch ein unüberwindiches Volk herfallen… Er frisst deine Söhne und Töchter… Er zerschlägt mit dem Schwert deine befestigten Städte“ (Jeremia 5,13-17). So spricht der Herr: „Wenn siebzig Jahre für Babel vorüber sind, dann werde ich euch an diesen Ort zurückführen“ (Jeremia 29,4-10).

Die falschen Propheten hingegen widersprachen Jeremia: „Kein Unheil kommt über uns, weder Schwert noch Hunger werden wir spüren…“ (Jeremia 5,12). Dies gab dem Volk falsche Hoffnungen und die Leute hörten lieber auf die Priester und die falschen Propheten, die Frieden und Sicherheit prophezeiten, als auf Jeremia, der die bittere Wahrheit prophezeite. Gott griff immer ein, um Jeremia zu bitten er soll verkünden: „Wüstes, Grässliches geschieht im Land: Die Propheten weissagen Lüge, und die Priester richten ihre Lehre nach ihnen aus; mein Volk aber liebt es so. Doch was werdet ihr tun, wenn es damit zu Ende geht?“ (Jeremia 5,30-31).

Gott tadelte immer die laizistischen und religiösen Führer und Jeremia verkündigte es immer mutig: „Die Priester fragten nicht: 'Wo ist der Herr?'(*Sie suchten ihn nicht*). Die Hüter des Gesetzes kannten mich nicht (*sie haben die Worte Gottes falsch interpretiert, indem sie politisch verstanden wurden; Gott aber verurteilte diesen Geist*). Die Hirten (*Könige*) wurden mir untreu (*sie taten „was, Gott missfiel“*). Die Propheten (*die behaupteten Propheten zu sein*) traten im Dienst des Baal auf“ (Jeremia 2,8).

Und Jeremia klagt die schlechten jüdischen Interpreten, die Schriftgelehrten oder die Priester an, denn sie schreiben Gott in der Tora fälschlich Worte zu, die er nicht sagen wollte. Deshalb bezeichnet er den Schreiber der Schriftgelehrten als „Lügengriffel“, der die Tora zugunsten ihren eigenen Interessen in Lüge verwandelt hat (Jeremia 8,8). Sie schrieben Tieropfer und einen Kult vor, der von **Gott nie verlangt wurden**: „Denn **ich habe euren Vätern**, als ich sie aus Ägypten heruasführte, **nichts gesagt** und nichts befohlen, was Brandopfer und Schlachtopfer betrifft“ (Jeremia 7,22-23)… Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir, und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber hat es zur **Lüge** gemacht…“ (Jeremia 8,8).

Man muss sich merken, dass Jeremia aus einer priesterlichen Familie stammte. Er war der Sohn des Hohen Priesters Hilkijas. Somit war er in guter Position, um zu wissen, dass die Schriftgelehrten die Texte der Tora „mit dem Lügengriffel“ zu ihrem Vorteil manipuliert hatten (Jeremia 8,8). Denn es war dieser Hilkijas, der den Text der Tora im Tempel gefunden hatte (2 Könige 22,8). Er hatte sicherlich davon zu seinem Sohn Jeremia gesprochen, der so erfuhr, dass die Schriftgelehrten und Priester die Texte zu ihren Gunsten verändert hatten. Auch Jesus hat die „die heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer“ angeklagt (Matthäus 23).

Jeremia prophezeite die Zerstörung des ersten Tempels, wie Jesus diejenige des zweiten Tempels: „Ist denn in diesem Haus, über dem mein Name ausgerufen ist, eine Räuberhöhle geworden?… Deshalb werde ich mit diesem Tempel, so verfahren, wie ich mit Schilo verfuhr“ (Jeremia 7,11-14). (*Schilo ist die Stadt, in welcher sich das erste Heiligtum, welches durch die Palästinenser zerstört wurde, befand (1 Samuel 4,17-18)*).

Die Israeliten wollten Jeremia sogar nach der Eroberung durch Nebukadnezar und der Verbannung nicht glauben. Jeremia hatte in der Tat prophezeit, dass das Exil lange dauern wird: 70 Jahre (Jeremia 25,11). Der Prophet Hananja widerspricht ihm: „So spricht Jahwe: „Ich zerbreche das Joch des Königs von Babel. Noch zwei Jahre und ich bringe alle Geräte des Hauses des Herrn zurück samt allen Verschleppten aus Juda, die nach Babel gebracht wurden…“ (Jeremia 28,1-4). Jeremia sandte zu dieser Zeit einen Brief an die Verbannten mit dem Rat sie sollten sich in Babylonien organisieren: „Baut Häuser und wohnt darin… Nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter… Bemüht euch um das **Wohl** der Stadt, aus der ich euch weggeführt habe, und **betet für sie zum Herrn**… Denn so spricht der Herr: Wenn siebzig Jahre für Babel vorüber sind, dann werde ich euch an diesen Ort zurückführen“ (Jeremia 29,4-10). Es war für viele undenkbar für die Babylonier, ihre Feinde, zu „beten“. Sie sahen in Jeremia einen Verräter und sie verfolgten ihn. Vergleiche mit Jesus, der den Juden sagte sie sollen „ihre Feinde lieben und für sie beten“ (Lukas 6,27).

Man erkennt den wahren Propheten vom falschen, wenn sich die Prophezeiungen erfüllen. Jeremia wusste, wie alle wahren Propheten, dass Gott zu ihm redete und ihn gesandt hatte. Die falschen Propheten sind schuldig, weil sie fälschlicherweise den Namen Gottes missbrauchen. Deshalb warnte Jeremias gegen diese Lügner, die behaupten im Namen Gottes zu sprechen: „Lasst euch nicht täuschen von den Propheten… Hört nicht auf ihre Träume, die sie träumen… Ich habe sie nicht gesandt, Spruch des Herrn“ (Jeremia 29,8-9).

Diese strenge Haltung Jeremias verursachte seine Verfolgung und Paschhur, der Oberaufseher im Tempel „liess ihn schlagen und in den Block spannen“ (Jeremia 20,1-2).

Der steigende Groll hat den Propheten fast demoralisiert: „Ich hörte das Flüstern der Vielen… Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze… Verflucht den Tag, an dem ich geboren wurde!…“ (Jeremia 20,10-15). Gott offenbarte ihm, dass sogar seine eigene Familie gegen ihn war. „Selbst deine Brüder und das Haus deines Vaters handeln treulos an dir; auch sie schreien laut hinter dir her. Trau ihnen nicht, selbst wenn sie freundlich mit dir reden“ (Jeremia 12,6).

Die Mission Jeremias drückte schwer auf seinen Schultern: „Weh mir, Mutter, dass du mich geboren hast, einen Mann, der mit aller Welt in Zank und Streit liegt“ (Jeremia 15,10). Entmutigt wollte er sogar seine schwierige Mission aufgeben: „Das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur spott und Hohn. Sagte ich aber: 'Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!'“ (Jeremia 20,8-9). Und Jeremia blieb still. Gott aber verlässt seine Propheten nicht, er verbrennt sie in ihrem tiefsten Wesen durch seine beharrende Liebe und erhält schliesslich von ihnen das erwünschte Zeugnis. Jeremia gibt zu, dass sein Schweigen wie ein brennendes Feuer in seinem Innern war: „… So war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich es auszuhalten und konnte nicht“ (Jeremia 20,9). Der Prophet gab der Liebe Gottes schliesslich nach, einer mächtigen und berauschenden Liebe. Er nahm seine Mission aus Liebe zu Gott wieder auf und sagte: „Du hast mich betört, o Herr, und ich liess mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt“ (Jeremia 20,7). Diese schöne von tiefer Liebe geprägte Haltung sticht von derjenigen Jakobs, genannt „Israels“, ab, der behauptete, er hätte Gott besiegt!… (Genesis 32,25-33). Die Grösse des Menschen, sein grösster Sieg besteht darin, sich durch Gott besiegen zu lassen.

Das innere, starke Leiden reinigte die Seele Jeremias. Von Gott „betört“ nahm er seine Aufgabe bis zum Ende auf sich. Von diesem Engagement profitieren wir heute, denn er prophezeite das „Neue Bündnis“, welches Jesus einführen sollte: „Seht, es werden Tage kommen - Spruch des Herrn - in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda einen neuen Bund schliessen werde, **nicht wie der Bund war**, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe… Diesen meinen Bund haben **sie** gebrochen. Denn das wird der Bund sein: Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf **ihr Herz**…“ (Jeremia 31,31-34). Lies diesen Text und meditiere ihn gut. Vergleiche ihn mit den Worten Jesus: „Das Reich Gottes ist **in euch**“ (Lukas 17,21). Jesus hat diesen neuen Bund mit dem Preis seines Opfers eingeführt: „Dieser Kelch ist der **neue Bund** in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lukas 22,20), hatte Jesus seinen Aposteln gesagt.

Wenn Jeremia von diesem neuen Bund spricht, dann erwähnt er nicht das „verheissene Land“, sondern das innere Leben. Gott schreibt seine Worte auf das **Herz** der Gläubigen und „man wird nicht zueinander sagen: 'Erkennt den Herrn!', sondern sie alle, klein und gross, werden mich erkennen…“ (Jeremia 31,34). Die Gläubigen werden also nicht mehr predigen und **drängen** müssen, um bei den Ungläubigen die Erkenntnis Gottes zu verbreiten. Diese Erkenntnis wird in der Welt bereits verbreitet sein, wie es heute der Fall ist. Derjenige der danach durstet, wird sie finden; derjenige der sie nicht will, wird sie vernachlässigen: „Der Unreine bleibe unrein und der Heilige strebe weiter nach Heiligkeit“ sagt das Buch der Offenbarung (Offenbarung 22,11). Jeder ist frei seinen Weg für vergängliches irdisches Vergnügen oder für fortdauernde Freuden der Ewigkeit zu wählen.

Gott sagte zu Jeremia er solle seine Prophezeiungen niederschreiben und dem König Jojakim senden. „Da rief Jeremia Baruch, und Baruch schrieb nach dem Diktat Jeremias alle Worte, die der Herr zu ihm gesprochen hatte, auf eine Buchrolle“ (Jeremia 36,1-4). Der König glaubte nicht daran und verbrannte die Buchrolle (Jeremia 36,23). Jeremia war gezwungen seine Prophezeiungen dem Baruch ein zweites Mal zu diktieren und „ihnen wurden noch viele ähnliche Worte hinzugefügt“ (Jeremia 36,32). Wir werden später auf diesen Baruch zurückkommen.

Jeremia hatte den Juden geraten, sie sollen der Armee des Nedukadnezar keinen Widerstand leisten, sondern sich hingeben oder Jerusalem verlassen: „Wer in dieser Stadt bleibt, der stirbt durch Schwert, Hunger und Pest. Wer aber hinausgeht und sich den Chaldäern (*Babylonier*), die euch belagern ergibt, der wird überleben und sein Leben wie ein Beutestück gewinnen“ (Jeremia 21,8-9). Gewisse Leute von hohem Rang wurden zornig gegen ihn, weil er so gesprochen hatte (Jeremia 38,1-3). Sie wollten ihn töten. Sie drängten beim König darauf: „Dieser Mann muss mit dem Tod bestraft werden; denn er lähmt mit solchen Reden die Hände der Krieger, die in dieser Stadt noch übrig geblieben sind, und die Hände des ganzen Volkes. Der König Zidkija erwiderte: Nun, er ist in eurer Hand… Da ergriffen sie Jeremia und warfen ihn in die Zisterne… und Jeremia sank in den Schlamm“ (Jeremia 38,4-6). Lies dieses Kapitel 38 und das folgende. Du wirst erfahren, wie der König den Prophet von einem schrecklichen und sicheren Tod befreite und wie Nebukadnezar ihn nachträglich aus dem Gefängnis befreite. Er behandelte ihn besser als es die so genannten frommen Juden taten.

Die von den Israeliten gelebte dramatische Situation weckte die Hoffnung nach dem messianischen Heil. Jeremia verkündigt die Befreiung durch die zukünftige Ankunft des Messias. Dieser Messias wird aber als politischer König, der die Nation „wiederherstellen“ wird, gesehen (Jeremia 30,18). Diese Wiederherstellung ist **gemäss Gott** geistig. Sie begann mit Jesus und wird am Ende der Zeiten mit dem endgültigen Absturz des heutigen Staates Israel vollendet sein (Apostelgeschichte 3,21). Du wirst in Jeremia 23,5-6 und 30,8-9 zwei messianische Prophezeiungen finden.

Jeremia wurde durch die Israeliten mit Gewalt nach Ägypten verschleppt. Sie wollten von Palästina flüchten, trotz den Geboten Gottes, die ihnen vorschrieben, das Land nicht zu verlassen.

Wir wissen nicht was danach geschehen ist. Vermutlich starb Jeremia in Ägypten. Lies nun die Kapitel 42 und 43, die von diesem Ereignis sprechen. Darin wird auch die babylonische Eroberung Ägyptens prophezeit. Danach solltest du das Buch Jeremia ganz durchlesen.

Man sollte sich merken, dass Jeremia aus einer priesterlichen Familie stammt. Sein Vater „Hilkijas“ war der Höhe Priester, der das „Buch des Gesetzes“ (Tora) im Tempel fand. Der König Joschija hatte auf der Basis dieses Buches seine religiösen Reformen unternommen. Die Schriftgelehrten und Priester fügten dem Text des Buches einige Bestimmungen, die ihnen passten, hinzu. Jeremia, als Sohn des Hohen Priesters, erfuhr es und offenbarte diese scheussliche Tat in Jeremia 7,22 und 8,8. Lasst uns die Lehre daraus ziehen!

#### Das Buch der Klagelieder

Diese Klagelieder oder „Gebete des Jeremias“ wurden nach der Zerstörung Jerusalems und die Verbrennung des Tempels verfasst. Jeremia hat vielleicht einige Verse verfasst, aber es gab vermutlich auch verschiedene andere Verfasser. Alle weinen und schreiben Klageverse, um ihre Trauer nach der Niederlage Jerusalems auszudrücken. Lies es in diesem Geist: „Weh, wie einsam sitzt da die einst so volkreiche Stadt. Einer Witwe wurde gleich die Grosse unter den Völkern. Die Fürstin über die Länder ist zur Fron erniedrigt (Klagelieder 1,1). Für das von Jeremia zum Tod des Königs Joschija in Megiddo verfasste Klagelied siehe 2 Chronik 35,25.

| ![](/pictures/cb_jeremie_de.png "Hintergrund des Propheten Jeremi")  Hintergrund des Propheten Jeremia |
|---|

Der Prophet Jeremia
| Geschichte | Das Leben Jeremias |
|---|---|
| 640 **Josia** |
| 630 Der Prophet Zephanja |
| 627 Berufung Jeremias | Kap. 1 Berufung Jeremias |
|  | Kap. 2–6 Vor den Reformen Josias’ |
| 622 Entdeckung des „Gesetzesbuchs“ (2. Könige 23,25) | Kap. 30–31 Buch des Trostes, neuer Bund 31,31 |
| **Religiöse Reform** |
| 612 Der Prophet Nahum |
| 609 Megiddo |
| 609 **Joachaz** (Eliakim 3 Monate) | Kap. 11 Gebrochener Bund |
| Rückkehr zum Heidentum | Kap. 7–9 Gegen den Tempel |
| 609 **Jojakim** | Kap. 26 Verhaftung Jeremias |
|  | Kap. 14–15 Dürre und Verstoßung Judas |
| 605 Karkemisch | Kap. 19–20 Der zerbrochene Krug und Paschhur; Jeremia im Joch |
|  | Kap. 25 Prophezeiung der 70-jährigen Verbannung |
|  | Kap. 36: Die zerrissene Schriftrolle |
| Jojakim drei Jahre lang Vasall (2. Könige 24,1) |
| 600 Aufstand Jojakims – Prophet Habakuk |
| 598 **Jojakin** (3 Monate) | Kap. 13 Drohung gegen Jojakin und Exil |
| **1. DEPORTATION** |
| 597 **Zedekia** | Kap. 27 Das Joch Babylons tragen |
| Der Prophet Hesekiel | Kap. 28 Der falsche Prophet Hananja |
|  | Kap. 29 Brief an die Verbannten |
| 589–588 Aufstand Zedekias – Belagerung Jerusalems | Kap. 21–22 Antwort an Zedekia bezüglich der Belagerung Jerusalems |
|  | Kap. 34 Das Schicksal Zedekias |
|  | Kap. 37–38 Unterbrechung der Belagerung 588, Jeremia in der Zisterne |
|  | Kap. 32–33 Wiederaufnahme der Belagerung, Verheißungen der Wiederherstellung |
| 586 Einfall in Jerusalem | Kap. 39–40,6 Die Geschichte Jeremias beim Fall Jerusalems |
| **2. DEPORTATION** |
| 586 Godolias | Kap. 40,7–45: Godolias bis zum Ende Jeremias |

#### Anhang zum Studium Jeremias

Die fünf Könige während der Zeit Jeremias (Jeremia 1,2)

(2 Könige 22 bis 26 und 2 Chronik 34 bis 36)

1\. **Josias 640-609** (Grosse religiöse Reformen und Buch des Gesetzes wiedergefunden)

Im Jahr 609 marschierte Neko in Richtung Karkemisch um den Assyriern gegen die Babylonier zu helfen; Joschija versuchte, das Zusammentreffen zwischen den Ägyptern und den Assyriern zu verhindern. Er wünschte die endgültige Niederlage von Assyrien, das noch einen Teil vom Norden Israels besetzte. Seine Niederlage wäre also für das Königreich von Juda von Vorteil gewesen. Neko aber tötete Joschija in Megiddo im Jahr 609 v. Chr. und verfolgte dann seinen Weg nach Karkemisch weiter, wo er seinerseits von Nebukadnezzar im Jahr 605 v. Chr. besiegt wurde (2 Könige 23,29 und 2 Chronik 35,20-25). Das beendete das Assyrische Reich.

2\. **Joahas 609**

Nach dem Tod von Joschija blieb er drei Monate auf dem Thron. Nach der Niederlage von Assyrien in Karkémish kehrte Neko nach Ägypten zurück und besetzte auf dem Weg Syrien und Palästina. Er entthronte Joahas und nahm ihn mit ihm als Sträfling nach Ägypten mit. Er setzte seinen Bruder Jojakim als König an seinem Platz und legte Juda eine Geldbusse auf (2 Könige 23,31-35 und 2 Chronik 36,1-4). Jeremia bezieht sich mit Bitterkeit auf die Abfahrt von Joahas nach Ägypten: „Weint nicht um den Toten (Joschija)… Weint vielmehr um den (*Joahas*), der fortmusste (*nach Ägypten*); denn er kehrt nie wieder zurück, nie mehr sieht er sein Heimatland… An dem Ort, wohin man ihn verschleppt hat, dort wird er sterben…“ (Jeremia 22,10-12).

3\. **Jojakim 609-598**

Als Jojakim in seinem vierten Regierungsjahr (605 v. Chr.), also 4 Jahre nach Karkemisch, die Stärke von Nebukadnezzar sah, unterwarf er sich ihm (Jeremia 36,1). Er fühlte sich in Sicherheit, in Sicherheit vor den Blitzschlägen des Pharaos. Gestärkt durch dieses Sicherheitsgefühl wollte Jojakim Jeremia töten. Er hatte nämlich gehört, dass er das Unglück für das Land prophezeite. Er zerriss die Rolle, die Jeremia durch Baruch schreiben liess. Er gab den Befehl beide zu inhaftieren. Aber Jeremia wurde von Ahikam Sohn von Schafan beschützt (Jeremia 26 und 36). Schafan stand nahe zum königlichen Hof unter Josias und hatte dem König bei den Reformen geholfen (2 Könige 22,3-12). Da Jeremia aus priesterlicher Familie war, kannte Schafan ihn gut, woher seine Hilfe für den Propheten (Jeremia 26,24). Schafan war auch der Grossvater von Godolias, Sohn von Ahikam (2 Könige 25,22), der Jeremia ebenfalls half (Jeremia 40,5-6). (Schafan, Vater von Ahikam, Vater von Godolias, alles Freunde und Beschützer von Jeremia).

4\. **Jojachin 598**

Erste Verbannung: der König sowie sein ganzer königlicher Hof und alle Leute guter Bedingung (2 Könige 24,15). Nabuchodonosor setzte seinen Onkel Zidkija an seiner Stelle ein (2 Könige 24,17 und 2 Chronik 36,9-10).

5\. **Zidkija 598-586**

Zidkija lehnte sich gegen Nebukadnezzar auf (2 Könige 24,20). Dieser besetzte somit Jerusalem (2 Könige 25,2). Als er fliehen wollte, inhaftierte, verschleppte und verurteilte ihn Nebukadnezzar. Die Babylonier traten in Jerusalem ein, zerstörten den Tempel und verschleppten den Rest von den Judäar. Die Bauern hinterliessen sie, um die Erde zu kultivieren. Sie setzten Gedalja als Gouverneur ein (2 Könige 25 und 2 Chronik 36,11-21).

#### Baruch

Das Buch Baruch gibt es in der hebräischen Bibel nicht. Es wurde in Babylonien durch Baruch, nach der Verbannung geschrieben: „Das ist der Wortlaut des Buches, das Baruch in Babel beschrieben hat“ (Baruch 1,1). Eine Lesung wurde damals vor den Versammlungen in der Verbannung gehalten, „vor König Jojachin von Juda (d*er in Verbannung war*), und vor dem ganzen Volk das zusammengekommen war um die Schrift zu hören. Er las vor den königlichen Beamten… und vor allen, die in Babel am Fluss Sud angesiedelt waren“ (Baruch 1,3-4).

In diesem Buch wird man auf den grossen Einfluss, dass die Botschaft Jeremia für eine sehr lange Zeit auf das jüdische Gewissen hinterliess, aufmerksam (2 Makkabäer 2,1-7 & 15,14 / Matthäus 16,14). Baruch ist nur interessant, weil er die brennenden Worte seines Lehrers wiederholte und in Erinnerung rief. Diese Worte wurden durch die Juden abgelehnt: „Du hast ja deinen Grimm und Zorn gegen uns gerichtet, wie du durch deine Diener, die Propheten, gesprochen hast: So spricht der Herr: Beugt euren Nacken, und seid dem König von Babel untertan… Doch wir hörten nicht auf deine Weisung, dem König von Babel untertan zu sein“ (Baruch 2,20-24).

Um die Verbannten zu ermutigen, erinnert Baruch an den von Jeremia verkündigten neuen Bund: „Doch im Land ihrer Verbannung **werden sie es sich zu Herzen nehmen**. Sie werden erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott, bin… Dann werde ich sie in das Land zurückführen, das ich ihren Vätern Abraham… versprochen habe… Dann schliesse ich mit ihnen einen **ewigen Bund**… und nie werde ich mein Volk Israel aus dem Land verstossen, das ich ihnen gegeben habe“ (Bar 2,30-35). Dieses „Land“ ist das Ewige Leben. Es ist himmlisch und nicht geografisch.

Der erwähnte **ewige** Bund ist derjenige der von Jeremia verkündet wurde (Jeremia 31,31) und von Jesus eingesetzt wurde. Merke dir, dass Baruch die innere, geistige Dimension dieses Bundes bereits erfasst hatte: „Sie werden es **sich zu Herzen** nehmen“. Gleichzeitig glaubten sie aber noch an das verheissene Land, als eine geografische Realität: „das Land, das ich Abraham versprochen habe…“. Baruch sagt die Rückkehr in dieses Land (Palätina) voraus und prophezeit, dass Gott „**nie** sein Volk aus dem Land verstossen wird, das er ihnen gegeben hatte“ (Baruch 2,35). Die Juden wurden aber wieder durch Titus im Jahre 70 n. Chr. verbannt und wurden in die ganze Welt zerstreut. Es leuchtet somit ein, dass die Absicht Gottes sich auf eine psychologische und geistige Dauerhaftigkeit bezog, und nicht auf eine geografische. Die Dauerhaftigkeit befindet sich **in der Seele** der Gläubigen, in ihrem „Herzen“.

Baruch betrachtet die Juden als „die Lieblinge der **Witwe**“ (Baruch 4,16), weil das von Gott gestrafene Israel mit einer traurigen und verlassenen Witwe verglichen wird. Dieses Thema der „Witwe“ wird oft in den esoterischen Versammlungen (Freimaurerei, Rosenkreuz) angeschnitten.

Merke dir den Ausdruck „das Busskleid anziehen“ (Baruch 4,20). Es bedeutet in Trauer sein, wegen dramatischen Ereignissen. Du wirst diesen Ausdruck im Buch der Offenbarung, bezogen auf die durch die Männer des Tieres verfolgten beiden Zeugen Gottes finden (Offenbarung 11,3).

Baruch endet sein Buch durch die Erinnerung an die Rückkehr mit einer optimistischen Note: „Leg ab, Jerusalem, das Kleid deiner Trauer und deines Elends… Sieh deine Kinder: Vom Untergang der Sonne bis zum Aufgang hat das Wort des Heiligen sie gesammelt…“ (Baruch 5,1-9). Das Buch endet mit der Wieholung des Briefes Jeremia an die Verbannten.

Baruch ist somit eine Wiederholung von Jeremia, ein Zeugnis zu seiner Gunsten.

### Ezechiel

Der Prophet Ezechiel ist ein Priester, der bereits bei der ersten Verbannung der Juden nach Babel ins Exil gehen musste (2 Könige 24,10-17): „Im fünften Jahr nach der Verschleppung des Königs Jojachin (593-592 v. Chr.), erging das Wort des Herrn an Ezechiel, der Priester **im Land der Chaldäer**“ (Ezechiel 1,1-3). Als er seine Mission begann, hatte die zweite Verbannung noch nicht stattgefunden und der Tempel Salomos war noch nicht zerstört worden. Ezechiel lebte also zur gleichen Zeit wie Jeremia. Ezechiel hatte im Exil Visionen über die zweite Verbannung und die Zerstörung des Tempels von Jerusalem (im Jahre 586 v. Chr.). Er sagte ihm, er solle gegen die rebellischen Israeliten prophezeien und ihnen die Strafe ankünden: „Berge Israels… Ich selbst werde das Schwert über euch bringen… Mitte unter euch liegen die Erschlagenen…“ (Ezechiel 6,1-7) aber **ein kleiner Rest** sollte bleiben um den göttlichen messianische Plan weiterzuführen (Ezechiel 6,8-10).

Die wichtigsten Prophezeiungen und Visionen Ezechiels sind die folgenden:

(lies sie jeweils nach meinen Erläuterungen).

#### Das Ende Israels

Du wirst merken, dass der Prophet vom „Ende“ Israels spricht: „So spricht Gott der Herr, zum Land Israel: Das Ende kommt, **das Ende** kommt über die vier Ecken der Erde. Jetzt ist **das Ende für dich** da… Mein Auge zeigt kein Mitleid…“ sagt der Herr (Ezechiel 7,1-9).

Mit Nebukadnezzar im Jahr 586 v. Chr. kam zum **ersten Ende** Israels. Jesus hatte auch vom „Ende“ Israels gesprochen (Matthäus 24,3-6). Dies fand im Jahre 70 n. Chr. statt, als Titus der zweite Tempel verbrannte. Die Mehrheit der Israelis flohen in die Diaspora. Das war das **zweite Ende**. In den heutigen apokalyptischen Zeiten, wird Israel **ein drittes und endgültiges Ende** erfahren (Matthäus 24,14). Dieses „Tier“ des Kapitels 13 der Offenbarung, „man wird es nicht mehr finden“ (Offenbarung 18,21).

Jesus hat in den Evangelien von diesem dritten und endgültigen Ende gesprochen:

„Dieses Evangelium vom Reich wird auf der ganzen Welt verkündet werden… dann erst kommt **das Ende**“ (Matthäus 24,14).

Das Evangelium ist bereits in der ganzen Welt verkündet. Das endgültige Ende Israels ist nahe.

#### Vision der 4 Lebewesen (Ezechiel 1,4-28)

„Ich sah ein Sturmwind… Mitten darin erschien etwas wie vier Lebewesen (und nicht „4 Tiere“, wie es manchmal übersetzt wird, denn)… sie sahen aus wie Menschen (Ezechiel 1,5). Jedes der Lebewesen hatte vier Gesichter und vier Flügel… Unter den Flügeln hatten sie **Menschenhände** (Ezechiel 1,8)… Und ihre Gesichter sahen so aus: Ein **Menschengesicht**, ein Löwengesicht… ein Stiergesicht… und ein Adlergesicht… Oberhalb der Platte über ihren Köpfen war… einen Thron. Auf dem Thron sass eine Gestalt, die wie **ein Mensch** aussah… So etwa sah die Herrlichkeit des Herrn aus“ (Ezechiel 1,26-28).

Diese grosse Vision wurde wie alle messianischen Prophezeiungen zu jener Zeit nicht verstanden. Es ist Prophezeiung über die Evangelien, die den Messias Jesus darstellen. Gott kündigt die göttliche Strafe an, die wie einen Sturmwind auf das Israel des Nordens niedergeht. Denn das Gericht Gottes geht plötzlich nieder wie ein Sturm: „Seid wachsam und betet, um nicht überrascht zu werden“ (Matthäus 24,42 / 25,1-13). In derselben Vision offenbart Gott seinen Heilsplan für die ganze Menschheit in Jesus. Die 4 Lebewesen sind die 4 Evangelisten. Ihre Flügel symbolisieren ihre geistige Erhebung und ihre Hände unter den Flügeln bezeichnen sie als Schriftsteller, da sie das Evangelium mit ihren Händen geschrieben haben. Die „Platte“ ist der Himmel, der „Thron“ ist der Sitz Gottes, um die Menschen durch die Evangelien zu richten. Auf der höchsten Stelle auf dem Thron ist der Messias, der „wie ein **Mensch** aussah“, aber „die **Herrlichkeit des Herrn**“ ausstrahlte (Ezechiel 7,26). Er ist zugleich Mensch und Gott.

Wir sind heute fähig zu verstehen, dass der Messias in dieser Vision von Gott angekündigt wurde, als seine eigene menschliche Inkarnation. Gott selbst wird dieser Messias sein, der Fleisch werden wird, um die Gläubigen zu retten und die Ungläubigen zu richten: „Das Wort ist Fleisch geworden“, sagt Johannes in seinem Evangelium, „und wir haben seine **Herrlichkeit** gesehen, die **Herrlichkeit** des einzigen Sohnes vom Vater“ (Johannes 1,14). Nach der Menschwerdung Jesus, sind wir heute im Stande zu verstehen, dass diese von Ezechiel erblickte Herrlichkeit Gottes auf vollkommener Weise in Jesus von Nazareth war.

Die vier Lebewesen haben „sahen aus wie Menschen. Jedes hatte vier Gesichter und vier Flügel, die einander berührten“. Es sind also Menschen. Ihre Gesichter schauen in die vier Richtungen, denn ihre Botschaft ist für die vier Ecken der Erde bestimmt. Ihre Flügel berühren einander, denn sie sind durch eine einzige Botschaft vereinigt, nämlich diejenige des Messias.

„Jedes Lebewesen ging in die Richtung, in die eines seiner Gesichter wies. Sie gingen, wohin der Geist sie trieb, und schauten beim Gehen nicht zurück“ (Ezechiel 1,12), denn sie sind von einem einzigen Geist angetrieben, der Geist Gottes, der gerade ist. Sie geben ihre Botschaft ab, wie der „Sämann, der aufs Feld geht, um zu säen“ (Matthäus 13,4) und dabei nicht zurückschaut. „Sie schauten beim Gehen nicht zurück“, insistiert Ezechiel, denn „keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes“ (Lukas 9,62).

„Zwischen den Lebewesen war etwas zu sehen wie glühende Kohlen, etwas wie Fackeln“ (Ezechiel 1,13). Diese glühenden Kohlen und die Fackeln sind die Herzen der Apostel und der Gläubigen, die wie glühende Kohlen von der Liebe Gottes und des Messias entflammt sind und die wie Fackeln durch ihr Licht diese finstere Welt erleuchten.

„Das Feuer gab einen hellen Schein und aus dem Feuer zuckten Blitze. Die Lebewesen lefen vor und zurück, und es sah aus wie Blitze“ (Ezechiel 1,13-14). Jesus hatte gesagt: „Wie der Blitz bis zum Westen hin leuchtet, wenn er im Osten aufflammt, so wird es bei der Ankunft des Menschensohnes sein“ (Matthäus 24,27).

Das Evangelium sowie die Botschaft der Apokalypse sind in der ganzen Welt durch Internet verbreitet. Sie verbreitet sich in einem Augenblick, wie der Blitz, der vom Osten aufflammt und bis zum Westen leuchtet. Und dies geschieht durch die Apostel der letzten Zeiten, diese kleinen glühenden Kohlen mit einem von Liebe entflammten Herz für den Messias und seiner heiligen Mutter.

Johannes in der Apokalypse sieht auch diese 4 Lebewesen, „in der Mitte, rings um den Thron“ (Offenbarung 4,6). Sie sind auf dem Thron und nehmen durch ihr Evangelium am Gericht teil. „Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe“ sagt Jesus (Offenbarung 3,21). Hatte Jesus nicht den Aposteln gesagt: „Wenn die Welt neu geschaffen wird und der Menschensohn sich auf den Thron der Herrlichkeit setzt, werdet ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“? (Matthäus 19,28).

Wie Ezechiel mit dieser Vision die erste Ankunft des Messias voraussagte, so sagt auch das Buch der Offenbarung des Johannes seine zweite Ankunft am Ende der Zeiten voraus, nach dem endgültigen Ende des heutigen Staates Israel.

#### Vision des gegessenen Buches (Ezechiel 3,1-15)

„**Iss** diese Rolle!… Ich **ass** sie, und sie wurde in meinem Mund süss wie Honig… Er sagte zu mit: Geh zum Haus Israel, Menschsohn, und sprich mit meinen Worten zu ihnen… Fürchte sie nicht; denn sie sind ein widerspenstiges Volk… ob sie hören oder nicht, sprich zu ihnen“.

Ezechiel wird eingeladen das Buch seiner Prophezeiung zu „**essen**“, d.h. seine Mission gegen die Israeliten auf sich zu nehmen: „Nicht zu einem Volk mit fremder Sprache und unverständlicher Rede wirst du gesandt… auch nicht **zu vielen Völkern**, sondern zum Haus Israel“, sagt Gott zu seinem Propheten (Ezechiel 3,5-6). Die Mission Ezechiels -zu seiner Zeit- war auf das „Haus Israel“ beschränkt. Es war also eine spezifische Aufgabe und war nicht für „viele Völker“ bestimmt.

Dieses Bild vom „gegessenen“ Buch wird im Buch der Offenbarung wieder aufgenommen. Zu den Endzeiten, wenn Israel wieder existieren wird, werden die Propheten Gottes „noch einmal“ aufgefordert „ein Buch zu essen“ und Zeugnis abzulegen, nicht nur gegen Israel, wie es mit Ezechiel der Fall war, sondern gegen „viele Völker und Nationen mit ihren Sprachen und Königen“, die Israel unterstützen: „Ich ass es. In meinem Mund war es süss wie Honig… aber mein Magen wurde bitter. Und mir wurde gesagt: Du musst **noch einmal** gegen viele Völker und Sprachen und Nationen und Könige prophezeien“ (Offenbarung 10,8-11). Man merke sich **die Bitterkeit** der apokalyptischen Prophezeiung -die bei Ezechiel nicht existiert- denn sie ist besonders hart, weil die Opposition weltweit ist und die Hindernisse viel grösser sind. Die Prophezeiung Ezechiels war an die Juden gewidmet, um sie über die erste Ankunft Christus zu informieren. Die Prophezeiung der Apokalypse ist schwerer zu tragen. Sie ist den Menschen auf der ganzen Welt gewidmet, um sie zu warnen und sie auf die Wiederkunft Jesus, auf sein zweites Kommen, vorzubereiten: „Siehe, er kommt… jedes Auge wird ihn sehen, auch alle, die ihn durchbohrt haben (*die Juden*); und **alle Völker der Erde** werden seinetwegen jammern“ (Offenbarung 1,7).

#### Der neue Bund (Ezechiel 11,19-20 & 36,25-27)

Auch hier unterstreicht die Prophezeiung des neuen Bundes die Bedeutung des Herz und des Geistes, und nicht den Besitz eines geografischen Landes: „Ich schenke ihnen ein anderes Herz und schenke **ihnen** einen neuen Geist“. Es ist der Heilige Geist, von welchem Jesus gesprochen hat (Lukas 11,13). Die **wahren** Jünger Jesus bekommen ihn (Johannes 14,15-26 / 16,7-15).

#### Witwenstand und Trauer Ezechiel (Ezechiel 24,15-27)

Gott kündigt dem Ezechiel den Tod seiner Frau an, die „die Freude seiner Augen“ war (Ezechiel 24,16). Er sagt ihm er solle nicht die Trauerkleider tragen: „Du sollst weder klagen noch weinen. Keine Träne darfst du vergiessen, nur leise stöhnen. Keine Trauerfeier sollst du halten“ (Ezechiel 24,16-17).

Diese Trauer sollte das Symbol der Zerstörung des Tempels, dass für die Israeliten „die Freude ihrer Augen“ war, darstellen (Ezechiel 24,21). Erst nach der Zerstörung des Tempels wird die Mission Ezechiel beginnen. Mit der Erfüllung seiner Prophezeiung wird man besser auf ihn hören. Gott wird ihm dann erlauben zu reden und wird seine Zunge befreien: „Du wirst nicht mehr stumm sein“ (Ezechiel 24,27). Er ist stumm geworden wegen der Frevelhaftigkeit der Juden: „Du wirst verstummen und nicht mehr ihr Mahner sein können; denn sie sind ein widerspenstiges Volk“ (Ezechiel 3,26).

Die apokalyptische Prophezeiung ist ebenfalls durch einen langen Zeitraum des Schweigens gekennzeichnet: „Halte geheim, was die sieben Donner gesprochen haben; schreib es nicht auf“ (Offenbarung 10,4). Diesem Zeitraum, der 20 Jahrhundert dauerte, folgte nun die Zeit der offenen Verkündung der Botschaft: „Versiegle dieses Buch mit seinen prophetischen Worten nicht. Denn die Zeit (*der Wiederkunft Jesus*) ist nahe“ (Offenbarung 22,10). In der Apokalypse war der Zeitraum des Schweigens verursacht durch die Tatsache, dass die apokalyptischen Prophezeiungen noch nicht erfüllt waren. Niemand konnte sie somit verstehen.

#### Die Auferstehung (Ezechiel 37,1-28)

Ezechiel sieht in einer Vision „ausgetrocknete Gebeine“, die wieder Fleisch werden und zum Leben zurückkommen: „Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. Ich bringe euch zurück in das Land Israel“ (Ezechiel 37,12). Diese Auferstehung wird als die Rückkehr des heutigen Staates Israel zum Leben interpretiert. Das ist aber falsch. Dieser Staat wird für immer zerstört werden.

Die erwähnte Auferstehung betrifft diejenige der Seele, die zum geistigen Leben von welchem Jesus gesprochen hat zurückkommt (Johannes 5,24-27). Nur die **treuen** Jünger Jesus werden sie erleben. Die Apokalypse nennt es „die erste Auferstehung“ (Offenbarung 20,6). Sie unterscheidet sich von der endgültigen Auferstehung am Ende der Zeit, die als „Zweite Auferstehung“ bezeichnet wird, wenn der Körper ebenfalls auferstehen und auch erneuert wird (Johannes 5,28-29).

#### Gog und Magog (Ezechiel 38-39)

Diese Namen symbolisieren die Heiden jener Zeit. Über sie werden die Auserwählten, das „Volk Gottes“ triumphieren. Das Buch der Offenbarung erklärt, dass im 20. Jahrhundert, Gog und Magog die Israelis selbst darstellen, die „über die weite Erde Palästinas ausschwärmten“ (Ezechiel 20,7-9). Die Apokalypse gibt uns eine göttliche Erleuchtung, die uns hilft die Absicht Gottes in der Prophezeiung Ezechiel richtig zu interpretieren.

#### Vision des wiederaufgebauten Tempels (Ezechiel 40-48)

Zirka fünfzehn Jahre nach der Zerstörung des Tempels, „im fünfundzwanzigsten Jahre nach unserer Verschleppung“ (Ezechiel 40,1), hat Ezechiel eine Vision über seinen Wiederaufbau. Er sieht „einen Mann, der aussah, als sei er aus Bronze. Er hatte eine leinene Schnur und eine Messlatte in der Hand… Und er mass die Dicke der Mauer (*des Tempels*)…“ (Ezechiel 40,3-5).

Es handelt sich selbstverständlich um den geistigen Tempel, da Gott zu Ezechiel sagt: „Kein Fremder, der unbeschnitten ist **am Herzen** darf mein Heiligtum betreten“ (*die Schriftsteller fügen gerne hinzu: „und unbeschnitten **am Körper**“*)(44,6-9). Die Apokalypse spricht vom Aufbau des Tempels am Ende der Zeiten. Der Tempel wird ebenfalls gemessen, um nur die wahren Gläubigen zu erfassen (Offenbarung 11,1). Dieser ewige Tempel stellt niemand anderes als Gott und Jesus Christus selbst dar (Offenbarung 21,22) und „nichts Unreines wird hineinkommen, keiner, der Greuel verübt“ (Offenbarung 21,27). Das ist die wahre Dimension des Tempels Gottes, die von den Israeliten nicht verstanden wurde.

Der neue Tempel Ezechiels ist derjenige, der in der Apokalypse beschrieben ist. Vergleiche die Gewässer des Lebens, die aus dem Heiligtum des Tempels bei Ezechiel (Ezechiel 47,12) austreten mit dem Fluss des Lebens in der Apokalypse (Offenbarung 22,1-2). Der von Ezechiel gesehene Tempel ist geistig. Dies lässt sich aus der Tatsache ableiten, dass sein Mass und seine Form nicht mit dem von Esra nach der Rückkehr aus dem Exil gebaute Tempel passen. Es strömte auch kein Fluss des Lebens aus dem Heiligtum von diesem Tempel.

### Daniel

Daniel wurde durch Nebukadnezar vermutlich während der ersten Verschleppung von Juda ins Exil mitgenommen (2 Könige 24). Er gehörte zum jüdischen Adel: „Der König befahl einige junge Israeliten an den Hof zu bringen, Söhne von königlicher Abkunft oder wenigstens aus vornehmer Familie… sie sollten geeignet sein, im Palast des Königs Dienst zu tun… Unter ihnen war Daniel…“ (Daniel 1,3-6). Der Prophet war also ein junger Knabe, als er Palästina verliess. „Daniel blieb im Exil bis im ersten Jahr des Königs Kyrus“ (Daniel 1,20).

Daniel wurde eine wichtige Person am Hof, nachdem er als einziger dem König seinen Traum und seine Deutung offenbaren konnte (wie Josef mit Pharaon). Lies das Kapitel 2 und kommt dann zum Kurs zurück.

Die von Nebukadnezzar gesehene Statue stellt 4 Reiche dar, die sich in der Geschichte folgen: Babylonisch, Persisch-Medisch, Griechisch, Römisch. Der Messias wurde unter dem vierten dieser Reiche - dem Römischen - angekündigt. Er ist dieser „ohne Zutun von Menschenhand von einem Berg gelöste Stein, der gegen das Standbild schlug… Da wurden Eisen und Ton, Bronze, Silber und Gold mit einemmal zu Staub… Der Wind trug sie fort… Der Stein wurde zu einem grossen Berg und erfüllte die ganze Erde“ (Daniel 2,34). Die 4 Reiche werden durch Daniel erklärt (Daniel 2,36-43). „**Zur Zeit jener Könige** wird aber der Gott des Himmels ein Reich (*dasjenige Christus, dessen Reich nicht von dieser Welt ist: Johannes 18,36*) errichten, das in Ewigkeit nicht untergeht“ (Daniel 2,44). Jesus kam -zur Zeit jener Könige- während dem römischen Reich. Sein Reich existiert immer noch und für immer im Herzen seiner Gläubigen.

Das römische Reich ist vergangen: was erwarten die Juden noch, um zu verstehen?!

| ![](/pictures/cb_les-4-empires_de.png "La statue vue par Nabuchodonosor")  Die von Nebukadnezzar gesehene Statue und die 4 Reiche |
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Ausser den Visionen Nebukadnezzar hatte Daniel selbst auch Visionen, um ihn in Kenntnis über die historischen Weiterentwicklungen der vier Reiche zu setzen. Du wirst beachten, dass alle diese Visionen den Propheten verwirrten und ermüdeten (Daniel 7,28 / 8,27). Die göttlichen Botschaften sind oft schwer zu tragen.

Hier die wichtigsten Visionen Daniels:

#### Kapitel 7: Vision der 4 „Tiere“

Die vier „Tiere“ stellen die 4 heidnischen Reiche vor der Ankunft des Messias dar. Diese Vision gleicht derjenigen der Statue von Nebukadnezar (Daniel 2). Unter dem 4. Reich wird der Messias kommen. Er ist der „Hochbetagte (*denn sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in den Tagen der Ewigkeit (Micha 5,1)*), der auf dem Thron Platz nahm“, um zu richten (Daniel 7,9). Das Gericht wird angedeutet durch die Tatsache, dass „Bücher aufgeschlagen wurden“ (Daniel 7,10). Derselbe Ausdruck wird in der Apokalypse eingesetzt (Offenbarung 10,2 / 20,12). Diese aufgeschlagenen Bücher sind diejenigen des Alten Testaments. Sie sind „aufgeschlagen“, um durch die darin enthaltenen Prophezeiungen zu beweisen, dass Jesus wirklich der Messias ist.

Diejenigen, die Christus ablehnen sind also durch die Prophezeiungen, die ihn ankündigten beschämt und verurteilt (siehe Lukas 24,25-27 / Apostelgeschichte 17,2-11 / Apostelgeschichte 18,28). Jesaja tadelt diejenigen, die die prophetischen Visionen nicht verstehen. Er sagt diese Visionen seien für sie wie „ein versiegeltes (*oder verschlossenes*) Buch“ (Jesaja 29,11).

Diese vier heidnischen „Tiere“ kann man im Buch der Offenbarung in der Gestalt von „4 Pferde“ wieder finden (Offenbarung 6,1-8). Sie sind dort zu einem einzigen Wesen vereinigt, das sie alle darstellt (Offenbarung 13). Dieses Tier der Apokalypse, welches zur Endzeit erscheint, unterscheidet sich von den Tieren Daniels: Es symbolisiert das neue Heidentum, welches sich mit Kraft als eine militärische und weltweit mächtige Nation äussert, dessen Zentrum Palästina ist und dessen begehrte Hauptstadt: Jerusalem (Offenbarung 13 / 20,7-9). Es handelt sich um Israel.

#### Kapitel 8: Vision des „Ziegenbocks aus dem Westen“

Vision des „Ziegenbocks aus dem Westen“ (*Alexander der Grosse: „Der König von Jawan“, Griechenland, Daniel 8,5 & 21*), der über den „Widder“ (Daniel 8,6 & 20), das persiche Reich triumphierte. Nach seinen vielzähligen Siegen, starb Alexander noch sehr jung, im alter von 33 Jahre: „Der Ziegenbock wurde über die Massen gross. Als er aber am stärksten war, brach das grosse Horn ab. An seiner Stelle wuchsen ihm vier auffallende Hörner…“ Es handelt sich um die 4 Generäle Alexanders, die sich sein Reich aufteilten (Daniel 8,8). Antiochus Epiphanes, den du im Buch der Makkabäer kennengelernt hast war der Nachfolger einer dieser vier und regierte über die Gegend von Palästina. Seine Politik in Richtung Hellenismus verursachte den Aufstand der Makkabäer (im Jahre 167 v.Chr.: 1 Makkabäer 2). Er ist durch „das Horn, das gewaltig nach Süden und Osten, nach dem Ort der Zierde (*Palästina*) wuchs“ symbolisiert. Dieses „Horn“ verunreinigte den Tempel von Jerusalem, indem es „ein Frevel (*die Statue von Zeus*) einsetzte und es stürzte die Wahrheit zu Boden“ (Daniel 8,11-12).

Beachte, dass Daniel die Vision nicht verstanden hat (Daniel 8,27). Man sollte sich dieses bereits erwähnte prophetische Prinzip merken: Eine Prophezeiung über ein historisches Ereignis wird erst bei Erfüllung des vorausgesagten Ereignisses verstanden. Dann „öffnen“ sich die prophetischen Bücher, die es ankündigten. Diese Bücher bleiben „geschlossen“ (*oder versiegelt*) für all jene, die die historische Erfüllung der Prophezeiung verneinen. Sie bleiben blind und ihre Augen sind gegenüber den göttlichen Wahrheiten verschlossen.

#### Kapitel 9: Ende der 70 Jahre der Verbannung

Daniel „suchte in den Schriften“ (*Jeremias*) und betete zu Gott, um „die Zahl der Jahre zu ergründen, die Jerusalem nach dem Wort des Herrn an den Propheten Jeremia verwüstet sein sollte; es waren 70 Jahre“ (Daniel 9,2). Gott ergreift diese Gelegenheit, um ihm sein Heilsplan durch die Sendung des „Gesalbten, des Fürsten“ (*Jesus*) zu offenbaren. Dieser Gesalbte wird „62 Wochen nach dem Wiederaufbau Jerusalems umgebracht“ (Daniel 9,25-26). Gott lädt Daniel ein, sich nicht an die 70 Jahre Jeremias aufzuhalten, sondern in die Ferne zu schauen und eine globale Vision zu haben: Die 70 Jahren sind 70 „**Jahreswochen**“, also 70x7=490 Jahre, nämlich ca. die Zeit der Ankunft Jesus.

Diese 70 **Wochenjahre** sind in 3 Zeiträume aufgeteilt: 62+7+1. „Nach 62 Wochen wird ein Messias umgebracht (*er wurde abgelehnt und gekreuzigt*), aber ohne… (*politischen Thron Davids*)“ (Daniel 9,26), weil sein Reich geistig ist. „Das Volk eines Fürstens, der kommen wird, bringt Verderben (Zerstörung) über die Stadt (Jerusalem) und das Heiligtum“ (Daniel 9,26). Damit ist Titus gemeint, der diese Prophezeiung im Jahre 70 n.Chr. erfüllte indem er der Tempel zum zweiten Mal zerstörte. Eine solche Prophezeiung, die eine zweite Zerstörung des Tempels ankündigte, war nicht gerade einen Trost für Daniel.

Der Zeitraum des „gesalbten Fürsten“ beträgt 62+7=69 (symbolische) Wochenjahre. Das letzte Wochenjahr bezieht sich auf die Epoche der Ankunft des Messias. Die letzte halbe Woche, also dreieinhalb Tage, stellt die apokalyptische Zeit, in der wir leben, dar. Diese dreieinhalb Tage sind bekannt als Symbol der Endzeiten, wenn „ein unheilvoller Greuel“ in Jerusalem sichtbar sein wird (Daniel 9,27 / Matthäus 24,15). Dieser Greuel ist nichts anderes als der zionistische Antichrist, der sich heute in Jerusalem befindet: Der Feind Christus im heiligen Land mit all seinen Zug von Mordtaten und Verwüstungen. Die 70 Wochenjahre werden vollendet sein „bis das Verderben, das beschlossen ist, über den Verwüster (*Israel*) kommt“ (Daniel 9,27), oder nach dem Ausdruck Jesus: „Jerusalem wird von den Heiden (*die Zionisten, die Jesus ablehnen*) zertreten, bis die Zeiten der Heiden (*der Staat Israel*) sich erfüllen“ (Lukas 21,24).

| ![](/pictures/cb_daniel-9-20-27_de.png "Daniel-9-20-27")  Daniel 9,20-27 |
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#### Kapitel 12: Vision vom Ende der Zeiten

Diese letzte Vision betrifft den apokalyptischen Zeitraum, kurz vor dem Ende der Zeiten. „Dann kommt eine Zeit der Not, wie noch keine da war, seit es Völker gibt, bis zu jener Zeit“ (Daniel 12,1)… „und wie es auch keine mehr geben wird“ (Matthäus 24,21). Dieser Zeitraum ist ein Zeichen für das bevorstehende Ende der Zeiten. Dieses Zeichen wird gegeben damit sich die weisen Leute auf das letzte Gericht vorbereiten, wenn „von denen, die im Land des Staubes schlafen, viele erwachen werden, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu **ewigen** Abscheu“ (Daniel 12,2).

Diese Vision gleicht den apokalyptischen Visionen des Johannes. Sie offenbart eine symbolische Zahl von Tagen (1290 und 1335 Tage: Daniel 12,11-12), welche die dem Johannes offenbarte Anzahl Tage ergänzt (1260: Offenbarung 11,3 & 12,6). Um diese Ähnlichkeit zu verstehen, müssen die beiden Texte verglichen werden.

Allerdings werden sich diese Zahlen erst nach der Erfüllung der apokalyptischen Ereignisse (Zusammenbruch Israels und 3. Weltkrieg) für unsere Intelligenz „öffnen“, d.h. werden in ihrem Symbolismus verständlich sein. Deshalb hörte Daniel zu, aber „**verstand es nicht**“ (Daniel 12,8). Diese Ereignisse werden „eine Zeit, zwei Zeiten und eine halbe Zeit“ d.h. dreieinhalb Zeiten (oder Zeiträume) andauern (Daniel 12,7). Es sind die „dreieinhalb Zeiten“ und die „dreieinhalb Tage“ der Apokalypse (Offenbarung 11,8-11). Sie entsprechen der halben Woche von Daniel 9,27. Niemand kann diese Prophezeiung verstehen bevor alles vollendet ist. „Wenn der am Ende ist, der die Macht des heiligen Volkes zerschlägt, dann wird sich das alles vollenden“ (Daniel 12,7). Es handelt sich um die Zerstörung des israelischen Antichrists, der viele Gläubige geblendet und geschwächt hat. „Geh, Daniel! Diese Worte bleiben **verschlossen und versiegelt** bis zur Zeit des Endes“ (12,9). Diese Prophezeiungen werden erst verständlich mit der Erläuterung der Apokalypse.

Die hebräische Bibel endet mit dem zwölften Kapitel. Die Kapitel 13 und 14 befinden sich nur in der griechischen Bibel. Sie offenbaren die Weisheit von Daniel. Sie sind leicht verständlich.

#### Synthese

Hier eine Synthese, um die Prophezeiungen von Daniel besser zu verstehen. Ich schlage vor, dass du die ersten 12 Kapitel seines Buches und insbesondere die Kapitel 1 / 2 / 3,1-23 / 4 / 7 / 8 / 9 / 12 liesst. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Prophezeiungen, ist, zu realisieren, dass sie die Zeit der zukünftigen Ankunft des Messias betreffen, dieser Messias, der von den damaligen Juden mit Sehnsucht erwartet wurde.

Jesus hatte mehrmals wiederholt (mehr als 40 Mal im Evangelium), dass er der „Menschensohn“ war (Matthäus 8,20 / 12,40 / 24,30… Markus 9,12 / 13,29 / Lukas 12,8 / 18,8 / 21,36 / Johannes 1,51 / 6,27 / 9,35 / Apostelgeschichte 7,56). Die Juden verstanden es nicht und fragten: „Wer ist dieser Menschensohn?“ (Johannes 12,34). Jesus bezog sich auf die Vision Daniels, welche die Ankunft des Messias sah: „Da kam mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn… Seine Herrschaft ist eine ewige…“ Man merke sich, dass durch seine Ankunft „nahm das Gericht Platz, und es wurden Bücher aufgeschlagen“ (Daniel 7,10). Es handelt sich um die prophetischen Bücher, die man öffnen und lesen sollte, um durch die Heiligen Schriften zu beweisen, dass Jesus wirklich der durch die Propheten angekündigte Messias ist (Apostelgeschichte 17,2 / 17,11). Wir finden diesen Ausdruck in Offenbarung 20,12 betreffend der zweiten Ankunft Jesus. Er bedeutet, dass durch die weiterhin **aufgeschlagenen** Heiligen Schriften bewiesen wird, dass der Messias, der vor 2000 Jahre kam, heute wieder zurück ist.

Um die Prophezeiungen von Daniel zu verstehen, muss man realisieren, dass alles in seinem Buch auf die Ankunft des Messias abzielt. Das ist der **Kernpunkt** dieses Buches. Alle anderen Prophezeiungen sind von geschichtlichem Charakter und betreffen die Reiche vor der Ankunft des Messias, und diejenigen, die während und nach Daniel sich folgten: Babylonisch, Meder-Persisch, Griechisch und dann Römisch. Das Buch Daniel kündigt die Ankunft dieses „Menschensohnes“ an (Daniel 7,13-14), dieser „umgebrachte Gesalbter“, dieser „Stein, der sich **ohne Zutun von Menschenhand** von einem Berg löste“ (Daniel 2,34), dieser „Stein des Anstosses“, von welchem Jesus sprach (Matthäus 21,42), der die menschlichen Reiche zu Staub macht und dessen geistiges Reich nie vorbeigehen wird (Daniel 2,29-45).

Die Angst von Daniel war auf das babylonische Exil und der Zerstörung des Tempels zurück zu führen. Jeremia hatte vorausgesagt, dass dieses Exil 70 Jahre dauern würde (Jeremia 25,11-12 und 29,10). Aber diese Periode wurde überschritten. Daniel sah das Ende der Unglücken Israels nicht. Denn es gab zwei Massenauswanderungen: eine erste im Jahr 597 v.Chr. gefolgt von einer zweiten im Jahr 587 v.Chr. Eine zaghafte Rückkehr aus dem Exil fand im Jahr 538 v.Chr. nach dem Edikt des Kyrus statt. Gegen 538 gab es einen Versuch zum Wiederaufbau des Tempels, der aber von einem Unterbruch gefolgt wurde. Dieser dauerte an „bis **im zweiten Jahr** von der Regierungszeit von Darius“, weil die Samariter sich dem Wiederaufbau entgegensetzten (Esra 4,24). Wir verstehen somit die Angst von Daniel, der ungeduldig den Wiederaufbau des Tempels sehen wollte: „**Im ersten Jahr** von Darius“, gibt er zu, „suchte ich, Daniel, in den Schriften die Zahl der Jahre zu ergründen, die Jerusalem nach dem Wort des Herrn an den Propheten Jeremia verwüstet sein sollte; es waren siebzig Jahre“ (Daniel 9,1-2). Also waren im Jahr I von Darius die 70 Jahre vorbei, aber der Tempel war noch nicht wiederaufgebaut gemäss den Erwartungen von Daniel und allen Juden.

Der wichtige Punkt, den man begreifen sollte ist also, dass Daniel sehnlichst den Wiederaufbau des Tempels und das Kommen des Messias, ein allmächtiger Kaiser, erwartete, der endlich das israelische Reich in der Welt aufbauen sollte. Dieselbe Erwartung haben auch die zionistischen Israelis heutzutage.

Dieser Prophet entschied also, Busse durch Fasten zu tun und die mehrfachen Fehler seines Volkes in einem sehr strukturierten Plädoyer zuzugeben. Dabei floh er den Schöpfer an, zu verzeihen und den Tempel wiederaufzubauen, und zwar nicht aufgrund des Verdientes des sündhaften israelischen Volkes, sondern nur in Anbetracht seiner eigenen göttlichen Ehre (Daniel 9,3-19). Er versucht ihn zu überzeugen, dass es sich da um das eigene göttliche Ansehen handelt: „Lass um deiner selbst willen dein Angesicht über deinem Heiligtum leuchten… Nicht im Vertrauen auf unsere guten Taten legen wir dir unsere Bitten vor, sondern im Vertrauen auf dein grosses Erbarmen. Herr erhöre!… **Dein Name** ist doch über deiner Stadt und deinem Volk ausgerufen“ (Daniel 9,17-19).

Vor diesem menschlichen ehrlichen Nachdruck, der auf die Ignoranz und dem Nichtverstehen vom göttlichen Plan von diesem auserwählten Mann (Daniel 10,11) zurückzuführen ist, greift der Himmel -plötzlich und mit Leidenschaftlichkeit- ein, um diese Litanei von leeren Worten zu unterbrechen: „Während ich noch redete… da kam im Flug der Mann Gabriel…“ (Daniel 9,20). Diese plötzliche Unterbrechung durch Gabriel erinnert an die Lehre Jesus: „Wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern… Euer Vater **weiss, war ihr braucht**…“ (Matthäus 6,7). Es brauchte diese engelhafte Intervention bei Daniel, um diese Lawine von unnötigen Worten zu beenden. Denn es geschah „während ich **noch** redete…“, gibt er zu (Daniel 9,20).

Gabriel sagt ihm: „Achte auf das Wort, und begreife die Vision! Siebzig Wochen sind für dein Volk und deine heilige Stadt bestimmt, bis der Frevel beendet ist, bis die Sünde versiegelt und die Schuld gesühnt ist, bis ewige Gerechtigkeit gebracht wird, bis Visionen und Weissagungen besiegelt werden und ein Hochheiliger gesalbt wird. Nun begreif und versteh… Oben auf dem Heiligtum wird ein unheilvoller Greuel stehen, bis das Verderben das beschlossen ist, über den Verwüster kommt“ (Daniel 9,24-27).

Daniel verstand nichts von dieser Vision, obwohl Gabriel ihm gesagt hatte: „Achte auf das Wort, und begreife die Vision“. Der Prophet war beeilt die Ereignisse, die nach den 70 Jahren Exil von Jeremia angekündigt wurden, auf dem Terrain erfüllt zu sehen. Aber, der Himmel kündigt ihm an, dass 70 Wochen vorgesehen sind, und zwar 70 Wochenjahre, d.h. 70x7=490 Jahre noch, vor der geschichtlichen Vollendung der Prophezeiungen. Und dies, nicht um den Tempel von Jerusalem gemäss Erwartung Daniels wiederaufzubauen, sondern „um den Hochheiligen zu salben“, d.h. der Messias. Im göttlichen Konzept ist er nämlich der wahre Tempel. Dadurch verliert der Tempel von Jerusalem seine Bedeutung. Es ist Jesus, der diese Prophezeiung ungefähr 490 Jahre danach (70 Wochenjahre nach Daniel) erleuchtete, als er anlässlich seiner Ankunft ankündigte: „Zerstört dieses Heiligtum (*der Tempel*), in drei Tagen werde ich es wiederaufbauen… Er sprach vom Tempel seines Körpers“ (Johannes 2,18-22). Später noch, nach der Auferstehung von Jesus, verstanden die Apostel, dass der Tempel Gottes in der Seele von jedem Jünger Jesus wohnt (1 Korinther 3,16-17). Das Buch der Offenbarung des Johannes offenbart es noch besser: Jedes materielle religiöse Gebäude -Tempel, Kirche Mosche, Pagode usw.- wird überholt, denn im himmlischen Jerusalem befindet sich keinen Tempel, keine Gebäude dieser Art (Offenbarung 21,22). Daniel war weit weg von diesem göttlichen Konzept, er war überwältigt und von diesem geistigen Kult durcheinander gebracht. Wir verstehen somit seine seelische Erschöpfung (Daniel 8,27 / 10,9-10).

Erst durch den Geist Jesus werden wir fähig die Prophezeiungen entsprechend dem Geist Gottes zu verstehen. Daniel konnte sie also noch nicht begreifen. Selbst Johannes der Täufer, der fünf Jahrhunderte später kam und der Vorläufer des Messias war, hatte sie noch nicht verstanden. Der Zeugenaussage Jesus zufolge war Jean „mehr als ein Prophet, aber dennoch kleiner als der Geringste im Himmelreich“ (Matthäus 11,11). Denn Johannes der Täufer, wie Daniel auch, rechnete mit einem theokratischen israelischen Königreich. Aber „der Geringste im Himmelreich“ hat die geistige innere Dimension des göttlichen Königtums und seines ewigen Reichs begriffen. Der in Daniel provozierte psychologische Umsturz führte dazu, dass er „in Ohnmacht fiel und über mehrere Tage Krank war“ (Daniel 8,27).

Die Visionen von Daniel beschränken sich nicht auf das erste Kommen Jesus. Sie erstrecken sich bis zu seiner Rückkehr in der apokalyptischen Zeit: „Eine Zeit der Not, wie noch keine da war…“ (Daniel 12,1). Jesus bezog sich auf diese Prophezeiung in Matthäus 24,21 und erwähnte das „Greuel der Verwüstung“ von welchem der Prophet Daniel gesprochen hatte (Matthäus 24,15). Durch sein erstes und sein zweites Kommen „öffnet (Jesus) die Bücher“, d.h. die prophetischen Bücher, die seine Ankunft und seine Rückkehr im Hinblick auf das Gericht ankündigen (Daniel 7,10 und Offenbarung 20,12). Durch diese zwei Kommen Jesus werden alle Prophezeiungen von Daniel erfüllt. Wir warten auf das „Verderben, das über den Verwüster kommen soll“ (Daniel 9,27), nämlich den Sturz des Tieres. Dann werden wir den kleinen Teil der Prophezeiungen verstehen, den wir noch nicht verstanden haben.

Folgendes sollte man sich merken: Das Buch Daniel betrifft hauptsächlich die zwei Kommen Jesus. Durch seine Rückkehr wird Jesus die Worte Daniels, die durch die Bestimmungen des Vaters „versiegelt sein sollen bis zur Zeit des Endes“ (Daniel 12,4) erklären. Diese Zeit ist gekommen!

#### Nachtrag

**Überlegungen zu Daniel gestern und wir heute, zu den Römern mit den Israelis gestern und zu den USA mit ihnen heute:**

Das Kapitel 2 von Daniel spricht vom Traum Nebukadnezzar mit „der Statue mit dem goldenen Haupt… und den Füssen teils aus Töpferton, teils aus Eisen“. Das heisst, dass „sie sich als **Menschen miteinander** verbinden werden; doch das eine wird nicht am anderen haften, wie sich Eisen nicht mit Ton verbindet“ (Daniel 2,43). Diese gemäss Vorstellung Gottes zerbrechliche **menschliche** Verbindung, die drei Jahrhunderte später stattfand, bezeichnete die zerbrechliche Allianz zwischen den Römern und den Israeliten jener Zeit, wie es das erste Buch der Makkabäer 8,17 usw. offenbart. Diese „menschliche“ Allianz zwischen den Römern und den Israeliten konnte nur zerbrechlich sein. Eine solche menschliche Mischung ist ebenso brüchig wie das unmögliche Gemisch zwischen Eisen und Ton. Die Römer in dieser Zeit hatten das Ansehen, unbesiegbar zu sein, so wie die Vereinigten Staaten heute (1 Makkabäer 8,1-14 und besonders die Verse 11-13). Die bedingungslose römische Unterstützung der Juden ist im Brief 1 Makkabäer 15,15-24 ersichtlich. Unter dem römischen Reich existiert also Israel bereits als Staat. Es ist also nicht falsch zu sagen, dass „dieses Tier (unterstützt durch die Römer) einmal war“ (Offenbarung 17,8). All dies bereitete die Ankunft von dem, dessen „Reich in Ewigkeit nicht untergeht und nie zerstört wird…“ (Daniel 2,44), da es in den Seelen lebt. In der Tat kam unser gesegneter Retter unter den Römern. Trotz der damaligen römischen Unterstützung an den Israelis, sind es die Römer, die das israelische Königreich durch Titus im Jahr 70 zerstört haben. Somit wurde die Anfälligkeit des Bündnisses ersichtlich.

Heute wieder hat Israel, das erste apokalyptische Tier, den Schutz des allmächtigen amerikanischen Staates, das zweite apokalyptische Tier erhalten. Das ebenfalls bereitete und bereitet die Ankunft von demjenigen, dessen „Reich in Ewigkeit nicht untergeht…“ Aber es handelt sich heute um sein **zweites** Kommen, um seine Rückkehr, immer in der Seele. Diejenigen, die nicht schlaffen, sondern bis zum Ende wach bleiben und mit der Waffe des Urteilsvermögens wachen, werden „Ihm die Tür des Herzens öffnen, **sobald Er anklopft**“ (Lukas 12,35-36 / 24,33 / Offenbarung 3,20).

Historischer Hintergrund der Prophezeiungen Daniels
| Das Buch Daniel | Jahr | Historischer Hintergrund | Reich |
|---|---|---|---|
|  |  | **Assyrisches Reich** |
| 612 | Fall von Ninive |
|  | **1. Babylonisches Reich** |
| 609 | Schlacht bei Megiddo |
| 605 | Schlacht bei Karkemisch |
| 604 | **Nebukadnezar** (604–562) |
| Daniel 1: Daniels Verschleppung nach Babylon | 587 | **Verbannung** (Jeremia 25: die 70 Jahre) |
| Daniel 2: Das Standbild der vier Reiche   (Babylon – Medo-Persien – Griechenland – Rom) |
|  | 545 | **Balthasar** (Sohn von Nabonid, Sohn von Nebukadnezar) |
|  | **2a. Mederreich** |
| Daniel 3: Die goldene Statue und das Lied | 555 | **Kyrus** der Perser: Aufstand gegen die Meder |
| Daniel 4: Der Baum und der Wahnsinn Nebukadnezars |
| Daniel 5: Der Tod Balthazars | 539 | **Cyrus** zieht in Babylon ein: Tod von Balthasar (Daniel 5,30) |
| Daniel 6: Daniel in der Löwengrube | **2b. Persisches Reich** |
|  | 538 | Edikt des Cyrus (Daniel 9) |
| Daniel 7: Vision der vier Tiere (1. Jahr der Herrschaft Balthazars):   (Babylon – Meder – Perser – Griechen) | 530 | Kambyses (Sohn des Kyros)   – Unterbrechung des Tempelbaus (Esra 4 und 5) |
| Daniel 8: Der Widder und der Ziegenbock   (Persien–Griechenland: im dritten Jahr des Baltasars) | 522 | **Darius I**.: (522–486) (Daniel 6,1)   Wiederaufnahme des Tempelbaus (Esra 6) |
| Daniel 9: 70 Wochen (1. Jahr des Darius) | **3. Griechisches Reich** |
|  | 336 | **Alexander der Große** |
| Daniel 10–11: Persien und Griechenland (3. Jahr des Kyros)   (Antiochus IV. Epiphanes) | 333 | Schlacht bei Issos |
|  | 331 | Schlacht bei Arbela |
| 319 | Vier Seleukiden |
| Daniel 12: Endzeit | 175 | **Antiochus IV. Epiphanes** (175–164) (Daniel 7,8 / 8,9) |
|  | 170 | Gräuel der Verwüstung (Daniel 9,27 / 11,31 / 12,11 / Matthäus 24,25) | **4. Römisches Reich** |
| 63 | Pompeius erobert Jerusalem |
| 1 | **Jesus** (Daniel 9,25) |
| 70 | Titus zerstört den Zweiten Tempel (Daniel 9,26) |
| *Anmerkung: Siehe:*   1. Makkabäer 1; vergleiche Daniel 11,31–39;   Matthäus 24 / Lukas 19,41–44 / Lukas 21,20–24;   Esra und Nehemia. |

## Elfte Lektion - Die 12 kleinen prophetischen Bücher

### Hosea

Hosea stammt aus dem Norden. Er prophezeite gegen die Juden, unter den Königen „Usija, Jotam, Ahas und Hiskija Könige von Juda (*Süden*) und als Jerobeam, der Sohn des Joasch, König von Israel (*Norden*), war“ (Hosea 1,1). Er lebte also zur Zeit Jesajas (der auch gegen Ahas prophezeite) und auch zur Zeit Amos. Es ist möglich, dass er die Zerstörung Samarias durch die Assyrer gesehen hat (721 v.Chr.).

Gott sagte ihm er solle ein Zeichen für die Juden sein: er solle eine „Kultdirne (*wie das ganze jüdische Volk*) zur Frau nehmen und Dirnenkinder zeugen! Denn das Land ist zur Dirne geworden“ (Hosea 1,2). Gott verkündet durch Hosea, dass er „dem Königtum in Israel ein Ende machen wird. An jenem Tag werde ich den Bogen Israels in der Ebene Jesreel zerbrechen“ (Hosea 1,2-5). Diese Ebene ist diejenige von Megiddo, in welcher eineinhalb Jahrhundert später die unheilvolle Niederlage Joschija stattfand (2 Könige 23,29-30). Sie ist im Buch der Offenbarung erneut erwähnt, als Symbol der endgültigen Niederlage des modernen Israels (Offenbarung 16,16).

Hosea kündigt, wie auch Jeremia später (Jeremia 3,18), die Einigung Israels und Judas an, unter „einem gemeinsamen Oberhaupt… Wahrhaftig, ein grosser Tag wird der Tag von Jesreel sein“ (Hosea 2,2). Dieses gemeinsame Oberhaupt ist der Messias, der nach der Zerstörung der israelischen Armee, welche ein Hindernis für den Plan Gottes darstellt, alle Menschen in sich vereinen wird. Deshalb wird der Tag von Jesreel „ein grosser Tag“ sein, denn diese Armee wird zerstört werden: „Ich vernichte dich Israel“ (Hosea 13,9). Hosea ist gegen den jüdischen Nationalismus und gegen sein Königtum (Hosea 8,4 & 13,9-11). Er offenbart das geistige Heil, nicht das militärische, ein Heil, das „nicht mit Bogen, Schwert und Krieg, nicht mit Rossen und Reitern“ errungen wird (Hosea 1,7). Siehe auch Hosea 10,13-15 betreffend der militärischen Zerstörung Israels, dass „auf seine Macht vertraut hat und auf die Menge seiner Krieger“. Hosea wagte es, wie Samuel es früher tat, das israelische Königtum und somit auch den jüdischen Nationalismus anzuklagen.

Hosea erhebt sich vor allem gegen die Priester und die so genannten Propheten, die das Volk im Unwissen lassen (Hosea 4,4-6). Wenn du diesen grossen Propheten liesst, solltest du auf seinen Schmerz empfindlich sein: Hosea wendet sich an die Juden und verurteilt mit innerem Wehklagen ihren geistigen Ehebruch und die vorausgesagte Verbannung des Nordens (Hosea 8,6-13). Die Israeliten verfolgten ihn: „Der Prophet ist ein Narr… das Volk lauert dem Propheten auf: Fangnetze bedrohen ihn auf all seinen Wegen; auf Feindschaft stösst er sogar im Haus seines Gottes“ (Hosea 9,7-8).

### Joël

Beim aufmerksamen Lesen Joëls wirst du merken, dass er sich an zwei durch Jahrhunderte getrennte Gesellschaften wendet:

1. an die Juden von Juda
2. viel später, an alle Nationen

Beide Gesellschaften werden wegen ihrer Untreue bestraft werden. Nach der Strafe wird es eine Wiederherstellung geben.

Das ist das allgemeine Thema bei Joël. Und hier nun die Details:

#### Strafe Judas

Joël widmet die göttlichen Schmähungen den Judäern: „Auf dem **Zion** (*Jerusalem*) stosst in das Horn, schlagt Lärm auf meinen heiligen Berg…“ (Joël 2,1). „Denn ein Volk zog heran gegen mein Land, gewaltig gross und nicht zu zählen… Er hat meinen Weinstock verwüstet, meinen Feigenbaum völlig verstümmelt“ (Joël 1,6-7). „Weinstock“ und „Feigenbaum“ sind Symbole für Israel. Als Jesus der Feigenbaum verfluchte, wies er auf die Zerstörung Israels hin (Matthäus 21,18-21).

Joël ist ein Prophet von der Zeit nach dem Exil. Die angekündigte Strafe betrifft also die römische Eroberung und die Zerstörung des Tempels durch Titus (70 n.Chr.). Die Priester werden zur Busse eingeladen bevor der Kult im Tempel aufgehoben wird: „Legt Trauer an, und klagt, ihr Priester!… Denn Speiseopfer und Trankopfer (*die von den Gläubigen dargebracht wurden*) bleiben dem Haus eures Gottes (*der Tempel*) versagt… (Joël 1,13-14)… Kehrt um zu mir von ganzem Herzen… Zerreisst eure Herzen, nicht eure Kleider und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig… Vielleicht kehrt er um (*von seinem Beschluss euch zu zerstören*) und er lässt Segen zurück, so dass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt (*und dank euerer Reue den Tempel nicht zerstören wird*)?“ (Joël 2,12-14).

Das vorausgesagte Unheil wird „vom Norden“ kommen. Die verursachte Verwüstung gleicht der Heuschreckenplage: „Was der Grashüpfer übrig liess, hat die Wanderheuschrecke gefressen; was die Wanderheuschrecke übrig liess, hat die Larve gefressen…“ (Joël 1,4). Auch Amos (Amos 4,9) und Maleachi (Maleachi 3,11) sprechen von dieser Heuschreckenplage. Sie wird im Buch der Offenbarung erneut erwähnt (Offenbarung 9,2-11).

Diese Strafe wird „der Tag des Herrn“ sein (Joël 1,15 / 2,1 / 2,11). Dieser prophetische Ausdruck wurde öfters gebraucht und ist traditionell geworden (Jesaja 13,6 / Ezechiel 30,2-3 / Amos 5,18). Gewisse Juden dachten, dieser Tag würde zu ihren Gunsten ausfallen. Alle Propheten warnten aber die Juden, sie sollten sich keine Illusionen machen: „Der Tag des Herrn kommt mit **der Allgewalt** des Allmächtigen…(Joël 1,15)… Alle Bewohner des Landes sollen zittern… Tag des Dunkels und der Finsternis“ (Joël 2,1-2); „Weh denen, die den Tag des Herrn herbeisehnen… Finsternis ist er, nicht Licht“ (Amos 5,18).

#### Die Wiederherstellung

Nach der Zerstörung kündigt Gott die Wiederherstellung an: „Ich ersetze euch die Ernten, die von der Wanderheuschrecke… gefressen wurden… Ihr werdet essen und satt werden…“ (Joël 2,25). Christus wird diese Wiederherstellung vollbringen. Es handelt sich um eine geistige Wiederherstellung. Jesus hatte zu den Aposteln davon gesprochen: „Amen, ich sage euch: Wenn die Welt neu geschaffen wird (**Wiederherstellung**)… werdet ihr auf zwölf Thronen sitzen…“ Matthäus 19,28). Diejenigen, die sich weiterhin an eine materialistische und politische Mentalität klammern, werden diese göttliche Speise nicht kosten: „Ihr Mund bekommt keinen **neuen Wein** mehr zu trinken“ (Joël 1,5). Der „neue Wein“ ist der Wein, der Jesus für **die Wiederherstellung der Seele** gibt (Johannes 6,53-57 / Lukas 22,14-20 / Matthäus 26,27-29).

Diese **erste** Wiederherstellung findet durch die Gabe des Geistes Gottes statt: „Danach (*nach der Heuschreckenplage*) aber wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgiesse über **alles Fleisch**“ (*also über alle Menschen -durch Jesus- und nicht nur über die Juden*) (Joël 3,1). Die Juden haben die Wiederherstellung politisch verstanden: Die „Auferstehung“ des Staates Israel.

Die Apostel Jesus verstanden aber, dass es sich um eine innere, geistige Dimension, in der menschlichen Seele, handelte. Deshalb bezieht sich Petrus in Apostelgeschichte 2,17-21 auf diese Prophezeiung der Ausgiessung des göttlichen Geistes und präzisiert in Apostelgeschichte 3,20-21, dass „die Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat“ durch Jesus erfüllt wurde.

Diese Wiederherstellung verwirklicht sich in zwei Schritten: Der erste Schritt war das Kommen Jesus vor 2000 Jahre und der zweite spielt sich heute in unseren apokalyptischen Zeiten mit der Wiederkunft Jesus-Christus in uns bereits ab. Ich spreche später noch sowie im Text [„Der Schlüssel zu Apokalypse“](/de/der-schlussel-zur-apokalypse-offenbarung) von dieser zweiten Wiederherstellung.

#### Die Züchtigung der Welt

Die göttliche Strafe Israels ist ein Beispiel und eine Lehre für alle Nationen der Welt, die gegenüber der Botschaft Jesus gleichgültig geworden sind. Auch sie werden gerichtet und wegen ihrer Ungerechtigkeiten und Laster gestraft werden: „Denn seht, in jenen Tagen, in jener Zeit, wenn ich das Geschick Judas und Jerusalems wende, versammle ich alle Völker und führe sie hinab zum Tal Joschafat; dort streite ich im Gericht mit ihnen um Israel, mein Volk (Joël 4,1). Die Völker sollen aufbrechen und heraufziehen zum Tal Joschafat. Denn dort will ich zu Gericht sitzen über alle Völker ringsum. Schwingt die Sichel; denn die Ernte ist reif. Kommt, tretet die Kelter; denn sie ist voll… Getöse und Getümmel herrscht im Tal der Entscheidung!…“ (Joël 4,12-14).

Das „Tal Joschafat“ existiert geographisch gesehen nicht. Es ist ein symbolischer Ort. Dieser Name bedeutet: „Gott richtet“. Es ist auch das „Tal des Gerichtes“ oder der „Niederlage“ oder der „Entscheidung“ Gottes die Feinde Gottes und seines Messias, Jesus von Nazareth, niederzuschlagen.

Dieses Gericht vollbringt sich kurz vor dem Ende der Welt, denn „die Ernte ist **reif**“ und die „Kelter ist **voll**“. Die Apokalypse des Johannes verwendet dieselben Ausdrücke (Offenbarung 14,14-19) und erklärt, dass Jesus, „das Wort Gottes… die Kelter des Weines, des rächenden Zornes Gottes, tritt“ (Offenbarung 19,13-15).

Das von Joël erwähnte „Israel“ oder „das Volk Gottes“ besteht somit aus den Jüngern Jesus. Sie sind das **wahre** Volk Gottes. In den heutigen apokalyptischen Zeiten werden also alle Nationen, die das politische Israel unterstützen gerichtet. Denn Israel ist auf Ungerechtigkeiten und auf die Ablehnung Jesus aufgebaut. Die Leugner Jesus wurden aus allen Nationen in Palästina versammelt, um wie die Trauben im Kelter „zertreten“ zu werden. Das ist das „Tal Joschafat“, wo Gott richtet und den Antichrist und alle Nationen, die ihn unterstützen, unter den Füssen des Messias zertritt.

Das erste Ausgiessen des Heiligen Geistes fand mit dem ersten Kommen Jesus statt. Dieses Ausgiessen wurde von blutigen Ereignissen begleitet: Zerstörung Jerusalems und des Tempels im Jahre 70 n.Chr. Vor der Rückkehr Jesus wird ein zweites Ausgiessen des Geistes stattfinden (und es findet bereits statt). Dieses Ausgiessen wird ebenfalls durch blutige Ereignisse - Kriege und Revolutionen, die ein dritter Weltkrieg vorbereiten - stattfinden: „Danach werde ich meinen Geist ausgiessen… Ich werde Zeichen wirken am Himmel und auf der Erde: Blut und Feuer und Rauchsäulen“, sagt der Herr (Joël 3,3). Diese Zeichen symbolisieren Kriege. Die Rauchsäulen sind typisch für die modernen Bomben… und besonders für Atombomben.

Jesus spricht ebenfalls von diesen Zeichen Matthäus 24 & Lukas 21), von „den Tagen der grossen Not“ und von der „Sonne, die sich verfinstern wird und der Mond, der nicht mehr scheinen wird“ (Matthäus 24,29), wie es auch Joel und das Buch der Offenbarung (Offenbarung 6,12) erwähnt. Man soll dies nicht wörtlich verstehen und ein Verschwinden der Sonne und des Mondes erwarten. Es sind prophetische und symbolische Ausdrücke. Sie bezeichnen schwere Zeiten, der Niedergang des Glaubens und der Moral: die Verdeckung der **geistigen** Sonne.

#### Die „weltweite Wiederherstellung“

Nach diesen Umstürzen wird alles erneut werden: „An jenem Tag triefen die Berge von **neuem** Wein… und in allen Bächen Judas strömt Wasser. Eine (*geistige*) Quelle entspringt im Haus des Herrn…“ (Joël 4,18-19).

Der „neue Wein“ oder der „frische Saft der Rebe“ (wie manchmal übersetzt) symbolisieren die nach der universellen Strafe eintretenden neuen Zeiten. Es sind „der neue Himmel und die neue Erde“ nach der Niederlage der Feinde Jesus (Offenbarung 21,1). Ägypten symbolisiert die in der Wüste bleibenden Ungläubigen.

Dieses Zeitalter ist durch eine **gemeinschaftliche geistige** Erneuerung gekennzeichnet. Ich betone: geistig und gemeinschaftlich. Sie vollzieht sich im innern der Seele **aller** wahren Gläubigen. Christus wird sich selbst ihnen offenbaren, wie er es versprochen hatte (Johannes 14,21) und wie es Petrus offenbarte: „Kehrt um… damit der Herr Jesus sendet, als den für euch bestimmten Messias. Ihn muss freilich der Himmel aufnehmen bis zu den Zeiten der Wiederherstellung von allem, die Gott von jeher durch den Mund seiner heiligen Propheten verkündet hat“ (Apostelgeschichte 3,20-21). Denn, wie es Paulus offenbart: „Christus wird beim **zweitenmal** nicht in der Sünde erscheinen (*aber im Geiste, in der Seele*), sondern um die zu retten, die ihn erwarten“ (Hebräer 9,28).

Diejenigen, die überzeugt sind, die weltweite „Wiederherstellung“ sei eine nationale israelische Auferstehung, werden „im Kelter des Zornes Gottes“ zertreten werden und im „Tal Joschafat“ zugrunde gehen.

### Amos

Er ist der älteste der Schriftsteller-Propheten. Seine Mission erstreckt sich von 783 bis 743 v.Chr. Er lebte zur Zeit Hoseas, Jesajas und Michas, wirkte aber bereits früher als sie.

Amos predigte im Norden, im Heiligtum Bet-Els, wo er von Gott gesandt wurde, um gegen Israel und seinen König Jerobeam II zu prophezeien (Amos 7,7-17). Er stammte aber vom Süden, von Tekoa in Juda (Amos 1,1). Deshalb wurde er noch mehr von den Israelis gehasst.

Amos war ein einfacher Hirte, ohne Reichtum und ohne Bildung. Er gehörte nicht einer anerkannten prophetischen Schule und besass kein Diplom, um prophezeien zu dürfen, wie dies bei vielen so genanten Propheten jener Zeit üblich war. Er bekennt selbst, dass er „kein Prophet und kein Prophetenschüler“ ist (Amos 7,14), da er zu keiner prophetischen Gemeinschaft oder Bruderschaft gehörte (wie gewisse „charismatische“ Gemeinschaften heute). Gott lässt sich in der Wahl seiner Männer nicht von religiösen Diplomen beeindrucken. Er hat Amos „von seiner Herde weggeholt“ (Amos 7,15), wie er es mit Petrus, Andrea, Jakobus und Johannes, acht Jahrhunderte später, tat. Er entreisste sie ihren Fischernetzen, um aus ihnen Aposteln seines Messias zu machen. Er missachtete die Schriftgelehrten und Pharisäer, die zwar in religiösen Sachen besser geschult und ausgebildet waren. Er bevorzugte Menschen, die ein lenksames Herz hatten und für den Hl. Geist fügsam waren.

Gott sagt zu Amos, er soll gegen Israel prophezeien: „Sieh her, mit dem Senkblei prüfe ich mein Volk Israel. Ich verschone es nicht noch einmal… Israels Heiligtümer werden zerstört“ (Amos 7,7-9). Das „Senkblei“ ist ein Messinstrument. Gott misst die Aufrichtigkeit der Seele (siehe auch Buch der Offenbarung 11,1), um das Herz zu offenbaren und die Ungerechten zu verurteilen. Es ist die Voraussage der assyrischen Eroberung (Amos 3,11) und der Verbannung (Amos 5,27).

Amos spricht als erster vom „Tag des Herrn, der Finsternis ist, nicht Licht“ (Amos 5,18) und vom „Rest“, der nach der Strafe weiter bestehen wird (Amos 5,15).

Er ist der Prophet der sozialen Gerechtigkeit, denn er empörte sich gegen die Reichen mit ihrem masslosen Luxus (Amos 2,6-7 / 4,1-3 / 5,7-12).

Seine Prophezeiung erstreckte sich ebenfalls gegen Juda. Er sagte seine Zerstörung voraus: „So spricht der Herr: ..ich schicke Feuer gegen Juda; es frisst Jerusalems Paläste“ (Amos 2,4-5).

Amos hat den äusserlichen Kult verurteilt und offenbart, dass Gott ihn verabscheut. Er verlangte als einzigen Kult die Ausübung der Gerechtigkeit: „**Ich hasse eure Feste, ich verabscheue** sie… **Ich habe kein Gefallen** an euren Gaben… Sondern das Recht ströme wie Wasser, die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach“ (Amos 5,21-24).

### Obadja

Er hat das kleinste prophetische Buch geschrieben. Der Name des Propheten „Obadja“ bedeutet „Sklave Gottes“ (im Arabisch: „Abdallah“).

Dieses kleine Buch besteht aus einer Prophezeiung gegen die Edomiter, weil sie Juda erobert hatten: „Wegen des Mordens, wegen der Gewalttat an Jakob, deinem Bruder, bedeckt dich die Schande, wirst du ausgerottet für immer“ (Obadja 1,9-10).

Obadja kündet den Judäern eine Wiederherstellung an: „Diejenigen aus dem Negeb (*Süden Judas*) nehmen das Bergland von Esau (*Edom*) in Besitz… usw.“ (Obadja 1,19-21). Diese Wiederherstellung hat nationalistischen Charakter mit expansionistischen Ambitionen, nämlich die Eroberung Edoms.

### Jona

Die Geschichte dieses Buches ist symbolisch, nicht historisch, auch wenn sie dem in 2 Könige 14,25 erwähnten Propheten Jona zugeschrieben ist.

Die Geschichte enthält folgende Lehre: Gott nimmt die Reue aller Menschen entgegen, auch wenn sie Niniviten (Assyrier) und somit Feinde der Juden sind. Gott ist also weder das Monopol, noch den Besitz der einzigen Israeliten, sondern gehört der ganzen Menschheit.

Jonas wurde zu den Niniviten gesandt, wie die Apostel Jesus später zu den Heiden gesandt wurden, um die Umkehr und das Kommen des Messias zu predigen. Im gleichen Geiste war auch Jesus wohlwollend gegenüber den römischen Militären. Dies alles ist ein Stein des Anstosses für die Fanatiker, seien sie Juden oder anderen Religionen angehörend. Was würden die Christen heute von einem Bischof, der die Moslems bevorzugen würde, denken oder, im Gegenteil, was würden die Moslems von einem ihrer religiösen Führer, der gerechte Christen gegenüber frevelhaften Moslems bevorzugt, denken?

Der Aufenthalt Jonas im Bauch des Fisches während drei Tage und drei Nächte (Jona 2,1) symbolisiert das Begräbnis Jesus während drei Tage vor seiner Auferstehung. Der von Jonas nach seinem Austritt aus dem Bauch des Fisches gebetete Psalm kann sehr gut auf Christus im Bauch der Erde, nach der Bedrängnis der Kreuzigung, und auf seiner Auferstehung aus dem Tode übertragen werden: „Bis zu den Wurzeln der Berge, tief in die Erde kam ich hinab… Doch du holtest mich lebendig aus dem Grab herauf, Herr, mein Gott“ (Jona 2,7).

Deshalb sagte Jesus von Jonas er sei ein „Zeichen“ (Matthäus 12,40-41). Dieses Zeichen blieb und bleibt immer noch von vielen, u.a. von der Mehrheit der Juden unverstanden. Die Leute von Ninive werden die Juden, weil sie nicht an Jesus als Messias glaubten verurteilen und richten. Denn die Niniviten glaubten an Jonas, der nicht so wichtig wie Jesus war (Matthäus 12,41). Dieses Gericht ist ein Todesstoss für alle Fanatiker.

### Micha

Micha war ein Landsmann aus dem Süden Judas, aus „Moreschet“, im Süden von Hebron. Er prophezeite „in der Zeit, als Jotam, Ahas, und Hiskija Könige von Juda waren“ (Micha 1,1). Als einfacher Dorfbewohner glich er in seiner Mentalität dem Propheten Amos, ein einfacher Hirt. Er lebte zur Zeit Jesajas. Wie Amos hat er den übertriebenen Luxus derjenigen, die „Felder haben wollen und sie an sich reissen, Häuser haben wollen und sie in ihren Besitz bringen“, angeklagt (Micha 2,1-2).

Er klagte ebenfalls die Frevelhaftigkeit der Israeliten an und prophezeite die Zerstörung Samarias und Judas: „Darum mache ich Samaria zu einem Trümmerfeld… Denn unheilbar ist die Wunde meines Volkes; sie reicht bis nach Juda, bis zum Tor meines Volkes, bis hin nach Jerusalem“ (1,6-9). Er sagte die Zerstörung Jerusalems und des Tempels (3,12) sowie die Verbannung (4,10) voraus: „Darum wird Zion euretwegen zum Acker, den man umpflügt, Jerusalem wird zu einem Trümmerhaufen, der Tempelberg zur überwucherten Höhe (3,12)… Du musst fort bis nach Babel“ (4,10).

Micha tröstet die Juden durch die Ankündigung des Christ-Königs, der „sie zusammen führen wird wie die Schafe im Pferch… Ihr König geht vor ihnen her“ (Micha 2,12-13). Dieser König wird in Betlehem geboren werden: „Aber du, **Betlehem-Efrata**, so klein unter den Gauen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Sein Ursprung liegt in ferner Vorzeit, in den Tagen der **Ewigkeit**“ (Micha 5,1). Diese Prophezeiung hat sich mit Jesus, der in Betlehem geboren wurde erfüllt (Matthäus 2,6 / Johannes 7,42). Merke dir diese Prophezeiung, die vor allem deswegen wichtig ist, weil sie den **ewigen** Ursprung des Messias offenbart (vergleiche mit seinen göttlichen Namen: Jesaja 9,5).

Micha tröstet die Juden ebenfalls durch die Ankündigung der Wiederherstellung, nach der Zerstörung. Diese Wiederherstellung wurde aber auch hier aus einer nationalistischen Sicht heraus verstanden: „Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge… Viele Nationen machen sich auf den Weg… Und du erhältst wieder die Herrschaft wie früher, das Königtum kommt wieder zur Tochter Jerusalems“ (Micha 4,1-8). Der Messias wird ebenfalls als nationalistischer König dargestellt, dessen „Macht bis an die Grenzen der Erde reicht… Er wird uns vor Assur retten, wenn es unser Land überfällt“ (Micha 5,2-5).

Micha hatte einen grossen Einfluss auf seine Zeit und die Juden erinnerten sich einige Jahrhunderte nach ihm immer noch an seine Prophezeiungen, wie dies von Jeremia betreffend der Prophezeiung Micha über die Zerstörung Jerusalems und des Tempels bezeugt wurde (Micha 3,12 / Jeremia 26,18).

### Zefanja, Nahum, Habakuk

Diese drei Propheten lebten zur gleichen Zeit. Deshalb sollten sie auch zusammen studiert werden. Sie lebten im gleichen schwierigen Zeitraum vor dem Untergang Ninive (612 v.Chr.) und waren von derselben Hoffung getragen, die nationale Wiederherstellung Israels nach dem ersehnten Untergang Ninive zu sehen. Nach diesem Untergang waren sie aber angesichts der harten Niederlage in Megiddo völlig verwirrt. In Megiddo starb auch ihr König Joschija, der die jüdischen nationalistischen Hoffnungen verkörperte.

Historisch gesehen lebte Zefanja vor Nahum. Ich werde deshalb zuerst Zefanja präsentieren und erst dann die zwei anderen Propheten, obwohl sie in der Reihenfolge der Bibel vor Zefanja kommen.

#### Zefanja (Zef)

Zefanja prophezeite zur Zeit Joschija (Zefanja 1,1), also zwischen 640 und 609 v.Chr. (Tod von Joschija in Megiddo). Joschija kam sehr jung auf den Thron (er war im Jahre 640 v.Chr. 8 Jahre alt; siehe 2 Könige 22,1). Er hatte damals noch keine religiösen Reformen vollbracht und das Priestertum war verdorben. Zefanja empörte sich gegen die Verantwortlichen des Kultus und verkündigte die Zerstörung Judas. Diese Zerstörung ist der „Tag des Herrn“, der „nahe ist und schnell herbeikommt… ein Tag des Zorns, ein Tag der Bedrängnis…“ sei (Zefanja 1,14-18).

Joschija wurde von Zefanja beeinflusst. Er vollbrachte seine Reformen, um der Nation das Schlimmste zu ersparen. Aber wie es die Prophetin Hulda damals angekündigt hatte, war die göttliche Strafe unumgänglich (2 Könige 22,14-20).

Nach dieser Strafe wird ein demütiger und kleiner „Rest“ fortbestehen und zu Gott zurückkehren (Zefanja 3,12). Die durch die Propheten vorausgesagte „Wiederherstellung“ wird sich durch diesen „Rest“ vollbringen. Aber auch Zefanja sieht darin eine nationale Wiederherstellung (Zefanja 3,19-20).

Zefanja prophezeit nicht nur gegen Juda, sondern auch gegen Assyrien und kündigt den Niedergang Ninive an: „Er macht Ninive zur Öde“ (Zefanja 2,13-15). Durch die klare Voraussage des Zusammenbruchs Assyriens und der Zerstörung Judas kündigt Zefanja auf indirekter Weise das Aufkommen des babylonischen Reiches an. Zu jener Zeit war dieses Reich im Aufbau.

#### Nahum (Nah)

Nahum prophezeit einige Jahre nach Zefanja. Die Gefahr für Ninive wird mit der steigenden babylonischen Macht immer deutlicher. Nahum zieht kurz vor dem Niedergang Ninive gegen diese Stadt los: „Ein Mann (*Nabopolassar, Vater von Nebukadnezzar*) zieht hinauf gegen dich, der dich zerschmettern wird… Die Flusstore (*Tigris*) sind geöffnet, schon wankt der Palast (*von Ninive; die Babylonier mussten den Tigris durchqueren, um Ninive zu erreichen*)… Ninive ist wie ein voller Teich, dessen Wasser davon fliesst…“ (Nahum 2,2-9)… Verwüstet ist Ninive!“ (Nahum 3,7).

In der erfreulichen Perspektive einer assyrischen Niederlage, die Feinde Israels, sieht Nahum nur das Heil und die Wiederherstellung für Juda. Er ist durch die Hoffnung auf eine (nationale) Wiederherstellung begeistert: „Juda, feiere deine Feste (*durch die Zerstörung Ninive; Nahum 2,1*)… Wahrhaftig der Herr stellt die Pracht Jakobs wieder her…“ (Nahum 2,3). Diese Hoffnung dauerte nur kurze Zeit an. Die Niederlage der Juden in Megiddo (609) folgte kurz derjenige Ninive (612) und anstelle der Hoffnung herrschte die Ratlosigkeit. Einige Jahre später sagte Jeremia dazu: „Wir hofften auf Heil, doch kommt nichts Gutes, auf die Zeit der Heilung, doch ach, nur Schrecken!“ (Jeremia 8,15 & 14,19).

Die Prophezeiung über die geistige Wiederherstellung ist aber nicht vergebens, wenn sie in Jesus gemäss der göttlichen Absicht verstanden wird.

#### Habakuk (Hab)

Er prophezeite nach der Zerstörung Ninive. Die Gefahr für die Israelis kommt nun von den „Chaldäer“ (*Babylonier*): „Denn seht, ich stachle die Chaldäer auf… um Wohnplätze zu erobern, die ihm nicht gehören“ (Habakuk 1,6).

Habakuk wiederholt in verschleierter Weise die Drohungen Michas gegen Jerusalem: „Weh dem, der eine Stadt mit Blut erbaut und eine Festung (*Jerusalem*) auf Unrecht gründet“ (Habakuk 2,12 / Micha 3,10). Es ist die Ankündigung der Strafe durch die babylonische Eroberung.

### Haggai und Sacharja

Diese beiden Propheten sollten zusammen studiert werden, weil sie auch zusammen für den Wiederaufbau des Tempels nach seiner Zerstörung durch Nebukadnezzar, arbeiteten (Esra 5,1).

#### Haggai (Hag)

Die zwei Kapitel des Buches Haggai sind dem Wiederaufbau des Tempels gewidmet. Haggai spornt Serubbabel und Jeschua an das Heiligtum zu bauen: „Das Wort des Herrn erging durch den Propheten Haggai an den Statthalter von Juda, Serubbabel und an den Hohenpriester Jeschua… Geht ins Gebirge (*des Tempels*), schafft Holz herbei (*für den Bau*) und baut den Tempel wieder auf“ (Haggai 1,1-8).

Der zweite Tempel wurde ca. im Jahre 515 v.Chr. beendet. Er war nicht so luxuriös wie der erste und die Ältesten weinten, als sie sich nostalgisch an den von „Herrlichkeit“ glänzenden ersten Tempel erinnerten (Esra 3,12). Haggai tröstete sie und versprach ihnen einen Tempel, der wunderbarer als der erste sein wird: „Ist unter euch noch einer übrig, der diesen Tempel in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und was seht ihr jetzt? Erscheint er euch nicht wie ein Nichts? Fasse Mut… Die künftige Herrlichkeit dieses Hauses wird grösser sein als die frühere - Spruch des Herrn der Heere“ (Haggai 2,3-9). Davon wurde nichts verwirklicht und der Tempel wurde im Jahre 70 n.Chr. durch Titus zerstört… Ist Haggai ein echter Prophet?!

Haggai und die ganze Gemeinschaft verstanden diese „Herrlichkeit“ auf materielle Weise und glaubten an eine Sammlung aller Reichtümer der Nicht-Juden. In der Tat, sagt der Herr gemäss Haggai: „Dann strömen die Schätze aller Völker herbei, und ich erfülle dieses Haus mit Herrlichkeit, spricht der Herr der Heere. Mir gehört das Silber und mir das Gold“ (Haggai 2,7-8). Es ist schwer zu glauben, dass Gott alle diese materiellen Reichtümer für die Kassen des Staates Israel verlangte! Dies ist sicherlich nicht die Absicht Gottes, der auf die **geistige** Herrlichkeit des **geistigen** Tempels, welches sich in der Seele der Gläubigen befindet, insistiert, und nicht auf Silber und Gold. Diese geistige Herrlichkeit übertrifft **unendlich** die mittelmässige und falsche materielle Herrlichkeit des Tempels Salomos. Jesus sprach von ihr als er sagte: „Lernt von den Lilien, die auf dem Feld wachsen… Selbst Salomo (*bekannt für seine Luxusvorliebe*) war in all seiner Pracht nicht gekleidet wie einer von ihnen“ (Matthäus 6,28-29).

Vor der Eroberung Judas sagten die Propheten die **Strafe** voraus. Während der Verbannung sprachen sie von Tröstung und bei der Rückkehr in Palästina spornten sie zur nationalen **Wiederherstellung** an. Zur Zeit Haggai und Sacharja konzentrierte sich die nationale Hoffnung auf Serubbabel, der Nachkomme des Königs David. Er war der Statthalter. Die Gemeinschaft hoffte er würde das Königreich in Israel wiederherstellen. Man meinte, er sei der angekündigte Messias und Haggai, in einer „Eingebung“ sagte zu ihm: „Serubbabel… Ich mache dich zu meinem Siegelring; denn ich habe dich erwählt - Spruch des Herrn“ (Haggai 2,23). Diese göttliche Wahl bedeutete nicht Serubbabel sei der Messias, sondern der Messias werde aus seiner Nachkommenschaft stammen (Matthäus 1,12-13).

#### Sacharja (Sach)

Sacharja spornte das Volk an, den Tempel wiederaufzubauen (Sacharja 1,16). Er hatte acht Visionen. Die zwei wichtigsten sind:

1. Die „Messschnur“ Jerusalems: Die Herzen zu prüfen, um die Gemeinschaft der wahren Gläubigen wieder herzustellen: Sacharja 2,5-9. (Vergleiche mit Offenbarung 11,1 & 21,15).
2. Die „zwei Ölbäume“ (die „beiden Gesalbten“, die den Tempel aufbauen: Sacharja 4,1-10. Vergleiche mit Offenbarung 11,4).

Sacharja kündigte eine wichtige Prophezeiung über den Messias an, der „demütig ist und auf einem Esel reitet“, und nicht auf einem Panzer. Er wird „die Streitwagen und die Rosse“ des Krieges vernichten (Sacharja 9,9-10). Dies stellt eine Innovation in der kriegerischen Mentalität der Juden dar. Diese Prophezeiung erfüllte sich mit Jesus, der demütige Messias „par excellence“, der in Jerusalem auf einem Esel eintrat (Matthäus 21,1-5 & 11,29).

### Maleachi (Mal)

Der Name dieses Buches stammt aus dem Wort „Malach“, dass „meinen Engel“ bedeutet. Dieser Name wurde abgeleitet von der Tatsache, dass der Autor die nahe Ankunft des Messias, der als „Engel -*Malach*- des Bundes“ bezeichnet wird, ankündigt (Maleachi 3,1). Maleachi (*mein Engel*) ist also ein symbolischer Name und der unbekannte Schriftsteller schrieb das Buch nach der Rückkehr aus der Verbannung und dem Wiederaufbau des Tempels, ca. im Jahre 450 v.Chr.

Maleachi, wie viele andere Propheten, klagt die Frevelhaftigkeit der Priester und die Nichtigkeit des Kultes an. Er bezeichnet den Bund Gottes mit Levi, der Stamm aus welchem die Priester hervorgingen, als gebrochen: „Jetzt ergeht über euch dieser Beschluss, ihr Priester… ich schleudere meinen Fluch gegen euch und verfluche den Segen, der auf euch ruht… Ich schlag euch den Arm ab und werfe euch Unrat ins Gesicht, den Unrat eurer Feste, und man wird euch zu ihm hinausschaffen… damit der Bund mit Levi nicht mehr besteht… Ihr aber, ihr seid abgewichen vom Weg… ihr habt den Bund Levis zunichte gemacht“ (Maleachi 2,1-8/ siehe Neuer Bund in Jeremia 31,31-32).

Erinnere dich an die Prophezeiung Davids über das vom Messias eingesetzte Priestertum, welches sich gegenüber demjenigen Levis unterscheiden wird. Es wird das Priestertum „nach der Ordnung Melchisedeks“ sein (Psalm 110,4). Dieses Priestertum wurde durch Jesus eingeführt. Es ist das einzige welches Gott gefällig ist (Hebräer 7,11-19).

Maleachi offenbart ein neuer Punkt: Gott wird einen Wegbereiter des Messias senden, um seine Ankunft vorzubereiten: „Seht, ich sende meinen Boten (ein Wegbereiter); er soll den Weg für mich **bahnen**. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Engel des Bundes (*der Messias*), den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt! (Maleachi 3,1).

Dieser Wegbereiter Christus ist „Elija“: „**Bevor** aber der Tag des Herrn kommt, da sende ich zu euch den Propheten Elija…“ (Maleachi 3,23). Jesus erklärte, dass es sich um Johannes der Täufer handle (Matthäus 17,10-13) und nicht um eine Reinkarnation Elijas. Johannes der Täufer wird mit dem „Geist und die Kraft Elijas“ (Lukas 1,17) kommen, wie ich es bereits erklärt habe.

Diese Prophezeiung über den Engel (Maleachi), der Wegbereiter des Messias ist charakteristisch für Maleachi. Kein anderer Prophet hat davon gesprochen. Es ist deshalb der bemerkenswerte Punkt in diesem Buch. Deshalb heisst das Buch auch Maleachi.

Hier endet das Studium der Bücher des Alten Bundes. Dieser Bund, wie du es bemerkt hast, war hinfällig geworden und eine **Reform** war notwendig. Diese wurde durch Jesus vollbracht, der die neuen Zeiten der **geistigen und weltweiten** Wiederherstellung einführte, in welchen wir immer noch leben. Denn, wie es Paulus sagte, handelt es sich bei den materiellen Gesetzen des Alten Bundes „nur um Speisen und Getränke und allerlei Waschungen, äusserliche Vorschriften, die bis zu der Zeit einer **besseren Ordnung** auferlegt worden sind“ (Hebräer 9,10). Wir werden nun die Bücher studieren, die uns diesen wunderbaren und belebenden Neuen Bund in Jesus, der Messias, präsentieren.

## Zwölfte Lektion - Die Bücher des Neuen Testaments

| ![](/pictures/cb_jesus-en-priere.jpg "Jésus en prière")  Jesus im Gebet |
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Das Neue Testament enthält 27 Bücher. Einige Bücher bestehen nur aus einzelnen Zeilen (2 & 3 Johannes und Judas). Wir werden sie in der folgenden Reihenfolge studieren:

- *12. Lektion*: Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte
- *13. Lektion*: Die Briefe der Apostel
- *14. Lektion*: Das kleine Buch der Offenbarung

**Die vier Evangelien und die Apostelgeschichte**

### Präsentation der synoptischen Evangelien

Evangelium bedeutet wortwörtlich „gute Nachricht“ (vom Griechischen: Ev = gut und „angelos“ bedeutet Botschaft oder Nachricht). Es ist die Verkündigung der „guten Nachricht“ der Ankunft des Messias, der sehnsüchtig erwartet war.

Es gibt vier Evangelien: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes: Die drei Ersten gleichen sich einigermassen und beinhalten eine Biographie von Jesus. Sie befolgen die einzige, wichtige Absicht zu beweisen, dass Jesus wirklich der von den Juden erwartete Messias ist. Und dies auch wenn er Israel nicht politisch „befreite“ (Lukas 24,21) und „das (*politische*) Reich in Israel“ nicht „wiederherstellte“ (Apostelgeschichte 1,6). Dieser wichtige Punkt ist ihnen gemeinsam. Deshalb wurden diese Evangelien als „synoptische“ Evangelien bezeichnet (vom Griechischen „syn“ bedeutet „gleich“ und „optikos“ = Sicht oder Meinung). Diese drei Evangelien präsentieren eine **menschliche** Biographie von Jesus. Das ist ihr gemeinsamer Nenner. Johannes hingegen offenbart zusätzlich seine Gottheit.

Ich werde die synoptischen Evangelien zusammen präsentieren und mich dabei besonders auf das Matthäusevangelium abstützen. Ausgehend davon, werde ich von den gemeinsamen Punkten mit Markus und Lukas sprechen. Zuerst stelle ich dir jeder dieser drei Evangelisten vor. Nach den synoptischen Evangelien folgt dann das Johannesevangelium.

#### Matthäus

Matthäus ist einer der zwölf Apostel Christi. Er spricht über sich selbst in Matthäus 9,9 und 10,3. Er ist Jude, aber als „Zöllner“ war er von den Juden gehasst. Als Zöllner, erhob er vom Volk die finanziellen Steuern, die durch die Römer auferlegt wurden. Er nahm also Geld von den Juden und gab es den Römern, obwohl er Jude war. Als Jesus ihn zur Nachfolge einlud (Matthäus 9,9), antwortete er spontan dem Ruf und liess alles hinter sich. Markus und Lukas nennen ihn nach seinem jüdischen Namen „Levi“ (Markus 2,13-14 / Lukas 5,27-28).

Matthäus war der Erste der die Geschichte Jesus niederschrieb. Er widmete sie den Juden, die Christen wurden. Deshalb schreibt er in Hebräisch (Aramäisch) und bezieht sich oft auf die Prophezeiungen des Alten Testaments, um die Erfüllung der Prophezeiungen durch Jesus zu beweisen (Matthäus 1,22 / 2,5-6 / 2,15-18 / 3,3 / 4,14-16 usw.). Das Matthäusevangelium ist das einzige Buch des Neuen Testaments, welches in aramäisch geschrieben wurde. Alle anderen wurden in alt griechisch, die internationale Sprache jener Zeit, geschrieben. Die Apostel lernten diese Sprache, um predigen zu können (Apostelgeschichte 21,37-40).

#### Markus

Er gehörte nicht zur Gruppe der Apostel. Nach der Auferstehung Jesus, beteiligte er sich an ihrem geistigen Amt (Apostelgeschichte 12,12). Er folgte Paulus und half ihm (Apostelgeschichte 12,25). Später war er eng mit Petrus, der ihn als „seinen Sohn“ bezeichnete verbunden (1 Petrus 5,13). Er war sozusagen sein Sekretär und Markus schrieb sein Evangelium unter der Eingebung Petrus. Einige betrachten sein Evangelium indirekt als das Evangelium des Petrus. Viele biblische Kommentatoren denken, dass der „junge Mann“, der durch Markus (Markus 14,51-52) erwähnt aber nicht benannt wurde, niemand anderes als Markus selbst war. Dieses Detail verdient es nicht erwähnt zu werden, wenn der Autor nicht selbst daran beteiligt gewesen wäre.

#### Lukas

Lukas war ein heidnischer Arzt. Er kannte Christus durch Paulus und war sein Reisebegleiter (Kolosser 4,14). Als viele Paulus verliessen blieb Lukas ein treuer Mitarbeiter (2 Timotheus 4,9-11). Von Paulus beeinflusst, schrieb er sein Evangelium in Griechisch an einem vornehmen Heidenchrist genannt „Theophilus“ (Lukas 1,3). Dieses Evangelium ist auf indirekter Weise das Paulusevangelium, wie das Markusevangelium die Lehre von Petrus widerspiegelt. Er widmet es ausdrücklich diesem edlen Theophilus (Lukas 1,3-4).

Lukas schreibt mit der Absicht die Wahrheit, die er dem Theophilus erzählt, **genau** wiederzugeben, nachdem er „allem von Grund auf **sorgfältig** nachgegangen ist und sich an die Überlieferungen derer, die **von Anfang** an **Augenzeugen** des Wortes waren hielt“ (*die Jungfrau Maria, Petrus usw. Lukas 1,2-3*). Deshalb ist er auch der einzige der uns Einzelheiten über die Geburt Johannes der Täufer, die Ankündigung des Engels an Maria und die Geburt Jesus überliefert (Lukas 1 & 2). Mit seiner wissenschaftlichen, medizinischen Ausbildung, war er gewohnt nichts dem Zufall zu überlassen.

Lukas hat auch das Buch der Apostelgeschichte geschrieben. Er widmet es ebenfalls dem verehrten „Theophilus“ (Apostelgeschichte 1,1), um ihn über die Geschichte Jesus und seiner Apostel nach **der Auffahrt** Jesus in den Himmel zu informieren (Apostelgeschichte 1,1-11). Die Apostelgeschichte kann als Fortsetzung des Lukas Evangelium betrachtet werden. Deshalb wird es hier zusammen mit den synoptischen Evangelien, vor dem Johannes Evangelium, studiert.

Nun werden wir uns ausgehend vom Matthäusevangelium mit den drei ersten Evangelien, die synoptischen, vertraut machen.

Die Juden wussten, dass der Messias ein Nachfolger Davids sein sollte, wie du es bereits erfahren hast. Matthäus beruhigt sie gleich zu Beginn seines Evangeliums indem er präzisiert, dass Jesus ein Nachkomme des Königs David ist. Er beginnt also sein Evangelium mit dem „Stammbaum Jesu Christi, **des Sohnes Davids**, des Sohnes Abrahams…“ (Matthäus 1,1). Die Mehrzahl der von Matthäus im Stammbaum erwähnten Namen - u.a. der Königen Judas - von David bis zur Verbannung, und sogar bis zur Rückkehr aus dem Exil mit Serubbabel, können im A.T. wieder gefunden werden (Matthäus 1,12).

Lukas erwähnt ebenfalls den Stammbaum Jesus (Lukas 3,23-38). Er listet aber nicht alle Namen von Abraham bis zu Jesus auf, wie es Matthäus tut, sondern beginnt im Gegenteil mit Jesus und verfolgt den Stammbaum zurück bis zu Abraham und sogar bis „Adam und Gott“ (Lukas 3,38). Der Unterschied in den Namen der Ahnen beruht auf der Tatsache, dass Lukas die Abstammung Jesus aus **dem Sohn Davids** Natan (Lukas 3,31) ableitet, während Matthäus sie vom Sohn Davids Salomo ableitet (Matthäus 1,6-7). Der Name Natan kannst du in 2 Samuel 5,14 und 1 Chronik 3,5 finden. Er ist einer der Söhne Davids, der in Jerusalem geboren ist. Er war auch älter als Salomo. Ob Jesus von Natan oder von Salomo abstammt ist unwichtig: wichtig ist nur, dass er „Nachkomme und Sohn Davids“ ist. Wie du es beachten kannst, versucht Lukas in seiner Beschreibung sehr genau zu sein und schreibt: „Man **hielt** Jesus für den Sohn Josefs, Sohn Eli usw.“ (Lukas 3,23). Die Bezeichnung „man hielt“ bringt eine wichtige Nuance hinzu und lädt ein, uns nicht an die strikte und peinliche Genauigkeit der menschlichen Genealogie zu halten. Jesus ist vor allem Sohn Gottes!

Diese Nuance lädt uns vor allem ein nicht der Stammbaum des Blutes sondern, wie es Johannes in seinem Evangelium tat, den **göttlichen** Stammbaum Jesus zu entdecken: „Im Anfang war das Wort (*Jesus*)… und das Wort war Gott… (Johannes 1,1)… Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt… (Johannes 1,14)“. Die Wichtigkeit dieses Stammbaumes wirft den anderen in den Schatten. Jesus lädt uns ein diesem Stammbaum unsere Aufmerksamkeit zu schenken, als er zu den Juden sagte: „Wie kann der Messias Sohn Davids sein, wenn David ihn, vom Geist Gottes erleuchtet, „**Herr**“ nennt?“ (Matthäus 22,41-46 und Psalm 110,1).

Aufgrund dieses Textes behaupten gewisse Juden, Jesus „gäbe damit zu“ nicht der Sohn Davids zu sein. Dies stimmt nicht! Denn Jesus sagt nicht er sei nicht auch Davids Sohn, aber er betont, er sei noch viel mehr, nämlich der „**einzige** Sohn Gottes“. Er ist der einzige, der in der Welt durch Gott im Schosse einer Jungfrau, ohne die Intervention eines Mannes, als Wunderzeichen gezeugt wurde. Und vor allem existiert er bereits vor seiner Menschwerdung.

Ich habe die Frage der Abstammung Jesus ziemlich detailliert besprochen, weil schwache und im Glauben unreife Menschen sowie viele Feinde des Evangeliums diese Unterschiede im Stammbaum des Matthäus und des Lukas hervorheben, um auf die Falschheit der Evangelien zu schliessen. Als Beweis dafür, nennen sie diese Divergenz zwischen den beiden Evangelisten. Es handelt sich um eine oberflächliche Kritik. Nur Leute, die unfähig sind in die Tiefe nachzuforschen, lassen sich davon überzeugen. Du musstet aber gewarnt und darauf aufmerksam gemacht werden.

Nun solltest du die Texte über den Stammbaum in Matthäus & Lukas sowie die anderen erwähnten Texte einmal durchlesen. Lies die Evangelien noch nicht durch, bevor du meine Erklärungen studiert hast.

Im Folgenden sind die schwerverständlichen Stellen im Matthäusevangelium erläutert:

### Vorbereitung Jesus

Bevor Jesus seine Mission auf sich nahm, zog er sich alleine in die Wüste zurück. Dieser Rücktritt ist eine Übergangsphase zwischen seinem Leben als Zimmermann - es war ein Leben der sozialen und öffentlichen Eingliederung wie alle andere Menschen - und seinem Leben als Messias, der eine neue und von seiner Umgebung unbekannte Persönlichkeit offenbaren sollte. Um diese ernsthafte und schwere Aufgabe auf sich zu nehmen - und die Gesellschaft auf dieses Bewusstsein vorzubereiten - musste er mit dem täglichen professionellen und gewohnheitsmässigen Leben brechen. Deshalb unterstreichen Matthäus und die anderen Evangelisten, dass „Jesus vom Geist (*Gottes*) in die Wüste geführt wurde“ (Matthäus 4,1 / Markus 1,12 / Lukas 4,1).

Jeder Apostel muss auf irgendeiner Art einen zeitbegrenzten Bruch mit der Gesellschaft und ein geistiger Rücktritt auf sich nehmen, um den Ruf Gottes zu verstehen und zu vertiefen, bevor er seine Mission aufnehmen kann.

Der Teufel versucht immer diese Einsamkeit zu betrüben und die Seele daran zu hindern, auf Gott zu hören. Durch seine Nebengeräusche macht er die Ohren taub und verblendet die Augen. Bevor man aber Gott dienen kann, muss man über seinen Feind den Teufel triumphieren. Denn der Teufel ist auch der Feind all jene die Gott lieben.

Jesus wurde in drei Punkten „vom Teufel in Versuchung geführt“:

#### handeln auf Anfrage des Teufels, nicht von Gott

„Befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird“, befiehlt ihm den Teufel (Matthäus 4,3-4). Jesus kann dieses Wunder vollbringen. Er will aber nicht **auf Anfrage des Teufels** handeln, sondern gemäss dem Plan Gottes und wenn die Stunde Gottes gekommen ist. Dann wird er Brote und Fische vermehren, um andere in der Wüste zu ernähren (Matthäus 14,13-21). Man muss es ablehnen, eine scheinbar noch so gute Aktion zu vollbringen, wenn sie nicht vom „Geist“ Gottes eingegeben ist. Das ist eine Lehre für diejenigen, die sich der verurteilen Ausübung der „schwarzen“ oder der scheinbar „weissen“ Magie hingeben.

| ![](/pictures/cb_carte-palestine-temps-jesus_de.jpg "Palestine au temps de Jésus")  Karte von Palästina zur Zeit Jesus |
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#### Gott nicht versuchen

„Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab…“, sagte ihm erneut der Teufel (Matthäus 4,5-6). Jesus antwortet: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“. Man soll Vertrauen in Gott haben, aber dieses Vertrauen nicht missbrauchen. Sonst würde man Gott auf die Probe stellen. Gott lässt sich nicht durch Erpressung gewinnen. Viele meinen sie seien von Gott auserwählt und erlauben sich Taten, welche Gott verurteilt, zu vollbringen. Als Beispiel: Gott lehnt ein Königreich Israel ab. Trotzdem drängen die Israelis auf dessen Errichtung und verkündigen danach immer noch das „auserwählte Volk“ Gottes zu sein. Das ist aber eine vollkommene Illusion. Durch die Errichtung dieses politischen Staates entgegen dem Willen Gottes, haben sie den Segen Gottes nicht erlangen können. Man kann weder Gottes Hand erzwingen noch ihn vor eine vollendete Tatsache bringen. Hätte Jesus auf Satan gehört und sich hinab geworfen, dann hätte Gott ihn fallen lassen, auch wenn geschrieben steht: „Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen… usw.“. Denn dieser Sturz war vom Teufel und nicht von Gott eingegeben. Zudem lädt uns diesen Vers ein in den Prüfungen, die uns heimsuchen -und die Er erlaubt- ein vollkommenes Vertrauen in Gott zu haben. Aber Gott hilft uns nicht in den unvorsichtigen Taten, die wir selbst provozieren, um mit Stolz den anderen zeigen zu können, dass Gott uns beschützt und in unserem Dienste ist. In diesem Fall, lässt Gott uns fallen. Eine Person, die auf den Strassen mit 200 km/h rast mit dem Vorwand Gott beschütze sie, wird enttäuscht sein. Denn man darf Gott nicht versuchen. Man muss die Tugenden der Vorsicht, der Weisheit usw. ausüben. In diesem Falle beschützt uns Gott.

#### Das Reich Gottes ist innerlich

„Das alles will ich dir geben, wenn du mich anbetest“, sagt der Teufel zu Jesus (Matthäus 4,8-11). Der Teufel bietet Christus das zionistische Reich, eine politische Macht an. Es ist die, von den Israelis begehrte Macht. Jesus lässt sich aber nicht täuschen. Er lehnt sie ab. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Es ist im innern der Herzen (Johannes 18,36 / Lukas 17,20). Besiegt, entfernt sich der Teufel, der sich dem Befehl Jesus nicht widersetzen kann: „Weg mit dir, Satan!“ (Matthäus 4,10). Dies bedeutet, dass Jesus im Hinblick auf eine tiefe Weisheit dem Teufel erlaubt hat ihn zu versuchen: Er hat uns gezeigt, wie wir mit dem Teufel handeln müssen.

Der Teufel entfernt sich, aber wie es nur von Lukas präzisiert wird „für eine gewisse Zeit“ (Lukas 4,13). Der Teufel kehrte später durch die Juden, die Jesus als zionistischen König krönen wollten zurück. Sie wollten ihn sogar mit Kraft dazu zwingen, wie es Johannes beschreibt. Aber „da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt **zu bringen** und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein“ (Johannes 6,14-15). Nochmals lehnte es Jesus ab, König eines israelischen Reiches, das ihm der Teufel bereits angeboten hatte, zu werden.

Wenn man das Reich Gottes auswählt, muss man sich auf die Prüfungen, die der Teufel und die Diener des Reiches der Erde uns auferlegen, vorbereiten. „Mein Sohn“, sagt das Buch Jesus Sirach, „wenn du dem Herrn dienen willst, dann mach dich auf Prüfung gefasst! Sei tapfer und stark, zur Zeit der Heimsuchung überstürze nichts“ (Jesus Sirach 2,1-2). Jesus hat uns durch die Versuchung, die er für uns erleben wollte, diese Haltung lehren wollen. Erst als er nach der Prüfung Sieger war, „kehrte Jesus, **erfüllt von der Kraft des Geistes**, nach Galiläa zurück“ (Lukas 4,14). **Mit** dieser göttlichen geistigen Macht beginnt Jesus seine Mission. Auch wir sollten uns davor hüten, ohne die Zusicherung der notwendigen göttlichen Hilfe zu handeln und uns zu engagieren. Deshalb muss man fähig sein der Geist Gottes in sich zu unterscheiden. Es ist eine Gnade, die wir erbitten sollten. Man muss der Heilige Geist in sich haben. Das ist der erste geistige Schatz, den wir, auf Empfehlung Jesus, von unserem Vater im Himmel erbitten sollten (Lukas 11,13 / Matthäus 7,11).

### Jesus in Mission: Seine Einführungsrede (Matthäus 5,1 - 7,29)

Jesus beginnt seine Mission nicht in seiner Stadt Nazaret, sondern weiter entfernt in Kafarnaum, wo er sich niederlässt (Matthäus 4,12). Es ist die Stadt von Petrus und der ersten Apostel. Sie waren alle Fischer auf dem Tiberiassee, auf dessen nördlichen Ufer die Stadt Kafarnaum liegt (siehe die Karte). Diese Stadt wurde zum Zentrum seiner Ausstrahlung. Die Wunder Jesus machten ihn in der ganzen Gegend bekannt (Matthäus 4,23-25). Es war die Erfüllung der Prophezeiung Jesajas, die das Land von Zebulon und Neftali (Galiläa), als Zentrum für die Ausstrahlung des grossen, göttlichen Lichtes bezeichnete (Jesaja 8,23-9,1).

Das Volk folgte Jesus nach. Es war für Jesus die Gelegenheit, um seine grosse Einführungsrede, bekannt unter dem Name „Bergpredigt“ zu halten. Diese enthält eine für die jüdische Gesellschaft jener Zeit revolutionäre Lehre. Jesus ist revolutionär, weil er anti-zionistisch und anti-rassistisch ist und somit für das Heil aller Menschen und nicht nur ausschliesslich der Juden eintritt.

Lukas **präzisiert**, dass Jesus sich **zu den Juden**, die ihm zuhörten wandte: „**Euch** (*Juden*), **die mir zuhört**, sage ich: Liebt eure Feinde…“ (Lukas 6,27). Jesus wusste, dass seine Zuhörer alle zionistische Juden waren, die die Meinung vertraten jeder nicht-Jude sei ein Feind, den man hassen sollte. Er wollte das psychologische Ghetto, in welchem sich seine Hörerschaft seit Jahrhunderten verschlossen hatte brechen. Deshalb sagte er: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten (*der Jude wie du*) lieben und deinen Feind (*jeder nicht-Jude: Levitikus 19,17-18 / Deuteronomium 15,3*) hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde (*diejenige, die **ihr** als Feinde betrachten*) und betet für die, die euch verfolgen (*sie verfolgen euch nicht, sondern verteidigen sich gegen eure Boshaftigkeit; denke an die von den Israelis verfolgten Palästinenser, die als „Terroristen“ betrachtet werden*). Jesus hätte zu den modernen Juden gesagt: „Betet für eure palästinensischen Feinde, seid gütig ihnen gegenüber, haltet ihnen die andere Wange, wenn sie euch auf die rechte Wange schlagen, denn sie sind im Recht. Gebt ihnen das Land, das sie verlangen, denn es gehört ihnen“. Merke Dir, dass Jesus sich zu den unbarmherzigen Zionisten wandte: „Euch, die mir zuhört, sage ich…“  
„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit grösser ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“, hatte ihnen Jesus noch gesagt. Denn ihre so genannte „Gerechtigkeit“ war rassistisch und bevorzugte die Juden, mit all ihren Fehlern, gegenüber den unschuldigen Nicht-Juden (Matthäus 5,20). Heute könnte dieser Satz so lauten: „Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit grösser ist als die aller Theologen und des ganzen Priestertums, werdet ihr euch, unabhängig von eurem Glauben, nicht Gott nähern können“… „Wenn ihr den Gerechten nicht liebst, sei er Christ, Moslem, vom Osten oder vom Westen, vom Norden oder vom Süden, dann hat euer Glauben keinen Wert“.

Die Juden hassten die Samariter. Deshalb gab Jesus das Gleichnis des „**barmherzigen** Samariter“ (Lukas 10,29). Er gab dieses Gleichnis einem Leviten, der sich nämlich „**rechtfertigen**“ wollte -merke dir dieser Punkt- dass er nicht bereit war einem Nicht-Juden, der nicht seinen Nächsten war, zu helfen. Dieser jüdische Levite tut also nur Gutes gemäss dem rassistischen jüdischen Gesetz. Man muss dieses unmenschliche Gesetz überholen, wenn man sich Gott nähern will.

Jesus hat durch die Lehre der Liebe, die von den Juden schlecht interpretiert wurde, „das Gesetz (*die Tora*) nicht aufgehoben“, sondern „erfüllt“ (Matthäus 5,17-20). „Ich bin nicht bekommen um aufzuheben, sondern um zu erfüllen“, sagte Jesus. Er kommt um zu vollenden (Matthäus 5,17-20). Es gilt nicht nur „du sollst nicht töten“, sondern „du sollst deinem Bruder nicht zürnen“ (Matthäus 5,21-26). Und dein Bruder ist jeder gerechte Mann. Auch du sei gerecht und fähig diese edle Wahrheit zu verstehen.

Die Juden und auch viele Gläubige meinen noch heute, dass die Sünde in der Erfüllung einer materiellen Tat besteht. Jesus stürzt aber diese Vorstellung um: Das Böse besteht bereits in der Absicht eine Tat zu vollbringen: „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Matthäus 5,27-28). Das Ansehen selbst ist nicht verurteilbar, aber wenn man mit Begierde ansieht und zu diesem Zweck handelt ist es verurteilbar. Auch wenn man dabei die Tat nicht umsetzten kann, ist die Sünde jedoch **in uns** vollbracht. Falls ich geplant habe ein Objekt zu stehlen, kann es aber aus irgendeinem Grund nicht, dann ist es trotzdem in meinem Gewissen als vollbrachte Tat betrachtet. Wie das Reich **in uns** ist, so ist auch das Böse in uns.

Das sind die Lehren aus der „Bergpredigt“, die oft missverstanden werden. Der Rest ist leicht verständlich.

Merke dir zudem, dass „die andere Wange hinzuhalten“ ein Gebot für ungerechte Personen ist. Es soll nicht bedeuten, dass sich ehrliche und unschuldige Menschen vor der **Ungerechtigkeit** beugen sollen. Man muss fähig sein sich zu verteidigen. Die legitime Verteidigung ist eine Aufgabe. Dies gilt umso mehr, wenn man seine Familie, seine Kinder, und sein eigenes Leben gegen einen kriminellen Aggressor schützen muss. In der Apokalypse werden wir eingeladen den Antichristen „mit gleicher Münze heimzuzahlen“ und ihm wegen dem verursachten Leiden „doppelt zurückzugeben“ (Offenbarung 18,6-7).

In diesem Zusammenhang, lade ich dich ein über die Haltung Jesus vor dem Knecht, der ihn während seiner Verhaftung schlug nachzudenken (Johannes 18,19-23). Er hielt nicht die andere Wange hin, sondern forderte von demjenigen, der ihn ungerechterweise schlug Rechenschaft. Man soll seine Würde und seinen Stolz vor der ungerechten Gewalt bewahren. Auch das ist Demut und Grossmut. Die Haltung von „die andere Wange hinhalten“ muss der ungerechte Täter gegenüber demjenigen, der ihn deswegen tadelt, haben. Der Schuldige muss sich demütigen und sich als schuldig erkennen; er muss seine Tat wieder gutmachen und sich gegenüber denjenigen, die ihn tadeln und ihn durch das Wort der Gerechtigkeit auf die Wange schlagen um ihn zu bessern, dankbar zeigen.

### Jesus und Johannes der Täufer (Matthäus 11,1-15)

Johannes der Täufer wurde, wie bereits früher erwähnt, durch Malachia angekündigt. Er sollte „den Weg für den Messias bahnen“ (Maleachi 3,1). Jesus selbst bezieht sich auf diese Prophezeiung (Matthäus 11,10). Dieser Wegbereiter des Messias musste, gemäss der israelischen Mentalität, die Juden auf den Messias-König von Israel vorbereiten. Der Messias sollte dementsprechend das politische Reich aus der Abstammung Davids in Israel wiederherstellen. Johannes der Täufer hatte selbst nicht verstanden, dass das Königreich des Messias geistig und universell war. Matthäus erzählt: „Johannes (der Täufer) hörte im Gefängnis von den Taten Christi“ (Matthäus 11,2). Diese Taten waren aber nicht politisch: weder bewaffnete Versammlung, um Herodus, der nicht aus der Dynastie Davids war, zu entthronen, noch gewaltigen Widerstand gegen die Römer, wie es die Zeloten wünschten (eine jüdische, nationalistische Partei, zu welcher der Apostel Simon der Zelot gehörte; Matthäus 10,4). Hingegen war die Rede von Vergebung der Sünden, Krankenheilung und Güte gegenüber den römischen Offizieren, die einen eifrigen Glauben hätten, „wie er (Jesus) in Israel noch bei niemand gefunden“ hatte (Matthäus 8,5-13).

Johannes der Täufer wartete in seinem Gefängnis auf eine Befreiung durch einen von Jesus geführten revolutionären Aufstand. Er wunderte sich über diese „Werke“ Jesus, die keinen nationalistischen Charakter hatten. Viele Juden nahmen an diesen Werken Anstoss. Der gefangene Wegbereiter schickte einige seiner Jünger, um Jesus zu fragen: „Bist du der, der kommen soll (*der „nationalistische“ Messias*), oder müssen wir auf einen anderen warten?“ (Matthäus 11,3). Diese Frage plagte die Jünger Johannes der Täufer, und sie ihrerseits plagten ihren Meister damit. Sie hatten Vertrauen in ihm. Und er hatte ihnen gesagt, der erwartete Messias sei Jesus, von welchem er „es nicht wert sei, ihm die Schuhe auszuziehen“ (Matthäus 3,11). Sie fragten sich also, weshalb er sich dann nicht für die Wiederherstellung des Königreichs in Israel einsetzte? Was erwartete er noch um zu handeln? Wie war es möglich, dass er zärtlich gegenüber den Römern war und Heiden wie die Gadaräer (Matthäus 8,28-34) und Sidonier (Matthäus 15,21-28) besuchte, um sie von Krankheiten zu heilen? Das bildete für die fanatischen Juden einen Stein des Anstosses.

Die Antwort Jesus an den durch Johannes der Täufer Gesandten sollte den nationalistischen und fanatischen Geist im Herzen der Juden brechen. Sie waren zwar guten Willens, aber der Zionismus hatte sie verirrt: „Geht und berichtet Johannes, was ihr hört und seht: Blinde sehen wieder… usw. (*wie es von Jesaja angekündigt wurde, Jesaja 35,5 & 29,18*)… **den Armen** (*und nicht den Reichen, die sich privilegiert fühlen: Jesaja 61,1*) wird die Gute Nachricht (*des Kommens des Messias*) verkündet. Selig ist, wer an mich keinen Anstoss nimmt (*weil ich keinen aktiven Nationalist bin*)“ (Matthäus 11,4-6). Diese Antwort konnte die Gesandten Johannes nur umwerfen.

Jesus lädt seine Zuhörer ein, an das Zeugnis des Propheten Johannes der Täufer zu glauben. Deshalb unterstreicht er, dass Johannes ein Prophet ist und es „unter allen Menschen keinen grösseren gegeben hat als Johannes“ (Matthäus 11,9-11). Johannes hatte gesagt, er fühle sich nicht wert Jesus die Schuhe auszuziehen (Matthäus 3,11). Er lädt sie ein zu glauben, dass Jesus wirklich dieser erwartete Messias ist, auch wenn sie seine nicht-politischen Werke seltsam finden. Aber Christus präzisiert gleich danach, dass „der Kleinste im Himmelreich grösser als Johannes der Täufer“ ist; und dies trotz der Grösse des Johannes (Matthäus 11,11). Weshalb? Weil der Kleinste im **Himmelreich** (nicht im Reich Israel) verstanden hat, dass Jesus König eines geistigen **inneren** Lebens, und nicht eines politischen nationalistischen Staates ist, wie es der „grosse“ Johannes der Täufer und auch die Apostel Jesus selbst am Anfang mit gutem Willen glaubten.

Johannes der Täufer verdankt seine Grösse auch der Tatsache, dass er das Zeitalter der nationalistischen Vorstellung des Messias beendete: „Alle Propheten haben bis hin zu Johannes geweissagt“ (*damit Johannes für den Messias Jesus Zeugnis ablegt; dieser Jesus, der weder ein Militär noch ein Politiker wie Ariel Sharon, Itzhak Shamir oder Shimon Peres es heute sind, war*). Mit Johannes beginnt aber eine neue Vorstellung des Messianismus: „Seit den Tagen Johannes des Täufers bis heute (*und bis zu unseren Tagen*) wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reissen es an sich“ (Matthäus 11,12-13). Weshalb? Weil die Juden gegen sich selbst Gewalt anwenden müssen und sich mit Gewalt aufrütteln müssen, um sich von den Vorurteilen und den vorgefassten Meinungen befreien zu können. Sie mussten sich damals von einem ganzen intellektuellen Erbe, welches ihr Verständnis des Messianismus prägte und verzerrt hatte, befreien. Sie liessen sich auf kollektiver Weise hinreissen, trotz den unzähligen Mahnungen der Propheten, einen zionistischen Christus zu erwarten. Auch hörten sie nicht auf die offenkundige Ablehnung eines israelischen Königs durch Gott und Samuel.

Es ist schwierig sich von einer nationalistischen Mentalität zu befreien. Wenn man jedoch Anteil an das Reich Gottes, **so wie Gott es will haben möchte**, muss man sich selbst Gewalt antun, man muss auf politische Vorstellungen verzichten. Die Juden sind durch die Vorstellung eines israelischen Staates gefesselt. Die Christen glauben an **den vatikanischen Staat** (so genannt christlich aber politisch geworden). Die Moslems kämpfen für die Gründung islamischer Monarchien und Republiken. Alle müssen dem Himmelreich (und somit sich selbst) „Gewalt antun“, um sich von den Ketten der verzerrten Meinungen zu befreien, falls sie in das geistige Himmelreich eintreten wollen.

Im täglichen und persönlichen Leben muss man sich oft selbst aufrütteln und sich „Gewalt antun“, um aus einer hemmenden Nachlässigkeit herauszukommen. Nur so kann man dem materialistischen Strom, der die Schwachen mitreisst, widerstehen. Schwache Leute folgen blind der Mehrheit, ohne nachzudenken und ohne fähig zu sein ihr persönliches Leben frei zu gestalten. Ihr Leben wäre dann zwar verschieden, aber nützlicher für Herz und Seele.

Johannes der Täufer ist schliesslich „Elija, der widerkommen soll“, erklärt Jesus (Matthäus 11,14 und 17,11-13). Ich hatte erklärt, dass sich der Wegbereiter Jesus der Welt mit „dem Geist und der Kraft Elijas“ präsentieren würde (Lukas 1,17). Die Prophezeiung Maleachi 3,23 muss geistig und nicht buchstäblich interpretiert werden. Einige erwarten nämlich ein Kommen der Person Elija, eine Reinkarnation. Deshalb sagte Johannes er sei nicht Elija (Johannes 1,21).

Ein Punkt sollte richtig verstanden werden: Johannes der Täufer hat die Juden tief beeindruckt. Viele glaubten sogar er sei der Messias. Deshalb hat der Wegbereiter Jesus mehrmals betont er sei nicht der Messias: „Ich bin nicht der Messias“ sagte er (Johannes 1,20). „Warum taufst du dann, wenn du nicht der Messias bist, nicht Elija? fragten ihn die Priester (Johannes 1,25). Und er antwortete: „Ich taufe euch mit Wasser zum **Zeichen der Umkehr**. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich… Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ (Johannes 1,26 & Matthäus 3,11).

Die Taufe Johannes ist also eine Vorbereitung, ein Ruf nach **Umkehr**. Die Taufe Jesus hingegen gibt die Gnade und die **Vergebung**, die Johannes nicht verleihen konnte. Deshalb ist die Taufe Jesus stärker, als diejenige seines Wegbereiters. Um sie zu bekommen, muss das Herz bereits mit Reue erfüllt sein. Johannes ruft also zur Umkehr durch die Taufe mit Wasser. Mit der Ankunft des Messias hat diese Taufe aber keinen Wert mehr. Der Messias eröffnet in der Welt eine neue Taufe für alle Menschen, die bereit sind umzukehren und sich zu verbessern.

Während den religiösen Festen kamen viele jüdischen Pilger nach Jerusalem. Gewisse Pilger aus Ephesus trafen Johannes der Täufer und anerkannten die Wichtigkeit seiner Taufe. Sie waren von ihm beeindruckt, liessen sich taufen und kehrten in ihr Land zurück. Diese Kategorie von Juden bildete den Kern der ersten Christen. Sie wurden von den Aposteln, die ihnen die Unvollkommenheit der Taufe Johannes erklären mussten, besucht. Sie lehrten ihnen die Wichtigkeit der Taufe Jesus: „Als sie das hörten, liessen sie sich auf den Namen Jesu, des Herrn, taufen… und der Heilige Geist kam auf sie herab“ (Apostelgeschichte 19,1-7). Mit dem Buch der Offenbarung in der heutigen Zeit, erhebt sich das Konzept der Taufe zu einem höheren geistigen Niveau.

### Welche Vorstellungen hatten die Apostel vom Messias? (Matthäus 16)

Die Apostel, wie auch die jüdische Gesellschaft von gestern und heute, erwarteten überhaupt nicht einen Messias wie sie ihn in Jesus sahen. Es brauchte eine grosse Pädagogie und sehr viel Feingefühl vom Zimmermann aus Nazareth, um die Vorstellung eines bescheidenen und demütigen sowie geistigen weltweiten Messias in die sehr politisierte jüdische Mentalität einzupflanzen.

Jesus sprach zu seinen Jünger auf verschiedene Art und Weise über sein für alle Menschen zugängliches, geistiges Reich. Es war die Mission des jungen und bescheidenen Zimmermanns dieses Reich einzuführen. Als er ihnen vom Reich, den sie sich politisch vorstellten sprach, sagte er: „Man kann nicht sagen: Seht, hier ist es! oder: Dort ist es! Denn: Das Reich Gottes ist **in euch**“ (Lukas 17,21). Man sollte es also nicht äusserlich, an einem geografischen Ort, in Jerusalem oder Samaria suchen. Er sagte auch: „Man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen“ (Lukas 13,29). Die Diener des weltweiten Reiches werden also nicht nur Juden sein, da „viele, die jetzt die Ersten (*die Juden*) sind, werden dann die Letzten sein, und die Letzten (*die Heiden, die nach den Juden zum Glauben kamen*) werden die Ersten sein“ (Matthäus 19,30 & Lukas 13,30). Der durch Jesus dargestellte Messianismus war für alle Juden absolut undenkbar. Sie waren zu sehr von der nationalistischen Idee und vom Patriotismus geprägt. Auch heute noch kann das Konzept von einem solchen Messianismus überhaupt nicht in die Gedankenwelt der Israelis eindringen.

Zwei Jahre nach häufigem Umgang mit den Aposteln und intensiver Vorbereitung und einem Jahr vor seiner Kreuzigung stellt Jesus die Apostel auf die Probe. Sie hatten seine Wunderwerke gesehen. Hatten sie aber auch seine Lehre und die Feinheit seiner Andeutungen verstanden? Sie sollten zwei Sachen verstehen:

1\. Jesus ist trotz seinem bescheidenen Auftreten der erwartete Messias.

2\. Im Gegensatz zur ihren Hoffnungen besteht die Mission Jesus nicht darin, den Staat Israel wiederherzustellen. Der Messias musste seine Apostel in ihrem vollkommenen Glauben an ihn stärken. Sie sollten ihn nach seiner scheinbaren „Niederlage“ auf dem Kreuz nicht verleugnen und weiterhin an ihn glauben, auch wenn er den israelischen Staat nicht wiederhergestellt hatte (siehe Lukas 24,21 und Apostelgeschichte 1,6).

Ein Jahr vor seiner Hinrichtung fragt also Jesus: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“. Petrus antwortet: „Du bist der Messias“ (Matthäus 16,15-20). Jesus lobte seinen Apostel, der trotz seinem armen Auftreten, in ihm der Messias erkannte. Der Messias war nämlich von ehrenhafter und sogar königlicher Abstammung erwartet. Dieser demütige und bescheidene Zimmermann von Nazareth war jedoch von keinem luxuriösen Anschein gekennzeichnet. Seine Würde war innerlich. Trotz der Einfachheit seiner Bekleidung erkannte Petrus in seinem Meister den Messias, und sogar den „Sohn Gottes“. Deshalb sagt Jesus zu ihm: „Nicht Fleisch und Blut (*nicht den Anschein einer menschlicher Herrlichkeit*) haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel“. Es war eine starke innere Intuition, ein mächtiges und tiefes geistiges Licht, welches Petrus zum sprechen anspornte.

Christus beeilte sich jedoch den Aposteln zu befehlen „niemand zu sagen, dass er der Messias sei“ (Matthäus 16,20). Weshalb? Weil das Volk ihn gezwungen hätte den politischen König Israels zu sein, wie dies bereits geschah (Johannes 6,15). Er empfahl ihnen nicht nur eine vollkommene Zurückhaltung, sondern „von da an begann Jesus, seinen Jüngern zu erklären, er müsse nach Jerusalem gehen und von den Ältesten vieles erleiden; er werde getötet werden, aber am dritten Tag werde er auferstehen“ (Matthäus 16,21).

Als Petrus diese Worte hörte, nahmen „Fleisch und Blut“ bei ihm wieder die Oberhand und er konnte der Eingebung des himmlischen Vaters nicht mehr folgen. In seiner Überzeugung, der Messias müsste das Königreich in Israel wiederherstellen, konnte er sich den Tod des Retters „der Nation“ nicht vorstellen. Mit einer heftigen Bewegung „nahm ihn Petrus beiseite“ und machte ihm **Vorwürfe**, indem er sagte: „Das darf nicht mit dir geschehen!“ (Matthäus 16,22). Wenn dies schon die Haltung der Apostel nach zwei Jahre Unterweisung war, dann kannst du dir vorstellen was die anderen Juden über Jesus dachten… und vor allem Judas Ischariot, der nur nach dem Königreich Israel strebte.

Nachdem Jesus den Petrus gelobt hatte, weil er ihn als Messias anerkannte, tadelt er ihn für seine „Vorwürfe“. Die messianische Vorstellung Petrus war noch sehr irdisch geprägt: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Matthäus 16,23). Seit Samuel, wollen die Israelis ein israelisches Königreich, welches von Gott verurteilt wird!

Durch die Verurteilung des Staates Israel führt Gott in der Welt ein neues Prinzip ein, welches das Gewissens der Menschen urteilt. Dieses Prinzip ist gültig für uns, Menschen des 20. Jahrhunderts. Es ist ein Kriterium und ein Massstab für den wahren Glauben: Die Menschen, die für die Errichtung und das dauerhafte Bestehen Israels gewirkt haben, oder heute noch wirken, denken nicht wie Gott, sondern denken wie Menschen, gemäss den Worten Jesus an Petrus. Die Offenbarung des Johannes sagt uns, dass Gott in den letzten Zeiten seine Botschafter beauftragen wird den „Tempel zu messen“, d.h. das Gewissen der Menschen, und besonders der Gläubigen (dargestellt durch den „Tempel“) zu prüfen (Offenbarung 11,1 & 21,15). Diese Prüfung vollbringt sich heute durch den Staat Israel: Diejenigen, die sich für diesen Staat bekennen, sind gegen Gott. Diejenigen, die Israel Widerstand leisten wirken im Sinne des weltweiten Heilsplanes Gottes.

Durch die Frage an seine Apostel: „Für wen haltet ihr mich?“ hat Jesus das Gewissen der Apostel erforscht. Dadurch zeigte sich, dass sie ihn als Messias anerkannt hatten… aber gemäss ihrer Vorstellung sollte er das israelische Königreich wiederherstellen. Vor seiner Auferstehung fragten sie ihn noch: „Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?“ (Apostelgeschichte 1,6). Sie hatten also die Gedanken ihres Heilands noch nicht verstanden, obwohl er „ihnen **nach** seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt hatte, dass er lebt; **40 Tage** hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen“ (Apostelgeschichte 1,3).

Durch die von Jesus vorgenommene Prüfung der Aposteln offenbarte sich ihr unerschütterlichen Glauben an ihm: „Du bist der Messias!“. Nach zwei Jahren Vorbereitung hatten sie erst diesen ersten Schritt vollzogen. Der zweite Schritt - nämlich die Anerkennung, dass der Messias kein Nationalist ist - musste noch vollbracht werden. Die Apostel waren aber zu jener Zeit unfähig weiter zu kommen. Sie waren durch die uralte, zwar irrige aber traditionnel gewordene Vorstellung des Messias, als irdischer König von Israel, gelähmt. Diese Vorstellung war für alle Juden eine Selbstverständlichkeit und wurde nie in Frage gestellt.

Die Gewissheit, Jesus sei der Messias, war für Petrus bereits ein riesiger Schritt vorwärts. Der Rest konnte auf diese Gewissheit aufgebaut werden: „Noch vieles habe ich euch zu sagen“, sagt Jesus zu den Zwölf, „aber ihr könnt es **jetzt** nicht tragen“ (Johannes 16,12). Sie konnten damals nicht verstehen, dass derjenige, der alle ihre Hoffnungen für die Errichtung des israelischen Reiches verkörperte, auf tragischer Weise, genagelt auf einem Kreuz, enden würde.

Erst als Jesus die Stärke ihres Glaubens an ihm garantiert hatte, „**begann**“ er ihnen den Plan Gottes zu offenbaren: „Er müsse vieles erleiden und getötet werden…“ (Matthäus 16,21-23). „Sechs Tage“ nachdem Jesus von seinem Tod und diesem menschlich gesehen erdrückenden Ausgang seines Messianismus gesprochen hatte, verwandelte sich Christus vor ihren Augen in ein helles Licht. Dadurch drückte er die tiefen Gründen dieser Tragödie und seine freiwillige Hingabe für ihr Heil aus. Er deutete damit auch an, dass er genügend mächtig gewesen wäre, um diesen Tod zu vermeiden. Sie mussten wissen, dass er, falls er es gewollt hätte, diesem schändlichen Tod hätte entkommen können, er, der vor ihnen verklärt wurde und der Tote auferstehen liess. Er hat sich aber in ihrem Interesse auf freie Weise der Aufopferung hingegeben: „Es ist gut **für euch**, dass ich fortgehe“ (Johannes 16,7), sagt Jesus zu ihnen. Und auch: „Ich **gebe** mein Leben hin… Niemand entreisst es mir, sondern ich gebe es aus freiem Willen hin. Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“ (Johannes 10,17-18). „Jetzt schon habe ich es euch gesagt, **bevor** es geschieht, damit ihr, wenn es geschieht, **zum Glauben kommt**“ (Johannes 14,29).

Behalte also, dass Jesus aus **freiem Willen** akzeptierte, sich seinen Henker hinzugeben, um seine Jünger zu **retten**. Er musste aber zuerst ihren Glauben an seinem Messianismus garantieren. Nachdem er sich über den Glauben seiner Apostel vergewissert hatte, prüft Jesus weitere intime Freunde: „Ich bin die Auferstehung und das Leben! Glaubst du das?“, fragt er Marta, „Ja, Herr, ich glaube, dass du der Messias bist…“, antwortete sie (Johannes 11,25-27). Und wovon sollte Jesus die Seinen retten? Von der zionistischen Lüge, der Täuschung des Nationalismus, der Anmassung in welcher sie umherirrten, zu glauben sie seien die einzigen Auserwählten und seien in Gottes Augen viel wichtiger als die Nicht-Juden. In einem Wort wollte Jesus alle die wirklich an ihm glaubten vom Feuer des Fanatismus und Materialismus befreien.

Um den Glauben seiner Jünger zu stärken, wollte Christus ihnen die Macht seines Körpers über die Elemente der Natur zeigen. Sie waren Zeugen davon wie er auf dem Wasser lief. Petrus konnte es nicht nachmachen. Ihr Glaube wurde dadurch gestärkt (Matthäus 14,25-33).

Zum zweiten Mal erwähnt Jesus seinen bevorstehenden Tod und seine Apostel „wurden sehr traurig“ (Matthäus 17,22-23). Umso mehr, weil es kurz nach der Verklärung geschah.

Zum dritten Mal wiederholt Jesus: „Der Menschensohn wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ausgeliefert… und gekreuzigt“ (Matthäus 20,17-19). „Aber“, fügt Lukas hinzu, trotz all diesen Mahnungen, „verstanden die Zwölf das alles nicht; der Sinn der Worte war ihnen verschlossen, und sie begriffen nicht, was er sagte“ (Lukas 18,31-34). Sie waren nämlich vom israelischen Reich besessen und meinten dieses illusorische Reich würde (mit Jesus) sofort erscheinen (Lukas 19,11).

Das „Reich Gottes“ auf Erde bedeutet für die Juden das israelische Reich in Palästina. Für Jesus war es nicht so. Wie stellst du dir das Reich vor?

Die ganze jüdische Gemeinschaft war von der politischen Macht so sehr geblendet, dass die eigene Mutter der zwei Apostel Jakobus und Johannes zu Jesus kam, um eine materielle Gunst für seine zwei Söhne zu erbitten. Dies geschah gleich nach der dritten Ankündigung des Leidens Jesus: „Damals kam die Mutter der Söhne des Zebedäus zu Jesus, weil sie ihn um etwas bitten wollte…: 'Versprich, dass meine beiden Söhne in deinem Reich rechts und links neben dir sitzen dürfen'… Als die zehn anderen Jünger das hörten, wurden sie sehr ärgerlich über die beiden Brüder“ (Matthäus 20,20-24). Die Jünger stritten um den ersten Rang, weil sie glaubten das Reich sei irdisch und werde gleich erscheinen. Jeder meinte er sei besser geeignet für den Posten des Premierministers oder für andere wichtige Ministerposten.

Auf die Frage der Apostel: „Wer ist im Himmelreich der Grösste?“, antwortete Jesus nicht: „Du bist es Petrus oder du ein anderer“, sondern „er rief ein Kind herbei… Wer so klein sein kann wie dieses Kind, der ist im Himmelreich der Grösste…“ (Matthäus 18,1-4). Und als Antwort auf die Frage der Mutter Jakobus und Johannes sagte Jesus: „Ihr wisst, dass die Mächtigen ihre Macht über die Menschen missbrauchen… **Bei euch soll es nicht so sein**… wer bei euch der Erste sein will soll euer Diener sein…“ (Matthäus 20,24-28).

Um den Aposteln jede Illusion zu nehmen, lädt Christus sie ein ihm auf dem Weg des Opfers und nicht der irdischen Herrlichkeit zu folgen: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich… Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt (wie es die Israelis begehren), dabei aber sein Leben einbüsst?“ (Matthäus 16,24-26). Hatte Christus nicht das Reich dieser Welt, welches Satan (Matthäus 4,9-10) und danach die Juden (Johannes 6,15) ihm darboten abgelehnt? Hingegen der Antichrist im heutigen apokalyptischen Zeitalter hat dasselbe Reich von der Hand des „Drachen“ (*Satan*) angenommen (Offenbarung 13,2).

Die meisten Lehren Jesus zielten auf die Abschaffung der Ghetto- und Kastenmentalität in welcher die damalige jüdische Gemeinschaft versunken war. Gerade weil er diese fanatische Mentalität zerstören wollte, sagte Jesus zu seinen jüdischen Zuhörern: „Ich bin nicht gekommen, um Frieden (*das israelische „Shalom“, eine „Pax israeliana“*) zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn mit seinem Vater zu **entzweien** und die Tochter mit ihrer Mutter… und die Hausgenossen eines Menschen werden seine Feinde sein“ (Matthäus 10,34-36). Das Schwert von welchem Jesus spricht ist das Schwert des Wortes, welches zerschneidet.

Die Juden werfen Jesus diese Worte vor, welche angeblich das göttliche Gebot der Ehrfurcht vor den Eltern verletzen würde. Das stimmt nicht. Christus wollte dadurch sagen, dass sich einige Eltern gegen ihre Kinder, die die nicht-politischen Lehren Jesus folgen, erheben werden. Die Eltern werden behaupten ihre Kinder seien gegen die jüdische Nation und nicht patriotisch. Die Kinder, die sich von ihren Eltern einschüchtern lassen und Christus aufgeben, sind nicht würdig seine Jünger zu sein: „Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig“ (Matthäus 10,37). Gott soll als erster bedient sein. Dies Haltung bedeutet sich selbst Gewalt antun, um die Ketten der menschlichen Traditionen zu brechen. Diese Ketten hindern uns nämlich daran, das Reich Gottes zu erobern (Matthäus 11,12).

Die Mehrheit der modernen Gesellschaften und auch diejenigen, die behaupten an Gott und an die Demokratie zu glauben, sind wegen ihrem Fanatismus verdammt. Was würden heute die Israelis, die Christen, die Moslems und die ganze Welt von Jesus sagen, wenn sie den Messias hören würden sich so auszudrücken? Was würden die Juden des 20. Jahrhunderts in Palästina sagen, wenn sie hören würden, dass Jesus ihnen das göttliche Recht einen israelischen Staat in Palästina zu gründen verneint? Was würden die Christen sagen, wenn sie hören würden, dass Jesus **der Staat** des Vatikans und der heidnisch gewordene christliche Kult im Allgemeinen verurteilt? Wer kann sich von seiner eigenen Familie loslösen, um freiwillig Jesus zu folgen? In Wahrheit nur wenig Leute.

### Warum musste Christus getötet werden?

Durch seinen Tod hat Jesus der Vorstellung eines zionistischen Messias einen tödlichen Schlag gegeben, denn er starb ohne zuvor ein irdisches Reich in Israel errichtet zu haben. Nach seinem Tod glaubten seine Jünger weiterhin an ihn als Messias, obwohl er das Reich der Dynastie von David nicht wiederhergestellt hatte.

Jesus musste auf diese Art sterben, um durch seinen Tod am Kreuz den jüdischen Nationalismus zu töten. Dadurch gab er dem Wesen des wahren Judentums, welches geistig und nicht politisch ist, ein neues Leben.

Durch seinen Tod befreite Jesus die Seinen, indem er der Gedanke eines geistigen und weltweiten Messias, der für die ganze Menschheit in die Welt kam, und nicht nur für die alleinigen Juden, entfesselte. Der Besitz einer Bibel, ein Buch welches in der Vergangenheit von den Juden eifersüchtig zurückbehalten wurde, verdankest du, ein Nicht-Jude (oder Nicht-Jüdin) alleine dem Tode Jesus. Die priesterliche hebräische Kaste verhinderte vollständig den Zugang zu den Worten der Propheten, denn diese Worte verurteilten sie. Die jüdischen Führer wollten ihrer Scham nicht vor der ganzen Welt enthüllen.

Die Beschlagnahme der Bibel durch die Priester bewirkte, dass nicht nur die Nicht-Juden, sondern auch die Mehrheit der Juden keinen Zugang zu ihr hatten. Erinnere dich daran, dass Hosea den Priestern den Vorwurf machte, sie liessen das Volk im Unwissen (Hosea 4,4-6). Auch Malachia verurteilte sie, weil sie die Wissenschaft Gottes hinter den Gittern ihrer Lippen gefangen hielten (Maleachi 2,7-9). Auch Jesus hat sich gegen das Priestertum empört und klagte es an, sie hätten „den Schlüssel zur Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegengen, und die, die hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert“, sagte er ihnen (Lukas 11,52 & Matthäus 23,13). Als er „die Schlüssel des Himmelreichs“ an Petrus gab, hat Jesus die Tür zur Erkenntnis Gottes aller Völker der Erde eröffnet (Matthäus 16,19). Er entriess dabei diese Schlüssel von den Händen der unfruchtbaren priesterlichen Kaste.

Es brauchte eine ungeheuere unendliche Liebe und einen unbesiegbaren Mut, um sich den Israelis zu stellen. Jesus zögerte nicht durch dieses brennende Feuer zu gehen, um uns durch den israelischen eiserne Vorhang das Licht zu bringen: „Denn Gott hat die (*ganze*) Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit **jeder**, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“ (Johannes 3,16).

Was würden die heutigen Juden in Israel und besonders die Rabbiner einem Jude, der jede Form vom hebräischen Nationalismus ablehnt antun? Der Kern des Bösen kommt von der Tatsache, dass die Juden eigensinnig auf das Fortbestehen des Staates Israel beharren. Dieser Staat war der zentrale Streitpunkt zwischen Jesus und den Juden, wie er es auch zwischen Samuel und ihnen war… und zwischen Gott und ihnen (1 Samuel 8). Hätten sie den göttlichen apolitischen Messianismus anerkannt, dann hätte es keinen Grund gegeben, dass Jesus durch den physischen Tod hätte gehen müssen. Er hätte weiterhin den für alle Menschen offenen geistigen Weg gelehrt und hätte sich auf die Hilfe der ganzen israelitischen Gemeinschaft abstützen können.

Es waren einzig die Jünger Jesus, die den Glauben für die Heiden zugänglich machten. Dies geschah zum grossen Staunen einiger Juden und war ein Skandal für gewisse andere (Apostelgeschichte 10,34-48 / 11,1-18 / 14,27 / 15,7-12 / 26,23… usw.). Jesus musste bis zum Kreuz gehen, um den politischen und fanatischen Messianismus zu töten. Der an Petrus überreichte „Schlüssel“ hat aber viele Früchte hervorgebracht (Matthäus 16,19).

### Wann soll man verzeihen oder urteilen?

Gewisse Leute verstehen die Lehre Jesus über die Vergebung und das Urteil sehr schlecht. Sie meinen man soll allen Leute immer alles, bedingungslos verzeihen, ohne je jemanden zu verurteilen. Eine solche Haltung ist eine Geisteskrankheit und ein Verzicht auf menschliche Würde. Es ist ein grünes Licht für das Böse in der Welt.

Hier die Absicht Christus betreffend Vergebung und Urteil:

#### Die Vergebung

Sie ist unter einer Bedingung gegeben: „Wenn dein Bruder sündigt, dann geh zu ihm und weise ihn zurecht… Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. Hört er aber nicht auf dich… dann sag es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner“ (Matthäus 18,15-17). Heiden und Zöllner waren durch die Gemeinschaft der Gläubigen ausgestossen.

Dies bedeutet man soll nicht unversöhnlich sein und sich durch einen Fehler aufhalten lassen, sondern sein Herz dem Anderen öffnen, **falls** der Verweis akzeptiert wurde. Falls der Fehler bereut wird, soll man auch vergeben, um auch selbst vergeben zu werden: „Wenn ihr den Menschen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben… Wenn ihr aber nicht vergebt, dann wird euch euer Vater auch nicht vergeben“ (Matthäus 6,14-15). Wenn aber der Schuldige seinen Fehler nicht bereut, dann soll er ausgestossen werden, weil er dann „wie einen Heiden“ zu betrachten ist.

Vergeben bedeutet also nicht eine schwache Haltung zu haben, weil:

1. Man **muss** den Sünder **tadeln**, und sogar öffentlich wenn notwendig und
2. falls er eigensinnig auf seine Verfehlungen beharrt und nicht zuhört, dann soll man mit ihm brechen.  
    „Wenn dein Bruder sündigt, **Weise ihn zurecht**“, sagt Lukas, „und wenn er sich siebenmal am Tag gegen dich versündigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will mich ändern! so sollst du ihm vergeben“ (Lukas 17,3-4). **Falls** die Reue ehrlich ist, muss nach dem Tadel ein zärtliches Vergeben folgen.

Die Rolle Johannes der Täufer war gerade diejenige, zur Umkehr einzuladen, um die Vergebung zu verdienen.

Allerdings gibt es eine Sünde, die „weder in dieser noch in der zukünftigen Welt“ vergeben wird, sagt Jesus. Es ist die Sünde „gegen den Geist“ (Matthäus 12,31-32). Sie besteht darin, seine Ideen und seine Gedanken gegen diejenigen Gottes zu richten. In diesem Fall gibt es keine Vergebung, denn es gibt nie eine wahre Reue. Als Jesus diese Worte sagte, richtete er sich an die Pharisäer, die ihm Widerstand leisteten und seine wundertätige Macht dem Teufel und nicht „dem Geist Gottes“ zuschrieben (Matthäus 12,22-28). Man kann es den religiösen Leuten nicht vergeben, wenn sie den Geist Gottes in den göttlichen Werken nicht erkennen. Das ist ein Aspekt der Sünde gegen den Geist. Der Stolz und der Egoismus sind andere Beispiele. Das Buch der Offenbarung stellt eine Liste solcher Sünden auf (Offenbarung 21,8).

Diese schlimme und unvergebliche Sünde besteht in der stolzen und unlogischen Ablehnung einer offensichtlichen Wahrheit. Die Augen wegzudrehen, um seine Schuld nicht zu sehen oder die Schönheit als hässlich zu bezeichnen und das Wahre als falsch, ist eine Sünde gegen den göttlichen Geist: „Weh denen, die das Böse gut und das Gute böse nennen, die die Finsternis zum Licht und das Licht zur Finsternis machen“, sagt Jesaja (Jesaja 5,20). Sich erlauben zu urteilen, ohne Gott zu befragen bedeutet „vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen und daran zu sterben“ (Genesis 2,17). Dies geschieht, weil man sich die Freiheit genommen hat entsprechend der eigenen menschlichen Mentalität, die so oft verzerrt ist, auf oberflächlicher Art zu urteilen, statt sich dem Geist Gottes, als Urteilskriterium zuzuwenden.

Johannes sagt wir sollten für einen Bruder beten, „der eine Sünde begeht, die nicht zum Tod führt; und Gott wird ihm Leben geben (*durch die Gnade der Reue*)“. Hingegen sagt er „nicht zu beten für diejenigen, die bis zum Tod sündigen“ (1 Johannes 5,16-17). Es handelt sich um die Sünde gegen den Geist Gottes, für welche Gott unerbittlich ist. Es sind nämlich die Feinde Gottes, die diese Art von schlimmen Sünden begehen, auch wenn sie sich als Gläubige bekennen. Die wahren Kinder Gottes kennen diese Art von Sünde nicht: „Wir wissen: Wer von Gott stammt, sündigt nicht, sondern der von Gott Gezeugte (*Jesus Christus*) bewahrt ihn, und der Böse tastet ihn nicht an“, sagt Johannes noch (1 Johannes 5,18-19). Für die Feinde Gottes zu beten, ist eine Beleidigung Gottes: „Du aber, bete nicht für dieses Volk!… Denn ich werde dich nicht erhöhen“, sagt der göttliche Vater dem Jeremia (Jeremia 7,16).

Wir müssen Gottes Geist in uns haben, um die Sünde, die verzeihbar ist von derjenigen, die es nicht ist zu unterscheiden. Gott gibt seinen wahren Kindern seinen Geist (Lukas 11,13). Die Tiefe des Herzens kann mit Gottes Licht und anhand der allgemeinen Haltung der Person erkannt werden. Auf diese Weise kann auch die ehrliche von der unehrlichen Reue erkannt oder unterschieden werden. Im Lichte Gottes erkennt man, ob die betroffene Person sich ohne Hoffung auf Befreiung an seine Fehler klammert oder nicht.

#### Das Urteil

Viele Leute meinen - zu unrecht - Jesus hätte den Gläubigen verboten andere zu urteilen, als er sagte: „Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden“ (Lukas 6,37).

Um irgendeine Sünde zu erkennen, muss man aber urteilen. Als Jesus sagte man solle nicht richten, wandte er sich an Zuhörer, die gewohnt waren andere auf oberflächlicher Weise zu verurteilen und entsprechend ihren Interessen und ihrer Gedankenwelt zu betrachten. Sie lehnten Jesus ab, weil sie ihn auf der Basis oberflächlicher Tatsachen richteten: sein armes Auftreten, welches zu ihren pompösen Vorstellungen des Messias nicht passte. Die jüdischen Führer haben Jesus nicht nach den messianischen Prophezeiungen und den Kriterien der Gerechtigkeit, die **eine absolute Objektivität** verlangen, beurteilt.

Eine solche Objektivität kann erst erreicht werden nachdem man sich von den Vorurteilen und den blinden Leidenschaften befreit hat. Man sollte sich davor hüten, einen Urteil über die Haltung anderer abzugeben, solange diese innere Reinigung in uns nicht vollbracht ist: „Urteilt nicht nach dem Augenschein“, sagt Jesus, und er fügt gleich hinzu: „**Urteilt** gerecht“ (Johannes 7,24).

Man soll vorallem sich selbst urteilen, seine Fehler bekennen, sie korrigieren, um klar zu sehen. Erst dann ist man fähig die anderen auf „**gerechter** Weise“ und nicht nach unserer Meinung zu urteilen. Und die Gerechtigkeit schreibt uns vor das Böse in uns zu entfernen und „dann kannst du versuchen, den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen“, hatte Jesus gesagt (Matthäus 7,5).

Jesus sagt man solle „das Heilige nicht den Hunden geben, und unsere Perlen nicht den Schweinen vorwerfen“ (Matthäus 7,6). Um das zu erfüllen, **muss man zuerst urteilen**, ob dieser ein „Hund“ oder der andere ein „Schwein“ ist.

Daraus lässt sich schliessen, dass das Urteilen eine Aufgabe ist, vor welcher man sich nicht drücken kann. Unsere Urteile sollen aber im Lichte Gottes, entsprechend seiner vollkommenen Gerechtigkeit abgegeben werden.

### Jesus und die Reichen (Matthäus 19,16-26)

Christus ist nicht gegen den Besitz materieller Reichtümer. Er ist aber gegen die Tatsache, dass man sich geizig an das Geld binden lässt und es gegenüber den geistigen Werten bevorzugt: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon (*Gott des Geldes*) dienen“ (Matthäus 6,24).

Als Jesus den jungen, reichen Mann zu seiner Nachfolge als Apostel einlud, nachdem dieser sich von seinen Gütern zugunsten der Armen hätte trennen sollen, dann ging der Junge „traurig weg; denn er hatte ein grosses Vermögen“. Er war nicht bereit auf sein Vermögen im Hinblick auf den Gewinn geistiger Gütern zu verzichten (Matthäus 19,22)

„Ein Reicher wird nur schwer in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 19,23), hatte Jesus weiter gesagt. Nicht weil er reicht ist, sondern weil er sein ganzes Vertrauen in das materielle Reichtum und nicht in Gott setzt: „Gebt acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier. Denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch aufgrund seines grossen Vermögens im Überfluss lebt“, sagt Jesus (Lukas 12,15). Somit sollten die, „die in dieser Welt reich sind, nicht ihre Hoffnung auf den unsicheren Reichtum (*Geld usw.*) setzen, sondern auf Gott… Sie sollen wohltätig sein… freigiebig sein… um das wahre (*ewige*) Leben zu erlangen“ (1 Timotheus 6,17-19).

Unter den Jüngern Jesus waren auch Reiche. Sie machten aber einen guten Gebrauch von ihren materiellen Gütern: „Ein reicher Mann aus Arimathäa namens Josef“ legte den Leichnahm Jesus in sein eigenes Grab (Matthäus 27,57-60). Auch Lazarus und seine beiden Schwestern - Martha und Maria - waren reich, sowie Zachäus, der „sehr reich war“ (Lukas 19,2). Er wurde gerettet, weil er sich entschloss „die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben, und wenn er zu viel gefordert hatte, das Vierfache zurückzugeben“ (Lukas 19,1-10; siehe auch 2 Korinther 8,13: die Gleichheit suchen, ohne in Not zu geraten).

Wie alle Juden glaubten auch die Apostel, dass materieller Reichtum ein Zeichen des Segens sei. Sie waren erstaunt vor den Worten Christus über die Reichen und fragten: „Wer kann dann gerettet werden?“, wenn selbst die Reichen solche Schwierigkeiten hätten (Matthäus 19,25). Jesus hatte ihnen aber bereits die Prophezeiung Jesaja in Erinnerung gerufen: „Die gute Nachricht wird **den Armen** gekündigt“ (Matthäus 11,5 & Jesaja 61,1). Deshalb „sah Jesus sie an (*sie, die arm waren*) und sagte zu ihnen: 'Für Menschen (*auch wenn sie reich sind*) ist das (*das Heil*) unmöglich, für Gott aber ist alles möglich' (Matthäus 19,26). Dadurch gab er ihnen zu verstehen, dass Gott sie als arme Leute, die auf alles verzichteten (*auch wenn es wenig war*), um ihm nachzufolgen bevorzugte. Er bevorzugte sie gegenüber den Reichen, die es ablehnten ihm zu folgen.

Zusammengefasst kann man sagen: es gibt Reiche, die durch die gute Anwendung des Geldes auch geistig reich sind. Diese folgen Jesus nach. Es gibt aber auch Reiche, die geistig gesehen elendig sind, weil sie an ihrem Geld hangen. Ihre ganze Sicherheit hängt von ihrem Geld ab. Es gibt hingegen Arme, die geistig gesehen reich sind, weil sie ihr Vertrauen ganz in Gott, der sie nie enttäuscht, setzen (Matthäus 6,25-34). Es gibt Arme, die doppelt elendig sind, denn sie dursten nach Geld und sind bereit alles zu unternehmen -auch ungerechterweise- um immer mehr zu besitzen, statt ihr Schicksal Gott alleine zu überlassen.

### Die Verfluchung des Feigenbaumes (Matthäus 21,18)

Diese Verfluchung geschah wirklich. Sie ist aber vor allem symbolisch. Merke dir, dass sie nach der Vertreibung der Händler aus dem Tempel und vor der Rückkehr Jesus in den Tempel ausgesprochen wurde. Dort wurde er von den religiösen Führern aufgehalten, um mit Arglist befragt zu werden (Matthäus 21,23-27). Der Feigenbaum (wie auch die Rebe) ist ein Symbol Israels. Als Jesus ihn verfluchte, fühlten sich die jüdischen Führer betroffen (wie sich z.B. Libanesen betroffen fühlen, wenn jemand die Zeder, Symbol des Libanons, verflucht). Diese Verfluchung der heuchlerischen Schriftgelehrten und Pharisäer wird im Kapitel 23 von Matthieu offensichtlich. Das ganze Kapitel ist der Verurteilung dieser „Nattern und Schlangenbrut“ gewidmet. Das vergossene, unschuldige Blut wird „auf sie kommen“. Das Kapitel endet mit der Verurteilung Jerusalems, das durch den verfluchten Feigenbaum symbolisiert wurde (Matthäus 23,37-39). „Es war nicht die Zeit der Feigenernte“ sagt Markus (Markus 11,13). Jesus wusste also, dass er in dieser Jahreszeit keine Feigen auf dem Feigenbaum finden konnte. Der Symbolismus ist somit offensichtlich. Wie der Feigenbaum, der keine Früchte trägt, diese Tatsache durch die vorhandenen Blätter verbirgt, so schminkt sich auch Jerusalem, um seine Boshaftigkeit und seine unzähligen Mordtaten zu verbergen (siehe Jeremia 4,30 & Matthäus 23,37). Lies das Gleichnis des sterilen Feigenbaums (Lukas 13,6-9).

Diese Geschichte enthält eine tiefere Lehre: „… Wenn ihr Glauben habt **und nicht zweifelt**, dann werdet ihr nicht nur das vollbringen, was ich mit dem Feigenbaum getan habe; selbst wenn ihr zu diesem Berg sagt: Heb dich empor, und stürz dich ins Meer! wird es geschehen“ (Matthäus 21,21). „Feigenbaum“ und „Berg“ sind zwei Symbole Israels. Jesus sprach „als er in die Stadt zurückkehrte“ (*Jerusalem: Matthäus 21,18*). Er schaute die Stadt an, als er redete. Sie ist dieser „Berg“, der „ins Meer geworfen wird“. Das Buch der Offenbarung berichtet ebenfalls darüber (Offenbarung 8,8). Dieser Berg ist das Tier der Apokalypse. Die Gläubigen werden aufgefordert ihm Widerstand zu leisten soll und es durch einen unerschütterlichen **Glauben** zu besiegen. Es soll „ins Meer“, aus welchem es hervorging, „gestürzt“ werden (Offenbarung 13,1). Dies ist die Lehre aus der Geschichte des Feigenbaumes. Sie soll heute nach der Rückkehr dieses verfluchten „Berges“, welcher so viele kleingläubige Personen irreführte, in Taten umgesetzt werden. (In der Bibel stellt der Berg Zion oft Israel dar: Micha 3,12 / Joël 2,1 / Daniel 9,20).

### Die Steuern (Matthäus 22,13-17)

Die Römer erhoben Steuern von den besetzen Ländern. In Palästina zahlten die Juden diese Steuern in der üblichen Münze dieses Zeitalters, nämlich die römische Münze mit dem Kopf Cesar. Obwohl ein so genanntes israelisches Reich mit dem König Herodes damals existierte, gab es keine israelische Münze.

Für die Juden war es eine unerträgliche Entfremdung solche Steuern bezahlen zu müssen. Jüdische Beamte wurden durch die Römer für die Erhebung der Steuern bei ihren Genossen eingesetzt. Deshalb hassten die Juden diese Beamten. Es waren Zöllner. Durch die Wahl von Matthäus (ein Zöllner) hat Jesus viele Juden herausgefordert und verärgert (Matthäus 9,9-11).

„Die Pharisäer veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes (*eine Sekte zur Unterstützung des Königs Herodes, der vom Volk unbeliebt war und deshalb Männer hatte, die im Tempel und in den Städten das Verhalten der Juden spionierten*) zu Jesus zu gehen, um ihn zu Fall zu bringen: '… Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu zahlen, oder nicht?'“ (Matthäus 22,15). Hätte Jesus „ja“ geantwortet, dann wäre er als Verräter der jüdischen Nation betrachtet worden. Er hätte sich den Groll des Volkes, welches ihn bewunderte angezogen. Dadurch hätte er sich selbst geschadet und wäre in die „Falle der gestellten Frage“ gelaufen, wie es die Pharisäer wollten (Matthäus 22,15). Falls Jesus „nein“ geantwortet hätte, dann wäre er bei den Römern als Revolutionär, der das Volk verhindert die Steuern zu zahlen, angeklagt worden. Die Falle war gut gestellt.

Eigentlich hätten die Juden gewünscht, dass Jesus dieser nationalistische Revolutionär gewesen wäre. Sie hätten ihn dann unterstützt. Hatten sie nicht bereits versucht ihn als König von Israel einzusetzen? (Johannes 6,15). Erst als sie seine apolitischen Absichten verstanden, entschlossen sie sich ihn zu töten. Sie beschuldigten ihn etwas vorzuhaben, was sie eigentlich gewollt hätten: Einen Aufstand gegen Rom. Die Heuchler! Die Geschichte mit der Münze ereignete sich am Ende der Mission Jesus, als die Juden, enttäuscht, verstanden hatten, dass seine Mission nicht nationalistisch war. Sie entschlossen sich ihn zu töten.

Jesus entkräftigte ihre List: „Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze… Wessen Bild und Aufschrift ist das?“ Sie antworteten: „Des Kaisers“. Also war das in Israel verwendete Geld vom Bild Cäsar gekennzeichnet und nicht vom Bild Herodes oder irgendeinem anderen jüdischen König der Vergangenheit. Die lapidare Antwort Jesus zerschmetterte seine Gegner: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“. Die Anhänger des Herodes berichteten sicher mit Unbehagen ihrem König über diese Worte.

Die Juden akzeptierten mit der römischen Münze zu kaufen oder verkaufen. Deshalb hätten sie es auch akzeptieren sollen den Römern die Steuern zu zahlen.

### Die Wahrheit über Judas

Warum hat Judas Jesus verraten?

Wenige Leute können eine klare Antwort auf diese Frage geben. Versuche selbst zu antworten bevor du den Text weiter liesst.

Weshalb war Judas bereit Jesus nachzufolgen?

Die Antwort zu dieser Frage wird uns den Schlüssel zur Beantwortung der ersten Frage geben.

Judas erwartete von Jesus einzig und alleine die Wiederherstellung des Königreiches David. Er wollte, dass Jesus seine ganze geistige Macht im Dienste dieses politischen Zieles einsetzen würde. Judas strebte nach einer glänzenden Schlüsselstelle. Die Wunder Christus interessierten ihn nicht. Sie weckten nicht einmal eine Bewunderung oder einen Enthusiasmus. Somit konnte er sich in seinem Urteil auch nicht geistig erheben. Seine Ausrichtung blieb irdisch ausgeprägt.

Nach der Brotvermehrung war die Volksmenge voller Bewunderung. Sie wollten Jesus zum König proklamieren. Er entzog sich. Sie suchten ihn und als sie ihn fanden mussten sie einen Vorwurf entgegen nehmen: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt… Müht euch für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“ (Johannes 6,26-27).

Alle diese Leute waren, wie Judas, nur durch materielle Vorteile interessiert. Als Jesus von der wahren Speise, welche der Seele das ewige Leben gibt, sprach, hörten sie deshalb auch nicht mehr zu. Jesus schloss seine Rede mit den Worten: „Aber es gibt unter euch einige, die nicht glauben“. Johannes erklärt weiter: „Jesus wusste nämlich von Anfang an, welche es waren, die nicht glaubten, und wer **ihn** verraten würde“ (Johannes 6,64-71).

Judas zählte also zu denjenigen, die nicht an die tiefe Bedeutung der Wunder Jesus glaubten, obwohl er ein direkter Zeuge davon war. Noch schlimmer als seine Gleichgültigkeit war die Tatsache, dass er weiterhin Jesus nachfolgte, obwohl er nicht an ihn glaubte. Er hätte sich mit der Volksmenge, die Jesus verliess auch entfernen sollen, als Jesus zu den Zwölf sagte: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Johannes 6,67). Warum blieb er? Weil er persönliche Vorteile vom politischen Reich, das Jesus in seinen Augen einsetzen sollte, erwartete. Nur diese Tatsache war für ihn wichtig.

Jesus kannte die wahren Absichten dieses falschen Jüngers und sagte: „Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und doch ist **einer von euch** ein Teufel“. Johannes lässt uns nicht raten wer dieser „Teufel“ war und sagt: „Er sprach von Judas, dem Sohn des Simon Iskariot; denn dieser sollte ihn verraten: einer der Zwölf“ (Johannes 6,67-71).

Als sich Petrus gegen Jesus empörte, weil er von seinem bevorstehenden Tod sprach, erwiderte ihm Jesus: „Weg mit dir, Satan“ (Matthäus 16,23). Petrus aber akzeptierte schlussendlich das geistige Reich Jesus. Nur einer der Zwölf klammerte sich an seinem Teufel: „Einer von euch ist ein Teufel“, hatte Jesus klar ausgedrückt. Es war nur einer: Judas Iskariot.

Ein weiterer Unterschied zwischen Petrus und Judas ist, dass Petrus bei der Verleugnung Jesus (Matthäus 26,69-75) unter dem Eindruck **der Überraschung** war. Hingegen war die Verratung Judas vorgedacht und kalt berechnet. Die Sünde Petrus ist verzeihbar, diejenige des Verräters ist gegen den Geist gerichtet und ist nicht verzeihbar (Markus 3,28-30 / Johannes 15,22-24 / 1 Johannes 5,16).

Judas entschloss sich Jesus zu verraten, als er die Hoffnung auf die Erfüllung seines grössten Wunsches, nämlich die Errichtung des Königreiches Israel verlor. Der Entschluss entwickelte sich stufenweise im Herzen Judas. Der Wunsch zur Tat überzugehen entstand „sechs Tage vor dem Paschafest“, während dem Mahl im Hause Lazarus (Johannes 12,1-11). Es war fünf Tage vor der Kreuzigung und vier Tage vor dem Verrat im Garten des Ölberges. Während dem Mahl bei Lazarus „nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füsse… Judas Iskariot sagte: 'Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben'; Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte“ (Johannes 12,5-6). Das ist der unbekannte Charakter Judas und sein wahres Gesicht: ein Dieb. Der Apostel Johannes, der uns dies offenbart kannte ihn gut.

Jesus beantwortete die ungeschickte Bemerkung Judas: „Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch“ (Johannes 12,7-8). Jesus richtete diese Worte an den Verräter mit einem scharfen und durchdringenden Blick. Judas spürte in seinem Gewissen die erdrückende Wirkung. Judas konnte diese Zurückweisung und der an Maria gerichtete Lob nicht ertragen: „Überall auf der Welt, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat“ (Matthäus 26,13). Judas hingegen hatte sie für die gleiche Tat tadeln wollen. „**Darauf**“, sagt Matthäus, „ging Judas zu den Hohenpriestern“, um ihnen der Messias auszuliefern (Matthäus 26,14-15). Sein Stolz konnte diese öffentliche Beleidigung nicht ertragen.

Die Heuchlerei Judas zeigte sich ebenfalls, als Jesus den Aposteln verkündete: „Einer von euch wird mich verraten“. Sie waren betroffen und alle fragten: „Bin ich es etwa, Herr?“. „Da fragte Judas (wohlwissend, dass er gemeint war): Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es“ (Matthäus 26,20-25).

Durch die Auslieferung Jesus, erhoffte Judas das Vertrauen des jüdischen Priestertums zurück zu gewinnen. Als ihm bewusst wurde, dass er sowohl die Anerkennung der Apostel wie auch diejenige der Juden verloren hatte, war er völlig verzweifelt und erhängte sich. Er wusste genau, dass er ein unschuldiger Mann an die Gehässigkeit seiner Henker ausgeliefert hatte (Matthäus 27,3-4).

Judas erwartete nicht einen solchen dramatischen Ausgang. Vielleicht hoffte er durch die Auslieferung, Jesus vor vollendeten Tatsachen zu stellen, indem er glaubte ihn zwingen zu können zusammen mit den religiösen Führern schlussendlich doch noch das Königreich in Israel zu errichten. Man kann aber die Hand Gottes nicht erzwingen und ihn sogar durch Todesbedrohung zur Erfüllung unseres Willens bringen. „Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen“. Judas hat Gott auf die Probe gestellt. Und er tat dies im eigenen Interesse, weil er so sehr begierig war, zu den Mächtigen dieser Welt zu zählen.

Erst als Judas „sah, dass Jesus zum Tod verurteilt war, hatte er Gewissensbisse betreffend seiner Tat“ und er bedauerte Jesus nachgefolgt zu sein (Matthäus 27,3). Dadurch war sein Traum beendet. Das ist der wirkliche Grund seines Bedauerns. Er hatte aber keine **Reue**, die ihm die göttliche Verzeihung und das Heil gegeben hätte. Er hatte nur noch die Wahl des Todes, um vor der Realität zu flüchten. Er begang Selbstmord!

Dieser Selbstmord ist ein Symbol für das endgültige Schicksal des alten und modernen Zionismus. Durch sein Tod hat Jesus ein Ende an die falschen zionistischen Hoffnungen, die zum geistigen Selbstmord führen, gesetzt: „Durch sein Tod hat Jesus den Tod besiegt“, sagt die Osterlithurgie. Die Juden, die Jesus liebten wurden von einem sicheren geistigen Tod gerettet. „Tod, wo ist dein Sieg?“, sagt Paulus nach seiner Bekehrung zu Jesus (1 Korinther 15,55). Deshalb „musste der Messias all das erleiden“ und durch den Tod gehen (Lukas 24,26). Nachdem die zionistische Illusion auf dem Kreuz vernichtet wurde, stand Jesus vom Tode auf, um dem Judentum sein wahres Gesicht und seinen Jüngern die wahre Hoffnung zurückzugeben.

**Gedanken**

Auch andere Juden wollten, wie Judas, Jesus nicht aus geistigen, sondern aus nationalistischen Gründen nachfolgen. Matthäus berichtet über zwei Fälle (Matthäus 8,18-22):

1. *Der Schriftgelehrte, der zu Jesus sagt*: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst“. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jesus viele Wunder vollbracht und die Leute waren voller Begeisterung für ihn. „Als Jesus die vielen Menschen sah, die um ihn waren, befahl er, ans andere Ufer zu fahren“. Es war das Ufer des Tiberiassee. Am anderen Ufer befand sich aber eine heidnische Gegend, die von den Juden verachtet war und deshalb auch kaum besucht wurde. In der allgemeinen Begeisterung kennzeichnet sich dieser Schriftgelehrte durch das Angebot seiner Dienste und den Wunsch Jesus, wohin er auch geht, sogar zum unreinen Land der Heiden (geächtet von der Tora), nachzufolgen. Es war ein Schriftgelehrter, also eine Person mit viel Vorurteile und erfüllt vom israelischen Patriotismus. Er war bereit Jesus zu folgen wie irgendein Patriot einen militärisch revolutionären Führer folgen würde, der bewaffnet sich zur Befreiung der Heimat losstürzt. Die Heimat Jesus ist jedoch himmlisch und nicht geographisch. Der Schriftgelehrte hatte dies nicht vorausgesehen. Deshalb lässt Jesus durchblicken, dass er keinerlei irdischen Ruhm mit ihm geniessen würde: „Der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“, oder in anderen Worte: Warum willst du mir nachfolgen? Gewisse Leute meinen Jesus hätte das Angebot des Schriftgelehrten abgelehnt. Das ist nicht der Fall. Er hat mit zwei Worten seinem Gewissen nur die wahren Anforderungen und die Opfern durchblicken lassen, welche von einem Jünger des Messias erbracht werden sollten. Vermutlich hat der Schriftgelehrte auf sein Angebot verzichtet, denn er zählte nicht zu den Aposteln. Es ist also der Schriftgelehrte, der sich zurückzog und nicht Jesus, der ihn ablehnte.
2. Dies erklärt auch weshalb „*ein anderer, **einer seiner Jünger***“, der die Antwort Jesus zum Schriftgelehrten hörte ihm, sagte: „Herr, lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben“, und dann werde ich dir nachfolgen. Er wollte sich auf elegante Art zurückziehen: „Folge mir nach; lass die Toten ihre Toten begraben“, erwiderte ihm Jesus, um seinen Vorwand zu entkräften (Matthäus 8,21-22).

Judas hätte sich auch, wie viele andere, zur richtigen Zeit zurückziehen sollen (Johannes 6,60,71). Aber von seinen materialistischen Begierden beherrscht, zog er es vor… widerwillig weiterhin zu hoffen und abzuwarten… bis zur Verzweiflung, zum Verrat und zum Selbstmord.

### Die letzten Zeiten (Matthäus 24)

Einige Tage -etwa drei oder vier- vor dem Ende seines irdischen Lebens, sprach Jesus zu den Aposteln von einem anderen Ende, nämlich vom Ende des Tempels und somit des Staates Israels, die beide im Jahre 70 unseres Zeitalters, ungefähr 35 Jahre nach dieser prophetischen Verkündung, zerstört wurden. Es war das zweite „Ende“ Israels.

Als ich vom Prophet Ezechiel sprach hatte ich erwähnt, dass auch er zu jener Zeit das Ende Israels, welches im Jahre 586 v.Chr. stattfand, verkündet hatte. Es war das erste „Ende“ Israels.

Zu unserer Zeit -genauer seit 1948- und zum dritten Mal, existiert in der Welt wieder einen israelischen Staat, 2000 Jahre nach seiner zweiten Zerstörung. Er geht bald seinem Ende entgegen, wie bei den beiden vorhergehenden Mal. Wenn Jesus nämlich vom Ende spricht, dann meint er, wie damals Ezechiel, das Ende Israel, einen Staat, der ein Hindernis für den Plan Gottes ist.

Israel wurde ein erstes Mal zerstört, um den Juden zu zeigen, dass das Ziel Gottes nicht ein hebräischer Nationalismus ist. Auch sollte der erwartete Messias nicht als einen „jüdischen Patriot“, der sich in die militärische Eroberung der Welt losstürzt mit dem Ziel das israelische Reich zu erweitern (Zionismus), gesehen werden. Israel wurde ein zweites Mal zerstört (70 n.Chr.), um darauf verdeutlichen, dass der Messias bereits in der Person von Jesus in die Welt gekommen war. Er wird ein drittes Mal und das letzte Mal -für immer- zerstört werden und wird nie mehr erscheinen. Durch dieses dritte und letzte Ende Israels sollen die Menschen informiert werden, dass die Rückkehr Jesus unmittelbar ist, wie im Evangelium vorausgesagt.

Einige Tage bevor Jesus durch Judas ausgeliefert wurde, befand er sich mit seinen Aposteln in Jerusalem. Die Apostel bewunderten das Gebäude des Tempels, welches durch Herodes der Grosse verschönert wurde. Jesus sagte gleich zu ihnen: „Seht ihr das alles? Amen, das sage ich euch: Kein Stein wird **hier** (*in Jerusalem*) auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden!“ (*denke an die innere Empörung Judas, als er dies hörte*). Sie fragten ihn: „Sag uns, wann wird das geschehen, und was ist das Zeichen für deine Ankunft und das Ende der Welt“ (Matthäus 24,2-3).

Beachte welche Frage durch die Apostel gestellt wurde: sie wollten wissen „**wann** wird das (*die Zerstörung des Tempels*) geschehen“ und auch „was ist das Zeichen für deine Ankunft (*politisch, glaubten sie*)“, die das „Ende der (*heidnischen*) Welt“ bedeuten wird. Sie verstanden, dass Jesus nach der Zerstörung des prächtigen Tempels regieren würde. Nach ihrer Vorstellung, sollte er danach trotzdem das israelische Königreich wie zu Zeiten Davids und Salomos wiederaufbauen und die Macht der heidnischen Nationen mit Rom an ihrer Spitze beenden. Jesus aber wollte von der Zerstörung des Tempels und dem politischen Ende **Israels** sprechen. Denn Israel ist auf widersprüchlicher Weise das Symbol des Heidentums. Hatte Christus nicht gesagt, dass der römische Hauptmann („heidnisch“) mehr Glauben hatte als alle Israelis, diese „Söhne des Reiches Israel, die (wegen ihrer Ablehnung Jesus) hinausgeworfen werden in die äusserste Finsternis“? (Matthäus 8,5-13).

Besonders heute nach der Rückkehr des Staates Israel, sind wir fähiger geworden die prophetischen endzeitlichen Prophezeiungen Jesus, die sich in den Evangelien von Matthäus, Markus und Lukas befinden, zu verstehen. Johannes spricht nicht davon, denn er schrieb sein Evangelium viel später als die synoptischen (45 Jahre ungefähr) und wusste, dass sie darin bereits erwähnt waren.

Jesus beantwortete die Frage der Apostel („wann wird es stattfinden“) auf eine viel umfassendere Art, als von ihnen erwartet. Seine Antwort bezog sich nicht nur auf die Zerstörung des Tempels und das zweite Ende Israels (welches 35 Jahre später stattfand), sondern auch auf zukünftige Ereignisse. Diese werden nach dem dritten Erscheinen Israels im Jahr 1948 und vor seinem dritten und endgültigen Ende stattfinden.

Das dritte Erscheinen des zionistischen Staates hat eine spezifische weltweite und geistige Wichtigkeit: Sie findet kurz vor der Rückkehr Christus **im Gewissen der Auserwählten** statt. Diese Rückkehr begann mit der Offenbarung des apokalyptischen Geheimnisses am 13. Mai 1970. Das dritte und endgültige Ende Israels ist sehr nahe.

#### Die Zeichen der Zeiten

Die Kapitel 13 von Markus und 21 von Lukas sprechen von diesen eschatologischen Prophezeiungen (Endzeit). Die wichtigsten Zeichen davon sind:

##### Verfolgung der Apostel

Die Apostel wurden vor dem zweiten Zusammenbruch Israels verfolgt, wie dies angekündigt wurde (Lukas 21,12). Auch heute verfolgt Israel die Feinde, die ihm in Gerechtigkeit Widerstand leisten. Das kündigt aber das Ende Israels an.

##### Jerusalem von den Heiden und manche falsche Messias erobert

Die Heiden in Jerusalem sind ein Zeichen seines bevorstehenden Zusammenbruchs. Gestern waren die Römern, die Heiden, die die Stadt eroberten, den Tempel verbrannten und die Juden in die ganze Welt zerstreuten (Lukas 21,23-24). Heute hingegen sind die so genannten Juden die Heiden, die Jerusalem erobern. Sie sind die modernen Heiden (wegen ihrer Ablehnung Jesus). Ihre massive Anwesenheit in Palästina und in der Heiligen Stadt deutet auf das nahe und endgültige Ende des Staates Israel an: „Jerusalem wird von den Heiden (*die „falschen Juden“, in Offenbarung 2,9 & 3,9*) zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden sich erfüllen“ (Lukas 21,24). Es wird also das Ende der sichtbaren und okkulten zionistischen Macht in der Welt sein.

Manche falsche Messias werden auftreten und sagen „die Zeit (*des zionistischen Messias*) ist da“. Es sind falsche Propheten (die heutigen Zionisten), die im Staat Israel einen „Beweis“ für die Zeit der Ankunft ihres israelischen Messias sehen. Sie meinen er sei jetzt an der Tür und werde sich bald der ganzen Welt offenbaren. Jesus hatte in der Tat gesagt: „Viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin der Messias! und sie werden viele irreführen (Matthäus 24,5)…Wenn dann jemand zu euch sagt: Seht, hier ist der Messias! oder: Da ist er! so glaubt es nicht“ (Matthäus 24,23-24). Wir haben gehört wie die Israelis behaupteten die messianische Zeit sei endlich gekommen. Einige sagten Ariel Sharon sei der Messias, andere behaupteten Menahem Begin sei der Messias und noch andere der Rabbi Meir Kahana sei der Messias, der König Israels. Wir wissen, dass Jesus der einzige Messias Gottes ist und dass die messianische Zeit mit ihm vor 2000 Jahren begonnen hat.

##### Internationale Spannung und nukleare Bedrohung

„Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen… Die Völker werden bestürzt und ratlos sein (nuklearer Krieg: Lukas 21,25-26)… Ein Volk wird sich gegen das andere erheben… (Matthäus 24,7)… Dann wird man den Menschensohn (*Jesus*) kommen sehen… (Lukas 21,27)“. Deshalb bezeichnen wir diese Ereignisse als „Zeichen der Zeit“, d.h. sie finden kurz vor der Wiederkunft Jesus statt.

##### Weltweite Verbreitung des Evangeliums

„Dieses Evangelium vom Reich (*die gute Nachricht von der Ankunft des Messias in die Welt*) wird auf der ganzen Welt verkündet werden, damit alle Völker es hören; dann erst kommt das Ende (*drittes und endgültiges Ende Israels*)“ (Matthäus 24,14). Heute ist das Evangelium überall auf der Welt bekannt. Es wurde in mehr als 360 Sprachen und 1500 Dialekten übersetzt. Das Ende des israelischen Antichrists ist ganz nahe sowie das Erscheinen des von der Apokalypse und von Petrus angekündigten „neuen Himmel und der neuen Erde“ (Offenbarung 21,1 / 2 Petrus 3,13).

##### Die Apostel der letzten Zeiten

Jesus sagt: „Dann… werden sie den Menschensohn kommen sehen… Er wird (*zuerst*) seine Engel unter lautem Posaunenschall aussenden, und sie werden die von ihm Auserwählten aus allen vier Windrichtungen zusammenführen…“ (Matthäus 24,30-31).

Diese „Engel“ sind Menschen, die zur letzten Zeiten von Gott gesandt werden, um alle Leute guten Willens in der Welt durch die Erinnerung an die eschatologischen Prophezeiungen zu „erwecken“. Diese Gesandten werden die Erfüllung der „Zeichen der Zeit“ aufzeigen (*Wiedererscheinen Israels, weltweite Verfolgung seiner Feinde, internationale Spannungen, Nuklearangst, weltweite Verbreitung des Evangeliums*).

Der „laute Posaunenschall“, der die „klugen Jungfrauen“ des Gleichnisses erweckt (Matthäus 25) ist die Botschaft der Offenbarung. Sie offenbart die Identität des „Tieres der Apokalypse“ (Offenbarung 13), dem es gelang die „Jungfrauen“ zu täuschen und sie einzuschlafen. Die Offenbarung ist der „laute Ruf mitte in der Nacht“ (Matthäus 25,6), wenn alle schlafen. Er soll die Seelen guten Willens, die durch die satanische List des zionistischen „Tieres“ getäuscht wurden, aus ihrem tiefen Schlaf ziehen (Matthäus 25,1-7).

Matthäus ist der einzige, der von den Apostel der letzten Zeiten spricht. Er berichtet über die Worte Jesus über das Ende der Zeiten: „… Wenn dann die Zeit der Ernte da ist (*letzte Wahl der Auserwählten am Ende der Welt*), werde ich den Arbeitern sagen (*es ist also Jesus selbst, der seine „Arbeitern“, d.h. die Apostel der letzten Zeiten aussenden wird*): Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune“ (Matthäus 13,30). Weiter sagt er: „Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein: Der Menschensohn wird seine Engel aussenden, und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt (*das „Unkraut“*) und Gottes Gesetz übertreten haben, und werden sie in den Ofen werfen“ (Matthäus 13,40-42). „So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel (*Apostel der letzten Zeiten*) werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen“ (Matthäus 13,49-50). Lies jetzt das Kapitel 13 von Matthäus.

#### Einige Erläuterungen zu Matthäus 24

*Der unheilvolle Greuel* am heiligen Ort im heiligen Land (Palästina) stellt Israel, der Höhepunkt des Unheils dar. Denn obwohl dieser Staat von Gott verworfen ist, stellt er sich dennoch als „auserwähltes Volk“ und als Werk Gottes auf dem heiligen Land der Bibel dar.

Dieser Staat, der so viel Zerstörung und Gräueltaten anrichtete, stellt sich als „unschuldiges Lamm“ dar und klagt die anderen als Terroristen an. Tatsächlich ist er der „raubgierige Wolf“, der durch seine mörderischen Taten leicht erkennbar ist, trotz der Verkleidung als unschuldiges Lamm (Matthäus 7,15-16). Die in Palästina vor den Augen der ganzen Welt begangenen israelischen Mordtaten machen aus Israel dieses „unheilvolle Gräuel“ - die Vollkommenheit in der Abscheu - im heiligen Land, welches von Daniel (Daniel 9,27 / 11,31 / 12,11) vorausgesagt und von Jesus ebenfalls erwähnt wurde (Matthäus 24,15).

„*Wehe aber den Frauen, die in jenen Tagen schwanger sind…*“, denn ihre Flucht wird wegen der Schwangerschaft schwieriger sein. Jesus droht nicht den schwangeren Frauen, sondern er hat Mitgefühl. Man sollte übersetzten: „Unglücklich die Frauen, die schwanger sind und in jenen Tagen stillen werden“. Denn es werden schwierige Tage sein (Matthäus 24,19).

„*Betet darum, dass ihr nicht an einem Sabbat fliehen müsst*“. Es ist eine ironische Bemerkung von Christus, denn die Juden dürfen an einem Sabbat nicht weiter als einen Kilometer laufen… Um ihren Feinden zu entfliehen, werden sie nämlich sehr grosse Distanzen hinterlegen müssen… (Matthäus 24,20).

Du kannst jetzt mit der systematischen Lektüre der synoptischen Evangelien beginnen, ohne dabei besondere Schwierigkeiten zu finden. Danach kannst du zur Lektüre der Apostelgeschichte übergehen, nachdem du meine Erläuterungen gelesen hast.

### Die Apostelgeschichte

Dieses Buch ist die Fortsetzung des Lukas-Evangelium und wurde auch von ihm geschrieben. Es ist das zweite Buch, welches an „Theophilus“ gewidmet wurde, um ihm über „alles was Jesus getan und gelehrt hat, bis zu dem Tag, an dem er in den Himmel aufgenommen wurde“ zu berichten (Apostelgeschichte 1,1-2). Dieses Buch informiert uns über die Handlungen der Apostel **nach** der Auffahrt Jesus bis zum Jahr ca. 62 n.Chr., kurz vor dem Martyrium von Petrus und Paulus, welches in Rom im Jahr 64 n.Chr. stattfand.

Als Historiker der Apostel, schreibt Lukas als Reisebegleiter von Paulus. Nachdem Lukas zuerst von Paulus im Singular schreibt, wechselt er plötzlich in die Mehrzahl, weil er dann selbst zur Paulus-Gruppe gehörte: „Er durchquerte Syrien… Er erreichte Derbe… Er nahm Timotheus mit sich… Er durchwanderte Phrygia…“. Und später schreibt er: „**Wir** wollten sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir waren überzeugt, dass uns Gott dazu berufen hatte“ (16,1-10). Lukas hat sich dem Paulus in Troas, in der aktuellen Türkei angeschlossen (siehe biblische Karte).

In seinem „ersten Buch“ (Evangelium) hatte Lukas dem Theophilus über die Ankunft des Messias berichtet. In seinem zweiten Buch (Apostelgeschichte) erzählt er ihm die Verbreitung der evangelischen Botschaft „in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde“ (Apostelgeschichte 1,8). Diese Grenzen waren Rom. Lukas berichtet über den Widerstand der dortigen, fanatischen Juden gegen die weltweite nicht-rassistische Botschaft Jesus. Dieser Widerstand ging bis zur Verfolgung und Tötung einiger Apostel und Jünger Jesus durch die Juden. Du wirst die Geschichte der Bekehrung vieler Juden und Heiden und ihrer Vereinigung in der Person Jesus noch lesen.

Ich werde auf die wichtigen Stellen des Buches und auf den geistigen Inhalt hinweisen, um das wichtigste und den Geist, den uns Lukas vermitteln will zu unterstreichen. Danach wirst du das Buch aufmerksam durchlesen. Es hat eine grosse Bedeutung für uns heute, denn mit dem Wiedererscheinen Israels ist es höchst aktuell. Der andauernde Widerstand der modernen Israelis gegen Jesus und ihre subtile aber reale Verfolgung der Jünger Jesus, verleihen der Botschaft der Apostelgeschichte einen sehr aktuellen und zutreffenden Charakter.

#### Die Apostel verstanden noch nicht (Apostelgeschichte 1,6)

Bei der Auffahrt Jesus hatten die Apostel die innere Dimension des Reiches Gottes immer noch nicht verstanden. Sie fragen Jesus: „Herr, stellst du in dieser Zeit **das Reich für Israel wieder** her?“. Nach drei Jahre Ausbildung und „Hirnwaschung“, nach der Kreuzigung, der Auferstehung Christus und seinem wundervollen Aufenthalt während 40 Tagen mit ihnen, sind die Apostel immer noch so weit. Es brauchte eine Intervention des Hl. Geistes und viel Zeit damit sie zur Einsicht über die wahre Natur des Reiches und der „Wiederherstellung“ kamen (Apostelgeschichte 3,21).

#### Das Pfingstfest

Fünfzig Tage nach der Auferstehung (Ostern) gibt Gott den Aposteln seinen Geist, seine „Mentalität“. Zu jener Zeit feierten die Juden das Fest der „Ernte“. Dieses Fest symbolisiert die geistige Ernte durch das Evangelium, die Wahl der Auserwählten durch die Gabe des Heiligen Geistes an alle, die daran glauben (Johannes 4,34-38 / Lukas 10,2 / Matthäus 13,30 / Apostelgeschichte 14,15-16). Die Ungläubigen haben keinen Anteil an diesem Geist, der heilt und der Seele das ewige Leben sowie das Glück spendet.

Die Apostel werden dann nicht nur von den Hebräern verstanden, sondern auch von allen, die nicht hebräisch sprechen. Nach der babylonischen Sprachverwirrung, wo sich die Menschen untereinander nicht mehr verstanden, war das eine Form der Wiederherstellung (Genesis 11,1-9).

#### Der starke jüdische Widerstand

Dieser Widerstand charakterisiert das ganze Buch der Apostelgeschichte. Petrus sagt deshalb: „Wahrhaftig, verbündet haben sich in dieser Stadt (*Jerusalem*) **gegen** deinen heiligen Knecht **Jesus**, Herodes und Pontius Pilatus mit den Heiden und den Stämmen Israels (*die Juden von überall her*)“ (Apostelgeschichte 4,27). „Gegen Jesus“ bedeutet „Anti-Christ“. Johannes spricht von ihnen wenn er auf den Antichristen hinweist (1 Johannes 2,22 / 4,1-6 / 2 Johannes 7). In der heutigen Endzeit hat sich dasselbe anti-christliche Verbündnis, das aus den Israelis der ganzen Welt besteht, erneut gebildet. Obwohl die Israelis Jesus verleugnen, konnten sie die Unterstützung der so genannten christlichen Nationen gewinnen (siehe die Texte [„Der Antichrist und die Wiederkunft Christi“](/de/der-antichrist-und-die-wiederkunft-christi) und [„Die Christen und Israel“](/de/die-christen-und-israel)). Der Widerstand der Juden führte zur Verfolgung und zum Martyrium der Apostel und der Jünger Jesus. Stefanus war der erste Martyrer (Apostelgeschichte 7 und 12,1-2).

#### Die Bekehrung Paulus

Lukas insistiert auf die Bekehrung Paulus zu Christus. „Paulus aber war mit dem Mord Stephanus einverstanden“ (Apostelgeschichte 8,1) und „wütete mit Drohung und Mord gegen die Jünger des Herrn“ (Apostelgeschichte 9,1). Er wiederholt dreimal die Geschichte seiner Bekehrung (Apostelgeschichte 9,1-19 / 22,5-16 / 26,10-18). Er erwähnt auch, dass dieser eindrucksvolle Umsturz von Paulus stattfand, nachdem dieser „versuchte die Kirche zu vernichten; er drängte in die Häuser ein, schleppte Männer und Frauen fort und lieferte sie ins Gefängnis ein“ (Apostelgeschichte 8,3). Paulus handelte aber mit gutem Willen. Er war davon überzeugt, der Sache Gottes zu dienen. Er war durch **die Liebe** zu Gott bewegt und nicht durch **Hass** gegen Jesus, wie die anderen Verfolger der Jünger. Deshalb verdiente er durch Christus selbst und nicht durch Menschen erleuchtet zu werden. Gott alleine konnte ihn von der Falschheit seiner Taten überzeugen (Galater 1,11-17 / 1 Timotheus 1,12-16).

#### Der Glaube wird den Heiden weitergegeben (Apostelgeschichte 10,1-11 und 10,18)

Es brauchte eine göttliche Intervention sowohl bei den Heiden (Apostelgeschichte 10,1-8) als auch bei Petrus (Apostelgeschichte 10,9-24), damit die biblische Botschaft - die Erkenntnis des einzigen Gottes -an die Heiden und danach ganze Welt weitergegeben wurde. Die jüdische, priesterliche Kaste hatte diese Botschaft für die Heiden hermetisch verschlossen.

Die ersten jüdischen Jünger Jesus waren selbst erstaunt, dass diese Erkenntnis bei den nicht-Juden verbreitet wurde: „Gott hat also auch den Heiden die Umkehr zum (ewigen) Leben geschenkt“ (Apostelgeschichte 11,18). Denn die Juden glaubten, und glauben es heute noch, dass die nicht-Juden, im Gegensatz zu ihnen, keinen Geist hätten und somit nur für diese Erde lebten. Sie hätten keinen Anteil an das ewige Leben und an die Auferstehung. Ihr Schicksal wäre ähnlich wie dasjenige der Tiere, die keine ewige Seele besitzen.

Diese vom hebräischen Fanatismus geprägte Verachtung der Heiden hat die Mission der Apostel, besonders bei der jüdischen Gemeinschaft, sehr schwierig gemacht. Die evangelische Botschaft musste in der Tat das grosse Hindernis des jüdischen Extremismus durchbrechen. Es war ein vom israelitischen Klerikalismus aufgebautes psychologisches unüberschreitbares Hindernis. Gott alleine konnte es brechen. Er tat es, indem er zum gleichen Zeitpunkt bei einem Heide, der Hauptmann Kornelius, und beim Apostel Petrus intervenierte. Die gut besinnten Juden waren darüber sehr erstaunt und die fanatischen Juden derselben Gemeinschaft begannen einen heftigen Widerstand dagegen (Apostelgeschichte 22,21-22). Ohne diese direkte Intervention Gottes wäre die evangelische Botschaft nie zu den Heiden übergegangen.

Dieser heftige Widerstand der Juden gegenüber der göttlichen Botschaft der Apostel Jesus äusserte sich auf verschiedene Weise:

1. Die Verfolgung der Apostel und der Gläubigen, wie bereits erwähnt. Man sollte davor nicht erstaunt sein, denn auch die Propheten wurden in Israel verfolgt.
2. Eindringen in die Reihen der Christen, um die Gläubigen von ihrem Glauben an Jesus abzuwenden und zur Einhaltung des mosischen Gesetzes zurückzuführen (Apostelgeschichte 15,1-5 / 20,28-30). Diese hinterhältige Methode war sogar bei einigen Aposteln erfolgreich. Danach drängten sie selbst auf die Ausübung des mosischen Kultus (unwirksam für das Heil, wie es Paulus später erklärt: Galater 3,11), und unterlagen dem Druck dieser „Eindringlinge, die sich eingeschlichen hatten, um… argwöhnlich zu beobachten“ (Galater 2,4). Sie beobachteten die erste christliche Gemeinschaft schon zu beginn. Somit verlangt z.B. Apostel Jakobus, der sogar das Haupt der christlichen Gemeinschaft in Jerusalem war, von Paulus, dass er sich dem mosischen Kult beuge, wie es „viele Tausende unter der Juden, die gläubig (*in Jesus*) geworden sind“ tun „und **sie alle sind Eiferer** für das Gesetz (*von Mose*)“ (Apostelgeschichte 21,17-26). Paulus musste vor den Forderungen Jakobus nachgeben. Trotzdem haben die Juden ihn verfolgt und „wollten ihn umbringen“ (Apostelgeschichte 21,31).
3. Das jüdische Eindringen in die christliche Gemeinschaft wurde durch Paulus (Galater 1,7 / 2,4 / 6,12 / Titus 1,10-14 / 2 Korinther 11,13-15 / Kolosser 4,11), durch Petrus (2 Petrus 2,1) und Judas (Judas 1,4 & 12; vergleiche mit 1 Korinther 11,17-33) verurteilt.
4. Jüdische Anspornung der Heiden gegen die Apostel (Apostelgeschichte 14,2 / 17,5-9).
5. Paulus wird angeklagt er sei „ein Rädelsführer der **Nazoräerpartei**“ (Apostelgeschichte 24,5). Sie wollten damit bei den Römern den Eindruck erwecken, es handle sich um eine politische Partei, die sich Cesar widersetzt, um einen anderen König, Jesus, anstelle des Kaisers einzusetzen (Apostelgeschichte 24,14 / 17,7 / 25,8). Dieselbe List wurde durch die Juden gegen Jesus angewendet. Sie wird auch von den Christen gegen ihre Religionsbrüder, die Apostel der letzten Zeiten, verwendet. Diese Apostel haben nämlich die Mission den Antichristen, Israel, zu denunzieren. Man beschuldigt sie, sie würden sich mit politischen Themen auseinandersetzen. In der Tat bekämpfen sie aber die Politisierung der Spiritualität, die von den Zionisten und ihrer Verbündeten vollbracht wird.

#### „Nach den Schriften“ (Apostelgeschichte 17,2-3)

Paulus „legte ihnen die Schriften aus und erklärte, dass der Messias leiden und von den Toten auferstehen musste“ (Apostelgeschichte 17,2-3). Die Gläubigen „forschten Tag für Tag in den Schriften nach, ob sich dies wirklich so verhielte“ (Apostelgeschichte 17,11). Jeder **wahre** Christ muss fähig sein „**aus der Schrift** nachzuweisen, dass Jesus der Messias ist“ (Apostelgeschichte 18,28) und dass Israel (der Jesus als Christus verleugnet) der von Johannes angekündigte Antichrist ist (1 Johannes 2,22).

Petrus empfiehl „stets bereit sein, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“ (1 Petrus 3,15).

Wir können unser Glauben nicht verteidigen, wenn wir die Heiligen Schriften nicht kennen. Nur durch die biblische Erkenntnis können wir Apostel von Jesus, der wahre und einzige Messias, sein.

Das Ziel dieses Bibelkurses besteht darin, diese Erkenntnis denjenigen geben, die berufen sind Jünger Jesus zu werden und die diesem göttliche Ruf folgen wollen.

| ![](/pictures/cb_voyage-paul-1_de.jpg "Die erste Reise von Paulus")  Die erste Reise von Paulus (46-48 n.Chr.) |
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| ![](/pictures/cb_voyage-paul-2_de.jpg "Die Zweite Reise von Paulus")  Die zweite Reise von Paulus (49-52 n.Chr.) |
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| ![](/pictures/cb_voyage-paul-3_de.jpg "Dritte Reise von Paulus")  Die dritte Reise von Paulus (53-57 n.Chr.) |
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| ![](/pictures/cb_voyage-paul-4-rome_de.jpg "Die Reise nach Roma")  Die Reise nach Rom (59-62 n.Chr.) |
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## Dreizehnte Lektion - Das Johannesevangelium und die Briefe der Apostel

### Präsentation des Johannesevangeliums und seiner Briefe

Im Gegensatz zu den synoptischen Evangelien ist das Johannes Evangelium keine Biographie von Jesus. Der Evangelist interessiert sich hier weniger an die menschliche Abstammung des erwarteten Messias, sondern vielmehr an die Realität seiner Persönlichkeit. Es ist eine tiefere und bewegende Realität, nämlich diejenige seiner göttlichen Abstammung. Deshalb beginnt er auch sein Werk mit einer meisterhaften Einführung, um uns die **göttliche** Abstammung Jesus, die er selbst entdeckt hat zu offenbaren. Er sagt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort **war Gott** (Johannes 1,1)… Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt“ (Johannes 1,14).

Somit ist Johannes kein Historiker des irdischen Lebens Jesus, wie die anderen Evangelisten, sondern ein **Theologe**, der die göttliche Natur offenbart. Die synoptischen Evangelien lehren uns, dass Jesus der erwartete Messias ist. Johannes bestätigt diese Wahrheit und geht noch weiter - oder besser gesagt höher - um uns zu offenbaren was die anderen nicht taten, nämlich, dass dieser Messias der fleischgewordene Gott ist. Er ist der Schöpfer, der eine menschliche Gestalt annimmt, um persönlich mit den Menschen auf Erde in einer fassbaren Art und Weise anwesend zu sein. Wenn man daran denkt ist es eine umstürzende erschlagende Tatsache. Sie ist aber vor allem wahr.

Johannes ist der einzige Evangelist, der uns diese schätzbare Information überliefert. Deshalb wird er „der Theologe“ genannt. Er ist in seinen Gedanken sehr hoch gestiegen und wird deshalb als Adler symbolisch dargestellt.

Erst als Johannes 90 Jahre alt war, entschloss er sich das Evangelium zu schreiben. Zu jener Zeit war er der einzige Überlebende unter den Apostel. Er erachtete es nicht für notwendig früher zu schreiben, weil die anderen Evangelien sowie die vielen Briefe der Apostel zur Information der Gläubigen über Jesus, bereits existierten. Was hat ihn veranlasst zu schreiben? Es ist wichtig dieser Punkt zu kennen.

In der vorherigen Lektion hatte ich erwähnt, dass die ungläubigen Juden sich in der wachsenden christlichen Gemeinschaft einschlichen, um sie von innern zu zerstören. Nicht nur durch das Drängen auf die Einhaltung des mosischen Gesetzes, sondern auch durch die Behauptung Johannes der Täufer und nicht Jesus, sei der Messias, brachten sie diese Gemeinschaft durcheinander. Weiter griffen sie die Christen an, weil sie an die Gottheit des Messias glaubten. Verwirrt wandten sich die Jünger an Johannes und suchten bei ihm die notwendige Erleuchtung. Sie wussten, dass sie Vertrauen in seine Worte haben konnten, denn er war der „Jünger, der Jesus liebte“.

Johannes beginnt also sein Evangelium indem er zwei streitige Punkte behandelt:

1. **Jesus ist der Messias**:  
    *Johannes der Täufer ist nicht der Messias* (das Licht). „Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht. Das Wort ist das wahre Licht…“ (Johannes 1,6-9).  
    Jesus, das Wort, und nicht Johannes, ist also der Messias.
2. **Jesus ist Gott, der Fleisch geworden ist**:  
    *Jesus ist das Wort, das Wort ist Gott* (Johannes 1,1) und das Wort ist Fleisch geworden. Es hat einen menschlichen Körper angenommen, um mit den Menschen zusammenzuleben (Johannes 1,14). Jesus ist also wirklich Gott, der Fleisch geworden ist.

Der Apostel Johannes war die richtige Person, um die Jünger, die sich an ihn wandten zu beruhigen. Er war früher nämlich zugleich der Jünger Johannes der Täufer und der Apostel Jesus gewesen (wie auch Andreas: Johannes 1,35-20). Er war somit in guter Stellung um die von den „falschen Propheten“ verbreiteten Irrtümern zu entkräften. In seinen Briefen (1 Johannes 4,1-6 / 2 Johannes 1,7) und im Buch der Offenbarung klagt er sie auch an. (Dort bezeichnet er sie als „falsche Juden“ und „Synagoge des Satans“: Offenbarung 2,9 & 3,9; die „Nikolaiten“ in Offenbarung 2,6 waren eine von so genannten, bekehrten Juden gebildete Sekte, die die Gottheit Jesus verleugneten).

Eine gute Methode um das Johannes Evangelium zu studieren besteht darin, beim durchlesen auf folgendes aufmerksam zu sein:

1. Auf die Versen, die betonen, dass der Messias Jesus und nicht Johannes der Täufer ist.
2. Auf die wiederholten, feinen Andeutungen in den Reden Jesus, in welchen er sich als der fleischgewordene Gott offenbart.

Lies dieses wunderbare Buch nach den Erläuterungen, die ich dir nachfolgend zu jedem wichtigen Punkt gebe, um deine Entdeckung zu erleichtern.

#### Jesus ist der Messias

Am Anfang meinten viele Juden, Johannes der Täufer sei der Messias. Er selbst betonte aber wie es die synoptischen Evangelien unterstreichen: „Ich taufe euch nur mit Wasser der Umkehr. Der aber, der nach mir kommt (Jesus), ist stärker als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen (Matthäus 3,11). Aber wie es Lukas berichtet, gab es viel später immer noch Juden in Ephesus, die sich mit der Taufe des Johannes begnügten (Apostelgeschichte 19,1-7). Auch Johannes befand sich in Ephesus. Die Juden dieser Stadt waren die gewalttätigsten „anti-Christen“: „Als die sieben Tage zu Ende gingen, sahen ihn die Juden aus der Provinz Asien im Tempel. Sie brachten das ganze Volk in Aufruhr, ergriffen ihn… (Apostelgeschichte 21,27).

Johannes in seinem Evangelium betont und wiederholt oftmals das Zeugnis des Täufers: „Johannes kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht… Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das licht. Das Wort war das wahre Licht (Johannes 1,6-9)… Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief: Dieser war es, über den ich gesagt habe: Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war (Johannes 1,15)… Dies ist das Zeugnis des Johannes…: Ich bin nicht der Messias… (Johannes 1,19-27)… Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes… Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann… Er ist der Sohn Gottes… (Johannes 1,29-36). Ihr selbst könnt mir bezeugen, das ich gesagt habe: Ich bin nicht der Messias, sondern nur ein Gesandter, der ihm vorausgeht…“ (Johannes 3,26-36).

Johannes beruhigt also seine Jünger gleich zu beginn seines Evangelium: Jesus ist der Messias-Gott. Am Ende seines Evangelium bestätigt er sie in diesem Glauben: „Diese Zeichen aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen“ (Johannes 20,30-31).

#### Die Gottheit Jesus

Johannes beginnt sein Evangelium mit einem Schüsselwort, welches eine sehr grosse Wirkung auf die jüdische Mentalität hat: „Im Anfang“, auf hebräisch „Bereschit“ („Be“ = im, „Reschit“ = Anfang). Dieses Wort ist besonders wichtig, weil es das Alte Testament, die Tora, eröffnet. Das Buch Genesis beginnt tatsächlich so: „Im Anfang (Bereschit) schuf Gott Himmel und Erde“.

Angeregt durch den Geist Gottes verwendet Johannes **absichtlich** dieses Wort, welches das jüdische Herz aufrüttelt und schockiert, um es für die Büchern des Neuen Testaments empfänglich zu machen. Im selben Geist beginnt auch Johannes seinen ersten Brief: „Was von **Anfang** an war…“.

Als Antwort auf die Gläubigen, die ihn befragten, wollte Johannes eine neue Genesis (Schöpfung), ein neues „Bereschit“ schreiben: „Im Anfang war das Wort… Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen… Johannes (*der Täufer*) war nicht selbst das Licht… Das Wort war das wahre Licht“ (Johannes 1,1-9).

Durch diese mutigen Worte erklärt Johannes auf sehr tiefer Weise, was die Genesis über Gott, der Schöpfer des Himmels, der Erde und des Lichtes sagt. Dieser Schöpfer ist niemand anderes als das Wort. „Alles ist durch das Wort geworden“ (Johannes 1,3), denn „**Im anfang** war es bei Gott“ (Johannes 1,2) und „war Gott“ selbst (Johannes 1,1). „Und das Wort ist Fleisch geworden (*in Jesus*)“ (Johannes 1,14). Die Gläubigen, die bei Johannes Zuflucht suchten konnten keine bessere Antwort erhoffen. Du versteht weshalb er „der Theologe“ genannt wurde.

Während dem ganzen Evangelium bemüht sich Johannes die Worte Jesus getreu wiederzugeben. Er stützt sich darauf um zu sagen, dass „das Wort im Anfang bei Gott war und dass es Gott war“. Hatte er nicht gehört wie Jesus zu den Juden sagte: „Noch ehe Abraham wurde, bin ich“ (Johannes 8,58)? Hatte er nicht selbst Johannes der Täufer gehört sagen: „Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, **weil er vor mir war**“? (Johannes 1,30). Johannes wusste, dass Abraham 2000 Jahre und Johannes der Täufer 6 Monate vor Jesus zur Welt kamen. Er konnte die logischen Schlussfolgerungen, die er selbst in seinem Evangelium zog nicht verschweigen. Mit Liebe und Genauigkeit liefert er uns sein Zeugnis damit diejenigen, die daran glauben, gerettet werden.

Der Glaube an die Gottheit Jesus existierte bereits vor dem Johannes Evangelium. In seinen Briefen spricht Paulus davon: „Er war **Gott gleich**, hielt aber nicht daran fest, **wie Gott zu sein**“, sagt er über Jesus (Philipper 2,6). Und ebenfalls: „Bleibt in ihm (*Jesus*) verwurzelt… Denn in ihm allein wohnt wirklich **die ganze Fülle Gottes**“ (Kolosser 2,6-9). Die Briefe von Paulus wurden ca. 40 Jahre vor dem Johannes Evangelium geschrieben.

Die Christen glaubten also bereits an die Fleischwerdung Gottes in seiner „ganzen Fülle“. Warum sollte denn Johannes darüber schreiben und seine Jünger noch überzeugen, wenn sie es bereits wussten? Wie bereits erwähnt, waren sie durch Unruhestifter, welche Zweifel und Zwiespalt unter den christlichen Reihen streuten verwirrt. Diese Unruhestifter stammten aus der Masse der Juden, die Jesus verleugneten. Johannes nennt sie „Antichristen“: „Ihr habt gehört, dass der Antichrist kommt, und jetzt sind **viele Antichristen** gekommen… Sie sind aus **unserer Mitte** (*die Juden*) gekommen, aber sie gehörten nicht zu uns… Wer ist der Lügner - wenn nicht der, der leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist“, sagt er in diesem Zusammenhang (1 Johannes 2,18-22). Paulus weist ebenfalls auf diese Leute wenn er schreibt: „Denn die geheime Macht der Gesetzwidrigkeit ist schon am Werk“ gegen die ersten Juden, die Jesus treu waren (2 Thessalonicher 2,7).

#### Die zwei jüdischen Gruppen

Da ich von den Antichristen spreche, nehme ich es zum Anlass, um über die zwei Gruppen von Juden, die sich mit der Ankunft des Messias bildeten zu sprechen: die einen waren für ihn -sie waren Pro-Christ- und die anderen gegen ihn, die Antichristen.

Jesus, der geistige Messias, der kein jüdischer Nationalist war, teilte die hebräische Gesellschaft in zwei Lager: „Wegen dieser Rede kam es unter den Juden erneut zu einer Spaltung. Viele von ihnen sagten: Er ist von einem Dämon besessen und redet im Wahn. Warum hört ihr ihm zu? Andere sagten: So redet kein Besessener…“ (Johannes 10,19-21).

Auch Paulus war „ein Unruhestifter bei allen Juden in der Welt“ (Apostelgeschichte 24,5), der das „Unkraut vom Weizen“, die Gläubigen von den Ungläubigen trennte. In diesem Sinne hatte Jesus gesagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, um den Sohn (*der nicht an mich glaubt*) mit seinem Vater (*der an mich glaubt*) zu entzweien… usw.“ (Matthäus 10,34-35). Die ungläubigen Juden werfen Jesus diese Worte vor. Sie beschuldigen ihn die Einheit des Volkes und der Familie zu zerstören…

Das Lager der Gläubigen liess sich durch die Prophezeiungen überzeugen, dass der Messias sterben musste, damit die von den Juden hermetisch zurückgehaltene monotheistische Botschaft an die Heiden übergehe (Apostelgeschichte 17,1-4). Somit konnte „der Name Jesu, des Herrn hoch gepriesen werden, durch alle Juden und Griechen“ (*Heiden, die polytheistisch waren; Apostelgeschichte 19,17*). Trotz dem Widerstand der israelischen Juden glaubten all diese Leute an Jesus. Die israelischen Juden hingegen konnten in Jesus der fälschlichen Weise erwarteten nationalistischen Messias nicht sehen. Somit sind „tausende unter den Juden gläubig (Christ) geworden“ (Apostelgeschichte 21,20).

Hingegen bildeten die fundamentalistischen Juden ein ausschliesslich jüdisches fanatisches Lager. Es war ein gewalttätiges nationalistisches „Ghetto“. Dieses Lager widersetzte sich unerbitterlich dem anderen. Es strebte nur nach der „Wiederherstellung“ des Königreiches Davids in Palästina. Der Widerstand war so gewaltsam, dass es zur Verfolgung der Jünger Jesus kam. Sie mussten bei ihren Versammlungen „aus Furcht vor den (ungläubigen) Juden die Türen verschliessen“ (Johannes 20,19).

Die Trennung zwischen den zwei Lager war also vollkommen und die Worte Jesus haben sich erfüllt: „Ich bin nicht gekommen um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“. In der Tat, wurden viele Apostel durch das „Schwert“ umgebracht. Sie wurden gesteinigt wie Stephanus oder wortwörtlich „durch das Schwert“ umgebracht wie „Jakobus, der Bruder des Johannes“ (Apostelgeschichte 12,2).

Welches dieser Lager stellt für Gott das **wahre** Gesicht des Judentums dar? Sind es die am nationalistischen Ideal geklammerten Fundamentalisten, oder sind es die jüdischen Jünger Jesus, die sich in „universalisten“ umwandelten, nachdem sie sich von den Vorurteilen der engen und fanatischen Vision eines falsch verstandenen Judentums befreit hatten?

Jesus beantwortete selbst diese Frage, als er sagte: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten (d.h. die Bücher des Alten Testaments) aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu **erfüllen**… Wenn eure Gerechtigkeit nicht **weit grösser** ist als die der Schriftgelehrten und der Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 5,17-20).

Jesus ist also die **Vollendung** des Judentums und der wahre Jude ist derjenige, der sein Jünger wird: „Wenn du **vollkommen** sein willst… komm und folge mir nach“, sagt Jesus dem jungen reichen Mann, der die mosischen Gesetze buchstäblich und peinlich genau folgte (Matthäus 19,21). Nachdem Paulus, der selbst ein überzeugter Pharisäer war, dies verstanden hatte, sagte er zu den Juden: „Wenn ihr aber zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheissung“ (Galater 3,29).

Der wahre Jude gemäss dem Evangelium ist also derjenige, der Jünger Jesus wird. Die Juden, die ihn verleugnen sind keine wahren Juden. Sie sind die „falschen Juden“ und die „falschen Brüder“, diese „Eindringlinge“ wie Paulus sie nennt, „die sich eingeschlichen hatten, um argwöhnisch (die Christen) zu beobachten (Galater 2,4). Diese falschen Juden werden von Johannes als „Antichristen“ und „Verführer“ (1 Johannes 2,18-22 / 1 Johannes 4,2-3 / 2 Johannes 1,7) angeklagt. „Sie bekennen nicht, dass Jesus Christus im Fleisch gekommen ist“, sagt er weiter (2 Johannes 1,7). „Wenn jemand zu euch kommt und nicht diese Lehre mitbringt“, sagt Johannes, „dann nehmt ihn nicht in euer Haus auf, und verweigert ihm den Gruss. Denn wer ihm den Gruss bietet, macht sich mitschuldig an seinen bösen Taten“ (2 Johannes 1,10). Das Buch der Offenbarung warnt uns vor ihr Wiedererscheinen am Ende der Zeiten. Sie werden darin als Leute bezeichnet, „die sich als Juden ausgeben; sie sind es aber nicht, sondern sind eine Synagoge des Satans“ (Offenbarung 2,9 & 3,9). Jesus selbst hatte ihre Vorfahrer angeklagt, sie hätten „den Teufel zum Vater“ und nicht Gott (Johannes 8,44). Diese modernen falschen Juden sind die israelischen Nationalisten.

### Die Lehren des Johannes Evangelium

Johannes interessiert sich weniger an die Taten Jesus, sondern vielmehr an seine Lehre. Indem er die verschiedenen Diskussionen seines Meisters mit dem Einten oder Anderen wiedergibt, berichtet er ausführlich darüber. Er lässt uns selbst, die Lehre die Jesus den Menschen vermitteln wollte, entdecken.

Johannes macht keine Auflistung der Lehren Jesus. Er wendet sich am gesunden Verständnis derjenigen, die fähig sind zwischen den Zeilen zu lesen und dadurch die Lehre Christus aus seinen eigenen Worten in den verschiedenen Diskussionen oder Streitigkeiten ableiten.

Jesus benutzt oft die Gelegenheit eines scheinbar unwichtigen Ereignisses (z.B. *der Dialog mit der Samaritanerin*: Johannes 4), um eine Wahrheit zu offenbaren. Manchmal schafft er selbst die Gelegenheit, um eine wichtige Diskussion hervorzurufen. Seine Wundertaten hatten den indirekten und tieferen Zweck Diskussionen zu eröffnen, bei welchen er seinen Standpunkt verteidigen konnte. Zu einem solchen Anlass sprach er beispielsweise von der Tora, um das Irrtum, in welches sich die hebräische Gemeinschaft gestürzt hatte, aufzuheben.

Somit vollbrachte Jesus Wundertaten an einem Sabbat, um auszudrücken, dass eine vollkommene Tatlosigkeit, wie es die Juden verstanden, nicht notwendig war. Deshalb heilte er auch einen Gelähmten am Sabbat. Die Juden nahmen Anstoss daran und er benutzte diese Gelegenheit um zu sagen: „Mein Vater ist immer am Werk, und auch ich bin am Werk. Darum waren die Juden noch mehr darauf aus, ihn zu töten, weil er nicht nur den Sabbat brach, sondern auch Gott seinen Vater nannte und sich **damit Gott gleichstellte**“ (Johannes 5,17-18).

Johannes will uns vor allem diese Worte Jesus weitergeben: „Meine Lehre stammt nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat“ (Johannes 7,16). Diese Lehre Jesus wurde uns durch Johannes durch die folgenden Diskussionen, die Jesus hatte, mitgeteilt:

#### Aufbau des wahren Tempel (Johannes 2,13-22)

Streit Jesus mit den Juden im Tempel, als Er über dessen Zerstörung und über den Aufbau des wahren Tempels, nämlich den „Tempel seines Leibes“, d.h. seiner Person, sprach (siehe Offenbarung 21,22).

#### Dialog mit Nikodemus (Johannes 3,1-21)

Jesus offenbart die Notwendigkeit einer „neuen Geburt **im Geist**“. Man soll sich loslösen und von Vorurteilen befreien. Erst dann ist man fähig die Wahrheit zu sehen und sie auch objektiv auszuwählen, nachdem die irdischen Ketten gesprengt wurden, denn „was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist“ und lebt auf ewig.

#### Dialog mit der Samaritanerin (Johannes 4,1-42)

Jesus leitet einen Dialog mit einer Samaritanerin ein. Dabei verfolgt er drei Ziele:

1. Zerstörung des Hasses zwischen Juden und Samaritaner, einen Hass, der durch den Ausschluss unterstützt wurde: „Die Juden hatten in der Tat **keine Beziehungen** mit den Samaritaner“, erzählt Johannes (Johannes 4,9). Das Gleichnis des **guten** Samaritaners schockierte die Juden (Lukas 10,29-37). Diese freundliche Offenheit Jesus, einen Juden, erstaunte somit die Frau: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Johannes 4,9). Jesus macht einen antirassistischen Schritt.
2. Brechen der sozialen Vorurteile jener Zeit in der Mentalität seiner Jünger, die erstaunt waren darüber, dass er mit einer Frau redete (Johannes 4,27) und noch mehr mit einer Samaritanerin (Johannes 4,9).
3. Der wichtigste Grund bestand darin, dass er sich als Messias den Samaritanern offenbaren wollte (Johannes 4,25-26 / 4,41-42).

Beachte wie die Samaritaner an Jesus -wie empfängliche und unschuldige Kinder- glaubten, **nicht weil sie seine Wundertaten sahen**, sondern einfach, weil sie die Worte der Samaritanerin „**gehört haben**“ (Johannes 4,39-42). Die Juden waren hingegen zurückhaltend. Jesus selbst hatte zwei Tage später als er in Galiläa zurückgekehrt war, gesagt: “…Ein Prophet wird in seiner eigenen Heimat nicht geehrt“ (Johannes 4,44). In Kana sagte er nicht ohne Bitterkeit: „Wenn ihr nicht **Zeichen und Wunder seht**, glaubt ihr nicht“ (Johannes 4,48)… wie die Samaritaner, die keine Zeichen sahen und doch glaubten.

#### Die geistige Auferstehung (Johannes 5,1-47)

Es ist die Auferstehung **der Seele** durch den Empfang der Wahrheit, die Jesus verkündete. Sie wird als „erste Auferstehung“ genannt (Offenbarung 20,5-6). Jesus nimmt die Heilung eines Gelähmten zum Anlass, um seine göttliche Abstammung, seine „Gleichstellung mit Gott“ und „Gott selbst“, wie es die skandalisierten Hebräer sagten, zu offenbaren (Johannes 5,17-18 / Johannes 10,33). Zu jenem Anlass, kündigt Jesus noch an, dass „die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie hören, werden leben“ (Johannes 5,25). In anderen Worten, werden die Heiden, die von den Juden als Tod betrachtet werden, durch den Glauben an Jesus zum geistigen Leben kommen. Der Prophet Baruch sagte zu den verbannten Juden, die Mitte unter den als „**Toten**“, betrachteten Babylonier lebten: „Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde, siechst dahin in einem fremden Land, bist unrein geworden, den Toten (*die Babylonier*) gleich, wurdest zu den Abgeschiedenen gezählt?“ (Baruch 3,10-11).

Die Rückkehr der **Seele** zum Leben ist eine geistige Auferstehung, nämlich jene **der Seele** im menschlichen Körper, **noch hier** auf Erden. Jesus sagt in der Tat: „Die Stunde kommt, **und sie ist schon da**, in der die Toten (*die Sünder*) die Stimme des Sohnes Gottes hören werden; und alle, die sie (*mit Reue*) hören, werden leben“ (Johannes 5,25). Im Buch der Offenbarung wird sie „die erste Auferstehung genannt“ (Offenbarung 20,5-6).

Es handelt sich also nicht um die „zweite Auferstehung“, die **am Ende der Welt** stattfinden wird. Jesus erläutert sie: „Die Stunde kommt, in der die Guten zum Leben auferstehen werden und die Bösen zur Verdammung“ (d.h. zum ewigen Unglück: Johannes 5,28-29). Dieser definitive Tod wird in Offenbarung 20,6 der „zweite Tod“ genannt (der erste Tod ist physisch und der zweite Tod ist der Tod der Seele).

Beachte die **Ausdauer** des geheilten Behinderten: Seit „**achtunddreissig Jahre**“ versucht er geheilt zu werden, aber „ein anderer steigt vor ihm in das Wasser“. Jesus heilt ihn, weil er „erkannte, dass er **schon lange** krank war“ und dabei die Hoffnung auf Heilung nicht aufgab.

#### Das „Brot“ des Ewigen Lebens (Johannes 6,1-67)

Jesus vermehrt die Brote, um von einem anderen „Brot“, welches der Seele das Leben, das ewige Leben schenkt, zu sprechen. Auf gleicher Weise hatte er mit der Samaritanerin ausgehend vom Wasser des Jakobsbrunnen, über das „Wasser“ des ewigen Lebens gesprochen (Johannes 4,13-14).

Bevor Jesus aber das Wunder vollbrachte, wollte er Philippus und die anderen Aposteln „auf die Probe stellen“. Er selbst „wusste, was er tun wollte“. „Er fragte Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?“. Merke dir, dass er dies sagte um ihn „**auf die Probe zu stellen**“ (Johannes 6,5-6). Philippus war nämlich einer der Aposteln, der in Kana anwesend war, als Jesus dort den Wein vermehrte (Johannes 1,43-2 und 2,1-3). Deshalb hätte er wissen sollen, dass Jesus problemlos fähig war diese tausende von Menschen zu ernähren. Weder Andrea -auch in Kana anwesend- noch er selbst verstanden was der Messias vor hatte und was er machen konnte (Johannes 6,8). Sie hätten ihm antworten sollen: „Das kannst alles Herr! Du musst nur ein Wort sagen, wie in Kana, und es wir Brot für alle geben!“

Die zwei Wunder der Wein- und Brotvermehrung sollten gemeinsam betrachtet werden. Durch diese zwei Produkte gibt sich Jesus uns im geistigen Abendmahl. Ich habe bis jetzt noch nicht über das Wunder von Kana (Johannes 2,1-2) gesprochen, um es hier aufzugreifen.

Vergleiche die Glaubenshaltung Marias, die Hl. Jungrau, in Kana, mit derjenigen der Apostel bei der Brotvermehrung. In Kana ergreift sie die Initiative um Jesus zu fragen, dass er den Wein vermehrt. Die Apostel Philippus, Andrea und andere „Jünger waren auch eingeladen“ (Johannes 2,2). Trotzdem hatten Philippus und Andrea bei der Brotvermehrung keine Ahnung von der Absicht Jesus und dachte gar nicht an was er machen konnte. In Kana nahm Maria, seine Mutter, die Initiative und bat Jesus den Wein zu vermehren. Sie erreichte auch ihr Ziel, zur grossen Freude der Eingeladenen. Somit konnte Maria -derer Gott nichts ablehnen kann- der Zeit in welcher Jesus Wunder vollbringen sollte, vorgreifen (Johannes 2,4). Dies hätte Philippus und Andrea in ihrer Antwort zu Jesus betreffend dem Brot inspirieren sollen.

Ich muss hier auf eine schlechte Übersetzung hinweisen: Jesus, in Kana, sagte nicht zu seiner Mutter: „Was willst du von mir, Frau?…“, wie einige es übersetzen, sondern wörtlich: „Was (macht das) mir und dir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Johannes 2,4). In anderen Worten antwortet Jesus seiner Mutter, die ihm mitteilt, dass der Wein ausgegangen ist: „Was trifft es dich und mich? Es geht uns nicht an; es ist nicht unsere Sache. Es ist nicht meine Hochzeit und meine Stunde ist noch nicht gekommen! Bei meiner Hochzeit wird der Wein nicht fehlen. Der Wein hier ist nicht meine Sache“ So sind die Worte Jesus gemäss dem originalen, griechischen Text zu verstehen und zu übersetzen. Man sollte also nicht -wie einige es tun- die Antwort Jesus an seiner Mutter durch einen Mangel an Respekt ihr gegenüber interpretieren. Dies wäre eine unwürdige Haltung für den Messias… Vergessen wir vor allem nicht, dass Jesus schliesslich auf den Wunsch seiner Mutter einging.

Während der Auseinandersetzung mit den Juden, sagte Jesus zu ihnen: „Niemand kann zur mir kommen, wenn nicht der Vater ihn zur mir führt“ (Johannes 6,44). Er sagte dies, weil viele zu ihm kamen mit dem Glauben er sei der Messias-König vom **politischen** Israel. Sie waren also nicht durch den Geist des Vaters von Jesus angezogen. Diese Menge folgte Jesus nicht aus geistigen Gründen, sondern weil sie, wie Judas, durch politischen, wirtschaftlichen und irdischen Interessen angezogen war. Deshalb sagt Jesus zu ihr: „Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt“ (Johannes 6,27). Er meinte sein Fleisch und sein Blut, das Brot und der Wein des ewigen Lebens (Johannes 6,51-58). Nur wer durch den Vater angezogen wird kann die tiefe Bedeutung dieser **geistigen** Worte Jesus auch verstehen. Wer für die Materiellen Güter zu ihm kam, begriff seine Worte nicht und verliess ihn schlussendlich, wie es Judas später tat (Johannes 6,60-71).

#### L$$Eau de Vie (Johannes 7,37-39)

Als Jesus zu der Samaritanerin über das Wasser, dass er zum Trinken gibt, sprach, meinte er „den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben“ (Johannes 7,39). Man muss aber Durst nach diesem Geist, der der Seele das Leben gibt, haben, um von Ihm trinken zu können. Die Lauen sind ausgeschlossen. Jesus gibt diesen Geist in der Eucharistie „all jenen, die danach dürsten“ (Matthäus 26,27-28 / Offenbarung 22,17).

#### Rede von Jesus im Tempel (Johannes 7,1-53)

Das Laubhüttenfest, auch Fest der Ernte genannt (Exodus 23,16), erinnerte an den 40 jährigen Aufenthalt unter den Laubhütten in der Sinaiwüste (Levitikus 23,42-43). Zu diesem Fest pilgerten die Juden jedes Jahr nach Jerusalem, um Opfern im Tempel darzubringen. Dieses Fest wird heute noch in Israel gefeiert.

Die „Brüder“ Jesus, d.h. Einwohner aus Nazaret, sagten nicht ohne Ironie zu ihm: „Geh von hier fort, und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du vollbringst. Denn niemand wirkt im Verborgenen, wenn er öffentlich bekannt sein möchte. Wenn du dies tust, zeig dich der Welt“ (Johannes 7,3-4). Johannes erklärt gerade danach: „Auch seine Brüder glaubten nämlich nicht an ihn“ (Johannes 7,5).

Durch diese Worte zwingt uns der Evangelist nachzudenken: Warum drängen ihn seine Mitbürger nach Jerusalem zu gehen und sich dort vor der Welt zu zeigen, obwohl sie nicht an ihn glaubten? Sie wussten jedoch, dass „die Juden darauf aus waren, ihn zu töten“ (Johannes 7,1 / 7,13).

Diese Leute wandten sich scheinbar in einem zynischen und spöttischen Ton an Jesus. Sie **forderten** ihn heraus, sich vor dem Volk als der erwartete Messias vorzustellen. Sie glaubten nicht er sei fähig dieser erwartete politische Führer zu sein, der die, von nationaler Unabhängigkeit, durstigen Israelis befriedigen könnte. Vergessen wir nicht, dass selbst Johannes der Täufer und die Apostel Schwierigkeiten hatten, um die rein geistige Mission Jesus und sein moralisches Reich, dass „nicht von dieser Welt ist“, wie er es dem Pilatus offenbarte, zu verstehen (Johannes 18,35-37).

Diese Nazaräer sprachen zu Jesus im selben Geist wie der Teufel, als er ihm sagte: „Wenn du Gottes Sohn (*der Messias*) bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird… Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab“ (Matthäus 4,3-5). Im selben bösen Geist redeten auch die Leute, die Jesus auf dem Kreuz sahen: „Die Leute, die vorbeikamen, verhöhnten ihn, schüttelten den Kopf und riefen: Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz! Auch die Hohenpriester verhöhnten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, sich selbst kann er nicht helfen. Er ist doch der König von Israel! Er soll vom Kreuz herabsteigen (um das Königreich Davids wiederherzustellen), dann werden wir an ihn glauben… Er hat doch gesagt: Ich bin Gottes Sohn“ (Matthäus 27,39-44). Man soll aber „Gott nicht auf die Probe stellen“ (Deuteronomium 6,16).

Wir können verstehen weshalb Jesus zu seinen Mitbürger antwortete: „Meine Zeit (*um geistiger und weltweiter König zu sein*) ist noch nicht gekommen, für **euch** aber ist immer die rechte Zeit (*um den nationalistischen Messias zu erwarten*). Euch kann die Welt nicht hassen (*denn sie erwartet denselben Messias wie ihr und hat denselben Geist wie ihr*), mich aber hasst sie, weil ich (*durch meinen geistigen Messianismus*) bezeuge, dass ihre Taten böse sind. Geht ihr nur hinauf zum Fest; ich gehe nicht zu diesem Fest hinauf, weil meine Zeit (*um König zu sein*) noch nicht erfüllt ist“ (Johannes 7,6-8).

Jesus lehnte es ab mit „seinen Bruder“ von Galiläa aus nach Jerusalem zu gehen, denn er teilte ihren weltlichen und opportunistischen Geist nicht. Sie luden ihn nicht nach Jerusalem in einem Geist der Pilgerschaft und der inneren Sammlung ein, sondern im Geiste einer Wahlkampagne. Sie wollten ein religiöses Fest als Ausgangspunkt für ein politisches Ziel missbrauchen. Deshalb antwortete Jesus: „Ich gehe nicht zu diesem Fest hinauf“, d.h. ich gehe nicht mit euch, in diesem Geist. Johannes fügt hinzu, „als aber seine Brüder zum Fest hinaufgegangen waren, zog auch er hinauf, jedoch nicht öffentlich, sondern **heimlich**“ (Johannes 7,10). Jesus ging also nach Jerusalem, aber in einem ganz anderen Geist, da er „heimlich“ ging, ohne zu versuchen sich geltend zu machen oder bekannt zu werden, wie sie es dachten (Johannes 7,4).

Jesus lehnte es immer ab im Geiste einer schreienden Werbung in Erscheinung zu treten. Somit mussten „die Juden beim Fest nach ihm suchen“ (Johannes 7,11) und es war nicht Jesus, der nach der Öffentlichkeit suchte, wie es seine „Brüder“ gewünscht hätten. Hatte er nicht stets seinen Apostel empfohlen niemanden zu sagen, dass er der Messias sei? (Matthäus 16,20).

Gott sprach zu Jesaja über diesen zurückhaltenden Messias, als er ihn so beschrieb: „Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze; das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen. Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt… Er schreit nicht und lärmt nicht und lässt seine Stimme nicht auf der Strasse erschallen“, um Wahlreden zu halten und von der Welt bekannt zu werden (Jesaja 42,1-2). Einzig wer geistige Augen hat, um zu sehen, kann verstehen, dass Jesus der Messias, der Erwählte Gottes ist: „Höre wer Ohren hat“, sagte Jesus oft (Lukas 14,35 / Matthäus 13,9).

Es geschah jedoch, dass Jesus manchmal seine Stimme ertönen liess. Es war aber immer um geistige Wahrheiten zu verkünden und von allen verstanden zu werden. Johannes sagt in der Tat: „Am letzten Tag des Festes, dem grossen Tag, stellte sich Jesus hin und **rief**: Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt. Wie die Schrift sagt: Aus seinem Inneren werden Ströme von lebendigem Wasser fliessen. Damit meinte er den Geist, den alle empfangen sollten, die an ihn glauben“ (Johannes 7,37-39; siehe auch Ezechiel 47,1-13 / Offenbarung 22,2). Als Jesus sich zur Samaritanerin wandte, sprach er vom selben lebendigem „Wasser“ (Johannes 4,13-14).

Der Messias versprach seinen Jünger weder irdisches Reich noch vergängliche Herrlichkeit, sondern den Geist Gottes, der im Menschen das Abbild Gottes wiederherstellt. Wer danach durstet und sich Jesus zuwendet, wird nie enttäuscht sein.

Die Mitbürger Jesus suchten nicht diesen göttlichen Geist. Sie hatten auch keinen Durst nach diesem Wasser. Die Jünger Jesus, hingegen, wollten nur an dieser lebenspendenden Quelle, die der Messias in ihnen öffnen sollte, trinken. Der Hl. Paulus betrachtete z.B. der mosische Kultus als nichtig gegenüber dem Glauben an Jesus. Er sagt: „Ich bin Hebräer von Hebräern, am achten Tag beschnitten, lebte als Pharisäer nach dem Gesetz, verfolgte voll Eifer die Kirche und war untadelig in der Gerechtigkeit, wie sie das Gesetz vorschreibt. Doch was mir damals ein Gewinn war, das habe ich um Christi willen als Verlust erkannt. Ja noch mehr: ich sehe alles als Verlust an, weil die Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, alles übertrifft. Seinetwegen habe ich alles aufgegeben und halte es für Unrat, um Christus zu gewinnen…“ (Philipper 3,5-8). Paulus, der einen grossen Durst nach dem Geist Jesus hatte, wurde nicht enttäuscht. Er war auch voll bewusst, dass er diesen Geist besass. Er sagte: „Und ich denke, dass auch ich den Geist Gottes habe“ (1 Korinther 7,40)… „Denn die (*wahren*) Beschnittenen sind wir, die wir im Geist Gottes dienen und uns in Christus Jesus rühmen“ (Philipper 3,3). Paulus hätte diese gelebten Worte nicht gesagt, wenn er sich vom Kultus der Tora begnügt hätte und er nicht vom Wasser Jesus gesättigt gewesen wäre.

Diese Worte über das Wasser des ewigen Lebens sind für uns, die wir diesen Bibelkurs studieren äusserst wichtig. Denn das Ziel unseres Studiums besteht darin, die Quelle dieses Wasser in uns zu entdecken, wie es Jesus versprochen hat. Wir sind also direkt und persönlich betroffen und interessiert. Deshalb sollten wir auch unsere „geistige Bilanz“ machen -wie am Anfang des Kurses empfohlen- um zu wissen, ob wir Durst nach diesem Wasser von Jesus haben, ob wir davon bereits getrunken haben und ob „Ströme von lebendigem Wasser in uns fliessen“ (Johannes 7,38). Können wir, wie Paulus, sagen: „Ich glaube, dass ich den Geist Gottes habe“? Denken wir wie Gott? Bin ich so wie er mich will? Falls dies auch stimmt, dann sind wir glücklich! Glücklich bist du! Dein Studium ist nicht vergebens.

Danken wir dem Messias der sein Leben hingab, um uns dieses Glück zu schenken. Und erlauben wir niemanden uns diesen „Schatz, den wir in zerbrechlichen Gefässen tragen“ zu rauben, „damit jedermann sieht, dass diese aussergewöhnliche Macht Gott gehört und nicht von uns kommt“, wie Paulus es sagt (2 Korinther 4,7). Bleiben wir in Gott, dann wir er uns auch beschützen.

#### Kontroverse zwischen Jesus und den Juden (Johannes 8,12-59)

In diesem gewaltsamen Streit zwischen Jesus und den Juden, offenbart Jesus, dass er immer handelt entsprechend dem, „was er beim Vater sieht und hört“. Hingegen handeln die Juden, die ihn ablehnen entsprechend dem „was sie von ihrem Vater hören… der Teufel“ (Johannes 8,38-44).

Die grosse und wichtige Lehre, die hinter diesen Worten steckt ist, dass wir -bewusst oder unbewusst- entsprechend dem, was wir im Geheimnis unserer Seele betrachten, handeln. Wir reproduzieren die Handlungen, die uns vom Geist, auf welchen wir hören, eingegeben werden. Neigt unser Herz zu Gott, dann drückt sich dies in unserem guten Verhalten aus. Sind wir hingegen vom Geist des Teufels angezogen, dann sind auch unsere Handlungen diabolisch. Die Juden wollten Jesus töten, weil sie „den Teufel zum Vater“ hatten. Sie waren vom herrschenden Geist des Teufels verführt und betrachteten ihn innerlich auch dauernd.

Der Mensch handelt schliesslich immer nach dem, was er anschaut und bewundert. Und der Teufel, dieser kriminelle Vater, war „ein Mörder von Anfang an“, sagte Jesus. Hatte er nicht bereits die Eltern der Menschheit verführt, indem er versuchte sie von Gott zu entfernen und somit ihre Seele zu töten? Die Apostel hingegen folgten Jesus nach, weil sie unbewusst Gott suchten. Sie schauten ihn an, ohne es zu wissen. Christus wollte es ihnen bewusst machen, als er am Abend seines Leidens sagte: „Niemand kommt zum Vater ausser durch mich… **Schon jetzt** kennt ihr ihn und **habt ihn gesehen**“ (Johannes 14,7). Zur gleichen Gelegenheit offenbarte er ihnen auch, dass sie unbewusst „den Beistand kennen, weil er bei ihnen bleibt und **in ihnen** (*bereits*) ist“ (Johannes 14,17).

#### Die Juden wollen einen nationalistischen Messias (Johannes 10,24)

Da umringten ihn die Juden und fragten ihn: „Wie lange noch willst du uns hinhalten? Wenn du der Messias bist, sag es uns offen! Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, aber ihr glaubt nicht“.

Die Juden wollen eine Antwort und zwar nicht, um sich den göttlichen Forderungen, die geistig sind, zu beugen, sondern damit sich Jesus vor ihren politischen Forderungen beugt. Sie wollten ihn zwingen den Führer einer aufständischen gewalttätigen Bewegung gegen die römische Besetzung zu werden. Sie wollten damit ausdrücken, dass sie, falls er der nationalistische Messias sei, bereit wären hinter ihm her zum Kampf zu gegen. Er hätte nur ein Wort aussprechen müssen und sie hätten sich bewaffnet.

Die jüdische Welt vergass die Worte des Propheten Jesaja über den Messias: „Der Geist des Herrn lässt sich nieder auf ihm… Er schlägt den Gewalttätigen mit dem Stock **seines Wortes** (*nicht mit dem Schwert*) und tötet den Schuldigen mit dem Hauch seines Mundes“ (Jesaja 11,2-4). Jesus hat es nie unterlassen die israelische Gewalttat durch die Macht des Wortes zu zerschlagen, um die Sünde des Nationalismus zu töten. Die Fanatiker aber lehnten es ab, auf ihn zu hören. Sie zogen es vor „in der Sünde zu sterben“ (Johannes 8,21-24), statt auf den Ehrgeiz der politischen Herrschaft zu verzichten. Auf gleicher Weise handeln die Israelis des 20. und 21. Jahrhunderts, die lieber sterben würden als, dass sie ihr Traum des „Grossisraels“ aufgeben würden.

#### Der Beistand, die Dreifaltigkeit (Johannes 14,16-31)

Johannes ist der Einzige, der uns so ausführlich über den Heiligen Geist berichtet (Johannes 15,26 / 16,7-15). Er ist dieser „Beistand“ (im griechischen „Paraclitos“ und im Hebräischen „Menahem“: Johannes 14,16 und 14,26), der die Apostel nach dem dramatischen Abschied Jesus unterstützen und trösten wird: „Der Vater wird euch **einen anderen** Beistand (*als ich*) geben… Ich werde euch nicht (*ohne mich*) als Waisen zurücklassen, sondern **ich** komme wieder zu euch (*durch diesen Beistand*)“ (Johannes 14,16-18). Beachte, dass es Jesus selbst ist, der unter der Gestalt des Geistes-Beistandes „wieder zu ihnen kommt“. Jesus und dieser Geist sind also eins, wie Jesus und der Vater eins sind. Der Vater, Jesus und der Geist sind also eins. Dieser Text offenbart die Dreifaltigkeit.

Der Trost ergibt sich aus der Tatsache, dass Christus sich nach seinem Tod nur denjenigen, die „ihn lieben“ (Johannes 14,21) offenbart, um sie zu trösten. Die Apostel verstehen aber diese Worte nicht. Sie stellen sich immer noch Jesus, als der nationalistische König Israels vor, der sich bald lebendig vor allen Juden offenbaren sollte. Deshalb fragen sie: „Warum willst du dich nur uns und nicht der Welt offenbaren?“ Und Jesus versucht bis zum letzten Augenblick zu erklären, dass das zu erwartende Reich nicht äusserlich ist, wie sie es meinten, sondern innerlich: „Mein Vater und ich werden zu ihm (derjenige der mich liebt) kommen und **bei ihm** wohnen“ (Johannes 14,23). Sie waren noch nicht fähig diese innere Dimension zu verstehen. Johannes schreibt diese Zeilen viel später, nachdem er selbst, die ganze Tiefe dieser Worte verstanden hatte. Er schrieb auch, um den anderen Judeo-Christen zu helfen, das falsche Judentum, welches unausweichlich zur tödlichen Konsequenz eines von Gott verworfenen Nationalismus führt, zu überwinden. Diese geistigen Lehren sind für die Menschen aller Jahrhunderte gültig… insbesondere für die Materialisten.

#### Der Name Gottes heiligen (Johannes 17,1-26)

Jesus betet laut, um uns die letzten Lehren vor seinem Abschied zu hinterlassen:

1\) Das ewige Leben besteht darin, „Gott und seinen Messias zu **kennen**“, d.h. das wahre Bild Gottes in sich zu haben und Ihn sich so vorzustellen wie er wirklich ist. Nur die Auserwählten erkennen dieses „Bild“ Gottes in Jesus und nehmen somit Anteil an das ewige Leben bereits hier auf Erden (Johannes 17,3). Der Hl Paulus sagt: „Wenn unser Evangelium dennoch verhüllt ist, ist es nur denen verhüllt, die verloren gehen; denn der Gott dieser Weltzeit hat das Denken der Ungläubigen verblendet. So strahlt ihnen der Glanz der Heilsbotschaft nicht auf, der Botschaft von der Herrlichkeit Christi, der Gottes **Ebenbild** ist“ (2 Korinther 4,3-4). Das lässt sich heute auf diejenigen, die das Tier der Apokalypse nicht erkennen, übertragen, diejenigen für welche das Buch der Offenbarung des Johannes verschlossen bleibt.

Auf die Ankunft eines zionistischen Messias zu drängen, bedeutet ein falsches Bild von Gott zu haben. Als Jesus uns sagte, wir sollten beten: „Geheiligt werde dein Namen“, dann lud er uns ein, unsere Vorstellung von Gott und von seinen Heilspläne für die Menschen zu reinigen. Unsere Sünden hindern uns, das göttliche Wesen in seiner Reinheit zu sehen. Ein kurzsichtiges Auge sieht ein verformtes Gesicht. Nicht das Gesicht ist krumm, sondern das Auge, welches hinschaut. „Vater, heile meine Augen; lass mich dich so sehen wie Du bist. Geheiligt werde dein Name in mir. Dein Name soll in mir wegen meiner Blindheit nicht verzerrt sein“. Jesus fragte den Blinden: „Was soll ich dir tun?“. Er antwortete: „Herr, ich möchte wieder sehen können“. Und Jesus heilte ihn gleich. Wir sollten ebenfalls diese Bitte mit Glauben an Jesus richten; und zwar mit dem Glauben, dass Jesus immer lebendig ist und dass er lebendig ist für immer, um uns zu erhören. Dann werden wir in unseren Herzen hören, wie er zu uns die gleichen Worte, wie damals dem Blinden, richtet: „Du sollst wieder sehen. Dein Glaube hat dir geholfen“ (Lukas 18,35-43). Jesus sagte er sei gekommen, um die Sehkraft, die **innere** Sehkraft, zu geben (Johannes 9,39-41).

„Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart“ sagt Jesus dem Vater (Johannes 17,6). Dieser Name ist nicht nur „Jahwe“, wie es dem Mose offenbart wurde, sondern ist eine tiefere und **innewohnende** Wahrheit, die mit Feuerbuchstaben im intimen Leben des Menschen geschrieben ist. **Gott** ist **im Herzen** der Gläubigen und die Hölle ist ein Herz ohne Gott. Gott ist das vollkommene Glück. Wer Gott so kennt wie er ist, geniesst das vollkommene Glück: „Gott ist die Liebe“ sagt Johannes (1 Johannes 4,16) und „wer (*Jesus*) nicht liebt, hat Gott nicht erkannt“ (*d.h. liebt ihn nicht*) sagt er weiter, denn „die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben“ (1 Johannes 4,9). Das ist der „Name“ Gottes, durch welcher wir ihn erkennen: die Liebe! Und es ist die **inkarnierte** Liebe: Der Messias! Dieser heilige Name ist für viele ein Stein des Anstosses. Für die Gläubigen ist er aber ewiges Leben. Das ist der durch Jesus offenbarte Name Gottes. Nur er allein konnte ihn offenbaren.

Jesus offenbarte dieser Name Gottes und er sagt uns er werde ihn „**noch** offenbaren“ (Johannes 17,26), d.h. in der Zukunft. Diese Offenbarung vollzieht sich **in uns** bis zu den letzten Zeiten, „damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, **in ihnen** ist und damit ich **in ihnen** bin“, sagt Jesus. Das Innewohnen Gottes muss also im Herzen der Gläubigen perfekt sein, damit sie von seiner Anwesenheit erfüllt werden. Der für immer lebende Messias wird ihnen weiterhin die Liebe, die vereint und die sich mit dem Vater vereint, lehren.

Diejenigen, die eine „Transzendenz“ Gottes predigen, haben von ihm ein fremdes und falsches Bild. Es entspricht nicht dem von Jesus offenbarte Name: Ein Name „**in uns**“, im Herzen des gläubigen Menschen, weil es die Liebe ist und Liebe ist nie transzendent. Der Name Gottes ist „Innewohnend“.

2\) „Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst“ (Johannes 17,15). Man sollte sich also nicht vereinsamen, wie es gewisse Religionsleute tun. Diese fürchten die Welt und haben Angst vor den Realitäten des täglichen Lebens und vor der Schwierigkeit des Zeugnisses für Jesus. Sie gleichen diesem furchterfüllten Diener, der sein einziges Talent in der Erde versteckt hatte und deswegen von seinem Meister verworfen wurde (Matthäus 25,24-30). Wir sind berufen „die Welt zu besiegen“, weil wir wissen, dass „Er, der in uns ist (*Jesus*), grösser ist als jener, der in der Welt ist (*Satan*)“ (1 Johannes 4). Die Apostel haben sich nie isoliert.

Nur wenn wir mit der Kraft Gottes in der Welt bleiben, werden wir fähig sein die Menschen guten Willens, die durch die List der Welt verirrt sind, zu retten. Diejenigen, die wie Jesus in der Welt leben und von Gott die wahre Erkenntnis und sein wahrer „Name“ kennen, fürchten es nicht „in Versuchung geführt zu werden“; durch ihr mutigen Kampf werden sie die mondänen Verführungen besiegen. Sie triumphieren über das Böse, „die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Matthäus 16,18). Man muss diesen Glauben haben!

#### „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Johannes 18,33-36)

Pilatus war **beunruhigt** und fragte Jesus, ob er nicht der König der Juden sei. Jesus antwortete: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt (Pilatus hätte also nicht beunruhigt sein sollen und hätte ihn nicht verhaften müssen). Wenn es von dieser Welt wäre, würden meine Leute (die Apostel und alle seine Jünger) kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde“. Jesus antwortete somit dem Pilatus, der offensichtlich beunruhigt war, denn er dachte Jesus würde sich als irdischer König Israels, anstelle von Herodes, der Freund der Römer, darstellen. Er wollte sich vergewissern, dass Jesus keinen Aufstand gegen Rom vorbereitete. Die Unruhe des Pilatus wurde **noch grösser**, als er hörte wie Jesus sich als „Sohn Gottes“ vorstellte: „Als Pilatus das hörte, wurde er noch ängstlicher…“, sagt Johannes (Johannes 19,8). Diese Gewissenskrise Pilatus wurde durch den warnenden Traum seiner Frau Claudia Procula zugunsten Jesus noch verstärkt (Matthäus 27,19). Nach der Überlieferung hat sie ihr Mann, nachdem dieser Jesus den Juden ausgeliefert hatte, verlassen. Sie ist Christin geworden.

Jesus drückt durch seine Antwort an Pilatus aus, dass seine Mission nicht gegen Rom gerichtet ist. Sonst hätte er all seiner Jünger befohlen einen Aufstand gegen Herodes und Cesar zu machen und mit der Gewalt der Waffen zu kämpfen „damit er (seinen Feinden) nicht ausgeliefert würde“. Alle seine Jünger erwarteten nur ein Wort von ihm, um sich zu erheben. Deshalb war Pilatus beunruhigt.

Die jüdischen Führer stellten Jesus vor Pilatus als einen gegen die Römer gerichteten Revolutionär dar. Lukas sagt, dass „man Jesus zu Pilatus führte. Dort brachten sie ihre Anklage gegen ihn vor; sie sagten: Wir haben festgestellt, dass dieser Mensch unser Volk zum Aufstand (gegen Rom) treibt, es davon abhält, dem Kaiser Steuer zu zahlen, und behauptet, er sei der Messias und König“ (Lukas 23,1-2).

Dieser Anspruch auf das Königreich beunruhigte Pilatus. Als er aber feststellte, dass Jesus nicht ein politisches Reich erstrebte, wollte er ihn freilassen (Lukas 23,13-16). „Aber die Juden schrieen: Wenn du ihn freilässt, **bist du kein Freund** des Kaisers; jeder, der sich als König ausgibt, lehnt sich gegen den Kaiser auf… Wir haben keinen König ausser dem Kaiser“ (Johannes 19,12-15). **Erst** nach dieser Ausrufung der einzigen Königsherrschaft des Kaisers „lieferte Pilatus ihnen Jesus aus, damit er gekreuzigt würde“ (Johannes 19,16). Der Stellvertreter des Kaisers konnte der Drohung, als Verräter des Kaisers betrachtet zu werden, nicht widerstehen. Er konnte Jesus nicht mehr begünstigen, nachdem er als aufrührerischen Terrorist gegen die römische Besatzung dargestellt wurde. Um einen heiligen Mann zu werden, hätte Pilatus „sich selbst Gewalt antun müssen“, indem er die gerechte Sache Jesus bis ans Ende unterstützt hätte. Dabei wäre er schändlich vor den Menschen gewesen, hätte aber die ewige Herrlichkeit des Himmels verdient.

Man sollte sich den bösen Willen der jüdischen Führer merken. Sie „wiegelten die Menge auf, lieber die Freilassung des Barabbas zu fordern“ und die Verurteilung Jesus zu verlangen (Markus 15,11). „Barabbas aber war ein Strassenräuber“ (Johannes 18,40), „ein berüchtigter Mann, der im Gefängnis war“ (Matthäus 27,16). Er sass im Gefängnis „zusammen mit anderen **Aufrührern**, die bei einem **Aufstand** (gegen die Römern) einen Mord begangen hatten“ (Markus 15,7). Der böse Wille der Juden erscheint in der Wahl des Aufrührers Barabbas, der ein „berühmter“ israelischer Nationalist der damaligen Zeit war, um ihn zu befreien. Hingegen liessen sie Jesus als revolutionären Aufrührer verurteilen, d.h. er wurde angeklagt das zu sein, was Barabbas effektiv war.

Beachte, dass die Apostel mit zwei Schwerte bewaffnet waren (Lukas 22,38). Sie glaubten noch an einen Aufstand gegen die offizielle Macht. Als Jesus über den bevorstehenden Entscheidungskampf sprach, meinte er der geistige Kampf, der die Apostel nach seiner Kreuzigung führen mussten: „Jetzt aber soll der, der einen Geldbeutel hat, ihn mitnehmen… Wer aber kein Geld hat, soll seinen Mantel verkaufen und sich dafür ein Schwert kaufen… Denn alles, was über mich gesagt ist, geht in Erfüllung“ (Lukas 22,36). Jesus meinte das Schwert des Wortes und der Seelenskraft, welches die Apostel in schweren Zeiten und in den bevorstehenden geistigen Kämpfen einsetzen sollten. Nämlich vor allem dann, wenn „alles, was über Jesus gesagt ist, in Erfüllung geht“, d.h. die bevorstehende Kreuzigung. Die Apostel haben aber diese Worte nicht verstanden. Sie meinten die Stunde des Aufstandes gegen Herodes und den Kaiser sei gekommen. Deshalb antworteten sie gleich: „Herr hier sind zwei Schwerte“. Müde von ihrem Unverständnis antwortete Christus: „Genug davon!“ (Lukas 22,35-38). Denn wie es Paulus später verstanden hat: „Das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes“ (Epheser 6,17). Im Buch der Offenbarung wird deutlich, dass das „Schwert“ für Christus nichts anderes als das Wort, nämlich die Macht des Wortes der Wahrheit ist: „Aus seinem Mund kam ein scharfes zweischneidiges Schwert“ (Offenbarung 1,16). „Ich werde sie mit dem Schwert aus **meinem Mund** bekämpfen“ (Offenbarung 2,16).

Im Garten des Ölberges, „als die Begleiter Jesus merkten, was ihm drohte, fragten sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug auf den Diener des Hohenpriesters ein und hieb ihm das rechte Ohr ab“. Jesus grief ein, um seine Leute daran zu hindern ihn mit dem Schwert zu befreien -wie er sich vor Pilatus äusserte- und sagte zu seinen Apostel: „Hört auf damit (*mit den Schwerte*)!“ (Lukas 22,49-51). Als die Jünger kein Befehl zum Kampf erhielten, „**da** verliessen ihn alle und flohen“ (Matthäus 26,56), so wie es Jesus gerade vorhergesagt hatte: „Die Stunde kommt, in der ihr versprengt werdet, jeder in sein Haus, und mich werdet ihr allein lassen“ (Johannes 16,32).

#### Johannes bleibt bis zur Wiederkunft Jesus (Johannes 21,22)

„Wenn ich will, dass er (*Johannes*) bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?…“

Jesus widmete diese Worte an Petrus und meinte damit Johannes, „der Jünger, den Jesus liebte“, wie Johannes sich selbst bezeichnet (Johannes 21,20). Wegen diesen Worten meinten die Jünger die Wiederkunft Christus sei bevorstehend und würde während der Lebenszeit Johannes noch stattfinden.

Dieser Glaube widerspiegelt sich in den Worten Paulus an die Thessaloniker: „Wir, die Lebenden, **die noch übrig sind, wenn der Herr (*Jesus*) kommt**…“ (1 Thessalonicher 4,15; wiederholt in 4,17).

Johannes wusste aber, dass er alt war und kurz vor seinem Sterben stand (er war ungefähr 95 Jahre alt, als er das Evangelium schrieb). Er wusste auch, dass „sich unter den Brüdern die Meinung, jener Jünger stirbt nicht (*vor der Wiederkunft Jesus*), verbreitet hatte“. Deshalb erklärt er die Worte des Retters: „Doch Jesus hatte zu Petrus nicht gesagt: Er stirbt nicht, sondern: Wenn ich will, dass er bis zu meinem Kommen bleibt, was geht das dich an?“ (Johannes 21,23).

Paulus, der ebenfalls an die bevorstehende Wiederkunft Jesus glaubte, hat seinen Fehler viel früher als der Zeitpunkt der Niederschrift des Johannes-Evangelium eingesehen. In seinem zweiten Brief an die Thessaloniker korrigiert Paulus was er im ersten Brief über die Wiederkunft Jesus schrieb. Er präzisiert auf folgender Weise: „Lasst euch nicht so schnell aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen, wenn in einem prophetischen Wort oder einer Rede oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da. Lasst euch durch niemand und auf keine Weise täuschen! Denn zuerst muss der Abfall von Gott kommen und der Mensch der Gesetzwidrigkeit erscheinen, der Widersacher“ (2 Thessalonicher 2,1-4). Dieser „Widersacher“, der durch Johannes „Antichrist“ genannt wird, ist der Widersacher Jesus Christus (1 Johannes 2,22).

Am Ende der Zeiten vor der Wiederkunft Jesus ist uns also ein grosses Zeichen, ein Merkzeichen für eine ganz bestimmte Zeit gegeben. Es ist das Erscheinen des Antichrists, das „Tier“, dass man erkennen muss (Offenbarung 13).

Das Buch der Offenbarung des Johannes wurde uns zu diesem Zweck hinterlassen. Es enthält die Offenbarungen an Johannes, die uns helfen die Identität dieses schrecklichen Feindes, der kurz vor der Wiederkunft Jesus erscheint, zu entdecken. In diesem Sinne bleibt Johannes in der Welt „bis zum Kommen Jesus“. Johannes ist immer noch in der Welt durch das Buch der Offenbarung, um die Gläubigen auf dieses Kommen vorzubereiten. Denn dank dieses heilsamen Buches wissen wir, dass der Antichrist heute auf Erde erschienen ist. Das Kommen Jesus ist also nicht mehr weit entfernt. Es hat sogar in einigen Seelen bereits begonnen.

Hier endet das Studium des Evangeliums und der Briefe des Johannes. Meine Erläuterungen über diese Briefe sollten genügen, damit du sie ohne besondere Schwierigkeiten lesen kannst.

Lies nun dieses Evangelium und die Briefe, bevor du zu den Briefen von Paulus übergehst.

### Die Briefe des Paulus

Um den Glauben der ersten Christen, die hauptsächlich Juden-Christen waren, zu stärken schrieb Paulus vierzehn Briefe. Seine hauptsächliche Sorge bestand darin, diese Gläubige vor den Feinden, die versuchten sie von Jesus zu entfernen, zu warnen. Diese Feinde waren die Juden, die ihm überall Widerstand leisteten. Sie wollten durch verschiedene Überlegungen die Neulinge zur Ausübung der Werke der Tora zurückbringen. Deshalb schreibt Paulus zu den Galater: „Ihr unvernünftigen Galater, wer hat euch verblendet?… Dies eine möchte ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist durch die Werke des Gesetzes (*Tora*) oder durch die Botschaft des Glaubens (*das Evangelium*) empfangen?“ (Galater 3,1-2). „Ich bin erstaunt, dass ihr euch so schnell von dem abwendet, der euch durch die Gnade Christi berufen hat… Es gibt nur einige Leute (*die ungläubigen Juden*), die euch verwirren und die das Evangelium Christi verfälschen wollen“ (Galater 1,6-7). Auf diese Weise wirkt der diabolische Geist des Antichristen.

Die beiden Briefe Paulus an die Römer und an die Galater sollten zusammen studiert werden. Sie behandeln dasselbe Problem: Zu verhindern, dass die Juden-Christen zur unnötigen Ausübung der Werke des Gesetzes (*Tora*) zurückkehrten: „Dass durch das Gesetz niemand vor Gott gerecht wird, ist offenkundig… Der aus **Glauben** Gerechte wird leben (*nicht durch den Kult*). Das Gesetz aber hat nichts mit den Glauben zu tun… Christus hat uns vom **Fluch des Gesetzes** freigekauft (*befreit*)“ (Galater 3,11-13). In seinem Brief an die Römer sagt Paulus weiter: „Denn wir sind der Überzeugung, dass der Mensch gerecht wird durch Glauben, unabhängig von Werken des Gesetzes (*Tora*)“ (Römer 3,28). Paulus ist bei den Juden verurteilt, denn er bezeichnete das Gesetz als Fluch. Das bekräftigte und verherrlichte ihn aber beim Vater und bei seinem Messias.

Die ganze Anstrengung Paulus bestand darin, diese zu Christen gewordenen Juden (die gewohnt waren die in den Büchern Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium vorgeschriebenen Kulten auszuüben) zu überzeugen, dass diese Werke des Kultus für das Leben der Seele steril sind. Allein der Glaube an Jesus als Messias, und nur dieser Glaube **allein**, ohne die Ausübung der Werke, kann den Menschen retten.

Nun kannst du den Brief an die Galater lesen.

Bevor du den Brief an die Römer liesst, solltest du wissen, dass Paulus ihn an die Christen in Rom widmete. Sie waren damals in zwei unterschiedliche und leider sich bekämpfende Gemeinschaften getrennt:

1. Diejenige der Juden-Christen bestehend aus den Juden, die an Jesus glaubten
2. Diejenige der Heiden-Christen bestehend aus den Heiden (in der Mehrheit Römer), die sich den Jünger Christi anschlossen.

Diese zwei Gemeinschaften verachteten sich gegenseitig. Die erste (mit den Juden) dachte die Heiden seien unwürdig Anteil an das Volk der Gläubigen zu haben. Diese Juden, die Jesus folgten meinten das Christentum sei nur für die einzigen Juden bestimmt. Sie hatten die **weltweite** Dimension der Botschaft Jesus nicht verstanden. Deshalb schreibt ihnen Paulus: „Ist denn Gott nur der Gott der Juden, nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden, da doch gilt: Gott ist „der Eine“. Er wird aufgrund des Glaubens sowohl die Beschnittenen (*Juden*) wie die Unbeschnittenen (*Heiden*) gerecht machen“ (Römer 3,29-30).

Die Gemeinschaft der Heiden-Christen verachtete ihrerseits diejenige der Juden-Christen und dachte mit Unrecht die Juden müssten vollständig aus dem Volk der Gläubigen ausgeschlossen werden, weil sie Jesus abgelehnt hatten. Paulus widerspricht sie indem er sagt: „Auch ich bin ein Israelit… Gott hat sein Volk nicht verstossen… Es gibt auch in der gegenwärtige Zeit **einen Rest**, der aus Gnade erwählt ist (*durch den Glauben an Jesus*) -aus Gnade, nicht mehr aufgrund von Werken (*des Kultus der Tora*)“ (Römer 11,1-6). Man dürfe also dieser „Rest“ bestehend aus Juden, die an Jesus glaubten und deshalb „auserwählt“ sind nicht ausschliessen. Der Fall wiederholt sich heute, denn viele Juden –wie die Bewegung „Jew for Jesus“- glauben, dass Jesus der Messias ist.

Durch solche ehrliche, wahre und friedliche Argumente versuchte Paulus die Einheit zwischen den Juden-Christen und den Heiden-Christen zu schaffen. Er lud die einen wie auch die anderen ein, „einander anzunehmen, wie auch Christus uns angenommen hat“ (Römer 15,7).

Die modernen (zionistischen) Israelis benützen solche Verse in diesem Brief um sich von den Christen aufnehmen zu lassen. Sie täuschen sie durch eine kluge, aber falsche Übersetzung dieser Worte und der Absicht Paulus. Durch diese Haltung versuchen die Zionisten die Unterstützung der christlichen Welt für den Staat Israel zu gewinnen. In den Worten Paulus geht es aber weder um den Staat Israel noch um die Israelis des 20. und 21. Jahrhunderts, sondern um diesen „auserwählten Rest“ (Römer 11,5), der in der Vergangenheit an Jesus geglaubt hat. Diese warmen Worte richten sich auch an die heutigen Juden, **die an Jesus glauben**. Die heutigen nationalistischen Hebräer, die Jesus ablehnen bilden den Antichrist (1 Johannes 2,22) und die „falschen Juden“, die von Jesus angeklagt wurden (Offenbarung 2,9 & 3,9).

Man darf nicht vergessen, dass Paulus den Juden die Bedingung für ihr Heil genannt hat. Er sagte deutlich: „Ebenso werden auch jene, **wenn sie nicht am Unglauben** (*d.h. ihre Ablehnung Jesus*) **festhalten**, wieder (*auf das Volk Gottes*) eingepfropft werden“ (Römer 11,23).

Diejenigen, die meinen, Paulus verteidige die Israelis von heute und den Staat Israel müssen sich folgendes merken:

1. Paulus war ein Hebräer, der ein Apostel Jesus geworden ist. Er verzichtete auf den jüdischen Kult und betrachtete ihn als nichtig und als Fluch.
2. Paulus hat die Widersacher Jesus heftig bekämpft. Er betrachtete sie als Feinde Gottes und der Menschen. Er sagt: „Die Juden haben sogar Jesus, den Herrn, und die Propheten getötet; auch uns haben sie verfolgt. Sie missfallen Gott und sind Feinde aller Menschen…“ (1 Thessalonicher 2,15-16).
3. Paulus sagt deutlich, dass die Schlussfolgerung seiner Überlegungen eine Niederlage für die Befürworter des Staates Israels bedeutet. Hingegen bedeuten sie den Sieg für die Auserwählten Jesus: „Das bedeutet: Was Israel erstrebt (*ein imperialistischer Staat*), hat es nicht erreicht. Nur der auserwählte Teil hat es erreicht (*die Jünger Jesus haben den Heiligen Geist bekommen und das Reich Gottes erreicht*); die übrigen wurden verstockt“ (Römer 11,7).

Der Brief an die Römer endet mit Grüssen, die an Mitgliedern der beiden Gemeinschaften gewidmeten sind. Er spricht jeder beim Name an, um sie zur Einheit zu verhelfen: Priska und Aquila waren jüdischer Abstammung (Römer 16,3) und Lukas erwähnt sie in Apostelgeschichte 18,1-2. Du wirst die Namen der von Paulus erwähnten Heiden-Christen lesen, als er ihnen alle eine letzte Empfehlung der Liebe gibt: „Grüsst einander mit dem heiligen Kuss“ (Römer 16,16).

Lies nun den Brief an die Römer mit der Erkenntnis, dass er diesen beiden Gemeinschaften gewidmet war mit dem Ziel sie in der Liebe des Messias Jesus, zu versöhnen und zu vereinigen. Dabei lud Paulus die ersten ein, sich über gewisse von Gott verurteilte pharisäische Betrachtungen zu erheben (siehe Matthäus 5,20) und die zweiten aufzupassen damit sie nicht selbst einer rassistischen Haltung unterliegen, indem sie die Juden grundsätzlich von der Chance des Glaubens an Jesus fernhalten wollten.

Paulus hat immer gelehrt, dass Juden und Heiden sich in Jesus finden: „Er (*Jesus*) vereinigte die beiden Teile (*Juden und Heiden*) und riss durch **sein Sterben** die trennende Wand **der Feindschaft** nieder. Er hob das Gesetz (*Tora*) samt seinen Geboten und Forderungen auf, um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen… Er versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib“ (Epheser 2,14-18).

Paulus wusste, dass seine Mission darin bestand, Gott und Christus den Heiden zu offenbaren (Apostelgeschichte 9,15). Deshalb erkannte er auch, dass er die Ausschliesslichkeit der Juden, die „ihn daran hinderten, den Heiden das Evangelium zu verkünden“ (1 Thessalonicher 2,16) bekämpfen musste.

Alle Briefe Paulus sind die Frucht dieser Kämpfe, um „den Sohn Gottes unter den Heiden zu verkünden“ (Galater 1,16). Er schätzte „die Gnade die ihm geschenkt wurde: Er sollte den Heiden als Evangelium den unergründlichen Reichtum Christi verkündigen“ (Epheser 3,8), und „zeigen wie reich und herrlich dieses Geheimnis unter den Völkern ist“ (Kolosser 1,27). Somit wurde er zum unbestreitbaren „Apostel der Heiden“ (Galater 2,8), wie es Jesus wollte (Apostelgeschichte 9,15).

Du kannst nun die anderen Briefe Paulus durchlesen, nachdem du dieser wichtige Punkt betreffend Paulus verstanden hast.

Die Briefe Petrus, Jakobus und Judas können leicht verstanden werden. Lies sie.

## Vierzehnte Lektion - Das Buch der Offenbarung von Johannes

Die Apokalypse oder Offenbarung des Hl. Johannes ist ein prophetisches Buch, welches Auskunft über die Ereignisse des 20. Jahrhunderts und deren Beteiligten gibt. Diese stürmische Zeit ist charakterisiert durch das Wiedererscheinen und die Niederlage des Tieres, der Antichrist, kurz vor der Rückkehr Christi.

Das Buch wurde an Johannes, der Jünger Jesu, im Jahr 95 offenbart.

Lies das Text: [„Der Schlüssel zur Apokalypse (Offenbarung)“](/de/der-schlussel-zur-apokalypse-offenbarung)

## Fünfzehnte Lektion - Studium verschiedener Themen

### Nach dem Tod

Lies den Text: [„Nach dem Tod“](/de/nach-dem-tod)

Du vervollständigst deine spirituelle Ausbildung, indem du dich der Inspiration des Korans öffnest. Studiere [„Ein Blick des Glaubens auf den Koran“](/de/glaubensbetrachtung-des-korans) und die Broschüre [„Der Antichrist im Islam“.](/de/der-antichrist-im-islam)

### Die Theologie

Die Kenntnis der „Theologie“ wird Deine „wissenschaftliche“ Ausbildung beenden und Dir helfen Dich geistig zu erheben. Jede Religion hat seine Theologie. Die christliche Theologie ist in zwei Teile aufgeteilt: Die Lehre und die moralische Theologie:

**Die Lehre**

Die wichtigsten Lehren, die wir kennen sollten und die sich auf die heiligen Schriften stützen:

- Gott Einer und Dreifaltigkeit
- Gott Schöpfer
- Gott fleischgeworden (Christologie)
- Die Sakramente
- Die Jungfrau Maria (Mariologie)
- Das Konzept des Volk Gottes usw.

Dieser Bibelkurs enthält verschiedene theologische Lehren.

Das Buch der Offenbarung hat neue Erleuchtungen gebracht, insbesondere bezüglich der Vorstellung des Gottesvolkes, eine Vorstellung, welche in den traditionellen theologischen Büchern unter dem Kapitel „Die Kirche“ behandelt wird, und bezüglich der Vorstellung des „Priesters“.

**Die moralische Theologie**

- Die zehn Gebote
- Die soziale und internationale Gerechtigkeit; usw.

Diese Moral lässt sich in einem einfachen Satz Jesus ausdrücken: „Liebe Gott und Deinen Nächsten wie Dich selbst“…

Hier endet die dritte Etappe dieses geistigen Wegweisers, der darin besteht -wie zu Beginn des Kurses erwähnt- der gewählte geistige Weg zu vertiefen.

## Referenzen

1. *„Die Bibel“*, Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, Altes und Neues Testament, Pattloch Verlag, 1983
2. *„Die Bibel“*, Die Heilige Schrift des Alten und Neuen Bundes, Herder-Bücherei, 1965
3. *„Der Koran“*, Übersetzung von Rudi Paret, Kohlhammer, 1983
4. *„Synopse der drei ersten Evangelien“*. Huck, Albert /Greeven, Heinrich, mit Beigabe der johanneischen Parallelstellen. Synopsis of the First Three Gospels with the Addition of the Johannine Parallels. (Griech.). Neu bearb. v. Heinrich Greeven, 13. völlig neubearb. A. 1981.
5. *„Philosophies Vivantes“*, 1931 und *„Wissenschaftler entdecken Gott!“*, Eduard Ostermann; Verlag: Scm Hänssler (2001)
6. *„Herders grosser Bibelatlas“*, Othmar Keel und Max Küchler, Biblisches Institut der Universität Freiburg, Schweiz, Verlag Herder Freiburg im Breisgau, 1989.
7. *„Keine Posaunen vor Jericho“*, Die archäologische Wahrheit über die Bibel, durch Israel Finkelstein, Neil A. Silberman und Miriam Magall (27. Oktober 2006)
8. *„Déluge et arche de Noé“* durch André Parrot (Verlag: „Cahiers d$$archéologie biblique“, 15 février 1955, S. 32
9. *„André Gide par lui-même“*, Ecrivains de toujours, Verlag du Seuil, Claude Martin, 1963

**Siehe auch**

- [„Glaubensbetrachtung des Korans“](/de/glaubensbetrachtung-des-korans)
- [„Die Christen und Israel“](/de/die-christen-und-israel)
- [„Der Antichrist und die Wiederkunft Christi“](/de/der-antichrist-und-die-wiederkunft-christi)
- [„Der Antichrist im Islam“](/de/der-antichrist-im-islam)
- Die Konferenzen: [„Die Bible widerlegt Israel“](/de/die-bibel-widerlegt-den-staat-israel)
- Die Konferenzen: [„Der eschatologische Schwindel“](/de/israel-die-prophezeite-eschatologische-mystifikation)

*Source: https://www.pierre2.net/de/der-bibelkurs*
